mini|Baptistenkirche in Urbach (Remstal) mini|Baptistenkirche in Saint Helier, Jersey mini|Baptistenkirche in Wolfsburg Als Baptisten werden Mitglieder einer evangelischen Konfessionsfamilie bezeichnet, zu deren besonderen Merkmalen die ausschließliche Praxis der Gläubigentaufe ebenso gehört wie die Betonung der Ortsgemeinde, die selbst für ihr Leben und ihre Lehre verantwortlich ist (Kongregationalismus). Wie die Täufer des 16. Jahrhunderts, auf die sie sich auch zum Teil berufen, setzten sich die Baptisten von Anfang an vehement für uneingeschränkte Glaubens- beziehungsweise Religionsfreiheit ein.

Die erste Baptistengemeinde entstand 1609 in Amsterdam mit 6–7 Gläubigen im Hinterzimmer einer Bäckerei. Die Gemeindemitglieder waren vor der Separatisten-Verfolgung aus England dorthin geflüchtet und hatten dort auch ihre Glaubenstaufe durchgeführt. Während sich ihr leitendes Mitglied John Smyth (1570?–1612) nach Anfeindungen, seine Glaubenstaufe sei eine „Selbsttaufe“ gewesen, bei der Mennonitengemeinde in Amsterdam taufen ließ und sich ihr letztlich auch anschloss, kehrten die anderen Mitglieder dieser Gemeinde mit dem ehemaligen Rechtsanwalt Thomas Helwys (1570?/1575?–1614 oder 1550–1616) etwa 1611 zur Gemeindegründung nach England zurück. In Frankreich ist der Baptismus seit 1820,Sébastian Fath: Une autre manière d'être chrétien en France: socio-histoire de l'implantation baptiste, 1810–1950. (= Histoire et société. N° 41). Labor et Fides, 2001, ISBN 2-8309-0990-9, S. 116. in Deutschland seit 1834 vertreten, von wo aus er sich in viele europäische Länder ausbreitete. Die Anfänge der baptistischen Bewegung in der Schweiz und in Österreich gehen auf 1847 zurück. Hauptverbreitungsgebiete der Baptisten, die weltweit zu den größten protestantischen Bekenntnisgemeinschaften gehören, sind Nordamerika und – mit einigem Abstand – Afrika und Asien. Die deutschen und meisten kontinentaleuropäischen Baptistenunionen gehen auf die Wirksamkeit des Vareler Kaufmanns Johann Gerhard Oncken zurück.

Name mini|Sandsteintafel im Giebel der Baptistenkirche Felde: [Gemeinde] getaufter Christen Die Bezeichnung „Baptisten“ leitet sich vom griechischen βαπτίζειv (baptizein), was „untertauchen“ und im übertragenen Sinne „taufen“ bedeutet, ab, im Englischen dann 'to baptize' („taufen“), baptism („Taufe“) und baptist („Täufer“). Die Täufer der Reformationszeit werden im englischen Sprachbereich anabaptists (wörtlich: „Wiedertäufer“) genannt, um sie von den späteren baptists („Baptisten“) sprachlich zu unterscheiden.

Bei dem Namen „Baptisten“ handelt es sich ursprünglich nicht um eine Selbstbezeichnung, sondern um einen Spottnamen, der später als Konfessionsbezeichnung übernommen worden ist. Auch deutsche Baptisten, deren Anfänge auf die erste Hälfte des 19. Jahrhunderts zurückgehen, taten sich mit dieser von außen kommenden Bezeichnung schwer. Sie nannten sich anfangs „Evangelisch Taufgesinnte (Baptisten) Gemeinden“Siehe dazu die im Artikel abgebildete Titelseite des Glaubensbekenntniß Evangelisch Taufgesinnter Gemeinden. oder auch „Gemeinden (gläubig) getaufter Christen“.Siehe dazu das Bild der Sandsteintafel im Giebel der Felder Baptistenkirche! Dass die meisten deutschen Baptistengemeinden sich als „Evangelisch-Freikirchliche Gemeinden“ – teils mit dem Zusatz „(Baptisten)“ – bezeichnen, hängt nicht mit der Ablehnung des ehemaligen Spottnamens zusammen, sondern mit einem im Jahr 1942 erfolgten Zusammenschluss der deutschen Baptisten mit zwei anderen Freikirchen. Im Zusammenhang dieser Vereinigung stellten sie ihren Namen in den Hintergrund, führen ihn jedoch in einem Klammerzusatz weiter: „Evangelisch-Freikirchliche Gemeinde (Baptisten)“.

Geschichte Vorgeschichte mini|Titelseite der sogenannten Schleitheimer Artikel von 1527 (eigentlich Brüderliche Vereinigung etlicher Kinder Gottes, ein frühes Dokument der Täuferbewegung, auf die sich Baptisten ideengeschichtlich beziehen) mini|hochkant|Titelseite des von Johann Ludwig Hinrichs 1840 abgefassten Glaubensbekenntniß der Evangelischen Taufgesinnten (Baptisten) Gemeinden in Amerika, Großbritanien, Hamburg pp und Jever„Großbritanien“ mit nur einem „n“ so im Original!

Die biblische Gültigkeit der Säuglingstaufe wurde bereits in vorreformatorischer Zeit – etwa durch die Waldenser – in Frage gestellt. In der Reformationszeit waren es die Täufer (von ihren Gegnern polemisch als „Wiedertäufer“ bezeichnet), die die Säuglingstaufe verwarfen. Eine Taufe – so die täuferischen Schleitheimer Artikel – sei nur dann biblisch und somit gültig, wenn die Täuflinge deren Sinn verstanden hätten, selber glaubten sowie die Taufe persönlich begehrten und forderten. Auch wenn die späteren Baptisten diese Taufauffassung und die dahinter stehende Ekklesiologie im Wesentlichen übernahmen, dürfen sie nicht als direkte Nachfahren der Täuferbewegung angesehen werden.

Anfänge Die Gründer der Baptisten waren beeinflusst von der englischen Reformation, die sich nach dem Tod Heinrichs VIII. vor allem dem Einfluss des Calvinismus öffnete und schließlich eine eigenständige Ausprägung, den Puritanismus, entwickelte. Daraus formten sich sowohl innerhalb als auch außerhalb der Anglikanischen Kirche drei Kirchentypen: die Presbyterianer, die Kongregationalisten und die kongregationalistisch geprägten Separatisten, auch Dissenters genannt.Zu Einzelheiten der Entwicklung des Kongregationalismus siehe den Artikel: Kongregationalismus im reformierten Online-Lexikon; eingesehen am 26. Januar 2008.

Zur letztgenannten Richtung gehörte auch die Gruppe von englischen Glaubensflüchtlingen, die sich 1608 unter der Leitung des ehemaligen anglikanischen Priesters John Smyth nach Amsterdam begeben hatte. Bald nach ihrer Ankunft konstituierte sich diese Gruppe als Gemeinde und entschied sich, um – so die Begründung – dem Wirken des Heiligen Geistes mehr Raum zu geben, gegen eine festgefügte gottesdienstliche Liturgie. In ihrer neuen Gottesdienstordnung war vorgesehen, den Gottesdienst mit einem Gebet und einer Lesung aus der Bibel zu beginnen, worauf eine Auslegung der Bibelstelle und ein Bibelgespräch in der Gemeinde folgte. Danach schlossen sich Predigten mehrerer Gemeindemitglieder an. Nach einem Aufruf, Arme finanziell zu unterstützen, endete der Gottesdienst mit einem Gebet. Smyth führte knapp ein Jahr später die Gläubigentaufe ein als die seinem Verständnis nach biblische und daher allein gültige Taufe. Er sah diesen Schritt für sich und die von ihm Getauften als einen Religionswechsel an: W.T. Whitley (Hrsg.): The Works of John Smyth. Band II, 1915, S. 564 f; zitiert nach J.D. Hughey: Die Baptisten. Lehre, Praxis, Geschichte. Kassel 1959, S. 70. Das Jahr 1609 gilt bei den Baptisten als das offizielle Gründungsjahr ihrer Konfessionsfamilie., eingesehen am 23. August 2009. Bei genauerer geschichtlicher Betrachtung muss jedoch von einem Entstehungsprozess ausgegangen werden, der 1609 seinen Anfang nahm und bis zirka 1641 andauerte.

Smyth hatte sich zunächst in Ermangelung eines Täufers selbst getauft, was ihm den Spottnamen self-baptist (Selbsttäufer) einbrachte, geriet darüber aber kurze Zeit später in einen Gewissenskonflikt. Er bat einen mennonitischen Geistlichen um die Glaubenstaufe, die er auch von diesem empfing. Während Smyth sich dadurch in der Folgezeit den waterländischen Mennoniten zuwandte, blieb sein Mitstreiter Thomas Helwys bei der anfänglich angenommenen Lehrvereinbarung, kehrte mit seinen Anhängern 1611 nach London zurück und gründete vor den Mauern der englischen Hauptstadt in Spitalfields 1612 die erste Baptistengemeinde Englands. Etwa gleichzeitig veröffentlichte er seine bereits 1610 abgefasste Schrift A Short Declaration of the Mystery of Iniquity, in welcher er sich unter anderem für die volle Religionsfreiheit des Individuums einsetzte und die Neutralität des Staates in Glaubens- und Gewissensfragen von König James Ⅰ. persönlich einforderte. Aufgrund dieser Schrift wurde Helwys verhaftet und ins Gefängnis gebracht, wo er nach einigen Jahren 1614 oder 1616 verstarb. Die von Helwys gegründete Gemeinde versuchte nach dessen Tod, Verbindung zu den niederländischen Mennoniten aufzunehmen, wurde dort aber aufgrund nicht überbrückbarer Lehrgegensätze abgewiesen. Während die Mennoniten den Eid kompromisslos verweigerten, waren die Baptisten bereit, ihn unter bestimmten Umständen (zum Beispiel als Huldigungseid) zu leisten. Auch in der Übernahme von politischen Ämtern sahen die Baptisten kein unüberwindbares Problem. Weitere Gegensätze bestanden in Fragen der Natur Christi und im Amtsverständnis. Eine Verwaltung der neutestamentlichen Ordnungen (Abendmahl und Taufe) durch Laien war für die niederländischen Mennoniten nicht vorstellbar.J.D. Hughey: Die Baptisten. Lehre, Praxis, Geschichte. Kassel 1959, S. 71f.

Unabhängig von diesen arminianisch geprägten Gemeinden, welche später als General Baptists bezeichnet wurden, entstanden spätestens 1638 um John Spilsbury, Richard Blunt und William Kiffin die sogenannten Particular Baptists, die der calvinistischen Prädestinationslehre anhingen. Diese Gruppe, die in ihrer Opposition zur Anglikanischen Kirche weniger radikal war als die General Baptists, führte 1641 die Taufe durch Untertauchen ein, während vorher die Glaubenstaufe mit Besprengung praktiziert worden war.H. Leon McBeth: The Baptist Heritage. Four Centuries of Baptist Witness. Nashville, Tennessee 1987, S. 39 ff.

Krise und Wachstum Neben der Ablösung vom Mennonitentum gehört auch eine innere Auseinandersetzung der jungen baptistischen Bewegung zum Entwicklungsprozess ihrer Gründungsgeschichte.

Bereits 1626 gab es fünf Gemeinden der General Baptists mit 150 Mitgliedern und 1644 sind allein in London – trotz Verfolgungen – sieben Gemeinden der Particular Baptists belegt.E. Brandt: Baptismus/Baptisten. In: Helmut Burkhardt, Uwe Swarat (Hrsg.): Evangelisches Lexikon für Theologie und Gemeinde. Band 1, R. Brockhaus, Wuppertal 1992, S. 175. Die Wachstumsphase blieb allerdings nicht ohne Krisen und erst 1833 schlossen sich die beiden baptistischen Bewegungen zusammen.Die Reformierten Baptisten verstehen sich als Nachfahren der Particular Baptists.

Trotz der Trennung hielt das starke Wachstum der Baptisten im Vereinigten Königreich bis 1689 an. Erst mit der Gewährung der allgemeinen Religionsfreiheit kam es zu einer gewissen Stagnation, die aber durch die Einflüsse der methodistischen Erweckungsbewegung überwunden wurde. Frucht dieser Bewegung war auch die von William Carey begründete Particular Baptist Missionary Society. Durch sie fand der Baptismus 1792 seinen Weg nach Asien und Afrika, wo das Engagement baptistischer Missionare innerhalb der britischen Kolonien 1838 zur Abschaffung der Sklaverei führte.

Theologische Richtungen