Das Aztekenreich (Klassisches Nahuatl: Ēxcān Tlahtōlōyān, [ˈjéːʃkaːn̥ t͡ɬaʔtoːˈlóːjaːn̥]) entstand aus dem Aztekischen Dreibund der drei Stadtstaaten Tenochtitlan, Texcoco und Tlacopan im heutigen Mexiko, welcher seine Wurzeln auf das Jahr 1428 zurückführt. Diese drei Stadtstaaten unter Führung von Tenochtitlan (gegründet 1325) beherrschten das Gebiet im und um das Tal von Mexiko und errichteten ein bedeutendes Reich, welches bis zu seiner Eroberung durch spanische Konquistadoren und ihre einheimischen Verbündeten unter Hernán Cortés 1521 existierte. Mit einer geschätzten Bevölkerung von 150.000 bis 200.000 Menschen zählte Tenochtitlan, die de facto Hauptstadt der Azteken, um das Jahr 1500 zu den größten Städten der Welt. Die Bevölkerung des gesamten Reiches wurde auf 5 bis 6 Millionen geschätzt.

Die Dreierallianz entstand aus den siegreichen Fraktionen eines Bürgerkriegs, der zwischen der Stadt Azcapotzalco und ihren ehemaligen Nebenprovinzen ausgetragen wurde. Trotz der anfänglichen Konzeption des Reiches als Allianz dreier selbstverwalteter Stadtstaaten wurde Tenochtitlan militärisch schnell dominant.Hassig: Aztec Warfare: Imperial Expansion and Political Control. University of Oklahoma Press 1988 Als die Spanier 1519 eintrafen, wurden die Länder der Allianz effektiv von Tenochtitlan aus regiert, während die anderen Partner der Allianz untergeordnete Rollen übernommen hatten.Smith, The Archaeological Study of Empires and Imperialism in Pre-Hispanic Central Mexico, 2001

Das Bündnis führte Eroberungskriege und expandierte nach seiner Gründung rasch. Auf ihrem Höhepunkt kontrollierte die Allianz den größten Teil Zentralmexikos sowie einige weiter entfernte Gebiete innerhalb Mesoamerikas, wie z. B. die Provinz Xoconochco, eine aztekische Exklave in der Nähe der heutigen Grenze zu Guatemala. Die aztekische Herrschaft wurde von Forschern als hegemonial oder indirekt beschrieben. Die Azteken ließen die Herrscher der eroberten Städte an der Macht, solange sie sich bereit erklärten, dem Bündnis halbjährlich Tribut zu zahlen und Militärkräfte bereitzustellen, wenn diese für die Kriegsanstrengungen der Azteken benötigt wurden. Im Gegenzug bot die kaiserliche Autorität Schutz und politische Stabilität und ermöglichte ein integriertes wirtschaftliches Netzwerk aus verschiedenen Städten und Völkern, die über beträchtliche lokale Autonomie verfügten.

Die Staatsreligion des Reiches war polytheistisch und betete ein vielfältiges Pantheon an, das Dutzende von Gottheiten umfasste. Es waren zahlreiche Kulte offiziell anerkannt. Bei den bedeutenden unter ihnen war die Gottheit im zentralen Tempelbezirk der Hauptstadt Tenochtitlan vertreten. Der Hauptkult war insbesondere der von Huitzilopochtli, dem kriegerischen Schutzgott der Mexica. Die Völker in den eroberten Provinzen durften ihre eigenen religiösen Traditionen beibehalten und frei fortführen, solange sie Huitzilopochtli in ihr lokales Pantheon aufnahmen.

Das Aztekenreich beruhte auf dem Volk der Mexica, welche den Nahua angehörten. Die dominante Sprache war Nahuatl, wobei unzählige lokale Sprachen gesprochen wurden.

Etymologie und Definition Das Wort Azteke im modernen Sprachgebrauch wäre von den Menschen selbst nicht benutzt worden. Es wurde auf verschiedene Weise verwendet, um das Reich der Dreierallianz, das Nahuatl-Volk in Zentralmexiko vor der spanischen Eroberung oder speziell die Ethnizität der Mexica unter den Nahuatl-Völker zu bezeichnen.Smith, 2009 Der Name stammt von einem Nahuatl-Wort, das „Volk von Aztlan“ bedeutet und den mythischen Ursprungsort der Nahua-Völker widerspiegelt.Smith, 1984 Für die Zwecke dieses Artikels bezieht sich „aztekisch“ nur auf die Städte, die die Dreierallianz bildeten oder der Dreierallianz unterlagen. Für die breitere Verwendung des Begriffs siehe den Artikel über die Azteken.

Geschichte Vorgeschichte mini|Abbildung der Azteken, welche die Migration der Mexica dokumentiert Die Nahua-Völker stammten von den Chichimeken-Völkern ab, die im frühen 13. Jahrhundert aus dem Norden nach Zentralmexiko einwanderten.Davies, 1973 Seite 3–22. Die Migrationsgeschichte der Mexica (Azteken) ähnelt der anderer zentralmexikanischer Staaten mit übernatürlichen Stätten, Personen und Ereignissen, die auf der Suche nach politischer Legitimation die irdische und göttliche Geschichte miteinander verbanden.Alfredo López Austin, “Aztec” in The Oxford Encyclopedia of Mesoamerican Culture, Band. 1, S. 68. Oxford University Press 2001. Nach den piktographischen Chroniken, in denen die Azteken ihre Geschichte festhielten, wurde der Herkunftsort Aztlán genannt. Frühe Migranten besiedelten das Tal von Mexiko und die umliegenden Flächen, indem sie eine Reihe unabhängiger Stadtstaaten gründeten. Diese frühen Nahua-Stadtstaaten oder Altepetl wurden von dynastischen Oberhäuptern regiert, die tlatoque (Singular, tlatoani) genannt wurden. Die meisten der bestehenden Siedlungen waren vor der Mexica-Migration von anderen indigenen Völkern errichtet worden.

Diese frühen Stadtstaaten führten gegeneinander verschiedene kleinere Kriege, aber aufgrund wechselnder Allianzen erlangte keine einzelne Stadt die Dominanz.Calnek, 1973 Die Mexica waren die letzten der Nahua-Migranten, die in Zentralmexiko ankamen. Sie drangen um das Jahr 1250 in das Tal von Mexiko ein, und zu diesem Zeitpunkt war der größte Teil des guten landwirtschaftlichen Bodens bereits beansprucht worden. Die Mexica überredeten den König von Culhuacan, einem kleinen Stadtstaat, der historisch wichtig als Zufluchtsort der Tolteken war, ihnen zu erlauben, sich in einem relativ unfruchtbaren Flecken Land namens Chapultepec niederzulassen. Die Mexica dienten dafür als Söldner für Culhuacan.Tezozomoc, Alvarado

Nachdem die Mexica Culhuacan in der Schlacht gedient hatten, ernannte der Herrscher eine seiner Töchter zur Herrscherin über die Mexica. Nach mythologischen Berichten der Indigenen opferten die Mexica sie stattdessen auf Befehl ihres Gottes Xipe Totec, indem sie ihre Haut abzogen.Tezozomoc, Alvarado 1975, Seiten 52–60. Als der Herrscher von Culhuacan davon erfuhr, griff er an und setzte seine Armee ein, um die Mexica mit Gewalt zu vertreiben. Die Mexica zogen auf eine Insel in der Mitte des Texcoco-See, wo ein Adler auf einem Opuntien-Kaktus nistete. Sie deuteten dies als ein Zeichen ihrer Götter und gründeten auf dieser Insel im Jahr ōme calli, oder „Zwei Häuser“ (1325 n. Chr.), ihre neue Stadt Tenochtitlan.

Aztekische Kriegsführung Die Mexica traten als erbitterte Krieger in den Vordergrund und konnten sich als Militärmacht etablieren. Die Bedeutung der Krieger und der integrale Charakter der Kriegsführung im politischen und religiösen Leben der Mexica trugen dazu bei, dass sie zur dominierenden Militärmacht wurden.

Der neue mexikanische Stadtstaat verbündete sich mit der Stadt Azcapotzalco und zollte seinem Herrscher, Tezozómoc, Tribut. Mit Unterstützung der Mexica begann Azcapotzalco sich zu einem kleinen Reich zu entwickeln. Bis zu diesem Zeitpunkt wurde der Herrscher der Mexica nicht als legitimer König anerkannt. Führer der Mexica baten einen der Könige von Culhuacan erfolgreich um eine Tochter, die in die Linie der Mexica einheiraten sollte. Ihr Sohn, Acamapichtli, wurde im Jahr 1372 als erster tlatoani (Herrscher) von Tenochtitlan inthronisiert.

Während die Tepaneken von Azcapotzalco ihre Herrschaft mit Hilfe der Mexica ausbauten, wuchs die Macht der Stadt Texcoco in Acolhua im östlichen Teil des Seebeckens. Schließlich brach ein Krieg zwischen den beiden Staaten aus, und die Mexica spielten eine entscheidende Rolle bei der Eroberung von Texcoco. Zu diesem Zeitpunkt war Tenochtitlan zu einer bedeutenden Stadt herangewachsen und wurde für seine Treue zu den Tepaneken mit der Aufnahme von Texcoco als tributpflichtige Provinz belohnt.Smith, 2009, Seite 46

Tepaneken-Krieg mini|Karte, welche die Expansion des Aztekenreiches dokumentiert Im Jahr 1426 starb der Tepaneken-König Tezozómoc, und die daraus resultierende Erbfolgekrise löste einen Bürgerkrieg zwischen potenziellen Nachfolgern aus. Die Mexica unterstützten Tezozomocs bevorzugten Erben Tayahauh, der zunächst als König inthronisiert wurde. Doch schon bald usurpierte sein Sohn Maxtla den Thron und wandte sich gegen Fraktionen, die sich gegen ihn stellten, darunter ihr Herrscher Chimalpopoca. Letzterer starb kurz darauf, möglicherweise ermordet von Maxtla.Davies, 1973

Der neue Herrscher der Mexica Itzcóatl widersetzte sich weiterhin Maxtla; er blockierte Tenochtitlan und forderte erhöhte Tributzahlungen.Smith, 2009, Seite 49 Maxtla wandte sich ebenfalls gegen Acolhua, und der König von Texcoco, Nezahualcoyotl, floh ins Exil. Nezahualcoyotl rekrutierte militärische Hilfe beim König von Huexotzinco, und die Mexica erhielten die Unterstützung der Dissidentenstadt Tlacopan. 1427 zogen Tenochtitlan, Texcoco, Tlacopan und Huexotzinco in den Krieg gegen Azcapotzalco und gingen 1428 als Sieger hervor.

Nach dem Krieg zog sich Huexotzinco zurück und 1430 schlossen die drei verbliebenen Städte einen Bündnis, das heute als Dreierbündnis bekannt ist. Die Ländereien der besiegten Tepaneken wurden unter den drei Städten aufgeteilt, deren Führer sich bereit erklärten, in künftigen Eroberungskriegen zusammenzuarbeiten. Das aus diesen Eroberungen erworbene Land sollte von den drei Städten gemeinsam gehalten werden. Die Tribute sollten so aufgeteilt werden, dass jeweils zwei Fünftel an Tenochtitlan und Texcoco und ein Fünftel an Tlacopan gingen. Jeder der drei Könige des Bündnisses nahm seinerseits den Titel „huey tlatoani“ („Älterer Sprecher“, oft mit „Kaiser“ übersetzt) an. In dieser Rolle hatte jeder von ihnen vorübergehend eine De-jure-Position über den Herrschern anderer Stadtstaaten (tlatoani) inne.Evans, 2008

In den nächsten 100 Jahren beherrschte die Tripelallianz aus Tenochtitlan, Texcoco und Tlacopan das Tal von Mexiko und dehnte ihre Macht bis an die Küsten des Golfs von Mexiko und des Pazifik aus. Tenochtitlan wurde allmählich zur dominierenden Macht in der Allianz. Zwei der wichtigsten Architekten dieses Bündnisses waren die Halbbrüder Tlacaélel und Moctezuma I., Neffen von Itzcóatl. Moctezuma folgte Itzcóatl schließlich 1440 als huey tlatoani nach. Tlacaelel besetzte den neu geschaffenen Titel cihuacóatl, der als „Premierminister“ oder „Vizekönig“ verstanden werden kann.

Reformen mini|350x350px|Genealogie der Herrscherfamilie von Tenochtitlan (gerundeter Rahmen: Frauen, violett: Cihuacoatl, rosa: Tlatoque, gelb: kolonialzeitliche tlatoque aus der Herrscherfamilie. Verwandtschaftsbeziehungen zu anderen Orten: AZ = Azcapotzalco, TE = Tetzcoco, TL = Tlatelolco) Kurz nach der Gründung der Dreierallianz leitete Itzcóatl weitreichende Reformen des aztekischen Staates und der Religion ein. Es wird behauptet, Tlacaelel habe die Verbrennung einiger oder der meisten der erhaltenen aztekischen Bücher angeordnet mit der Behauptung, sie enthielten Lügen und es sei „nicht klug, dass alle Menschen die Bilder kennen sollten“. Selbst wenn er solche Bücherverbrennungen anordnete, beschränkte er sich wahrscheinlich in erster Linie auf Dokumente, die politische Propaganda früherer Regime enthielten.