mini|hochkant=1.5|Klar abgegrenzte montane Waldstufe im Hochgebirge nahe Ushuaia (Feuerland, Argentinien) mini|hochkant=1.5|Submontaner/montaner Roteichenwald im zentralen Appalachen-Mittelgebirge (Virginia, USA)
Montane Höhenstufe (von = „Berge/Gebirge betreffend“ – auch Montanstufe, Mittelgebirgsstufe (engl. montane zone) und vereinzelt montane Vegetationsstufe, Berg-, Gebirgs-, Bergwald- oder auch einfach Waldstufe) ist die orographische Bezeichnung für die Höhenstufe der Vegetation vieler Gebirge oberhalb des planaren oder kollinen „Gebirgsfußes“.
Im Gegensatz zur kollinen Stufe steht die Montanstufe eindeutig unter dem Einfluss des jeweiligen Gebirgsklimas: Es ist bereits deutlich kühler (im weltweiten Mittel 3 bis 7° C mit einer deutlich verkürzten Vegetationsperiode) und niederschlagsreicher als in der Ebene,Dieter Heinrich, Manfred Hergt: Atlas zur Ökologie. Deutscher Taschenbuch Verlag, München 1990, ISBN 3-423-03228-6, S. 97.Jörg S. Pfadenhauer und Frank A. Klötzli: Vegetation der Erde. Springer Spektrum, Berlin/Heidelberg 2014, ISBN 978-3-642-41949-2, S. 74–78. sodass die Standortbedingungen für die Pflanzenwelt grundsätzlich extrazonal sind. Sehr häufig finden sich Bergwälder. Die Bergstufe ist im Allgemeinen von starken Hangneigungen und etlichen Erhebungen geprägt, deren Reliefenergie zwischen 200 und 1000 m innerhalb der Höhenstufe liegt.Andreas Heitkamp: Mehr als nur die Höhe, Der Versuch einer Typologie, Kapitel im Dossier Gebirgsbildung auf scinexx.de, 26. November 2004, abgerufen am 17. Juni 2020. Ihre Obergrenze liegt bei bewaldeten Gebirgen an der Waldgrenze und wird ansonsten nach den jeweiligen ökologischen Vorgaben bei einem bestimmten Wechsel der natürlichen Pflanzenformationen gezogen. Die nächsthöhere Vegetationsstufe ist die alpine Höhenstufe; bei bewaldeten Bergen wird noch eine subalpine Stufe dazwischen definiert.
Die Montanstufe wird oftmals weiter unterteilt, etwa (von unten nach oben) in sub- oder untermontan (schwer abgrenzbare Übergangsstufe zwischen der kollinen und der montanen Vegetation, die noch am Gebirgsfuß liegt, aber bereits spürbar unter dem Einfluss des Gebirgsklimas steht), tiefmontan, mittel-, hoch- oder obermontan (auch oreal genannt).Stichwort: oreal im Lexikon der Geowissenschaften auf spektrum.de, Spektrum Akademischer Verlag, Heidelberg 2000, abgerufen am 9. Juni 2020.
Nach einer Untersuchung von Christian Körner und anderen sind 5,29 % der Landoberfläche (ohne Antarktika) der montanen Höhenstufe zuzurechnen; das sind rund 43 % aller Gebirgsregionen.Christian Körner, Jens Paulsen und Eva M. Spehn: A definition of mountains and their bioclimatic belts for global comparisons of biodiversity data, in Alpine Botany 121, DOI:10.1007/s00035-011-0094-4, Table 2: The global area of bioclimatic mountain belts for rugged terrain, abgerufen am 2. Januar 2021
Nomenklatur Die Begriffe planar, kollin, montan, alpin und nival gehören in Geobotanik, Biogeographie und Ökologie zu der am weitesten verbreiteten, „klassischen“ Nomenklatur für Höhenstufen mit ihren jeweils typischen Klimata und der potenziellen natürlichen Vegetation. Obwohl sich diese Bezeichnungen, die aus der traditionellen Alpenforschung stammen, ursprünglich nur auf humide Gebirge der gemäßigten Breiten bezogen,Heinz Ellenberg: Vegetation Mitteleuropas mit den Alpen in ökologischer, dynamischer und historischer Sicht. 5., stark veränderte und verbesserte Auflage. Ulmer, Stuttgart 1996, ISBN 3-8001-2696-6. werden sie heute (mit den bereits beschriebenen Ausnahmen) auch für Gebirge anderer Klimazonen verwendet. Aufgrund dessen kann es keine allgemeingültigen Definitionen geben, da die Abstufung immer auf die tatsächlichen Verhältnisse eines konkreten Gebirges bezogen ist. Einige Autoren benutzen daher – insbesondere bei völlig andern ökologischen Verhältnissen – abweichende Bezeichnungen und Abfolgen, um Verwechslungen und falsche Schlussfolgerungen zu vermeiden.
Alternative Bezeichnungen Die vorgenannten Bezeichnungen sind für die gemäßigte Zone allgemein üblich. Für polare Gebirge wird keine Montanstufe definiert, da in den hohen Breiten bereits in der Ebene Tundra vorherrscht, die viele hundert Meter in die Höhe reicht und überall als alpine Vegetation beschrieben wird.Michael Richter (Autor), Wolf Dieter Blümel et al. (Hrsg.): Vegetationszonen der Erde. 1. Auflage, Klett-Perthes, Gotha/Stuttgart 2001, ISBN 3-623-00859-1, S. 295–298, 300, 304, 308, 312, 320, 395. Für andere Klimazonen wird die montane Stufe zum Teil nach der jeweiligen Zone mit den Vorsilben oro- oder supra- benannt: also oroboreal (Gebirgsnadelwald in borealen Gebirgen) oder supralaural (nemorale Bergwälder in lauralen Gebirgen), supradesertisch (Gebirgs-Wüstensteppe in Wüstengebirgen), supratropisch (Nebelwald in feuchttropischen Gebirgen) und – jeweils uneinheitlich, jedoch meist für eine montane Stufe: oromediterran oder supramediterran (Sommergrüner Laubwald in mediterranen Gebirgen).
Etliche Autoren bilden den Namen der Höhenstufen schlicht aus der typischen Vegetation: Bei humiden, kühlgemäßigten Gebirgen heißt die montane Region beispielsweise Buchen-Tannenstufe oder Eichen-Nadel-Mischwaldstufe. Darüber hinaus verwenden einige Autoren eigene Bezeichnungen – wie etwa der peruanische Geograph Javier Pulgar Vidal, der für die tropischen Anden zwei montane Bergregenwaldstufen der Yunga (Ost und West) sowie die darüber liegende Nebelwaldstufe der Quechua definierte. Der klassisch lateinamerikanische Begriff Tierra templada („gemäßigtes Land“) steht zumeist für eine submontane, selten für eine kolline Region. Tierra fria („kühles Land“) steht überall für Montanstufen. Da dieses Modell nicht auf der Vegetation beruht, sondern direkt auf das Klima bezogen ist, wird in den Randtropen für montane Höhen bisweilen auch der Begriff Tierra helada („kaltes Land“) verwendet, der in den Innertropen für (sub)alpine Höhenstufen steht.
Aus forstwirtschaftlicher SichtW. Kilian, F. Müller, F. Starlinger: Die forstlichen Wuchsgebiete Österreichs. Eine Naturraumgliederun nach waldökologischen Gesichtspunkten., Online PDF-Version, Forstliche Bundesversuchsanstalt, Wien 1994, ISSN 0374-9037, S. 10. und im allgemeinen Sprachgebrauch gehören die submontanen Laubwälder der kühlgemäßigten Zone noch zu den Tieflagen, während die montanen Mischwälder zu den Mittellagen gezählt werden. Die reinen Gebirgsnadelwälder bis zur Waldgrenze bilden in der Forstwirtschaft die Hochlagen. Dort werden sie mit der subalpinen Höhenstufe gleichgesetzt, während sie in anderen Wissenschaften mehrheitlich hoch- oder obermontan genannt werden.
Charakteristik Vorgaben mini|Submontaner Eichenwald im Naturschutzgebiet Ahrschleife mini|Montaner Nadelwald im Olympic-Nationalpark, Washington mini|Auf der Südhalbkugel bestimmen nur Laubwälder die montane Region (Sierra Teta bei Futaleufú, Chile)
Die Pflanzenformationen der montanen Höhenstufe unterscheiden sich deutlich – außer bei polaren (die bereits oberhalb der arktisch/antarktischen Baumgrenze liegen) oder vollariden Gebirgen (z.B. Ahaggar und Tibesti in der Sahara, Kunlun in Tibet) – von denen der tiefer gelegenen Regionen und somit von der Vegetations- oder Ökozone, in der das Gebirge liegt. Der negative Temperaturgradient führt in dieser Höhe zu Temperaturen, die um durchschnittlich mindestens 3–7° tiefer liegen. Entscheidender für die Flora der Montanstufe ist jedoch das humidere Klima durch ausreichende Niederschlagsmengen (siehe Steigungsregen), das bei fast allen Hochgebirgen (bis auf die vollariden und polaren Ausnahmen) eine montane Bewaldung ermöglicht (daher auch Waldstufe u. ä.). Selbst in trockenem Kontinentalklima, das in der Ebene nur baumfreie Steppen oder Halbwüsten zulässt (Beispiel: Karakorum), können im montanen Bereich Wälder gedeihen.
Bei den mittelmontanen Mischwäldern der Außertropen besteht auf den ersten Blick eine große Ähnlichkeit mit den Nadel-Laubmischwäldern der gemäßigten Klimazone sowie der hochmontanen („subalpinen“) Gebirgsnadelwälder mit der dunklen Taiga der borealen Zone. Die Bedingungen verschiedener Gebirge weisen allerdings aufgrund spezieller klimatischer Unterschiede – insbesondere zunehmend stärkeren Sonneneinstrahlung Richtung Äquator – und einer jeweils eigenen (isolierten) Stammesgeschichte des Arteninventars deutliche Unterschiede auf. So finden sich etwa bei den Gebirgen der gemäßigten Südhemisphäre in Patagonien und Neuseeland statt Laub-, Misch- und Nadelwälder im Aufgang der montanen Stufe immergrüne- und zur Waldgrenze hin sommergrüne Laubwälder, weil dort nie kälteverträgliche Nadelgehölze entstanden sind. Zusammen mit der extremeren Verteilung der Niederschläge und einer großen Vielfalt unterschiedlicher Standortfaktoren weichen sowohl die Montanwälder als auch die baumfreien Bergstufen der Nordhemisphäre immer stärker von den vergleichbaren geozonalen Vegetationszonen ab: Im Mittelmeerraum weisen sie deutlich mehr Arten auf, zudem sind mehr immergrüne Laubbäume vorhanden und in den hochmontanen Lagen dominieren nicht Fichten oder Tannen, sondern Kiefern und Wacholder. Die montanen Wälder der Tropen haben nur noch wenig mit den geozonal-gemäßigten Wäldern oder auch mit den nördlicheren Bergwäldern gemeinsam: In den trockeneren Gebirgen findet sich häufig offene Hartlaubvegetation, in den feuchteren montaner Lorbeerwald oder tropische Wolken- und Nebelwälder, die ausschließlich dort vorkommen.
Die Festsetzung der Unter- und Obergrenzen der einzelnen montanen Vegetationsstufen sowie ihre Anzahl hängt je nach Gebirge von den Unterschieden im Arteninventar ab. Eine für den kontinentalen Norden idealisierte Abfolge wäre etwa: submontan = Waldsteppe (Übergangslebensraum von der Steppe zum Laubwald) tiefmontan = Sommergrüner Laubwald (mittel)montan = Laub-Nadelmischwald hochmontan (vergleiche subalpin) = Gebirgsnadelwald bis zur Waldgrenze
Anwendung mini|Montaner Lorbeerwald am Kilimandscharo (Tansania) mini|Nicht überall reicht der höhere Niederschlag im Gebirge für Wald: „Saharo-montane“ Gebirgssteppen-Wüste im Ahaggar-Gebirge, Algerien