Der Batken-Konflikt war ein bewaffneter Konflikt zwischen der Islamischen Bewegung Usbekistan (IBU), einer islamistischen Miliz, auf der einen Seite und den kirgisischen Streitkräften mit Unterstützung der usbekischen Streitkräfte auf der anderen Seite.

Der Konflikt begann mit der Überquerung der tadschikisch-kirgisischen Grenze durch bewaffnete Kämpfer der IBU, die am 23. Juli 1999 erstmals auf kirgisischem Staatsgebiet gesichtet wurden. In den folgenden Wochen brachten die Kämpfer mehrere kirgisische Orte unter ihre Kontrolle und nahmen dabei Geiseln. Nachdem die kirgisischen Streitkräfte mit usbekischer Unterstützung ihre Präsenz in dem betroffenen Gebiet verstärkt hatten und ein Lösegeld an die Geiselnehmer gezahlt wurde, zogen sich diese vorerst nach Tadschikistan zurück. Ab dem 23. August begann eine zweite Offensive der IBU, die mit einem Vorstoß durch kirgisisches Gebiet in Richtung der usbekischen Grenze begann. Dieser Vorstoß konnte Anfang September nach einer Intensivierung der Kämpfe gestoppt werden. Den kirgisischen Streitkräften gelang es anschließend mit Unterstützung der usbekischen Luftwaffe und durch materielle Unterstützung aus Russland, die islamistischen Kämpfer zurückzudrängen. Am 18. Oktober gab der kirgisische Verteidigungsminister Essen Topojew die vollständige Vertreibung der IBU von kirgisischem Gebiet und damit das Ende der Kampfhandlungen im Batken-Konflikt bekannt.

Vorgeschichte Tendenzen der Islamisierung in Zentralasien Mit dem Zerfall der Sowjetunion und der Unabhängigkeit der zentralasiatischen Staaten im Jahr 1991 kam es zu einem islamischen Erwachen in der Region. Diese Entwicklung stand im Kontrast zur Religionspolitik der Sowjetunion, die den Einfluss des Islams in Kultur und Bildung zurückgedrängt hatte. Mit der Liberalisierung der Religionspolitik in den unabhängigen Staaten Zentralasiens und der verstärkten Zusammenarbeit mit anderen islamischen Ländern außerhalb der vormaligen Sowjetunion kam es zu einem Wiedererstarken islamischer Einflüsse insbesondere im Bereich der Bildung. Diese erneute Islamisierung der Region konzentrierte sich auf Grund der regional vergleichsweise hohen Bevölkerungsdichte und der Nähe zu Afghanistan im Süden, wo zahlreiche islamische Gruppierungen unterschiedlicher Art aktiv waren, auf das Ferghanatal und Tadschikistan. Neben der Wiederbelebung islamischer Bildung und Kultur kam es in den 1990er-Jahren auch zur Entstehung eines militanten Islamismus in Zentralasien, der im Tadschikischen Bürgerkrieg von 1992 bis 1997 erstmals deutlich sichtbar wurde. In dem Krieg waren mehrere islamistische Gruppen aktiv, darunter die Taliban und die islamistische Partei Dschamiat-i Islāmi. Der Krieg in Tadschikistan und die Erfolge der Taliban im Afghanischen Bürgerkrieg führten zu einer zunehmenden Wahrnehmung des Islamismus als Bedrohung für Zentralasien und für die mehrheitlich autoritären Systeme in der Region. Als Konsequenz wurde der Kampf gegen den Islamismus zu einer Priorität der Politik in den unabhängigen Republiken Zentralasiens, wobei der Zusammenbruch staatlicher Ordnung in Afghanistan und zeitweise auch in Tadschikistan als abschreckendes Beispiel für die Folge einer Ausbreitung des Islamismus genutzt wurden. Unterstützung erhielten die jungen Staaten dabei von Russland unter Boris Jelzin, der die Bekämpfung des Islamismus zu einem Schwerpunkt seiner Außenpolitik in der Gemeinschaft Unabhängiger Staaten (GUS) machte.

Entstehung der IBU mini|alternativtext=|Topografische Karte des Ferghanatals mit den Anrainerstaaten Kirgisistan, Usbekistan und Tadschikistan Die Islamische Bewegung Usbekistan (IBU) wurde 1998 in Afghanistan gegründet und verfolgte eine dschihadistisch-islamistische Agenda. Die Führungsfiguren der Bewegung waren die Usbeken Tahir Yoldashev und Dschuma Namangani, die in den 1990er-Jahren bereits in der Opposition gegen den usbekischen Präsidenten Islom Karimov aktiv waren. Die IBU unterhielt nach ihrer Gründung Lager und Ausbildungsstätten in Afghanistan und Tadschikistan, wo zumeist junge Männer für den militärischen Einsatz ausgebildet wurden. Die Bewegung agierte im Umfeld der Taliban, richtete ihre Aktivität dabei allerdings schwerpunktmäßig nach Usbekistan. Ziele waren dabei die Destabilisierung der usbekischen Regierung und der Aufbau eines Gottesstaates im Ferghanatal. Der Aufbau der IBU wurde maßgeblich durch Islamisten aus Usbekistan vorangetrieben, die durch die politische Repression und die strikte Bekämpfung des Islamismus aus Usbekistan vertrieben wurden. Die Rekrutierung von Kämpfern durch die IBU erfolgte insbesondere im kirgisisch-usbekischen Grenzgebiet, wo Armut, Perspektivlosigkeit und Arbeitslosigkeit für eine gesteigerte Attraktivität islamistischer Organisationen sorgten. Zudem schlossen sich nach dem Ende des Tadschikischen Bürgerkriegs durch den Friedensvertrag von Moskau zahlreiche Kämpfer der ehemaligen bewaffneten Opposition in Tadschikistan der IBU an. Am 16. Februar 1999 erschütterte die parallele Detonation von vier Autobomben die usbekische Hauptstadt Taschkent; zu dem Anschlag bekannte sich die IBU. In einer Erklärung vom April 1999 warfen Verantwortliche der IBU der usbekischen Regierung um Präsident Karimov eine politische Bekämpfung des Islams und die Bevorzugung von Juden und Christen in wichtigen Positionen im Staatsapparat vor. Auf diese Weise entwickelte sich die IBU zu einer der bedeutendsten und aktivsten islamistischen Gruppen in Zentralasien.

Entwicklung Kirgisistans nach seiner Unabhängigkeit mini|hochkant|Askar Akajew, erster Präsident des unabhängigen Kirgisistans Kirgisistan erklärte am 31. August 1991 seine Unabhängigkeit, nachdem es zuvor als Kirgisische Sozialistische Sowjetrepublik Teil der Sowjetunion gewesen war. Die prägende politische Figur in Kirgisistan nach der Unabhängigkeit war Askar Akajew, der bereits 1990 das neu geschaffene Amt des Präsidenten bekleidet hatte und bei der Präsidentschaftswahl 1991 ohne Gegenkandidaten als erster Präsident des unabhängigen Kirgisistans bestätigt wurde. Die Verfassung aus dem Jahr 1993 garantierte die Gewaltenteilung sowie zahlreiche Grundrechte. In den folgenden Jahren schränkte Akajew die in der Verfassung garantierten Grundrechte teilweise ein, darunter insbesondere die Presse- und die Meinungsfreiheit, und stärkte seine Machtposition durch ein Verfassungsreferendum im Jahr 1996. Dieses Vorgehen stieß insbesondere in den südlichen Gebieten Kirgisistans, die von einer großen usbekischen Minderheit geprägt sind, auf Ablehnung und eine wachsende Unzufriedenheit. Die wirtschaftliche Entwicklung des Landes war in den Jahren nach der Unabhängigkeit rückläufig: 1995 hatte sich das Bruttoinlandsprodukt Kirgisistans im Vergleich zu 1990 beinahe halbiert. Ab dem Jahr 1996 konnte durch Reformen in der Landwirtschaft und die Ausweitung der Goldförderung eine Trendwende zu wirtschaftlichem Wachstum vollzogen werden, wobei die wirtschaftlichen Entwicklung bereits in den Jahren 1998 und 1999 wieder an Dynamik verlor. Im Bereich der Sicherheitspolitik war Kirgisistan auf Grund zahlreicher umstrittener Grenzfragen mit allen Nachbarstaaten sowie durch die Gefahr durch islamistische Gruppen aus den Bürgerkriegsstaaten Afghanistan und Tadschikistan im Süden bereits früh in einer herausfordernden Situation. Den Kern der kirgisischen Streitkräfte bildeten ehemals sowjetische Einheiten, die nach der Unabhängigkeit in den Dienst der neu gegründeten kirgisischen Streitkräfte übergingen. Auf Grund geringer Investitionen in die Streitkräfte gab es neben diesen Einheiten jedoch anfangs nur wenige gut ausgebildete Soldaten und die materielle Ausrüstung der Streitkräfte war mangelhaft; über Kampfflugzeuge verfügten die kirgisischen Streitkräfte zu diesem Zeitpunkt noch nicht. Der Batken-Konflikt im Sommer 1999 traf demnach mit Kirgisistan einen Staat, der durch politische Konflikte, eine mangelnde wirtschaftliche Dynamik und die eingeschränkte Einsatzbereitschaft seiner Streitkräfte geschwächt war.

Verlauf (1999) Erste, friedliche Begegnung (23. Juli bis 4. August) Mit dem Ende der Kampfhandlungen in Tadschikistan und der Wiederherstellung der staatlichen Ordnung unter dem tadschikischen Präsidenten Emomalij Rahmon waren islamistische Gruppen im Land zu einer Neuorientierung gezwungen. Während einige von ihnen ihr Operationsgebiet nach Afghanistan verlagerten, setzte sich die IBU in den westlichen Ausläufern des Pamirs im Grenzgebiet zwischen Kirgisistan und Tadschikistan fest, wo sie weitestgehend frei von staatlicher Kontrolle agieren konnte. Insbesondere im Nohija Lachsch und in der Umgebung von Gharm konnte sich die IBU vorerst etablieren und ein System von Lagern und Ausbildungsstätten aufbauen. Bereits 1997 kam es vereinzelt zur Präsenz bewaffneter Kämpfer der IBU im kirgisischen Oblus Osch, diese wurden jedoch friedlich von der lokalen Bevölkerung gegen Bezahlung bewirtet. Die Situation verschärfte sich als die IBU verstärkt von der tadschikischen Regierung unter Druck gesetzt wurde. Zuvor hatten weite Teile der Vereinigten Tadschikischen Opposition (VTO) im Rahmen des Friedensprozesses in Tadschikistan ihre Waffen niedergelegt, woraufhin die übrigen bewaffneten Oppositionsgruppen als illegale Milizen verstärkt verfolgt wurden. Dabei wurden auch die Kämpfer der IBU aufgefordert, entweder die Waffen niederzulegen oder ihre Stellungen in Tadschikistan bis zum 1. Juli 1999 zu verlassen. Die Führung der IBU um Yoldashev und Namangani orientierte sich infolgedessen in Richtung Norden zur kirgisischen Grenze. Am 23. Juli 1999 kam es auf kirgisischem Gebiet nahe der Grenze zum Nohija Lachsch zur ersten Meldung bewaffneter, usbekischsprachiger Personengruppen, vorerst blieb die Situation aber friedlich. Am 31. Juli zeigte sich eine Gruppe von 14 bewaffneten Männern im kirgisischen Dorf Sardaly, die Personen kauften für 100 US-Dollar Weizen und Schafe und verließen das Dorf daraufhin. Ab dem 3. August reagierten die örtlichen Strafverfolgungsbehörden auf die vermehrte Präsenz bewaffneter Gruppen aus Tadschikistan, ein Krisenstab aus Angehörigen der lokalen Polizei und der kirgisischen Streitkräfte wurde gegründet und Versuche zur Kontaktaufnahme mit den Eindringlingen unternommen. Am 3. August konnte der Aufenthalt von 21 bewaffneten Kämpfern unter der Führung eines Warlords namens Abdulaziz in der Moschee von Sardaly bestätigt werden. Gegenüber der kirgisischen Seite gaben die Eindringlinge an, die Ankunft 200 weiterer Kämpfer zu erwarten und die Durchreise nach Usbekistan anzustreben, um dort gegen die Regierung um Präsident Karimov zu kämpfen. Gleichzeitig wurden die Entwicklungen in der Grenzregion in der Hauptstadt Bischkek mit Besorgnis aufgenommen. Der damalige kirgisische Premierminister Amengeldi Muraliev beriet mit Vertretern des Verteidigungsministeriums, des Ministeriums für nationale Sicherheit, des Innenministeriums und des Militärs über das weitere Vorgehen in der Region. Des Weiteren wurden kirgisische Soldaten aus dem Oblus Osch in der Region zusammengezogen. mini|Amengeldi Muraliev, der damalige Premierminister Kirgisistans

Geiselnahme und erste Eskalation (5. August bis 8. August)