mini|Das 1539 erbaute Rathaus war auch Sitz des Landgerichts
Das Landgericht Homberg an der Ohm war von 1821 bis 1879 ein erstinstanzliches Gericht der ordentlichen Gerichtsbarkeit in der Provinz Oberhessen des Großherzogtums Hessen mit Sitz in Homberg (Ohm).
Gründung Ab 1821 trennte das Großherzogtum Hessen auch auf der unteren Ebene die Rechtsprechung von der Verwaltung. Die bisher von den Ämtern wahrgenommenen Aufgaben wurden Landräten (zuständig für die Verwaltung) und Landgerichten (zuständig für die Rechtsprechung) übertragen. Dabei wurde der Bezirk des Landgerichts Homberg an der Ohm aus dem Amt Homberg an der Ohm, Teilen des Amts Romrod und den dem Staat zustehenden Anteilen am Eußergericht gebildet. Letzteres bildete ein Kondominat zwischen dem Großherzogtum und der Familie der Freiherren von Schenck zu Schweinsberg. An der Rechtsprechung waren die Freiherren von Schenck zu Schweinsberg hier fakultativ weiter beteiligt. Die Aufhebung der gerichtlichen, polizeilichen und administrativen Gerechtsame im gemeinschaftlichen Euser-Gericht vom 13. März 1822. In: Großherzoglich Hessisches Regierungsblatt Nr. 13 vom 10. April 1822, S. 168. Zeitgenössisch wird das so beschrieben: „Die streitige Gerichtsbarkeit […] zu Homberg [wird] auf bestimmte Amtstage von dem [staatlichen] Landrichter und dem von Schenkischen Amtsverweser gemeinschaftlich ausgeübt“. Wagner, S. 64. Allerdings war vorgesehen, dass bei Nichterscheinen des Schenkischen Amtsverwesers der staatliche Richter auch alleine entscheiden durfte. Die Aufhebung der gerichtlichen, polizeilichen und administrativen Gerechtsame im gemeinschaftlichen Euser-Gericht vom 13. März 1822. In: Großherzoglich Hessisches Regierungsblatt Nr. 13 vom 10. April 1822, S. 168. Die letzten Reste dieser kondominalen Rechtsprechung gingen erst im Zuge der Märzrevolution 1848 unter.
Übergeordnete Instanz für das Landgericht Homberg an der Ohm war das Hofgericht Gießen.
Bezirk Gemeinde Herkunft Zugang Abgang Anmerkung Angenrod Amt Romrod 1821 1839 Landgericht Alsfeld Appenrod Amt Homberg 1821 Arnshain Eußergericht 1821 Bernsburg Eußergericht 1821 Billertshausen Amt Romrod 1821 1839 Landgericht Alsfeld Bleidenrod Amt Homberg 1821 Burg-Gemünden Amt Homberg 1821 Büßfeld Amt Homberg 1821 Dannenrod Amt Homberg 1821 Deckenbach Amt Homberg 1821 Ehringshausen Amt Homberg 1821 Elpenrod Amt Homberg 1821 Erbenhausen Eußergericht 1821 Ermenrod Amt Homberg 1821 1831 An das Landgericht Grünberg Gleimenhain Amt Romrod 1821 Gontershausen Amt Homberg 1821 Haarhausen Amt Homberg 1821 Hainbach Amt Homberg 1821 Heimertshausen Amt Romrod 1821 Höingen Amt Homberg 1821 Homberg (Ohm) Amt Homberg 1821 Kirtorf Amt Romrod 1821 Lehrbach Eußergericht 1821 Leusel Amt Romrod 1821 1821 An das Landgericht Alsfeld Maulbach Amt Homberg 1821 Nieder-Gemünden Amt Homberg 1821 Nieder-Ofleiden Amt Homberg 1821 Ober-Gleen Eußergericht 1821 Ober-Ofleiden Amt Homberg 1821 Oberndorf Amt Homberg 1821 Otterbach Amt Homberg 1821 Rülfenrod Patrimonialgericht Rülfenrodder Freiherren Schenck zu Schweinsberg 1822 Schadenbach Amt Homberg 1821 Wahlen Eußergericht 1821 Zell Amt Romrod 1821 1823 An das Landgericht Alsfeld
Weitere Entwicklung Leusel wurde schon 1821 wieder abgetrennt und dem Landgericht Alsfeld zugeteilt.Die Zutheilung des Orts Leusel zu dem Landrathsbezirke Romrod und Landgericht und Rentamtsbezirke Alsfeld betreffend vom 15. September 1821. In: Großherzoglich Hessisches Regierungsblatt Nr. 47 vom 8. Oktober 1821, S. 602.
Als 1822 die Freiherren von Schenck zu Schweinsberg die Patrimonialgerichtsbarkeit in den Orten Herrmanstein, Rülfenrod und Wisselsheim an das Großherzogtum abtraten, wurde Rülfenrod dem Landgericht Homberg zugeteilt.Abtretung der Patrimonial-Gerechtsame in den Orten Herrmanstein, Rülfenrod und Wisselsheim betreffend vom 17. April 1822. In: Großherzoglich Hessisches Regierungsblatt Nr. 16 vom 29. Mai 1822, S. 187.
Zum Jahresanfang 1823 wurde die Gemeinde Zell an das Landgericht Alsfeld abgegeben.Die Zutheilung der Gemeinde Zell zum Landrathsbezirk Romrod, und zum Landgericht und Rentamt Alsfeld betreffend vom 14. Dezember 1822. In: Großherzoglich Hessisches Regierungsblatt Nr. 38 vom 27. Dezember 1822, S. 535.
1831 wurde die Gemeinde Ermenrod in den Bezirk des Landgerichts Grünberg übertragen.Bekanntmachung, die Zutheilung der Gemeinde Ermenrod zu dem Landrathsbezirke und Landgerichte Grünberg betreffend vom 19. Februar 1831. In: Großherzoglich Hessisches Regierungsblatt Nr. 19 vom 11. März 1831, S. 95.
1839 wechselten die Orte Angenrod und Billertshausen zum Landgericht Alsfeld.Bekanntmachung, die Trennung der Orte Angenrod und Billertshausen von dem Landgerichts- und Physicatsbezirke Homberg a. d. O. und deren Zutheilung zu dem Landgerichtsbezirke Alsfeld und Physicatsbezirke Romrod betreffend vom 19. April 1839. In: Großherzoglich Hessisches Regierungsblatt Nr. 16 vom 30. April 1839, S. 159.
Ende Mit dem Gerichtsverfassungsgesetz von 1877 wurden Organisation und Bezeichnungen der Gerichte reichsweit vereinheitlicht. Zum 1. Oktober 1879 hob das Großherzogtum Hessen deshalb die Landgerichte auf. Funktional ersetzt wurden sie durch Amtsgerichte. §§ 1, 3 Verordnung zur Ausführung des Deutschen Gerichtsverfassungsgesetzes und des Einführungsgesetzes zum Gerichtsverfassungsgesetze vom 14. Mai 1879. In: Großherzoglich Hessisches Regierungsblatt Nr. 15 vom 30. Mai 1879, S. 197f. So ersetzte nun das Amtsgericht Homberg an der Ohm das Landgericht Homberg an der Ohm. „Landgerichte“ nannten sich nun die den Amtsgerichten direkt übergeordneten Obergerichte. Das Amtsgericht Homberg an der Ohm wurde dem Bezirk des Landgerichts Gießen zugeordnet. §§ 2, 3 Verordnung zur Ausführung des Deutschen Gerichtsverfassungsgesetzes und des Einführungsgesetzes zum Gerichtsverfassungsgesetze vom 14. Mai 1879. In: Großherzoglich Hessisches Regierungsblatt Nr. 15 vom 30. Mai 1879, S. 197f.
Gerichtsgebäude Das Landgericht Homberg an der Ohm hatte seine Diensträume im Rathaus Homberg (Ohm).
Richter Folgende Richter wirkten am Gericht: Landrichter Ludwig Bötticher (1821–1824), später Landrat im Landratsbezirk Kirtorf Landrichter Georg Ludwig Klingelhöfer (1824–1864) Landrichter Ludwig Eckstorm (1865–1870) Landrichter Josef Weyer (1870–1873) Landrichter Wilhelm Eigenbrodt (1874–1879)
Literatur Otfried Keller: Die Gerichtsorganisation des Raumes Marburg im 19. und 20. Jahrhundert. Ein Beitrag zur Rechtsgeschichte der „Landschaft an d. Lahn“. Presseamt d. Stadt Marburg, Marburg 1982. ISBN 3-9800490-5-1
Einzelnachweise
Homberg Kategorie:Homberg (Ohm) Kategorie:Gerichtsgründung 1821 Kategorie:Aufgelöst 1879