mini|alt=Jutta Allmendinger spricht auf der re:publica 2023, die an einem Podium steht. Sie trägt eine beige Jacke über einem bunten Hemd und hat kurze Haare. Das Podium besteht aus weißen Plastikkisten, auf denen eine Wasserflasche steht. Hinter ihr befindet sich ein großes grünes Schild mit gezackten Kanten, auf dem „re:publica“ zu lesen ist. Der Hintergrund zeigt gestapelte Plastikkisten und ein blaues Schild mit dem wiederholten Schriftzug „CASH“ in blauen Buchstaben.|Jutta Allmendinger auf der re:publica 2023 Jutta Allmendinger (* 26. September 1956 in Mannheim) ist eine deutsche Soziologin. Sie war vom 1. April 2007 bis Ende August 2024 Präsidentin des Wissenschaftszentrums Berlin für Sozialforschung.

Im Jahr 2022 übernahm sie den Vorsitz des Gender Equality Advisory Councils (GEAC) der G7-Staaten und nahm in dieser Funktion am G7-Gipfel auf Schloss Elmau teil. Im Dezember 2022 übergab sie die Empfehlungen des G7-Gleichstellungsbeirats an Bundeskanzler Scholz.

Seit dem 1. Juni 2024 ist Allmendinger Vorsitzende der Wissenschaftlichen Kommission Niedersachsen (WKN), des wichtigsten Beratungsgremiums für Wissenschafts-, Forschungs- und Hochschulpolitik in dem Bundesland.

Leben

Berufliches Allmendinger studierte Soziologie und Sozialpsychologie an der Universität Mannheim und war wissenschaftliche Mitarbeiterin am dortigen Zentrum für Umfragen, Methoden und Analysen (heute GESIS). Anschließend studierte sie Soziologie, Volkswirtschaftslehre und Statistik an der University of Wisconsin. An der Harvard University wurde sie 1987 promoviert (Ph.D.). Von 1988 bis 1991 war sie wissenschaftliche Angestellte am Max-Planck-Institut für Bildungsforschung in Berlin, danach an der Harvard Business School tätig. Sie habilitierte sich 1993 an der Freien Universität Berlin.

1992 erhielt sie einen Ruf als Professorin für Soziologie an der Ludwig-Maximilians-Universität München; seit 2003 war sie dort beurlaubt, um als Direktorin und erste Frau das Institut für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung (IAB) zu leiten (bis 2007). Von 1999 bis 2002 war Allmendinger als erste Frau Vorsitzende der Deutschen Gesellschaft für Soziologie.

Im April 2007 übernahm sie, wieder als erste Frau, die Leitung des Wissenschaftszentrums Berlin für Sozialforschung (WZB), die sie bis Ende August 2024 innehatte. Gleichzeitig wurde sie an der Humboldt-Universität zu Berlin zur Professorin für Bildungssoziologie und Arbeitsmarktforschung ernannt. Von 2012 bis 2026 war sie Honorarprofessorin für Soziologie an der Freien Universität Berlin.Jutta Allmendinger auf der Website des Wissenschaftszentrums Berlin.

Beiratstätigkeiten Allmendingers Tätigkeiten in Beiräten im In- und Ausland sind zahlreich.

Abgeschlossene Aufgaben Zwischen 2006 und 2012 war sie Mitglied der Wissenschaftlichen Kommission des Wissenschaftsrates, von 2007 bis 2011 in der von der Bundesregierung berufenen Expertenkommission für Forschung und Innovation (EFI). Im Jahr 2015 war sie gemeinsam mit Klaus Wowereit Vorsitzende der Kommission „Gleiche Rechte – gegen Diskriminierung aufgrund des Geschlechts“ der Antidiskriminierungsstelle des Bundes.

Darüber hinaus war sie Mitglied des Sozialbeirats für die Rentenversicherung der Bundesregierung (2008–2012), Mitglied des Hauptausschusses für Mindestarbeitsentgelte der Bundesregierung (2009–2015), Mitglied der High Level Economic Expert Group „Innovation for Growth“ (I4G) der Europäischen Kommission (2011–2014), Mitglied im Universitätsrat der Universität Mannheim (2019–2022), Mitglied der Kommission zur Evaluation des Infektionsschutzgesetztes (IfSG) der Bundesregierung (2021–2022), Mitglied im Kuratorium der Stiftung der Deutschen Wirtschaft (sdw) (2012–2025) sowie Mitglied des Goethe-Instituts (2014–2024).

Von 2012 bis 2017 war Allmendinger Mitglied im Kuratorium der Stiftung Bildung und ist seit 2017 Mitglied in dessen Beirat. 2017 war sie Vorsitzende der Jury des Innovationspreises Berlin Brandenburg, berufen von der Senatsverwaltung für Wirtschaft und dem brandenburgischen Wirtschaftsministerium.Jutta Allmendinger übernimmt Juryvorsitz für Innovationspreis Berlin Brandenburg. In: Focus online vom 4. Juli 2017, abgerufen am 25. Juli 2018. Darüber hinaus war sie von 2022 bis 2026 Mitglied des Advisory Boards des Oxford Internet Institutes.

Aktuelle Aufgabenfelder Seit 2016 ist Allmendinger Mitglied im Aufsichtsrat der Berliner Stadtreinigung (BSR) und seit Mai 2017 Mitglied im fünfköpfigen Herausgeberrat der Wochenzeitung Die Zeit.Kommt ZEIT, kommt Rat zeit.de, 10. Mai 2017. Seit 2015 ist sie Mitglied der Jury des Brandenburger Freiheitspreises. Zudem ist Allmendinger seit 2020 wissenschaftliches Mitglied des Rates der Berlin-Brandenburgischen Akademie der Wissenschaften (BBAW).

Die Universität Wien hat im Oktober 2022 Allmendinger als Mitglied des Universitätsrats für die Funktionsperiode vom 1. März 2023 bis zum 29. Februar 2028 bestellt; seit 2023 ist sie zudem Mitglied im International Advisory Council der Bocconi Universität Mailand.

Zum 10. Oktober 2024 wurde Jutta Allmendinger in den Deutschen Ethikrat berufen.

Am 3. Februar 2025 wurde Allmendinger für drei Jahre in die Wissenschaftlichen Kommission des Wissenschaftsrates berufen. Seit 2025 ist sie zudem Mitglied des Präsidiums von Plan International Deutschland. Am 23. Januar 2026 wurde sie für vier Jahre zum Mitglied des Kuratoriums der Stiftung Einstein Forum berufen.

Privates Allmendinger ist evangelisch und ist Mutter eines Sohnes,Berliner Zeitung Nr. 25, 30. Januar 2021, S. 6f. dessen Vater der Sozialwissenschaftler Stephan Leibfried war.

Akademische und politische Mitgliedschaften Jutta Allmendinger ist Mitglied der Berlin-Brandenburgischen Akademie der Wissenschaften, der Bayerischen Akademie der Wissenschaften,Bayerische Akademie der Wissenschaften wählt neue Mitglieder. Pressemeldung im Informationsdienst Wissenschaft vom 5. März 2010, abgerufen am 8. März 2010. der Deutschen Akademie der Naturforscher Leopoldina (seit 2007) sowie der Deutschen Akademie der Technikwissenschaften Acatech.

Am 20. Januar 2021 ernannte Papst Franziskus sie zum Mitglied der Päpstlichen Akademie der Sozialwissenschaften.

Sie ist Mitglied der SPD. 2019 lehnte sie ein Angebot von Lars Klingbeil ab, gemeinsam mit ihm für den SPD-Vorsitz zu kandidieren.

Lehre

Forschung In ihrer Forschung befasst sich Allmendinger vor allem mit der Frage, wie die Lebensverläufe der Menschen durch Institutionen etwa der Bildung, des Arbeitsmarktes, aber auch des Wohlfahrtsstaates geprägt werden. Ihr besonderes Interesse gilt der Untersuchung von Lebensverläufen hinsichtlich des Übergangs von der (Aus-)Bildung zum Arbeitsmarkt sowie der Verflechtung der Lebensverläufe von Frauen und Männern. Weitere wichtige Forschungsgebiete sind die Ungleichbehandlung der Geschlechter in der Arbeitswelt, speziell in Fragen der Arbeitsorganisation.

1999 führte Allmendinger den Begriff der Bildungsarmut in die stark ökonomisch geprägte arbeitsmarktpolitische Debatte in Deutschland ein. Sie und andere Bildungsexperten fordern die Abschaffung von Aufgaben, die zu Hause erledigt werden müssen. Dem könne aber kein Plädoyer gegen selbständig zu lösende Aufgaben von Seiten der Schüler, innerhalb der Schule selbst, entnommen werden.Nie wieder Hausaufgaben!? Es diskutieren Jutta Allmendinger und Joseph Kraus – Moderation: Manfred Götzke. Deutschlandfunk vom 14. August 2013, abgerufen am 25. Juli 2018.

Allmendinger war leitende Wissenschaftlerin der Kooperationsstudie Das Vermächtnis – Die Welt, die wir erleben wollen, deren Ergebnisse im Frühjahr 2016 vorgestellt wurden. Die repräsentative Studie untersuchte, welche Werte den Menschen in Deutschland wichtig sind und was sie an nachfolgende Generationen weitergeben wollen.

Es geht nur gemeinsam! Wie wir endlich Geschlechtergerechtigkeit erreichen (2021) Mit dem 2021 erschienenen Buch legt Allmendinger einen Fahrplan für mehr Gleichberechtigung zwischen Frauen und Männern vor. Laut ihren Analysen haben Frauen und Männer im Durchschnitt die gleichen Bildungschancen und steigen gleich in den Arbeitsmarkt ein. Die ungleichen Chancen zwischen beiden beginnt, sobald Frauen Kinder bekommen. Frauen mit Kindern erledigen mehr unbezahlte Care-Arbeit als Männer (Gender Care Gap), sie arbeiten häufiger in Teilzeit und verdienen daher weniger (Gender Pay Gap). Aus den vorgenannten Gründen haben Frauen weniger Chancen, in Führungspositionen aufzusteigen (Gender Position Gap) und sie haben im Rentenalter eine niedrigere Altersrente (Gender Pension Gap).

Die Retraditionalisierung – die Rückkehr in alte Rollenbilder –, die Deutschland laut Allmendinger seit Beginn der COVID-19-Pandemie Anfang 2020 ereilt hat, kann unter anderem nur aufgelöst werden, wenn sich Männer mehr an der Care-Arbeit beteiligen und berufstätige Mütter die Möglichkeit haben, wieder in die Büros zurückzukehren. Durch die Arbeit im Home Office sind sie weniger sichtbar und leisten parallel Aufgaben der Care-Arbeit. Des Weiteren zählt Allmendinger Instrumente wie eine Frauenquote für Führungspositionen, den Umbau des Ehegattensplittings, die Ausweitung des Entgelttransparenzgesetzes oder die Einführung einer 4-Tage-Woche auf, um Geschlechtergerechtigkeit zu erreichen.

Auszeichnungen und Preise

DAAD-Stipendium fürs Graduiertenstudium an der University of Wisconsin, Madison, USA (1983/84) Krupp Fellowship (1986) Harvard Dissertation Merit Fellowship (1987/88) Preis der Münchener Universitätsgesellschaft für außergewöhnliche Leistungen in der Lehre (1996) Fellowship des Center for Advanced Study in Behavioral Sciences, Stanford CA, USA (1996/97) Preis des Deutschen Frauenrings (2003) Communicator-Preis (2009) Berliner Frauenpreis (2011) TUM Distinguished Affiliate Professorship der Technischen Universität München (2011) Verdienstorden des Landes Berlin (2012) Soroptimist International Deutschland Förderpreis (2012) Waldemar-von-Knoeringen-Preis (2012) Schader-Preis (2013) Zum Tag der Deutschen Einheit 2013 erhielt sie von Bundespräsident Joachim Gauck das Verdienstkreuz 1. Klasse des Bundesverdienstkreuzes.Ordensverleihung zum Tag der Deutschen Einheit Mitteilung des Bundespräsidialamts vom 4. Oktober 2013, abgerufen am 25. Juli 2018. Ehrendoktorwürde der Universität Tampere (2014) Preis für herausragende Leistungen auf dem Gebiet der öffentlichen Wirksamkeit der Soziologie (2014) Senior Fellow am Center for European Studies der Harvard University (2015) Marsilius-Medaille der Universität Heidelberg (2016) Helge-Pross-Preis der Universität Siegen (2017) Thomas Mann Fellowship 2018 des Villa Aurora & Thomas Mann House e. V. Award „25 Frauen, die unsere Wirtschaft revolutionieren“ (2018) des Magazins Edition F Science Communication-Medaille im Rahmen der Wissenschaftsreihe beim Göttinger Literaturherbst (2020) Focus Top 100 Frauen 2021 Fellowship des Center for Advanced Studies der LMU-München (2021) German Diversity Award in der Kategorie „Personality of the Year“ der BeyondGenderAgenda (2021) Marie Juchacz-Frauenpreis 2022 BeyondGenderAgenda's Top 100 Women for Diversity 2023 Ausgezeichnet als „Top of the Table“: Die 100 entscheidenden Köpfe der deutschsprachigen Wissenschaftsszene (Research.Table) (2024) Trailblazer for Inclusion Award der Berlin International University of Applied Sciences (2024) August-Bebel-Preis (2025)

Ausgewählte Schriften Es geht nur gemeinsam! Wie wir endlich Geschlechtergerechtigkeit erreichen. Ullstein Taschenbuch, Berlin 2021, ISBN 978-3-548-06452-9 mit Jan Wetzel: Die Vertrauensfrage. Für eine neue Politik des Zusammenhalts. Bibliographisches Institut, Berlin 2020, ISBN 978-3-411-75642-1 Das Land, in dem wir leben wollen. Wie die Deutschen sich ihre Zukunft vorstellen. Pantheon, München 2017, ISBN 978-3-570-55347-3