Die Zweite Nordische Konvention zur bewaffneten Neutralität war eine vertragliche Vereinbarung abgeschlossen am 16. Dezember 1800 in St. Petersburg zunächst zwischen Russland und Schweden, der Dänemark und Preußen unverzüglich beitraten: Dänemark noch am 16. Dezember 1800, Preußen am 19. Dezember 1800. Zielsetzung der Vereinbarung war der Schutz des Seehandels neutraler Staaten gegen die Übergriffe kriegführender Mächte zur See. Hierzu wurde zunächst ein striktes Verbot festgelegt, auf neutralen Schiffen Kriegsmaterial mitzuführen, sogenannte Konterbande, weiter aber auch ein gegenseitiges Schutzbündnis der beteiligten Staaten festgeschrieben, den Handel zu See betreffend. Die Konvention wurde von den beteiligten Staaten über den Wortlaut hinaus sehr weit ausgelegt und von der zu dieser Zeit dominierenden Seemacht Großbritannien als Aggression verstanden. In der Folge kam es zu teils heftigen kriegerischen Aktionen, insbesondere zur ersten Seeschlacht von Kopenhagen am 2. April 1801.

Vorgeschichte Großbritannien befand sich seit dem Februar 1793 im Kriegszustand mit Frankreich und nutzte seine militärische Macht zur See dazu, den Seehandel mit Frankreich zu überwachen und die Lieferung kriegswichtiger Güter auf neutralen Schiffen zu unterbinden. Dies galt auch für Gebiete, die von Frankreich besetzt oder beherrscht wurden, insbesondere die Batavische Republik. Es kam häufig zu Durchsuchungen von Seehandelsschiffen neutraler Staaten auf hoher See durch Schiffe der britischen Kriegsmarine. Betroffen waren wenigstens Schiffe Schwedens und Dänemarks, später auch Russlands, als dieses im Oktober 1799 einseitig die Allianz des Zweiter Koalitionskriegs verließ und sich selbst als neutral betrachtete.

Die Überwachungsaktivitäten Großbritanniens zur See und Londoner Gerichtsurteile gegen aufgebrachte Seefahrer wurden in den genannten Staaten als aggressiv, überzogen und unzulässig hart empfunden. Schweden beschloss daher im April 1798 Schiffe mit einer Destination im Mittelmeer zu Konvois zusammenzufassen und von Kriegsschiffen eskortieren zu lassen. Dänemark folgte bald mit der gleichen Maßnahme. Nachdem die Briten zunächst einige Konvois durch den Ärmelkanal hatten passieren lassen, brachten sie dort am 4. Juli 1798 eine schwedische Fregatteder Name der Fregatte war Troja auf und zwangen sie mit allen Handelsschiffen ihres Konvois nach Margate zu segeln und durchsuchten dort alle schwedischen Schiffevgl. Lefebvre, S. 115. Wenig später erging es einem zweiten schwedischen Konvoi ebensodie begleitende Fregatte war "Hulla Fersen" unter Kapitän Cederström, der aufgrund dieses Vorfalls von einem schwedischen Kriegsgericht wegen Feigheit zum Tode verurteilt wurde.

Es kam im Dezember 1799 vor Gibraltar zu einem Zwischenfall zwischen englischen Fregatten und einem dänischen Kriegsschiffdie Fregatte Havfruen unter Kapitän van Dockum, das einen zivilen Konvoi begleitete und eine Durchsuchung der Schiffe zu verhindern versuchte und sogar das Feuer auf die britischen Schiffe eröffnete, aber bald den britischen Drohungen nachgab und mit dem ganzen Konvoi zur Durchsuchung in Gibraltar einliefvgl. Elsner, S. 260.

Auf Vorhaltungen der dänischen Regierung entgegnete der britische Gesandte in Kopenhagen: „Das Recht, Handelsschiffe in allen Meeren zu untersuchen ... betrachtet die britische Regierung als unbestreitbares Recht jeder kriegführenden Nation.“vgl. Elsner S. 259, der Name des Gesandten war Anthony Merry (2. August 1756 – 14. Juni 1835), das Datum war der 10. April 1800

Am 25. Juli 1800 verweigerte eine dänische FregatteName der Fregatte: Freya unter Kapitän Krapp. englischen Kriegsschiffen im Ärmelkanal die Durchsuchung des von ihr angeführten Konvois und drohte damit, das Feuer zu eröffnen. Daraufhin legte sich eines der englischen KriegsschiffeHMS Nemesis längsseits, feuerte eine ganze Breitseite in das dänische Schiff und schleppte es – nach kurzer Gegenwehr – mit 30 Kugeln im Rumpf in die Downs.vgl. Elsner, S. 260 Der gesamte Konvoi wurde gezwungen zu folgen, in den Schiffen wurde aber keine Konterbande gefunden.

Die britische Regierung sandte zur Abwendung dänischer Reaktionen im August 1800 Lord Witworth in die dänische Hauptstadt und zu seiner Unterstützung eine Flotte von neun Linienschiffen, fünf Fregatten und vier Kanonenbooten auf die Reede vor Kopenhagen. Die überraschten Dänen sahen sich außerstande mit militärischen Mitteln zu antworten und akzeptierten am 29. August 1800 eine Vereinbarung, die ihnen verbot, außerhalb des Mittelmeeres bewaffnete Konvois zu fahren andererseits den Briten bis auf weiteres erlaubte dänische Schiffe zu durchsuchen. Im Gegenzug erbot sich die britische Regierung das beschädigte dänische Kriegsschiff wieder herzustellen und herauszugeben.Alison Loc. cit.das dänische Kriegsschiff wurde am 9. September 1800 wieder freigegeben (siehe Saalfeld, Band 2,2, S. 293) mini|Zar Paul I., Ölgemälde des russischen Malers Stepan Schtschukin

Der russische Zar Paul I. reagierte heftig, als er von dem Vorfall und dem nachfolgenden Eindringen eines britischen Geschwaders in die Ostsee erfuhr: Unter dem Vorwand, der russische Seehandel in der Ostsee sei bedroht, belegte er am 23. August 1800 jedes englische Eigentum in Russland mit einem Arrest, der aber nach der Einigung zwischen Dänemark und England am 29. August 1800 wieder aufgehoben wurde.

Am 4. September 1800 brachten britische Fregattendie Namen der beiden Fregatten werden mit "Minotaurus" und "Niger" angegeben vor Barcelona eine schwedische Brigg auf und nutzten deren neutrale Flagge, um in den Hafen von Barcelona einzudringen und zwei neue FregattenSaalfeld, Band 2,2, S. 295 sagt, es seien Handelsfregatten gewesen, andere sagen, es seien Corvetten gewesen zu entführen, die für die holländischegenauer für die Marine der Republik Batavia Marine bestimmt waren. Trotz diplomatischer Irritationen gaben die Engländer die Schiffe nie zurück.

Am 5. September 1800 besetzten die Briten Malta, was den russischen Zaren als Großmeister des Malteserordens außerordentlich verärgerte. Ab September 1800 ließ Zar Paul I. Truppen zusammenziehen in Litauen, Wolhynien und an der türkischen Grenze.siehe Saalfeld, Alison loc. cit.

Am 4. Oktober 1800 brachte ein britischer Kreuzer in der Nordsee ein preußisches Schiff auf Fahrt nach Texel auf, das mit Schiffsbauholz beladen war, und verbrachte es in den Schutzhafen des hamburgischen Amtes Ritzebüttel.heute Cuxhaven Aus verlegener Hilfslosigkeit kaufte der Hamburger Senat das Schiff unter preußischem Druck zurück und übergab es seinem rechtmäßigen Eigner. Preußen benutzte diesen Vorfall aber als Vorwand, um am 23. November 1800 das Amt Ritzebüttel mit 2.000 Mann militärisch zu besetzen, angeblich, um zu verhindern, "dass ferner an der Elbmündung ähnliche Handlungen begangen würden".

Am 5. November 1800siehe Saalfeld, Alison loc. cit., nur Alison sagt, es sei der 7. November 1800 gewesen verfügte Zar Paul I., dass alle englische Handelsschiffe in russischen Häfen, etwa 300 an der Zahl, und die geladene Ware mit Arrest zu belegen sei. Die Mannschaften wurden als Gefangene in Gruppen zu 12 Mann weit in das Landesinnere verbracht. Damit war es unmöglich gemacht, dass die arrestierten Schiffe kurzfristig wieder in See stechen könnten. Als bekannt wurde, dass es einigen englischen Handelsschiffen gelungen war, aus dem Flusshafen von Narva dem Arrest zu entfliehen, ordnete Paul I. an, alle in Narva verbliebenen englischen Schiffe zu verbrennen.

Im Winter 1800 auf 1801 froren die arrestierten britischen Schiffe in den russischen Häfen ein und konnten monatelang nicht befreit werden.

Am 17. November 1800 befahl Paul I., alle Güter, die sich noch auf den arrestierten britischen Schiffen befanden, zu veräußern und den Erlös der Veräußerungen an diejenigen russischen Bürger auszuzahlen, die gegen England, einen seiner Bürger oder eine englische Körperschaften offene Forderungen hätten.

Verhandlungen und Abschluss in St. Petersburg mini|Per Krafft d. J.: Gustav IV. Adolf, 1809 Bereits im August 1800 hatte Zar Paul I. nach Vorgesprächen, die schon im Mai 1800 begannen, eine Einladung an die Höfe Schwedens, Dänemarks und Preußens versandt, um die Nordischen Konvention bewaffneter Neutralität wiederzubeleben, die seine Mutter Katharina II. im Jahre 1780 erstmals begründet hatte. Am 11. Dezember 1800 reiste nun der schwedische König Gustav IV. Adolf (Schweden) von Stockholm ab, um sich über Kopenhagen nach St. Petersburg zu begeben. Es genügte ein Tag der Verhandlungen der Bevollmächtigte Russlands und Schwedens und schon am 16. Dezember 1800 konnte der Vertragstext der zweiten Nordischen Konvention der bewaffneten Neutralität paraphiert werden. Am gleichen Tage trat Dänemark bei, Preußen am 19. Dezember 1800. Der schwedische König und der russische Zar ratifizierten den Vertrag am 20. Dezember 1800 in St. Petersburg.

Siehe auch: Zweite Nordische Konvention zur bewaffneten Neutralität (vollständiger Text)

Folgen Nach Abschluss des Vertrags zur zweiten Nordischen Konvention zur bewaffneten Neutralität belegte England am 14. Januar 1801 alle russischen, dänischen und schwedischen Schiffe in englischen Häfen mit einem unbefristeten Arrest.

Auf der anderen Seite erfolgten bi- und multilaterale Konsultationen zwischen den Beteiligten der Konvention mit dem ersten Ergebnis:

Dänemark und Schweden sollen den Öresund überwachen und gegebenenfalls für britische Kriegsschiffe sperren,

Dänemark und Preußen sollen die Küsten der Nordsee und die dort gelegenen Flussmündungen vor der Intervention britischer Kriegsschiffe schützen.

Zunächst blieb unklar, wie mit den Hansestädten zu verfahren sei, bis Zar Paul I. sich gegen eine Besetzung Hamburgs durch Preußen aussprach.

Am 4. März 1801 belegte Schweden alle englischen Handelsschiffe in schwedischen Häfen mit einem Arrest.

Besetzung Hamburgs und Lübecks durch dänisches Militär

Ende März 1801 wurden dänische Truppen unter dem Generalab 1814 Feldmarschall Prinz Karl von Hessen-Kassel im Raum Itzehoe bis Pinneberg zusammengezogen, 12.000 bis 14.000 Mann. Am Nachmittag des 28. März 1801 erhielt der Hamburger Senat eine Mitteilung des Prinzen Karl, seine Truppen würden am nächsten Tag die Befestigungsanlagen der Stadt Hamburg übernehmen und besetzen. Ergänzt war die Mitteilung um die Aufforderung, am nächsten Morgen die Stadttore zu öffnen, da sonst Gewalt angewandt werden würde. Eine Abordnung des Hamburger Senats begab sich am gleichen Tag ohne Verzug zu Prinz Karl nach Pinneberg, der den Gesandten, ohne in Verhandlungen einzutreten, ein schriftliches Manifest übergab, in dem dargelegt wurde, dass der dänische König die Okkupation Hamburgs als unerlässlich ansähe, um die Schifffahrt der neutralen Staaten zu schützen. In Hamburg versammelte sich noch in der folgenden Nacht die Bürgerschaft und beschloss gegen Morgen nach heftiger Debatte, keine Gegenwehr zu leisten, was auch nicht möglich gewesen wäre, da Hamburg keine eigenen Streitkräfte besaß.

Am nächsten Morgen, Palmsonntag, dem 29. März 1801, standen bereits um 5 Uhr morgens die ersten dänischen Truppen vor dem Hamburger Millerntor, darunter Prinz Karl persönlich. Zur gleichen Zeit traf eine Flottille dänischer Kanonenboote vor dem Hamburger Hafen ein, um den Forderungen des Prinzen Karl mehr Gewicht zu geben. Sehr rasch wurden die Stadttore geöffnet, die dänischen Truppen zogen in die Stadt ein, besetzten die Wallanlagen und ihre Bastionen, die Sternschanze und den Billwerder. Es wurden keine dänischen Truppen in Hamburg einquartiert, sie behielten ihre Quartiere im dänischen Umland, allerdings musste Hamburg täglich 1100 Taler für ihre Versorgung zahlen.

Obgleich die Dänen vorgaben, den freien Handel zu schützen, zögerten sie nicht, alle Seezeichen der Elbe östlich von Glückstadt zu beseitigen, um die Zufahrt zum Hamburger Hafen zu erschweren und ihren eigenen Hafen in Glückstadt zu begünstigen.