mini|Selbstporträt von 1958: Eric Bachmann mit einer Grossformat-Kamera Eric Bachmann (* 3. März 1940 in Zürich; † 20. Februar 2019 in Kaiserstuhl) war ein Schweizer Fotograf. Er arbeitete unter anderem für das Schweizer Fernsehen SRF und realisierte als freier Journalist zahlreiche Reportagen im Ausland.

Leben

mini|Eric Bachmann vor einem Schild beschriftet mit «J. Meiner Photographie», Zürich 1958. Im Fotostudio von Johannes Meiner in Zürich machte Bachmann seine Lehre. Eric Bachmann wurde in Zürich geboren. Seine ersten Schritte mit einem Fotoapparat machte er bereits als zehnjähriges Kind: Mit einer 6x9 Klappkamera fotografiert er im Zürcher Zoo Tiere und entdeckt seine Faszination für dieses Medium. 1956 begann er eine dreijährige Fotografenlehre beim Fotostudio J. Meiner & Sohn, das vor allem die gehobene Klientel vom Zürichberg und die Zünfter mit stilvollen Porträts bediente. Während Bachmanns Lehrzeit geriet der Betrieb finanziell ins Schleudern. Der Stift verblieb als einziger Angestellter, am Ende musste er seinen letzten Lehrlingslohn von 60 Franken mit einer Betreibungsdrohung einfordern.Nikon News 4/73 S. 10/11

Ab 1959 beteiligte sich Eric Bachmann am Aufbau der Fotoabteilung des Schweizer Fernsehens DRS, verliess aber schon 1962 die feste Anstellung und betätigte sich als freier Fotograf. Er begleitet das Medium Fernsehen während rund 40 Jahren mit seinen Fotos und beliefert zahlreiche Redaktionen mit Bildern von Kurt Felix, Regine Kempf, Sandra Studer, Peter Schellenberg und anderen.

Bachmann ist auch bei Interviews im Auftrag des Schweizer Fernsehens dabei, als Peter K. Wehrli als Kulturredakteur tätig war. Ein Beispiel hierfür ist das Interview mit Hulda Zumstag in der Kronenhalle am 23. Oktober 1966. Ebenso ist er beim Interview mit Patti Smith im Hotel Engimatthof vor ihrem Konzert in der Roten Fabrik am 12. Oktober 1976 anwesend und erstellt Bilder für die Presse.

Mehrere seiner Fotos der Zürcher Globuskrawalle von 1968 schafften es auf die Titelseiten von Tageszeitungen und prägten die öffentliche Wahrnehmung der Ereignisse.

Von 1963 bis 2001 unternahm Bachmann Reportagereisen in alle fünf Kontinente und Klimazonen. Er publizierte in Magazinen, Zeitungen und Büchern, bestritt Ausstellungen über Shetland, Leningrad, die 68er-Jahre und den Gränicher Wald. Daneben arbeitete Eric Bachmann regelmässig im freien Auftragsverhältnis für das SF DRS. Er begleitete mit seinen Fotos Fernsehproduktionen wie «Hits à Gogo», «Karussell» und «Showboat». Seine Aufnahmen ermöglichen heute interessante Einblicke in die Schweizer Show- und Fernsehkultur.

Wasserwerfer Test mini|Im Frühjahr 1969 stellte sich Fotograf Eric Bachmann in die Schusslinie eines Wasserwerfers und fotografierte mit Unterwasserkamera den Ringier-Redaktionschef. Wie nass wird man, wie weh tut es? Nach den Jugendprotesten von 1968 fotografiert Eric Bachmann den «Test» einer neuen Waffe der Zürcher Polizei.Es steckt also politische Brisanz in der neuen Waffe. Wie weit die Frage von Ruhe und Ordnung reicht und wie verunsichert die Öffentlichkeit in jenen Tagen ist, davon erzählt auch der merkwürdige Aufzug des Probanden: Robert Naef trägt Köfferchen und Krawatte – wie ein Passant, der auf der Strasse ins Schussfeld geraten könne, erklärt er. Das grösste Problem der «Anti-Krawall-Maschine» seien unschuldig getroffene Bürger, die zu «Demonstranten» werden könnten, zu «Aufwieglern» gegen die Polizei. Den Zorn auf den Wasserwerfer habe er am eigenen Leib erlebt, beteuert Naef. Aber die gewaltsame Rebellion währt ohnehin nur einen Sommer. 1969 bleiben die Wasserwerfer in der Garage, danach ebenso, und bevor es zu den Jugendunruhen von 1980 kommt, erleben sie nur einen grösseren Einsatz – während einer Dürre, als die Kartoffeläcker der Land wirtschaftsschule Strickhof Wasser brauchen.

Muhammad Ali mini|Muhammad Ali probiert im Schuhgeschäft Schönbächler an der Langstrasse Winterschuhe. Der Journalist Walter Bretschert und der Schuhverkäufer beraten ihn. Zu den Höhepunkten der fotografischen Karriere von Eric Bachmann gehört die Dokumentation des Aufenthaltes von Muhammad Ali in Zürich. Hier trat der Box-Champion am 26. Dezember 1971 zu einem Show-Kampf gegen seinen westdeutschen Widersacher Jürgen Blin an. Der Kampf endete in der siebten Runde mit einem Sieg durch K. o. Insgesamt blieb Muhammad Ali zehn Tage in Zürich. Eric Bachmann konnte ihn während der gesamten Zeit begleiten: So bei einem winterlichen Jogging-Ausflug auf den nahen Uetliberg, beim Shopping im Zürcher Arbeiterquartier, beim Training im Zürcher Limmathaus und schliesslich beim Kampf im Zürcher Hallenstadion. Bachmann hat später in der Ringier-Zeitschrift Sie und Er eine Reportage darüber veröffentlicht. Organisiert wurde der Show-Kampf vom Eventmanager Hansruedi Jaggi, der zuvor bei Konzerte mit Jimi Hendrix und den Rolling Stones in Zürich organisiert hatte. Der Kampf war für den Organisator ein finanzielles Fiasko. Zur Begegnung mit dem Box-Champion sagte Eric Bachmann im Rückblick in einem Interview 2014:

Eric Bachmann begleitete den Boxer auch auf den Zürcher Hausberg, den Uetliberg. Hier realisierten die beiden, dass die Schuhe von Muhammad Ali völlig ungeeignet waren:

Der Aufenthalt von Muhammad Ali im Jahr 1971 in Zürich und die Dokumentation des Fotografen Eric Bachmann sind auch Gegenstand eines Bildbandes, der 2014 publiziert wurde.

Patti Smith mini|Patti Smith wird im Oktober 1976 vom Journalisten Peter K. Wehrli im Innenhof des Hotels Engematthof (Zürich) für das Schweizer Fernsehen interviewt. Ein Schlüsselmoment für Punk in der Schweiz war das Konzert von Patti Smith am 12. Oktober 1976 in der Roten Fabrik Zürich. Und zwar in mehrfacher Hinsicht: Die US-Feministin und «Godmother of Punk» war nicht nur die Erste, die die stilbildenden, rotzigen Töne in die Schweiz brachte – ihr Auftritt markierte auch das erste Rockkonzert in der Roten Fabrik, jenem Ort, an dem sich die Jugendbewegung der 80er-Jahre entzündete und der sich später als alternatives Kulturzentrum etablierte.

Dass dieses Konzert einen so bleibenden Eindruck hinterliess, haben wir einem Fotografen und seinem Neffen zu verdanken. Eric Bachmann, der über Jahrzehnte das Zeitgeschehen dokumentierte, war an jenem denkwürdigen Konzert. Sein Neffe, der Grafiker Dominik Bachmann, kümmert sich seit seinem Tod 2019 um das aus über 200’000 Bildern bestehende wertvolle Archiv in Kaiserstuhl. Hier stiess er auf eindrückliche Bilder des Konzertes, die ihn nicht mehr losliessen. Er recherchierte, kontaktierte Zeitzeugen und stiess auf weitere Quellen wie ein 30-minütiges Interview, das Patti Smith vor dem Konzert dem Fernsehjournalisten Peter K. Wehrli gab. Resultat dieser Recherchearbeit ist das reich bebilderte Buch «Patti Smith Group, Live in Zürich, Oktober 1976», das am 22. Juli, gleichzeitig mit dem Konzert von Patti Smith in Zürich, erscheint.Stefan Künzli: «Willst du mein Keith Richards sein?» Wie Patti Smith den Punk in die Schweiz brachte - und das Publikum bespuckte. St. Galler Tagblatt. 19.07.2025.

Casa Verdi «Giuseppe Verdi gründete 1896 die Casa di Riposo in Mailand. Ein Altersheim für Musiker, die mit ihrer Kunst nicht reich geworden sind. Wer hier aufgenommen wird, braucht sich keine Sorgen zu machen: Verdi hat dem Haus die Urheberrechte an allen seinen Opern vererbt. So leben noch heute in dem kleinen Palazzo alt gewordene Diven.».

Schon vor Daniel Schmids von inniger Anteilnahme zeugendem Film Il Bacio di Tosca (1984), der die Sängerinnen und Sänger der Casa Verdi porträtierte, berichteten 1981 der Schweizer Fotograf Eric Bachmann und der deutsche Journalist Christian Kämmerling für ein Schweizer Magazin über die elegische Welt der Casa Verdi. Der gleichnamige Bildband Casa Verdi (2016) vereint einen Großteil der Bilder aus Bachmanns Archiv, Kämmerlings einfühlsamen Essay sowie einen biografischen Teil mit den Geschichten der abgebildeten Musiker. Kriegsbedingt blieben ohnehin nur wenige biografische Fakten als Pfeiler, zwischen denen sich nun vor allem Imaginationen aufspannen. Ähnlich dem kleinen Tableau in der düsteren Portiersloge der Casa Verdi, auf dem um die sechzig Nachnamen angebracht sind: Druckbuchstaben aus gelblichem Plastik, einige haften nicht mehr so recht und hängen schief. Dahinter verbergen sich Schicksale, jedes auf seine Weise anders verlaufen als ursprünglich erhofft. Warum hat die grosse Karriere nicht stattgefunden? Wieso der und nicht ich? – Andere, Erfolgreichere: Wo um Himmels willen sind die Traumgagen geblieben? Verpulvert. Wofür?

Heidi Abel mini|Die Fernseh-Journalistin Heidi Abel in der Sendung «Ein Platz für Tiere» Wohl kaum eine andere weibliche Schweizer Persönlichkeit wurde so oft fotografisch festgehalten wie Heidi Abel. Dies vor allem dank Eric Bachmann, der seit Mitte der 1950er-Jahre im Auftrag des Schweizer Fernsehens unterwegs war und der Heidi Abel während ihrer ganzen beruflichen Tätigkeit begleitete. Ab 1954 fotografierte er Heidi Abel erstmals als Fernsehansagerin; die letzte Aufnahme entstand 1986, in ihrem Todesjahr. Réne Bortolani, der Chefredaktor der Schweizer Illustrierten bezeichnete 1987 Eric Bachmann zurecht als . Bachmann begleitet Heidi Abel mehr als dreissig Jahre in ihrer Berufsausübung beim Schweizer Fernsehen, ab und zu auch mit einer Homestory am Lützelsee. Mehr als 1600 Abel Fotografien von Bachmann konnten zusammengetragen werden.

Reportagereisen mini|Albert-Schweitzer-Spital, Lambarene 1965 Eric Bachmann hat in seinem Leben über 100 zum Teil längere Reportagereisen unternommen.Eine vollständige Liste seiner Reisen findet sich im Werkverzeichnis auf seiner Homepage. In der Fotozeitschrift Nikon-News wurde seine Reisetätigkeit einmal so charakterisiert:

Bachmann begleitet Peter K. Wehrli bei Reportagen in die USA im Jahr 1970, darunter eine Reportage über Cape Kennedy. Ebenso begleitet er Wehrli nach Malta, Valletta, für eine Reportage. Weitere Orte, die sie gemeinsam besuchten, sind Albanien im Jahr 1967, darunter Berat, Durrës, Shkodra und Tirana, sowie Jugoslawien in den Jahren 1967 und 1975, mit Stationen in Mostar, Plitvic, Dubrovnik und Zagreb. 1963–64 6 Monate in Südostasien; Indien, Nepal, Burma, Kambodscha, Malaya, Vietnam, Thailand 1965 Gabun: Lambarene 1966 Expedition ans Rote Meer für Unterwasserfilm- und Unterwasserfotoaufnahmen 1966 Tschechien 1967 Jugoslawien, Albanien, Malta, Zypern 1968 Tschechien 1969 Israel 1970 New York, Florida, Karibik 1971 Spanien, Marokko, Tunesien 1972 Südafrika, Botswana 1972–73 18 Monate in Südamerika; Uruguay, Argentinien, Paraguay, Bolivien, Peru, Chile, Brasilien 1975 Jugoslawien 1977 Indien, Westtibet 1979 Java, Bali 1980 Sri Lanka 1981, 82 Kanada: Quebec, Labrador, Newfoundland 1984 Kanada: British Columbia 1985 Irland 1986 Kanada: British Columbia 1987 Mauritius, Thailand 1988 Thailand, Burma 1989 Indien, Thailand, Nordvietnam, Südvietnam 1990 Kalifornien 1991–92 3 Monate Ostküste Amerika, Nicaragua, Costa Rica 1991–92 Irland 1992 Shetland, Russland 1993 Chicago, Nicaragua, Rusland 1994 Nicaragua, Sibirien, Kenia, Uganda Ruanda, Zaire 1995 Nicaragua 1997 Malaya, Australien, Amerika 1998 Nicaragua, Irland 1999 Italien

Türler-Medienpreis