Gemischte Welterbestätten oder gemischte Kultur- und Naturerbestätten sind Stätten des UNESCO-Welterbes, die nicht nur die Kriterien der Unterschutzstellung entweder für ein Weltkulturerbe oder für ein Weltnaturerbe erfüllen, sondern Kriterien für beides. Mit Stand 2019 sind 39 Welterbestätten in 31 Staaten von der UNESCO als gemischte Welterbestätten gelistet, drei davon sind grenzüberschreitend oder transnational.

Definition Gemischte Welterbestätten werden in den Richtlinien für die Durchführung des Welterbe-Übereinkommens definiert:

Ursprünglich bildeten die Kriterien für Kultur- und Naturerbestätten zwei voneinander getrennte Gruppen, die getrennt durchnummeriert wurden (Kulturerbekriterien i–vi und Naturerbekriterien i–iv). In den seit Februar 2005 geltenden Richtlinien wurden sie zu einer Gruppe von 10 Kriterien zusammengefasst und fortlaufend nummeriert. Dadurch wurden die Naturerbekriterien i–iv zu den Kriterien vii–x. Seither werden alle Kriterien für jedes nominierte Objekt gemeinsam geprüft.

Gemischte Welterbestätten

Bild Bezeichnung Jahr Ref. Vertragsstaat(en) Anmerkungen 200px(weitere Bilder) Naturschutzgebiet Ngorongoro() 19792010 39 1979 in das Weltnaturerbe aufgenommen, 2010 aufgrund archäologischer Funde, die die Entwicklung des Menschen über vier Millionen Jahre bezeugen, zusätzlich in das Weltkulturerbe. 200px(weitere Bilder) Nationalpark Tikal() 1979 64 57.600 Hektar großer Nationalpark mit der Maya-Stadt Tikal und den sie umgebenden Feuchtgebieten, Savannen sowie tropischen Laub- und Palmenwäldern 200px(weitere Bilder) Natur- und Kulturerbe der Ohrid-Region() 197919802019 99 () 1979 Aufnahme des damals jugoslawischen Teils des Ohridsees in das Weltnaturerbe, 1980 Erweiterung um Kulturstätten zu einer gemischten Welterbestätte, 2019 Erweiterung um den albanischen Teil des Sees und albanische Natur- und Kulturstätten 200px(weitere Bilder) Kakadu-Nationalpark() 1981 147 19.804 Quadratkilometer großer Nationalpark an der Nordküste Australiens mit einer einzigartigen Tier- und Pflanzenwelt und Felsmalereien der Aborigines 200px(weitere Bilder) Willandra-Seenregion() 1981 167 aus dem Tertiär stammendes, 2400 Quadratkilometer großes fossiles Seengebiet im südwestlichen New South Wales mit archäologisch nachgewiesener menschlicher Besiedelung bereits vor mehr als 40.000 Jahren, Fundstätte von Mungo Man und Mungo Lady, den bislang ältesten bekannten Überresten von Homo Sapiens in Australien 200px(weitere Bilder) Tassili n’Ajjer() 1982 179 Gebirgskette in der Sahara mit markanten Felsformationen und Steinbögen und prähistorischen Felsmalereien 200px(weitere Bilder) Tasmanische Wildnis() 1982 181 15.842 Quadratkilometer großes Schutzgebiet auf der südöstlich des australischen Kontinents gelegenen Insel Tasmanien mit einem der letzten gemäßigten Regenwälder der Erde und archäologischen Funden menschlicher Besiedlung seit über 20.000 Jahren. 200px(weitere Bilder) Machu Picchu() 1983 274 terrassenförmige Ruinenstadt der Inka, eingebettet in eine Berglandschaft von außergewöhnlicher landschaftlicher und geomorphologischer Schönheit, herausragendes Beispiel für eine langjährige harmonische und ästhetisch beeindruckende Beziehung zwischen menschlicher Kultur und Natur 200px(weitere Bilder) Nationalpark Göreme und Felsendenkmäler von Kappadokien() 1985 357 umfasst den historischen Nationalpark Göreme mit markanten Tuffsteinformationen, in dem die für ihre Höhlenarchitektur bekannte Stadt Göreme liegt, sowie weitere Stätten der Höhlenarchitektur in Kappadokien 200px(weitere Bilder) St Kilda() 19862004 387 isolierte vulkanische Inselgruppe nordwestlich von Schottland mit der Hauptinsel Hirta, seit 1930 unbewohnt, Brutgebiet für viele Seevögel mit Zeugnissen von 2000 Jahren menschlicher Besiedelung, darunter über 1000 Cleit genannte Steinhütten. 200px(weitere Bilder) Tai Shan() 1987 437 200px(weitere Bilder) Uluṟu-Kata-Tjuṯa-Nationalpark() 19871994 447 1326 Quadratkilometer großes Gebiet in der Umgebung der Felsen Uluṟu (Ayers Rock) und Kata Tjuṯa (Mount Olga). 1987 in das Weltnaturerbe aufgenommen, 1994 aufgrund der Bedeutung des Gebiets für die Kultur der Anangu zusätzlich in das Weltkulturerbe. 200px(weitere Bilder) Berg Athos() 1988 454 orthodoxe Mönchsrepublik auf der Halbinsel Chalkidikí mit 20 Großklöstern in einer Berglandschaft 200px(weitere Bilder) Meteora() 1988 455 Anlage aus 24 Klöstern und Eremitagen, die auf hohe Sandsteinfelsen gebaut wurden 200px(weitere Bilder) Hierapolis-Pamukkale() 1988 485 archäologische Stätte der antiken griechischen Stadt Hierapolis, die für ihre Thermalquellen berühmt war, zusammen mit den unterhalb der Stadt liegenden, durch das Thermalwasser gebildeten weißen Kalksinterterrassen von Pamukkale 200px(weitere Bilder) Felsen von Bandiagara() 1989 516 200px(weitere Bilder) Tongariro-Nationalpark() 1990 421 ältester Nationalpark Neuseelands mit den aktiven Vulkanen (1968 m), (2291 m) und (2797 m) und mehreren Kultstätten der , die die Vulkane als heilig verehren. 200px(weitere Bilder) Huang Shan() 1990 547 x200px(weitere Bilder) Nationalpark Río Abiseo() 1990 548 1983 zum Schutz der Nebelwälder und der einzigartigen Tier- und Pflanzenwelt gegründeter Nationalpark in der Region San Martín im Gebiet des Río Abiseo und seiner Nebenflüsse Río Montecristo und Río Tumac mit 36 präkolumbischen Stätten, darunter Gran Pajatén. 200px(weitere Bilder) Arktische Kulturlandschaft Lapplands() 1996 774 umfasst Nationalparks und Naturschutzgebiete im Norden Schwedens mit dem Siedlungsgebiet der Samen, die hier traditionellen Rentier-Pastoralismus betreiben. 200px(weitere Bilder) Berglandschaft des Emei Shan und Großer Buddha von Leshan() 1996 779 200px(weitere Bilder) Pyrenäen – Mont Perdu() 19971999 773 umfasst einen Abschnitt der Pyrenäen in der Umgebung des Monte Perdido (franz. Mont Perdu) aufgrund seiner geologischen Einzigartigkeit, der Schönheit und Vielfalt der Natur sowie der in Europa selten gewordenen traditionellen Lebensform der Almwirtschaft. Der französische Teil wurde 1997 in das Welterbe aufgenommen, der spanische 1999. 200px(weitere Bilder) Ibiza() 1999 417 200px(weitere Bilder) Wuyi-Gebirge() 1999 911 200px(weitere Bilder) Maloti-Drakensberg-Park() 20002013 985 umfasst seit 2000 den Ukhahlamba-Drakensberg Park in Südafrika, erweitert 2013 um den Sehlabathebe-Nationalpark in Lesotho wichtiger Zufluchtsort für viele bedrohte und endemische Arten, reich an Felsmalereien der San 200px(weitere Bilder) Maya-Stadt Calakmul und Tropische Regenwälder in Campeche() 20022014 1061 2002 wurde die Maya-Stadt Calakmul im mexikanischen Bundesstaat Campeche in das Weltkulturerbe aufgenommen. 2014 wurde die Stätte um das umliegende Biosphärenreservat Calakmul zu einer gemischten Welterbestätte erweitert 200px(weitere Bilder) Ökosystem und Relikt-Kulturlandschaft von Lopé-Okanda() 2007 1147 x200px(weitere Bilder) Papahānaumokuākea() 2010 1326 umfasst die unbewohnten Nordwestlichen Hawaii-Inseln, die eine große kulturelle Bedeutung für die hawaiischen Ureinwohner haben, sowie das umliegende Seegebiet und bietet über 7000 teils endemischen Arten Schutz, die gefährdet oder vom Aussterben bedroht sind. 200px(weitere Bilder) Wadi Rum() 2011 1377 das größte Wadi in Jordanien mit markanten Felsformationen und prähistorischen Felszeichnungen 200px(weitere Bilder) Südliche Lagune der Chelbacheb-Inseln() 2012 1386 Große, von einem dichten Korallenriff begrenzte Lagune südlich von Palaus Hauptinsel Babeldaob mit den Chelbacheb-Inseln (Rock Islands), große Habitat-Diversität mit zahlreichen marinen Seen und Zeugnissen menschlichen Besiedlung über 3000 Jahre bis ins 18. Jahrhundert 200px(weitere Bilder) Landschaftskomplex Tràng An() 2014 1438 Landschaftskomplex aus zahlreichen Karst-Bergen und Tälern in einer Wasserlandschaft mit teils gefluteten Höhlen, in denen Spuren menschlicher Besiedlung aus einem zusammenhängenden Zeitraum von mehr als 30.000 Jahren gefunden wurden. 200px(weitere Bilder) Blue und John Crow Mountains() 2015 1356 200px(weitere Bilder) Natur- und Kulturlandschaft des Ennedi-Massivs() 2016 1475 Sandsteinmassiv in der Sahara mit tief eingeschnittenen Tälern, in denen sich Wasser sammelt und Vegetation gedeiht, sowie Tausenden Felsmalereien 200px Marschland (al-Ahwar) im Südirak: Schutzgebiet der Artenvielfalt und Reliktlandschaft mesopotamischer Städte() 2016 1481 200px(weitere Bilder) Kangchendzönga-Nationalpark() 2016 1513 200px(weitere Bilder) Chiribiquete Nationalpark – “Das Maloca des Jaguars”() 2018 1174 200px(weitere Bilder) Pimachiowin Aki() 2018 1415 umfasst das Land von vier First Nations aus dem Volk der Anishinabe und angrenzende Schutzgebiete, darunter den Atikaki Provincial Wilderness Park in Manitoba sowie den Woodland Caribou Provincial Park und die Eagle-Snowshoe Conservation Reserve in Ontario 200px(weitere Bilder) Tehuacán-Cuicatlán() 2018 1534 200px Paraty und Ilha Grande – Kultur und Biodiversität() 2019 1308 umfasst die Altstadt von Paraty, einer der am besten erhaltenen Küstenstädte Brasiliens, mit dem Berg, auf dem das ursprüngliche Dorf gelegen haben soll, und vier Naturschutzgebiete des Atlantischen Regenwalds entlang der Küste und auf der benachbarten Ilha Grande.

Weblinks

Einzelnachweise

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Welterbe gemischt