mini|Luftaufnahme der HTL Mödling Die HTL Mödling ist eine berufsbildende höhere Schule (Höhere technische Lehranstalt) mit angeschlossener Versuchsanstalt (HTBLuVA) in Mödling, die aus der k.u.k. Technischen Militärakademie Mödling hervorging und mit rund 3500 Schülern als eine der größten Schulen Europas gilt.
Geschichte der HTL Mödling mini|Hauptgebäude der k.u.k. Technischen Militärakademie um 1904 mini|Kaiser Franz Joseph beim Verlassen der k.u.k. Technischen Militärakademie am 4. November 1904
Die heutige HTL Mödling ist in den Gebäuden der ehemaligen k.u.k. Technischen Militärakademie untergebracht, welche sich ursprünglich von 1869 bis 1904 in der Stiftskaserne in Wien befand. Da die Gebäude der Stiftskaserne nicht mehr den Ansprüchen einer technischen Militärakademie entsprachen, begann man sich nach einem neuen Standort umzuschauen. Die Wahl fiel auf den Neubau einer Militärakademie auf einer 18 Hektar umfassenden Hutweide am nördlichen Hang des Eichkogels, welche 1896 vom Reichskriegsministeriums um vier Millionen Kronen von der Stadt Mödling erworben wurde. Diese Summe sollte in Ratenzahlungen über die nächsten 54,5 Jahre abbezahlt werden, jedoch erfolgte die letzte Ratenzahlung auf Grund des Zusammenbruchs von Österreich-Ungarn schon im Jahre 1918. Trotz der fehlenden Ratenzahlungen profitierte die Stadt Mödling von dem Bau der Akademie, da sich der Bekanntheitsgrad enorm erhöhte, und auch die Wirtschaft florierte.
Im Jahr 1901 wurde mit dem Bau des Hauptgebäudes und der weiteren 25 Einzelgebäuden nach den Plänen des Militär-Oberingenieurs Paul Acham begonnen, welcher 1904 beendet wurde, und am 4. November 1904 von Kaiser Franz Joseph eröffnet wurde. Bis zu 370 Schüler konnten zu diesem Zeitpunkt in der Akademie leben und unterrichtet werden. Zudem existierte eine beinahe autarke Infrastruktur, so gab es zum Beispiel neben den für den militärischen Betrieb notwendigen Einrichtungen wie Ställen und Exerzierplätzen auch eine eigene Gärtnerei, eine Fleischerei, einen Kranken- und Isolierpavillon, mehrere Bibliotheken, ein Schwimmbad, ein Friseurzimmer usw.
Nach nur 14 Jahren Schulbetrieb am Standort Mödling stellte die k.u.k. Technische Militärakademie am 12. November 1918 mit dem Ausrufen der Republik Deutschösterreich ihren Betrieb ein. Der Militärschule folgte eine deutschösterreichische Staatsrealschule, in der jedoch katastrophale Bedingungen herrschten, so wurden zum Beispiel um ein Vielfaches mehr Schüler aufgenommen, was eine schlechte Versorgung und sogar Wassermangel zur Folge hatte. Kurzzeitig überlegte man, die Gebäude anderwärtig zu benutzen, zum Beispiel als Altersheim oder Casino, jedoch besann man sich dann doch, mit einer technischen Ausbildung fortzufahren.
Am 17. November 1919 wurde das erste Mal der reguläre Lehrbetrieb an der HTL Mödling unter dem Namen „Deutsch-österreichische Technisch-gewerbliche Staatslehranstalt in Mödling“ mit 154 Schülern in vier Abteilungen (Tiefbau, Hochbau, Maschinenbau und Elektrotechnik) und anfangs zehn Lehrern aufgenommen. Zehn Jahre später wurden bereits über 1000 Schüler in sechs Abteilungen unterrichtet.
Heinrich Maier, Mitglied der Widerstandsgruppe Maier-Messner-Caldonazzi war zwischen 1936 und 1938 Religionslehrer an der Schule.
Der Anschluss Österreichs an das Deutsche Reich am 12. März 1938 hinterließ seine Spuren, so wurde ab dem Schuljahr 1938/1939 die Fächer „Menschliche Erblehre und Rassenpflege“ und „Einführung in den Luftschutz“ unterrichtet, Teile des Gebäudes in Tarnfarben gestrichen, sowie die bereits davor existierende vormilitärische Ausbildung (im Rahmen der körperlichen Übungen) fokussiert. Zudem wurde die Betriebsfeuerwehr der Gewerbeschule erweitert, und die Schüler im Laufe des Krieges immer häufiger zu sogenannten Notstandseinsätzen gerufen, bis der Unterricht am 30. März 1945 komplett eingestellt wurde. Da die sowjetischen Truppen immer näher rückten, wurde am 4. April der Befehl zum Sprengen der Anstalt gegeben, um diese nicht den Besatzern zu überlassen. Da der Sprengbeauftragte jedoch untertauchte, kam es zu dieser nie. mini|Kursalon Mödling. Hier wurde bis 1974 ein Teil des Unterrichtes der Abteilung Elektronik abgehalten
Am 8. April 1945 wurde im Hauptgebäude ein Kriegsspital für bis zu 2.000 Verwundete eingerichtet, welche aber bald auf ca. 100 zurückgingen, worauf der Schulbetrieb am 7. Juni 1945 mit 200 Schülern wieder aufgenommen werden konnte. Da jedoch kurze Zeit später das militärische Quartiermeisteramt der Besatzungsmacht das Hauptgebäude beschlagnahmte, erwies sich der Unterricht erneut als schwierig. Auf Grund des besetzten Hauptgebäudes wurde der Theorieunterricht im Schuljahr 1945/1946 bereits wieder mit über 1.000 Schülern in der Jakob-Thoma-Hauptschule abgehalten. Auf Grund der immer weiter steigenden Schüleranzahl wurde der Unterricht im Schuljahr 1946/1947 von der Jakob-Thoma-Hauptschule in das Gebäude des Realgymnasiums Keimgasse verlegt, in der auch die Küche und der Speisesaal für die Internatsschüler eingerichtet wurde. Zudem diente der Turnsaal des Gymnasiums als Schlafsaal. Nachdem die sowjetischen Besatzer 1951 das gesamte Schulareal mit Ausnahme der Werkstätten übernahmen, wurde die HTL Mödling auf insgesamt neun Standorte in ganz Mödling aufgeteilt. So wurden zum Beispiel die Internatsschüler sowie Teile der Elektronik-Abteilung im Missionshaus St. Gabriel, oder das Chemie-Labor im Mödlinger Kursalon untergebracht. Diese Situation änderte sich jedoch mit dem Abzug der sowjetischen Truppen im Jahr 1955.
Bis zu Beginn 1959 wurden nach und nach alle ehemaligen Standorte, mit Ausnahme des Heims in der Hinterbrühl (bis 1962) und des Kursalons (bis 1974) zurückgegeben, und der Schulbetrieb konzentrierte sich wieder auf das ursprüngliche Areal der HTL Mödling. Es folgten mehrere Renovierungs- sowie Umbauarbeiten, unter anderem: mini|Gedenkstein für die k.u.k Technische Militärakademie vor der HTL Mödling Renovierung des Hauptgebäudes (1955–1960, Fassadenrenovierung 1988) Bau des Fernheizwerk (Betrieb ab 1957) Bau der Maschinenbau-Werkstättenhalle (Betrieb ab 1958) Neugestaltung der Schulkapelle (1962 sowie 2000) Neubau des Schülerheims (Betrieb ab 1962, bzw. 1968 und 1977) Umbau der ehemaligen Reithalle in Turnsäle (Betrieb ab 1965) Aufstockung des Osttraktes (Betrieb ab 1966) Bau der Laborgebäude für die Holztechnikabteilung (Bau 1971–1973) Bau eines Handballplatzes (Betrieb ab 1975) Bau der Laborgebäude für die Elektrotechnik/Maschinenbau (Bau 1971–1976, Dachaufbau 1998) Bau des C-Gebäudes (Betrieb ab 1978) Sanierung des Sportplatzes (1987) Bau des Werkstättengebäudes (Bau 1988–1994) Renovierung und Aufstockung des D-Gebäudes (1989–1991) Bau der Tischlereiwerkstätte und einer neuen Zweifach-Turnhalle (Betrieb ab 2005) Neubau des Restaurants im Osttraktes (2012–2013) Fassadensanierung des Holztechnikgebäudes (2013) Umbau des alten Buffet- und Restaurantbereichs im Hauptgebäude (2013–2014) Fassadensanierung der Turnsäle 1 bis 3 (2014) Abriss des C-Gebäudes (2022)
Mit dem Ausbau der Schule stieg auch die Schülerzahl, so wurden 1960 rund 1.600 Schüler unterrichtet und im Schuljahr 1979/1980 bereits über 3.000.
Direktoren der Militärakademie bzw. HTL Mödling Seit der Gründung der k.u.k Technischen Militärakademie, später HTL Mödling gab es 19, ausschließlich männliche, Akademie- bzw. Schulleiter. Akademie- bzw. Schulleiter Beginn Ende FML Artur Horeczky 1904 1907 FML Georg Ritter von Dormus 1907 1911 FML Georg Hefelle 1911 1914 FML Carl Ritter von Wessely 1914 1915 FML Oskar von Heimerich 1915 1918 Alois Scholz 1918 1919 Karl Eduard Allitsch 1919 1935 Josef Pekarek 1935 1938 Ferdinand Rieger 1938 1945 Ernst Junk 1945 1947 Franz Schrangl 1947 1952 Josef Aschenbrenner 1952 1956 Robert Nebosis 1956 1965 Hans Kraichich 1965 1971 Josef Pongratz 1971 1972 Friedrich Niklas 1972 1979 Alfred Gratzl 1979 2000 Hartmut Kranlich 2000 2007 Peter Cernov 2007 2010 Harald Hrdlicka 2010 2019 Hannes Sauerzopf 2019 2025 Wolfgang Kern 2025 2025Katharina Übl-Zelenka2025heute
Die HTL Mödling heute Heute gilt die HTL Mödling mit etwa 3.500 Schülern als größte Schule Österreichs. Unterrichtet werden sie von 411 Lehrkräften (Stand Schuljahr 2018/19).
Abteilungen der HTL Mödling Den Schülern stehen insgesamt 10 höhere Abteilungen (5-jährig) mit 11 verschiedenen Ausbildungsschwerpunkten, 7 Fachschulen (4-jährig) sowie 7 Kollegs (2-jährig) zur Wahl, welche in 10 administrative Einheiten gegliedert sind:
Elektronik und Technische Informatik Höhere Abteilung für Elektronik und Technische Informatik mit Aufspaltung in die Ausbildungszweige „Telekommunikation“ sowie „Technische Informatik“ nach der 3. Klasse Die Ausbildungsschwerpunkte der höheren Abteilung für Elektronik wurden zuerst im Rahmen der Ausbildung der höheren Abteilung für Elektrotechnik behandelt. Auf Grund der steigenden Nachfrage nach Elektronikern in den 60er Jahren, wurde 1967 die Abteilung „Hochfrequenz- und Nachrichtentechnik“ gegründet, welche später in „Elektrische Nachrichtentechnik und Elektronik“ umbenannt wurde. Die Ausbildungszweige „Telekommunikation“ sowie „Technische Informatik“ werden in dieser Art nicht mehr weitergeführt. Die 3. Klasse des Schuljahres 2019/20 ist somit die erste Klasse die ohne Aufspaltung in der Spezifizierung „Technische Informatik“ unterrichtet wird.
Fachschule für Elektronik Die Fachschule für Elektronik existiert seit 1976. Kolleg/Aufbaulehrgang für Informationstechnologie und Elektronik Das Kolleg für Informationstechnologie war das zweite Kolleg an der HTL Mödling und wurde im Schuljahr 2000/2001 gegründet.
Elektrotechnik Höhere Abteilung für Elektrotechnik, welche mit der Reife- und Diplomprüfung endet. Neben der klassischen Elektrotechnik werden auch die Ausbildungsschwerpunkte Erneuerbare Energien und Robotik behandelt. Fachschule für Elektrotechnik, endet mit einer Abschlussprüfung (vergleichbar mit einem Lehrabschluss). Der Schwerpunkt der Ausbildung liegt dabei eher auf der praktischen Anwendung des Fachwissens.
Maschinenbau Fahrzeugtechnik Die Abteilung für Fahrzeugtechnik wurde 1933 als „Höhere Abteilung für Automobilbau“ gegründet und war ursprünglich Teil des Maschinenbaus. Aufgrund von Platzmangel im Hauptgebäude wurde der theoretische Unterricht im Jahr 2004 in das Gebäude 22 verlegt, eine ehemalige Holzwerkstätte in unmittelbarer Nähe zu den Werkstätten. Unter der Leitung des damaligen Abteilungsvorstands Michael Diglio wurde das Gebäude zu einem Theoriegebäude für die Fahrzeugtechnik umgebaut.
Die Ausbildung erfolgt in Form einer fünfjährigen höheren Abteilung sowie einer vierjährigen Fachschule. Die höhere Abteilung schließt mit der Reife- und Diplomprüfung ab, die Fachschule mit einer Abschlussprüfung. Zu den zentralen Unterrichtsgebieten zählen unter anderem Konstruktionsübungen und Projektmanagement, Fahrzeug- und Antriebstechnik, Technische Mechanik sowie Werkstättenunterricht.
Inhaltliche Schwerpunkte liegen auf verschiedenen Antriebskonzepten sowie auf Themen der zukünftigen Mobilität, insbesondere autonomem Fahren, Klimaschutz und nachhaltigen Technologien im Fahrzeugbereich.
Der Abteilung stehen verschiedene technische Einrichtungen zur Verfügung, darunter ein Windkanal, Motorprüfstände sowie Werkstätten für Motor- und Fahrwerksbau. Ergänzt wird die Ausstattung durch eine E-Mobilitätswerkstätte, eine Lackiererei, eine Karosseriebauwerkstatt und ein Elektrolabor.
Die Abteilung unterhält zahlreiche Partnerschaften und Kooperationen mit Unternehmen aus der Wirtschaft.
Holztechnik Höhere Abteilung für Holztechnik Fachschule für Holztechnik, seit dem Schuljahr 2024/25 Kolleg für Holztechnik. Das Kolleg für Holztechnik existiert seit dem Schuljahr 1999/2000.
Innenarchitektur Raum- und Objektgestaltung Höhere Abteilung für Innenarchitektur Raum- und Objektgestaltung Fachschule für Tischlereitechnik Kolleg für Innenarchitektur
Maschinenbau Anlagentechnik