Der Pfleghof ist ein denkmalgeschütztes Gebäude in Ötisheim in Baden-Württemberg.
Lage Das Gebäude steht an der Schönenberger Straße 1, direkt gegenüber befindet sich das Rathaus.
Beschreibung
Ein dreigeschossiger Fachwerkbau mit hohem Massiverdgeschoss in Giebelstellung zur Schönenberger Straße mit einem Krüppelwalmdach. Das erste Obergeschoss kragt über der abgefasten Ecke auf einer Steinkonsole mit Profilschnitt vor, das zweite Obergeschoss auf einem Bug. Die Fensterbrüstungsfelder sind mit Streben und Rautenausfachungen versehen. Die Torpfeiler des Hofes haben eine profilierten Deckplatte mit einer Vase. An der Kellertür befindet sich eine Steinbank mit Wange und an der Maulbronner Straße eine aufgedoppelte Kellertür. Geschützt nach § 28 DSchG.Bau- und Bodendenkmale in Ötisheim, S. 183–186 in Flächennutzungsplan 2020, Vereinbarte Verwaltungsgemeinschaft Mühlacker
Geschichte Es wird angenommen, dass auf dem Platz, wo heute der Pfleghof steht, zuerst ein Herrenhaus stand, welches dann zu einer Grangie umfunktioniert wurde. das dann von Konversen, Laienbrüder ohne Weihe, geleitet wurde. Auch wurde angenommen, dass in der Nähe des Pfleghofes ein Kloster war. Pfarrer Christian Gottfried Nicolai schrieb in seiner Memorabilia Oetisheimensia 1784, dazu:
Bis heute sind Einheimische der Meinung, dass es vom Pfleghof bis zum Kloster Maulbronn einen Tunnel gibt. Dass es einen Durchgang zu der Kirche gegeben hat, ist unwahrscheinlich, da 1999 der Pfleghofplatz ausgebaut wurde und man dort nur einen Brunnen fand, welcher man erhielt.Konrad Dussel (2007): Ötisheim – durch die Geschichte zur Gegenwart regionalkultur, 2007, ISBN 978-3-89735-503-3, S. 39 FN.31
Im Pfälzischen Erbfolgekrieg bezog Herzog Friedrich Carl von Württemberg 1692 Quartier im Pfleghof.Konrad Dussel (2007): Ötisheim – durch die Geschichte zur Gegenwart regionalkultur, 2007, ISBN 978-3-89735-503-3, S. 88 Als die Franzosen nach der gewonnenen Schlacht bei Ötisheim in das Dorf einfielen und es niederbrannten, überdauerten nur wenige Gebäude, darunter auch der Pfleghof. Das Gebäude wurde 1727 vollständig neu errichtet, weil sich eine Reparatur nicht mehr lohnte. Ötisheimer, als auch Bewohner von anderen Dörfern, welche dem Kloster Maulbronn unterstanden, schafften das Baumaterial durch Fronarbeit herbei. Als man auch die Pfleghofmauer neu errichtet wollte, kam es zum Protest der Ötisheimer, angeführt vom damaligen Schultheiß Vollmer. Durch die Begradigung der Mauer war zunächst unklar, wieweit die Grenzen des Pfleghofes tatsächlich gingen. Zum anderen gab es einen öffentlichen Brunnen, der durch die Begradigung zum Opfer gefallen wäre. Man einigte sich, dass der Brunnen bestehen und zugänglich blieb, aber es war noch immer unklar, wo die Grenzen des Pfleghofes verliefen. Nach Streitigkeiten mit dem Pfleger Johann Michael Speidel und dem Schultheiß, reiste der Schultheiß nach Stuttgart, um gegen die Pfleghofmauer zu protestieren. In dieser Zeit wurde die Mauer auf drei Meter hochgezogen. Als der Schultheiß zurückkam, behauptete er, dass ein Vornehmer gesagt hätte „Reißt den Teufel nieder“ und erinnerte die Bürger an ihren Eid zu ihm. Die Bürger entfernten die Mauer und pflasterten die Stelle wieder zu. Nach dieser Aktion wurde der Schultheiß Vollmer abgesetzt und musste 1000 Reichstaler als Strafe bezahlen.Konrad Dussel (2007): Ötisheim – durch die Geschichte zur Gegenwart regionalkultur, 2007, ISBN 978-3-89735-503-3, S. 61–63
Um 1810 verkaufte man den Pfleghof.Ötisheim; Verkauf des Pfleghof-Gebäudes 1870 wurde der Pfleghof zu einer Brauerei und Gaststätte, die Pfleghofbrauerei Linck und bestand, mit Unterbrechungen, bis 1951. 1973 verkaufte man das Anwesen an die Gemeinde und 1975 wurde das Gebäude renoviert und dient heute für die Verwaltung der Gemeinde Ötisheim.
Aufgabe des Pfleghofes Der Pfleghof in Ötisheim diente als Verwaltungsstelle für das Kloster Maulbronn der Dörfer Ötisheim, Lomersheim, Dürrmenz, Mühlhausen, Kieselbronn, Enzberg und Mühlacker. Die Bauern und Handwerker, welche in den Dörfern lebten, mussten Abgaben errichten. Entweder in Naturalien, wie Getreide, Obst oder Eier oder man zahlte mit Geld. Dafür wurde ein Pfleger vom Kloster Maulbronn eingesetzt und dieser bekam die dafür benötigten Unterlagen (Urkunden, Lagerbüchern, Zinsregistern). Neben dem Pfleghof war der Pfleger auch zuständig für die Zehntscheuer, die Kelter, das Pfarrhaus und der Kirchturm mit dem Chor.Konrad Dussel (2007): Ötisheim – durch die Geschichte zur Gegenwart regionalkultur, 2007, ISBN 978-3-89735-503-3, S. 41
Liste der Pfleger mini|Pfleghof Frontansicht mini|Pfleghof von hinten
Liste der Pfleger in Ötisheim, ab 1536. Die Liste konnte nur punktuell festgemacht werden.
Name Amtszeit Anmerkung Daniel Schaible 1563–1568 Hans Marx Neuffer um 1592 Konrad Schropp 1596–1609 Hans Ludwig Widenmayer 1609–1615 Johannes Bucher1615–1628 Alexander Nördlinger 1628–1633 Michael Fink 1633 Dreißigjähriger Krieg Johann Jakob Buhl 1648–1652 Georg Hirschmann 1652–1654 Philip David Burk 1654–1658 Georg Friedrich Rueff 1658–1661 Johann Daniel Andler 1661–1665 Leonhard Waldenberger 1665–1667 Georg Konrad Metz 1667–1690 Johann Albrecht Glöckler 1690–1694 Johann Leonhard Rueff 1694–1698 Zugleich Pfleger in Wiernsheim Jeremias Wässerer 1698–1726 Johann Michael Speidel 1723/1726–1761/1764 Johann Albrecht Krämer 1761/1762 Johann Konrad Zellner 1762Expeditionsrat, floh mit 3590 Gulden aus der Amtskasse des Pfleghofes. Johann Georg Fischer 1763–1796 Gittfried Heinrich Harpprecht 1796ff.
Literatur Konrad Dussel: Ötisheim. Durch die Geschichte zur Gegenwart. Verlag Regionalkultur, Ubstadt-Weiher 2007, ISBN 978-3-89735-503-3, S. 60–64
Weblinks
Einzelnachweise
Kategorie:Kulturdenkmal in Ötisheim Kategorie:Ersterwähnung 1729 Kategorie:Pfleghof Kategorie:Fachwerkhaus im Enzkreis Kategorie:Erbaut 1729 Kategorie:Bauwerk in Ötisheim