mini|hochkant|Markenlogo Die Hanro International GmbH mit Sitz im österreichischen Götzis produziert Unterwäsche, Nachtwäsche und Hauskleidung für Frauen und Männer. Gegründet wurde das Unternehmen 1884 im schweizerischen Liestal von Albert Handschin. 1991 übernahm die österreichische Huber-Gruppe das Unternehmen.
Geschichte 1884 bis 1945 Albert Handschin gründete 1884 in Liestal eine Handstrickerei. Der Betrieb mit anfänglich sechs Mitarbeiterinnen und sechs Maschinen befand sich in seinem Wohnhaus.Hanro. 1884–1959.Felix Erbacher: Die Liestaler Modemacher. Wie die Unternehmer Albert Handschin und Carl Ronus die Weltmarke Hanro schufen. In: Basler Zeitung, 27. Januar 2014. Drei Jahre später wurde eine Betriebskrankenkasse eingerichtet, die zu den ersten in der Schweiz zählte. 1895 stieg Carl Ronus in das Unternehmen ein. Die beiden Unternehmer errichteten eine Kollektivgesellschaft mit der Firma Handschin & Ronus.Lothar Peters, Ursula Kyburz, Birgit Liesenklas und Hanro AG (Liestal): Hanro – The Story of Passion (Firmengeschichte u. Chronik der Wäschefabrik) Verlag Hanro AG, Rorschacherberg 2001, S. 11.Leonie Häsler: Textiles Entwerfen in Serie, S. 21. Das Unternehmen zählte damals 60 Beschäftigte. 1898 erwarb das Unternehmen die Liegenschaft Benzbur in Liestal. Das dortige Fabrikationsgebäude konnte ein Jahr später genutzt werden.Hanro Firmengeschichte 1884–1970, S. 35. Von 1900 bis 1906 stieg die Belegschaft von 130 auf 160 Personen. Rund 100 weitere Personen, überwiegend Frauen, waren zudem in Heimarbeit beschäftigt.Peters, Kyburz, Liesenklas: Hanro – The Story of Passion, S. 151. Hanro Firmengeschichte 1884–1970, S. 40.Leonie Häsler: Textiles Entwerfen in Serie, S. 38. 1911 wurde ein zweiter Produktionsbetrieb in Büren eröffnet. Die Marke Hanro – eine Zusammensetzung aus den Nachnamen der beiden Gründer – wurde 1913 als Warenzeichen eingetragen.Renate Platen: Das Potenzial des Schweizer Erbes. Die Wäschemarke Hanro geht im Jubiläumsjahr auf Weltreise. In: Textilwirtschaft 19/2009 vom 7. Mai 2009, S. 50. Vor dem Ersten Weltkrieg produzierte und exportierte das Unternehmen Wäsche für Frauen. Die wichtigsten Absatzmärkte der Vorkriegszeit waren Großbritannien, die Vereinigten Staaten und Frankreich,Peters, Kyburz, Liesenklas: Hanro – The Story of Passion, S. 11 und S. 20.Leonie Häsler: Textiles Entwerfen in Serie, S. 21 f. ferner Belgien.Hanro Firmengeschichte 1884–1970, S. 36.
Im Ersten Weltkrieg stellte das Unternehmen seine Produktpalette um und produzierte Militärunterwäsche und Strickjacken (Liesmer) für Soldaten.Peters, Kyburz, Liesenklas: Hanro – The Story of Passion, S. 28. Hanro Firmengeschichte 1884–1970, S. 46. Ende 1919 wandelten die Eigentümer die Kollektivgesellschaft in eine Familienaktiengesellschaft um: die Hanro AG.Zum Begriff siehe den entsprechenden Eintrag im Gabler Wirtschaftslexikon. Abgerufen am 13. November 2020.Peters, Kyburz, Liesenklas: Hanro – The Story of Passion, S. 152.
1926 wurde eine Tochtergesellschaft in Australien errichtet. Zu diesem Zweck ließen sich 17 Mitarbeiter in Bendigo nieder und starteten die Produktion mit Maschinen, die sie aus der Schweiz mitgebracht hatten.Hanro Firmengeschichte 1884–1970, S. 112, S. 116 und S. 126.Leonie Häsler: Textiles Entwerfen in Serie, S. 23. Das Schweizer Unternehmen zahlte erst 1929 eine Dividende aus. Auch die dann beginnende Weltwirtschaftskrise erwies sich als Durststrecke. Hinzu kam die Währungspolitik der Schweiz, die für Exporte hinderlich war. Erst 1936 belebte sich das Geschäft spürbar, nachdem der Schweizer Franken abgewertet worden war.Hanro Firmengeschichte 1884–1970, S. 130 f. Ab Mitte der 1930er Jahre weitete das Unternehmen sein Angebot auf Strand- und Bademoden aus.Zur Strand- und Bademode siehe Leonie Häsler: Textiles Entwerfen in Serie, S. 30 und S. 70–80. In Zusammenarbeit mit dem Strickmaschinenhersteller Dubied entwickelte Hanro Rundstrickmaschinen für die Herstellung von Oberbekleidung; ab 1936 wurden damit Stoffe für Badeanzüge, Kleider und Kostüme hergestellt.Peters, Kyburz, Liesenklas: Hanro – The Story of Passion, S. 48 und S. 152.Leonie Häsler: Textiles Entwerfen in Serie, S. 79. Ab 1939 verfügte Hanro an jeweils wechselnden Standorten auch über kleinere Produktionsstätten in Basel.Hanro Firmengeschichte 1884–1970, S. 139 f, S. 165 und S. 193.Leonie Häsler: Textiles Entwerfen in Serie, S. 74.
1945 bis 1991 Nach dem Zweiten Weltkrieg zog die Produktion wieder merklich an. Aus diesem Grund begann 1947 die Anwerbung von jungen Frauen aus Italien.Peters, Kyburz, Liesenklas: Hanro – The Story of Passion, S. 72. In der Folgezeit galt die Beschäftigung der Italienerinnen als ein positives Beispiel in der Geschichte der Schweizer Arbeitsmigration.Andreas Hirsbrunner: Nach erstem Schock kam es gut. Liestal Ausstellung widmet sich Italienerinnen bei der Hanro. Kurator erzählt bz noch mehr. In: Die Nordwestschweiz, 16. Mai 2017. Mit dem Anstieg der Produktion wuchs die Zahl der Beschäftigten vom 350 im Jahr 1946 auf 689 im Jahr 1958.Leonie Häsler: Textiles Entwerfen in Serie, S. 25. In den 1950er Jahren lieferte Hanro seine Produkte in 45 Länder.Hanro Firmengeschichte 1884–1970, S. 159.Peters, Kyburz, Liesenklas: Hanro – The Story of Passion, S. 153.
Der Textilbetrieb HIS & Co. KG in Murgenthal wurde 1963 übernommen,Leonie Häsler: Textiles Entwerfen in Serie, S. 26. die Eingliederung in die Produktion erfolgte mit der Firma Hanro Hisco AG.Hanro Firmengeschichte 1884–1970, S. 217.Peters, Kyburz, Liesenklas: Hanro – The Story of Passion, S. 154. Im Jahr darauf zählte die Belegschaft zusammen 1.100 Personen,Hanro Firmengeschichte 1884–1970, S. 201. 1964 erfolgte zudem der Verkauf der australischen Tochter.Hanro Firmengeschichte 1884–1970, S. 120–122.
Die Betriebskrankenkasse fusionierte 1969 mit der Grütli-Krankenversicherung.Urs Walter: Die Angleichung des Arbeiters an den Angestellten als personalpolitische Massnahme (Unter besonderer Berücksichtigung der schweizerischen Verhältnisse). Reinheim 1973, S. 229. Ein Jahr später, die Zahl der Beschäftigten lag bei 1000,Hanro Firmengeschichte 1884–1970, S. 283. 1.000 Personen waren auch zwei Jahre später beschäftigt. Siehe Hanro spürt Paritätsänderungen. In: Finanz und Wirtschaft, 3. März 1973. gründete Hanro die Hanro Nova SA in Novazzano als Tochtergesellschaft, unmittelbar an der Grenze zu Italien.Hanro Firmengeschichte 1884–1970, S. 274.Peters, Kyburz, Liesenklas: Hanro – The Story of Passion, S. 110.Leonie Häsler: Textiles Entwerfen in Serie, S. 31. Die der Dubied & Cie. S. A. nahestehende Beteiligungsgesellschaft Traversina S. A. übernahm 1973 eine Minderheitsbeteiligung am Aktienkapital der Hanro AG; mehr als vier Fünftel des Aktienkapitals verblieben jedoch bei Nachkommen der Gründerfamilien Handschin und Ronus.Hanro AG, Liestal. In: Neue Zürcher Zeitung, 22. Juni 1973. Drei Jahre später wurde die Hanro Hisco AG geschlossen. Auch die 1970er Jahre erwiesen sich für das Unternehmen als ein herausforderndes Jahrzehnt. Wie viele produzierende Unternehmen der Schweiz litt auch Hanro unter dem starken Franken und den relativ hohen Löhnen, ferner unter den Zöllen, die das Auslandsgeschäft erschwerten.Leif Simonsen: Liestal verliert letzten Glamour. In: Mittelland Zeitung, 24. Januar 2016. 1980 gründete Hanro eine Tochtergesellschaft in der Nähe von Dublin.Stoßrichtung heißt DOB und Tragwäsche. In: Textilwirtschaft, 23. Oktober 1980. Das Unternehmen konzentrierte sich in den 1980er Jahren mehr und mehr auf die Herstellung von Tag- und Nachtwäsche.Peters, Kyburz, Liesenklas: Hanro – The Story of Passion, S. 155.
Seit 1991 alt=Hanro-Sammlung, Liestal, Switzerland|mini|Das umgenutzte Hanro-Gebäude in Liestal, Standort der Hanro-Sammlung von Archäologie und Museum Baselland 1991 übernahm Huber Tricot 75 Prozent der AktienLeonie Häsler: Textiles Entwerfen in Serie, S. 161. des Unternehmens, das bis dahin über drei Generationen als Familienunternehmen geführt wurde. Zu diesem Zeitpunkt waren rund 500 Personen in Liestal, Novazzano und Dublin beschäftigt.Huber Tricot übernimmt Mehrheit an Hanro. In: Handelsblatt, 3. Dezember 1991. Zwei Jahre später erfolgte die Übernahme der restlichen 25 Prozent. Von 1997 bis 1999 wurde die Produktion in Liestal schrittweise zugunsten der Muttergesellschaft aufgegeben. 1998 erfolgte zudem der Verkauf der Dubliner Produktionsstätte.Hanro. In: Basler Zeitung, 11. September 1997.Max Gürtler: Hanro: Konzentration auf Marketing und Vertrieb. In: Basler Zeitung, 22. Januar 1999. 2002 endete die Produktion in Novazzano.Hanro Nova am Ende. In Neue Zürcher Zeitung, 29. Mai 2002. Seit 2004 befindet sich das Hanro-Hauptquartier in Götzis am Sitz der Huber-Gruppe.Renate Platen: Hanro schafft die Hürde. In: Textilwirtschaft, 28. Oktober 2004.
Insgesamt hat Hanro in den Jahren nach 2010 wieder einen Exportanteil erreicht, der dem aus der Schweizer Gründungszeit entsprach. Wurden 1973 etwas über 50 Prozent aller Produkte außerhalb der Schweiz verkauft,Schwierigkeiten der Hanro mit Wollpreisen und Wechselkursen. In: Neue Zürcher Zeitung, 2. März 1973. so belief sich der Umsatzanteil der 2012 außerhalb Österreichs verkauften Waren auf rund 95 Prozent.Renate Platen: Hanro wächst rasant, Skiny Läden auf Eis. (Genios.de) In: Textilwirtschaft, 26. Januar 2012.
2015 erhielt der Kanton Baselland die Sammlung des Textilunternehmens. Mit diesem Bestand wurde die Hanro-Sammlung Teil der kantonalen Sammlungen von Archäologie und Museum Baselland.Der Kanton erhält wertvolle Unterhosen und vieles mehr. In: Die Nordwestschweiz, 17. Januar 2015.
Gegenwart Die Hanro International GmbH ist Teil der Huber-GruppeMaterial for Connoisseurs. In: The Spin Off, No. 3, 26. August 2021. und verfügt über fünf Tochtergesellschaften in der Schweiz, in Deutschland, Frankreich, Italien und den Vereinigten Staaten.
Hanro produziert Unterwäsche, Nachtwäsche und Hauskleidung. Mit Stand 2020 werden 80 Prozent der Textilien in der zur Huber Holding zählenden Textilproduktion Arula (Mäder, Vorarlberg) hergestellt, die Näherei befindet sich in Portugal, das Lager in Ungarn.
Nach Angaben des Unternehmens sind mit Stand 2020 die Länder mit den größten Umsätzen die Vereinigten Staaten, gefolgt von Deutschland, der Schweiz, Großbritannien, Österreich, Italien, Frankreich, Niederlande und Japan.Siehe , abgerufen am 16. November 2020. Insgesamt werden mit Stand 2015 die Produkte in rund 50 Ländern angeboten.Hanro ist Designer of the Year 2016. In: Textilwirtschaft (online), 23. Dezember 2015.
Auszeichnungen Auf der Weltausstellung 1889 in Paris, fünf Jahre nach der Firmengründung, erhielt Handschin vom französischen Ministère du Commerce de l’Industrie et des Colonies eine silberne Medaille.
Auf der Fachmesse Salon International de Lingerie ging 2016 die Auszeichnung Designer of the Year an Hanro.Birgit Nemec: Hanro ist Designer of the Year, textilzeitung.at, 24. Februar 2016
Unternehmenspublikationen Lothar Peters, Ursula Kyburz, Birgit Liesenklas und Hanro AG (Liestal): Hanro – The Story of Passion. Verlag Hanro AG, Rorschacherberg 2001 (Firmengeschichte und Chronik der Wäschefabrik). Hanro. 1884–1959. Hanro AG, Liestal 1959. Eric Handschin: Hanro Firmengeschichte 1884–1970; o. O, o. J. (Typoskript). Hanro-Sammlung Liestal, Aktenarchiv Signatur 39-6 (Digitalisat im Internet Archive.)
Literatur Leonie Häsler: Textiles Entwerfen in Serie. Nahtlosigkeit als Gestaltungsprinzip bei der Hanro AG 1884–1991. Reimer, Berlin 2022, ISBN 978-3-496-01681-6. Ulrike Langbein: Allerweltszeug. Kulturanthropologische Perspektiven auf Kleidung, modellierte Menschen und die Sammlung der Hanro AG (1884-2012). In: Schweizerisches Archiv für Volkskunde, Band 112 (2016), Heft 1, S. 6–23 (Digitalisat).
Weblinks hanro.com
Einzelnachweise
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