Obertiefenbach ist der Hauptort und Verwaltungssitz in der Gemeinde Beselich im mittelhessischen Landkreis Limburg-Weilburg. Obertiefenbach hat rund 2900 Einwohner und ist eines der größeren Dörfer im Landkreis sowie der einwohnerstärkste und flächengrößte Ortsteil der Gemeinde.
Etymologie Der Name Obertiefenbach, dessen Altform früher Oberen Dyffenbach oder superior Dieffenbach war, kommt von der Lage am Tiefenbach, der heute noch quer (weitgehend unterirdisch) durch den Ort fließt. Auf einer Kupferstichkarte von Nassau aus dem Jahr 1616 wird der Ort als Ober Diefenbach bezeichnet.
Geographie
Geographische Lage mini|Der Tiefenbach in der Borngasse nach der Renaturierung des bis 2019 vorhandenen Löschwasserteichs Obertiefenbach liegt am nordöstlichen Rand des Limburger Beckens, am Rand des Lahntals und am Südosthang des Westerwaldes 220 m über NN in Mittelhessen. Schon von weitem sichtbar ist der Beselicher Kopf (296 m), der an der nordöstlichen Seite der Gemarkung steht. Obertiefenbach befindet sich im Tal des Tiefenbachs, zentral im Landkreis Limburg-Weilburg (Mittelhessen).
Geologie Die Landschaft ist teilweise bewaldet und geprägt durch Ton-, Basalt- und Eisenerzvorkommen. Bis in die heutige Zeit wird in Obertiefenbach Ton abgebaut.
Nachbarorte Obertiefenbach grenzt im Nordosten an Heckholzhausen und im Osten an Schupbach. Bis ins Spätmittelalter hinein existierte zudem ein kleiner Ort „Schuy“ zwischen Obertiefenbach und Schupbach. Im Süden folgen Niedertiefenbach, im Südwesten Ahlbach, im Westen Oberweyer und im Nordwesten Steinbach.
Klima In Obertiefenbach ist das Klima gemäßigt warm. Der Niederschlag in Obertiefenbach ist hoch, auch während des trockensten Monats. Das Klima in diesem Ort ist als Cfb nach der Köppen-Geiger-Klassifikation klassifiziert. Im Jahresdurchschnitt beträgt die Temperatur in Obertiefenbach 9,6 °C. Über ein Jahr summieren sich die Niederschläge auf 854 mm. Mit normalen Temperaturen (Monatsdurchschnitte) von 1,2 °C im Januar bis über 18 °C im Juli und monatlichen Regenmengen um 70 mm (statistischer Jahresdurchschnitt) gilt das örtliche Klima als gemäßigt, warm und relativ niederschlagsreich.
Geschichte Ortsgeschichte mini|hochkant|Wappen der Ritter v. Tiefenbach (nach Siebmacher-Göckingk) mini|hochkant|Denkmal für Gottfried von Beselich vor der Kirche in Obertiefenbach Obertiefenbach entstand vermutlich im 7./8. Jahrhundert. Durch Bodenfunde ist das Vorkommen von Menschen bereits in grauer Vorzeit belegt. Über eine genaue Altersangabe gibt es jedoch keine Nachweise. Im Jahr 1234 wurde Obertiefenbach erstmals erwähnt. Um diese Zeit lebte dort die Adelsfamilie Hesse, von welcher der Ritter Heinrich Hesse geschichtlich erwähnt wird. Kirchlich gehörte die seit 1347 eigenständige Pfarrei Obertiefenbach im Mittelalter zum rechtsrheinischen Archidiakonat zu Dietkirchen des Erzbistums Trier. Am 1. Februar 1376 wurde Obertiefenbach von dem Grafen von Diez als Pfandschaft in Mannslehen an die Brüder Dietrich und Siegfried von Runkel vergeben.
Um das Jahr 1500 lebten 100 Familien im Ort, deren Zahl sich durch die Pest im Zeitraum von 1551 bis 1598 stark reduzierte. Durch die Reformation wurden die Einwohner Obertiefenbachs im Jahr 1580 evangelisch-reformiert. 1587 besaßen die Grafen von Wied das Patronatsrecht. Im Jahr 1604 hatte der Ort 53 Familien mit und 20 Personen ohne Landbesitz. Ein Großteil des Dorfes (34 Häuser und 30 Scheunen) wurde bei einem Großbrand im Jahr 1638 vernichtet. Am Ende des Dreißigjährigen Krieges 1648 lebten nur noch 13 Familien im Ort. Am 21. Juni 1649 verpfändete die Grafschaft Runkel das Pfarrdorf an den Fürsten Johann Ludwig von Nassau-Hadamar. Die Bevölkerung wurde dadurch nach etwa 90-jähriger Unterbrechung wieder katholisch. Obertiefenbach war Privateigentum des Fürsten und gehörte nicht dem Fürstentum an. Als das Hadamarer Fürstenhaus im Jahr 1711 ausstarb, fiel das Dorf Obertiefenbach an die Töchternachkommen Merode-Westerloo und Salm-Salm.
In Obertiefenbach wurde im Jahr 1733 eine neue Kirche erbaut. Auf dem Beselicher Kopf wurde am 8. September 1767 nach dreijähriger Bauzeit die Wallfahrtskapelle „Maria Hilf“ eingeweiht. Die Grafen von Wied-Runkel erwarben in den Jahren 1771 und 1774 den Ort von Merode-Westerloo und Salm-Salm zurück. Auf einem Obertiefenbacher Feld fand 1795 im ersten Koalitionskrieg ein Gefecht zwischen Österreichern und Franzosen statt. Die Österreicher konnten die Franzosen zurückschlagen und quartierten sich eine geraume Zeit in Obertiefenbach ein. Im Laufe dieses Krieges gab es wechselnde Eroberungen im Gebiet an der Lahn, wobei der französische Divisionsgeneral François-Joseph Lefebvre mit weiteren drei Generälen in diesem Ort sein Hauptquartier aufschlug. Im Jahr 1796 wurde wegen der in der nächsten Umgebung tobenden Kämpfe in der Schule ein Lazarett eingerichtet. Für die Gemeinde Obertiefenbach entstand in den Jahren 1795 bis 1797 ein Kriegsschaden in Höhe von 36080 Gulden. Der Ort war ab 1806 Teil des Herzogtums Nassau, das 1866 von Preußen annektiert wurde. Am 1. November 1813 zogen die mit Preußen und Österreichern verbündeten russischen Truppen, die dem endgültigen Rückzug der Franzosen unter Napoleon folgten, in Obertiefenbach ein. Das Im Jahr 1816 aufgestellte Inventar des Dorfes berichtet von 41 ledernen und 100 aus Stroh gefertigten Gemeindeeimern, die im Kirchturm aufbewahrt wurden. Der Verlauf der Langen Meil wurde im Jahr 1816 auf die heutige, rund acht Kilometer nahezu vollkommen gerade, Straßenführung der Bundesstraße 49 zwischen Limburg und Obertiefenbach umgelegt. Dieses damals neu erstellte Teilstück wurde auf die Spitze des Kirchturms der Kirche St. Ägidius von Obertiefenbach ausgerichtet.
Ein laufender Brunnen wurde im Jahr 1820 als Viehtränke angelegt. Kirchenrechtlich gehört Obertiefenbach dem Bistum Limburg seit dessen Gründung am 23. November 1827 an. Am Weg nach Oberweyer wurde 1835 der heutige Friedhof angelegt. Aufgrund der Deutschen Revolution wurde im Jahr 1848 als Dorfoberhaupt erstmals ein Bürgermeister gewählt. Als Rathaus wurde 1849 das Gebäude an der Kirche, in dem heute eine Pizzeria ansässig ist, eingeweiht. Am Feldzug des Deutsch-Französischen Krieges 1870/71 nahmen 52 Männer aus dem Ort teil, wobei einer von ihnen fiel und fünf weitere verwundet wurden. In der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts bildeten die sechs Gemeinden Heckholzhausen, Obertiefenbach, Gaudernbach, Wirbelau, Eschenau und Schupbach einen Löschbezirk. Bei ausbrechendem Brand hatten sofort bestimmte Einwohner mit vier angeschirrten Pferden die in Schupbach stationierte Feuerspritze zu holen. Anfang des Jahres 1880 gründete sich die Freiwillige Feuerwehr Obertiefenbach. In der Folge bildete sie mit den beiden Freiwilligen Feuerwehren Weilburg und Braunfels den Löschbezirk Oberlahn im Feuerwehr-Verband für den Regierungsbezirk Wiesbaden, innerhalb dessen sie erstmals am 3. August 1890 in Obertiefenbach ihr Verbandsfest feierten. Das große Schulgebäude mit Schulhof entstand 1872/73 im Ortskern und das Pfarrhaus neben der Kirche im Jahr 1875. Die Kirche aus dem Jahr 1733 wurde wegen Baumängeln und aus Kapazitätsgründen 1884 abgetragen, jedoch blieb der Kirchturm erhalten. In den Jahren 1885 bis 1888 entstand die jetzige neugotische Kirche.
mini|Ehemaliges Schwesternhaus im Auer Weg Im Ersten Weltkrieg fielen 32 Männer aus Obertiefenbach. Am 6. September 1917 kamen die ersten Pallottinerinnen-Schwestern nach Obertiefenbach, die ab 3. Juni 1918 den ersten Kindergarten in der Bäckergasse unterhielten. Elektrische Lampen brannten ab dem 21. Juni 1923. Im Frühjahr 1927 folgte die erste Wasserversorgungsleitung, mit der knapp 800 Haushalte versorgt wurden. Die Einweihung des neu erbauten Schwesternhauses der Pallottinerinnen im Auer Weg geschah am 15. August 1932, nachdem die Grundsteinlegung am 14. Mai 1931 erfolgt war. Die Fertigstellung des Feuerwehrhauses in der Georg-Wagner-Straße erfolgte im Frühjahr 1935.
Obertiefenbach hatte im Zweiten Weltkrieg viele Opfer zu beklagen. 56 Soldaten fielen und 36 blieben vermisst. Zum Ende des Kriegs erfolgte am 26. März 1945 der Einmarsch der US-Armee.
Am 20. Juni 1945 wurde Alois Borbonus von der US-amerikanischen Besatzungsmacht als Bürgermeister eingesetzt und später von der Gemeindevertretung gewählt. Im Jahr 1946 brachte die Gemeinde Obertiefenbach annähernd 500 Heimatvertriebene, vorwiegend aus dem Sudetenland, unter, sodass die Einwohnerzahl auf 1707 im Jahr 1961 stieg. Alfred Roth wurde 1962 erstmals als Bürgermeister gewählt. Er war bis 1986 im Amt und wurde nach dem Zusammenschluss im Mai 1971 Bürgermeister der neu entstandenen Gemeinde Beselich.
mini|Obertiefenbacher Friedhof mini|Kriegerdenkmal auf dem Friedhof Der erste Obertiefenbacher Fastnachtsumzug fand am Fastnachtssonntag 1958 statt. Die dörfliche Infrastruktur wurde in den folgenden Jahren erweitert. Im Jahr 1963 wurde die Kläranlage in Betrieb genommen und der neue Sportplatz zu Pfingsten eingeweiht, 1964 die Mehrzweckhalle und 1968 die Friedhofshalle. Georg Leber wurde im Juni 1969 zum Ehrenbürger von Obertiefenbach ernannt.
Obertiefenbach als Ortsteil von Beselich
Die Gemeinde Obertiefenbach fusionierte am 31. Dezember 1970 im Zuge der Gebietsreform in Hessen mit den bis dahin selbstständigen Gemeinden Heckholzhausen, Niedertiefenbach und Schupbach (alle im ehemaligen Oberlahnkreis) freiwillig zur Gemeinde Beselich. Namensgeber war das Kloster Beselich. Ortsbezirke nach der Hessischen Gemeindeordnung wurden nicht errichtet. Am 1. Juli 1974 wurde Obertiefenbach als Ortsteil Beselichs durch die Zusammenfassung des Oberlahnkreises mit dem Kreis Limburg dem neuen Landkreis Limburg-Weilburg zugeordnet.
mini|X. Internationale Feuerwehrsportwettkämpfe 1993 in Berlin, Sieger in der Disziplin Löschangriff – FF Beselich-Obertiefenbach Zwischen Obertiefenbach und Heckholzhausen wurde im Jahr 1975 die Kreisabfalldeponie eingerichtet, auf welcher am 3. Juli 1989 die Main-Kraftwerke AG ein Deponiegas-Kraftwerk in Betrieb nahm. Die ehemaligen Kreisfeuerwehrverbände Limburg und Oberlahn schlossen sich am 20. September 1975 in Obertiefenbach zum Kreisfeuerwehrverband Limburg-Weilburg zusammen. mini|Feuerwehrhaus am Kies Die Einweihung des neugebauten Feuerwehrhauses am Kies erfolgte am 23. September 1977. Der erstmalige Anschluss ans Erdgasnetz war am 8. Oktober 1977. Pfarrer Hermann-Josef Heyer wurde nach 30 Dienstjahren im August 1981 verabschiedet. Die neue Grundschule Beselich in Obertiefenbach wurde am 15. September 1983 eingeweiht. Die „Alte Schule“ wird daraufhin unter Denkmalschutz gestellt. Hans-Peter Wahl wurde 1986 erstmals zum Bürgermeister der Gemeinde Beselich gewählt. Am 19. Dezember 1990 wurde die neu erbaute Sporthalle eingeweiht, die am 12. Dezember 2015 den Namen „Georg-Leber-Halle“ erhielt. Die Pallottinerinnen-Ordensschwestern verließen nach 75 Jahren Tätigkeit am 31. März 1992 das Schwesternhaus im Auer Weg.
Die Sportwettkampfmannschaft der Freiwilligen Feuerwehr Obertiefenbach wurde im Juli 1993 bei den X. Internationalen Feuerwehrwettkämpfen des Feuerwehrweltverbandes CTIF in Berlin Weltmeister in der Disziplin Löschangriff. Sieben Wettkämpfer erhielten in der Siegerehrung die Internationale Feuerwehrsportwettkampfmedaille in Gold.
mini|Seniorenzentrum „Maria Hilf“ im Auer Weg In der Au entstand im Mai 2000 das Seniorenzentrum „Maria Hilf“. Im selben Jahr wurde die bisherige Mehrzweckhalle nach umfangreichen Umbaumaßnahmen zum Bürgerhaus umgewidmet sowie die Ausrichtung der Obertiefenbacher Kirmes von Anfang Oktober auf den ersten Sonntag im September verlegt. Am 8. Oktober 2003 wurden die Teilortsumgehung Richtung Schupbach und eine Brücke über die Bundesstraße 49 eingeweiht. Im Jahr 2004 entstand das neue Investzentrum an der Bundesstraße 49.
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