Der Tatarisch-Kosakisch-Polnische Krieg von 1666 bis 1671 war ein Krieg zwischen den Krimtataren verbündet mit den Saporoger Kosaken aus der rechtsufrigen Ukraine unter ihrem Anführer Petro Doroschenko gegen Polen-Litauen. Der Konflikt mündete im Osmanisch-Polnischen Krieg von 1672 bis 1676.
Hintergrund mini|300px|Vertrag von Hadjatsch: Die Rzeczpospolita als „Republik Dreier Nationen“ (Polen, Litauen, Kosakennation).
Der 1654 ausgebrochene Russisch-Polnische Krieg war wechselhaft und bedeutete für die Kosaken faktisch eine Fortsetzung des Chmelnyzkyj-Aufstands. Bei der Versammlung in Perejaslaw am 18. Januar 1654 leistete der Großteil der Kosakenanführer in Anwesenheit des russischen Bojaren und Botschafters Wassili Buturlin den Treueid auf Zar Alexei Michailowitsch. Nach dem Tod von Hetman Bohdan Chmelnyzkyj wurde am 16. September 1658 der Vertrag von Hadjatsch zwischen Vertretern Polen-Litauens und der ukrainischen Sitsch der Saporoger Kosaken unter Hetman Iwan Wyhowskyj und Pawlo Teterja geschlossen, der die Rückkehr des Hetmanats unter die nominelle polnische Herrschaft brachte. Dies spaltete die Kosakenreihen und stürzte die Ukraine in einen Bürgerkrieg. Nach dem Frontwechsel eines Teils der Kosaken wurde das russische Heer von einer Koalition der Polen, Kosaken und den Krimtataren am 8. Juli 1659 in der Schlacht bei Konotop geschlagen, worauf der Hetman Wyhowskyj trotz des Siegs gestürzt wurde.
Die Polnisch-Litauische Union musste sich aufgrund zahlreicher Kosakenaufstände aus der rechtsufrigen Ukraine zurückziehen. Im Juli 1665 wurde Petro Doroschenko zum Hetman der rechtsufrigen Ukraine erwählt und fand die Unterstützung des Krim-Khanats, einem Vasallen des Osmanischen Reiches. Um seine Position im Raum Tschigirin zu stärken, führte Doroschenko Reformen ein, in der Hoffnung, den Respekt der einfachen Kosaken zu gewinnen. Um sich von der Abhängigkeit von seinen höheren Offizieren zu befreien, schuf er die Serdjuk-Regimenter, die aus 20.000 Söldner bestanden, die nur seinem Befehl unterstanden. Doroschenko nutzte im Frühjahr 1666 den inneren Machtkampf im polnisch-litauischen Reich und sandte seinen Botschafter Podlisenko und einen Ältesten zum König von Polen, um die alten Privilegien und Freiheiten der Kosaken durch neue Patente zu bestätigen.
Im Sommer 1666 ergriff der polnische Kronfeldherr Jan Sobieski Partei für König Jan II. Kasimir gegen den vom Haus Österreich unterstützten Magnaten Jerzy Sebastian Lubomirski (vgl. Lubomirski-Konföderation). Sobieskis Teilnahme am Bürgerkrieg führte allerdings nicht zum Erfolg. Bei Mątwy (13. Juli 1666) trug er durch falsche taktische Anordnungen zur Niederlage der königlichen Truppen bei, ihm selbst gelang nur mit Mühe die Flucht aus dem Schlachtfeld. Der polnische König, durch innere und äußere Niederlagen geplagt, sah sich gezwungen, den Forderungen der Opposition nachzugeben. Im Vertrag von Łęgonice gab er seine Reformpläne auf und legte damit indirekt das Fundament für seine eigene Abdankung. Um aus der inneren Schwäche Polens Kapital zu schlagen, wechselte auch das Krim-Khanat unter der Führung des neuen Khans Adil Giray die Seiten („krimtatarisches Wechselfieber“) und ging mit dem Hetman Doroschenko eine Allianz gegen Polen ein.
Verlauf Im August 1666 passierten die Hauptkräfte der Krimtataren, unterstützt von den Kosaken unter Doroschenko die südlichen Grenzen der polnischen Krone und begannen den Krieg in Podolien. Der Kosaken-Hetman Petro Doroschenko hatte eine Armee von etwa 20.000 Kosaken unter Waffen, weitere 20 000 Krimtataren unter Nureddin Giray kamen ihm zu Hilfe. Die Polen unter Machowski wurden am 19. Dezember 1666 in der Schlacht bei Braiłów von einem viel stärkeren Gegner eingekreist und mussten sich den Rückzug erkämpfen, wurden jedoch von den Tataren bei Braiłów überholt und geschlagen. Ein bedeutender Teil der polnischen Soldaten und der Oberbefehlshaber wurde von den Tataren gefangen genommen.
Friedensverhandlungen, die zwischen den Vertretern Polen-Litauens und Russlands in der Nähe von Smolensk geführt wurden, brachten eine Verschlechterung der Beziehungen Polens zum Osmanischen Reich. Im Vertrag von Andrussowo 30. Januar 1667 verpflichteten sich beide Seiten zur gemeinsamen Verteidigung gegen das Osmanische Reich und seine Vasallen, die Krimtataren. Das Rzeczpospolita anerkannte die russische Herrschaft über die Wojewodschaften von Smolensk und Tschernigow sowie über die linksufrige Ukraine (östlich des Dnepr) einschließlich eines Gebietsstreifens westlich des Dnepr um Kiew an. Das Gebiet der Saporoger Kosaken wurde zur gemeinschaftlicher Herrschaft erklärt. Die Bekanntmachung dieses Traktats wirkte auf die Kosaken wie Verrat; denn der Zar war damit einverstanden, dass die rechtsufrige Ukraine wieder vollständig an Polen kam.
Der jetzt drohende Konflikt Polens mit dem Osmanischen Reich konnte zwar durch die Entsendung einer Gesandtschaft von Hieronymus Radziejowski nach Konstantinopel verhindert werden, allerdings erforderten die sich wiederholenden Einfälle der Krimtataren sofortige Gegenmaßnahmen. Bereits im Herbst 1666 verteilte Jan Sobieski Teile seiner Truppen entlang der Grenzflüsse Horyn und Dnister. Er teilte seine Kräfte in mehrere größere Reiterverbände auf, die in einzelnen Gebieten gestützt auf eine Festung, operierten. Die Kosaken unter Doroschenko und die Krimtartaren unter Kalga Khan brachen ab Juni 1667 in Galizien ein. Gleichzeitig begann Sobieski eine Kampagne gegen die Tataren aus dem Budschak, die in den Woiwodschaften Ruthenien, Wolhynien und Podolien eingebrochen waren. Mit seinen Truppen nahm er ein verschanztes Lager bei Podhajce ein, wo eine kleine Festung die Straße von Lemberg nach Kamenez deckte, während seine Reiterei in zwei Abteilungen aufgeteilt, den anrückenden Feinde in die Flanken fallen sollte. Die Infanterie setzte er vor allem als Besatzungen in Lemberg, Biała Zerkwa und Kamenez-Podolski ein. Das bedrohte Gebiet von Pokutien wird durch den Fluss Pruth in eine nördliche und eine südliche Hälfte geteilt. Sobieski hatte zur Abwehr nur etwa 20.000 Mann verfügbar, wobei nur 5000 Mann aus Infanterie bestand. Sobieski selbst befestigte am 4. Oktober sein Feldlager mit 3000 Mann bei Podhajce und bedrohte damit direkt die Verbindungsrouten der Tataren und Kosaken. Auf allen Routen begegneten sie mobile polnische Truppen, die weitere Plünderungen verhinderten. Doroschenko rückte an der Spitze jener Kosaken, die ihn zu ihrem Hetman gewählt hatten, nahe der Stadt Haize vor. Die vereinigten Truppen bestanden aus rund 30 000 Reitern, gegen die Polen nur 9000 Soldaten stellen konnte. In der Schlacht bei Podhajce (6. bis 16. Oktober 1667) konnte Sobieski den Gegner beim Versuch, das polnische Lager in Sturm zu erobern, abschlagen. Die Kosaken und Tartaren belagerten die polnischen Truppen in seiner verschanzten Stellung zehn Tage lang. Am zehnten Tage kamen etwa 20.000 Mann Verstärkung an und nun griff Sobieski die feindliche Armee an und trug einen entscheidenden Sieg davon, der nach Verhandlungen mit den Tataren (16. Oktober) und Doroschenko (19. Oktober) mit einem Waffenstillstand endete.
Im Sommer 1667 sandte der Zar auf die Nachricht, dass die Tataren ihre Einfälle in die Ukraine begannen, ein Korps russischer Truppen unter General Kosotschew in das linke Dnjepr-Ufer der Saporoger Kosaken, um sie in den Stand zu setzen, ihre Feinde zurückzuwerfen. Das Eingreifen des Zaren, der glaubte den Kosaken damit einen Gefallen zu tun, hatte aber eine entgegengesetzte Wirkung. Die Kosaken beklagten sich wegen Nichteinhaltung der gewährten Freiheiten und fügten hinzu, dass sie sich selber verteidigen könnten. Nach diesen Beschwerden zogen sich zwar Kosotschews Truppen wieder zurück, aber 15.000 Russen nahmen in der Ukraine ihre Winterquartiere, wodurch die Kosaken in ihrem Misstrauen bestärkt wurden. Weil der bisher pro-Moskau treue Hetmann Iwan Brjuchowezkyj jetzt erkannte, dass der größte Teil der Kosaken zum Aufruhr bereit war, wechselte er die Seiten und willigte dazu ein, alle in den Städten residierende russischen Wojewoden zu verjagen. Am 8. Februar 1668 begannen die Kosaken die Russen plötzlich anzugreifen. Der Aufstand umfasste 48 Städte, man beschlagnahmte 14.000 Rubel und 183 Kanonen. Nicht damit zufrieden, die Unterdrückung durch die Wojewoden los zu sein, sandte Brjuchowezkyj den Tataren-Khan ein Ansuchen zum Bündnis wider den Zaren und suchte auch Verhandlungen mit den rechtsufrigen Kosaken unter Doroschenko herzustellen. Nur in Kiew, Neschin, Tschernigow und Perejaslaw hielten die russischen Truppen mit teilweiser Unterstützung der lokalen Bevölkerung aus. Fürst Romodanowski brach mit seiner Armee von Putywl auf, um den bedrängten Wojewoden von Neschin zu befreiten.
Die Krimtataren unterstützten dann separat den Hetman der Saporoger Sitsch, Petro Suchowi, worauf Doroschenko seinen Machtbereich wieder auf das rechte Dnepr-Ufer beschränken musste. Doroschenko übertrug das Kommando in der linksufrigen Ukraine an Demjan Mnohohrischnyj und begab sich selbst nach Tschigirin. Der Ataman Iwan Sirko war ein Befürworter der Freiheit der Saporoger Kosaken und der Einhaltung der Traditionen. Daher wurde für ihn die Zusammenarbeit mit einem Hetman, der mit Tataren und Türken verhandelte, grundsätzlich unmöglich. Sirko suchte sich die Uneinigkeit zwischen Brjuchowezkyj und Doroschenko zu Nutze zu machen, brach in die Krim ein, und verbreitete dort einen solchen Schrecken, dass sich die Truppen des Krim-Khans vorübergehend in die Berge zurückziehen mussten. Sirko zog sich nach seinem Einfall freiwillig zurück, nachdem er alle besetzten Orte, geplündert, verheert und eingeäschert hatte. Am 17. Juni 1668 vereinbarte Brjuchowezkyj auf dem Feld in der Nähe von Dykanka einem gemeinsamen Militärrat mit Doroschenko. Er wurde jedoch verräterisch gefangen genommen und in Doroschenkos Lager gebracht, dieser ließ ihn an den Lauf einer Kanone ketten und hinrichten. Viele dadurch schockierte Kosaken verließen darauf die Seite Doroschenkos und unterstellten sich den aufständischen Einheiten von Petro Suchowi.
Im Herbst 1668 versprach Mnohohrishnyj dem Zaren seine Loyalität, er wurde vom russischen Moskauer Reich anerkannt und am 13. März 1669 zum obersten Hetman für die linksufrige Ukraine gewählt. In Polen überwogen bald wieder antirussische Gefühle, welche die Rückkehr der Stadt Kiew forderten, das nur für drei Jahre an den Zaren abgetreten worden war. Die Moskauer Regierung unter dem Minister Artamon Matwejew gab dagegen jedoch an, dass die Polen bereits gegen das Abkommen verstoßen hätten, weil sie keine Hilfe gegen Brjuchowezkyj, Doroschenko und die Tataren geleistet hätten. Doroschenko sandte Gesandte nach Konstantinopel, welche dem Sultan erklärten, dass sich die ganze Ukraine unter türkischen Schutz begeben wolle. Der Sultan nahm das Angebot zum Bündnis an und schickte auch 6000 Mann ab, um das Bündnis zu festigen. Das Abkommen mit dem islamischen Sultan Mehmed IV. hatte den Ruf Doroschenkos beim freiheitsliebenden christlichen Volk der Kosaken ruiniert. Die meisten Kosaken liefen darauf zum Saporoger-Hetman Suchowi über, dieser war über die neue politische Lage so enttäuscht, dass er seine Stelle an Mychajlo Chanenko übergab und sich vorläufig nach Uman zurückzog. Die militärische Hilfe der Türkei ermöglichte es Doroschenko seine Position wieder zu festigen: Der türkische Botschafter befahl die Krimtataren zurück, die Doroschenko zusammen mit Chanenko und Suchowi belagert hatten. Doroschenko beklagte sich vergebens bei der Hohen Pforte, die Krimtataren unterstützten derweil separat den Hetman der Saporoger Sitsch, Petro Suchowi. Doroschenko glaubte selbst nicht mehr an einen Erfolg, als wider alle Erwartung Sirko mit einem starken Kosakenkorps zu Hilfe kam.
mini|Hetman Petro Doroschenko