mini|Die Entstehung des Münchner Stadtbildes ist durch vielfältige Bautraditionen und Einflüsse geprägt: Blick vom Zentrum der Münchner Altstadt (Frauenkirche) Richtung Südosten

Die Entstehung des heutigen Stadtbildes der Großstadt München (also ihres besonderen Gepräges durch die Wirkung der Gesamtheit ihrer kulturellen und natürlichen BestandteileHans-Rudolf Meier: „Annäherungen an das Stadtbild“. In: Das Auge der Architektur. Hg. A. Beyer, J. Grave, M. Burioni. München 2011. S. 93 ff.) lässt sich nur teilweise aus der späteren Eingemeindung von ehemaligen Bauerndörfern des früheren Agrarlandes Bayern in einen alten, eher bescheidenen Herzogssitz ableiten. Sie erklärt sich ebenso aus teils außergewöhnlicher Bautätigkeit der ansässigen Herrscher und Regierungsverantwortlichen und einer Mischung an Eingemeindungen von Orten mit ehemaligen Adelssitzen, Herrenhäusern und Schlössern und von Vorstädten und kleineren städtischen Gemeinden, sowie aus der verbreiteten planmäßigen Errichtung großer Wohnsiedlungen und anderer Großbauprojekte. Dabei kommen in München seit langem mit der alten Kernstadt konkurrierende städtische Entwicklungen, drängendes Unterkunftsbedürfnis, einzelne progressive Bemühungen und eine städtebaulich gesehen ins Konservative gehende Einstellung vieler seiner Bewohner zum Tragen. In allen diesen Bereichen gibt es auch Überschneidungen.

Hinweis: Dieser Artikel behandelt die Entstehung des Münchner Stadtbildes, bezogen auf die Gegenwart, in allgemeiner, zusammenfassender Form und unter Einbeziehung der Alltagsarchitektur.

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Ehemalige Herzogs-, Kaiser- und Königsstadt Entscheidende ursprüngliche, das gegenwärtige Bild des Stadtinneren prägende Wachstums- und Gestaltungsimpulse hat das 1158 von Herzog Heinrich dem Löwen als Stadt gegründete München während seiner kurzzeitigen Erhöhung zur Kaiser- und später der Erhebung zur Königsstadt erhalten.

mini|Königliche Bautätigkeit wurde für einen Teil des Münchner Zentrums prägend: Im Bild die Maxvorstadt an der Ludwigstraße (mit Staatsbibliothek, Ludwigskirche, Universität und Siegestor im Hintergrund)

Bereits im Mittelalter (13. Jahrhundert) führte die Regierungszeit des deutschen Kaisers Ludwig der Bayer zu einem für damalige Verhältnisse gewaltigen Ausbau der vormals eher beschaulichen Herzogstadt. Das Stadtgebiet wurde vervielfacht auf den Bereich innerhalb des heutigen Altstadtrings. Die kleine Herzogburg (Alter Hof) wurde wenig später von den erstarkten Wittelsbachern durch den Bau der Neuveste ergänzt und als solche von den nachfolgenden Herrschern bis zur heute bestehenden Residenzanlage beachtlichen Ausmaßes ausgebaut.

Diese mittelalterliche Struktur mit dem Marienplatz als Mittelpunkt prägt das Bild des Zentrums der Stadt München unverkennbar grundsätzlich bis heute, im Einzelnen verändert etwa durch Anpassung der Häuser an unterschiedliche Zeitstile, vor allem durch Herzöge gestiftete Vergrößerungen und Neubauten verschiedener Kirchen (spätgotische Frauenkirche, barocke Theatinerkirche und andere), Schaffung des Viktualienmarktes in Anpassung an die bürgerlichen Marktbedürfnisse im frühen 19. Jahrhundert, und Errichtung des Neuen Rathauses mit dem Glockenspiel, um dem gestiegenen Platzbedarf für die Verwaltung der stark gewachsenen Stadt um 1900 zu entsprechen. Allerdings sind die früheren mittelalterlichen Häuserfassaden und Gässchen nicht zuletzt seit den Kriegszerstörungen des Zweiten Weltkriegs und durch späteren Abriss und Wiederaufbau häufig durch heutige Gebäudeanlagen mit Passagen wie den Fünf Höfen oder dem Kaufinger Tor„Kaufingertor-Passage“. München-Wiki. Abgerufen am 5. August 2020. ersetzt worden.

Insbesondere die Erhebung Münchens zur Königsstadt durch die Schaffung des Königreiches Bayern in seinen noch heute bestehenden großen Ausmaßen zu Beginn des 19. Jahrhunderts hat noch einmal neue beachtliche Bauimpulse für das an Bedeutung und Größe seit dem 18. Jahrhundert zunehmende München gebracht. Und bis zum Ende der Monarchie ab 1918 haben dann die Herrscher und Regierenden Bayerns der Stadt München eine enorme Bautätigkeit mit prunkvollen repräsentativen Straßen, Plätzen und Großbauten angedeihen lassen. Der Umfang Münchens wurde damals Zug um Zug wieder beträchtlich erweitert. Es entstanden in diesem Zeitraum von den Architekten des Königs (Klenze, Gärtner) kunstvoll geplant, entlang der Straßen zu den wichtigen um München gelegenen Orten und Vorstädten (siehe unten, Ausfallstraßen), nacheinander der Max-Joseph-Platz mit dem Königstrakt der Residenz und der Staatsoper, die Max-, Ludwigs- und Isarvorstadt mit dem Odeonsplatz, der Universität und dem Königsplatz, sowie der Ausbau der Achse Maxvorstadt-Bogenhausen mit dem Bayerischen Nationalmuseum, dem Prinzregentenplatz und dem Prinzregententheater. Sie sind alle noch heute Träger des Stadtbildes in der zentralen Innenstadt und haben Münchens Ruf als Kunststadt mitgeprägt.

Ehemalige Adelssitze, Herrenhäuser und Schlösser mini|Ein Teil des Münchner Stadtbildes geht auf vormalige Adelssitze zurück. Im Bild das Schloss Nymphenburg mit dem zugehörigen Stadtteil, sowie dem Schlosspark und Teilen von Pasing und Obermenzing im Hintergrund.

Ein nicht unerheblicher Teil der erst viel später nach München eingemeindeten Ansiedlungen vor den Toren der Stadt war schon seit dem 17./18. Jahrhundert in Teilen zu vornehmen Orten geworden – einzelne davon mit vielen Schlössern (Schwabing, stadtgrenze.de: Schloss und Park Biederstein, München-Schwabing Bogenhausen), manche mit Grafen- und anderen Herrensitzen, manchmal mit eigener Gerichtsbarkeit, von den in München ansässigen Landesherzögen verliehen (Bogenhausen, Haidhausen oder auch südliches Sendling und Pasing); im Gegensatz zu reinen Bauerngemeinden besaßen diese damals weit außerhalb Münchens gelegenen Orte also, außer landwirtschaftlichen Höfen, auch Herrenhäuser und andere herrschaftliche Gebäude und waren, ihrer gesellschaftlichen Struktur nach, von dem Neben- und Miteinander manchmal vieler freier und einflussreicher Personen einerseits (Hofbeamte und andere) und einer eigentlichen bäuerlichen, meist weniger bedeutenden Bevölkerung andererseits geprägt. Oder sie hatten gar wie Schwabing schon vor über 200 Jahren ein eigenes geistiges Leben um die dort ansässige vornehme Einwohnerschaft herum.Günter Gerstenberg: An Jackl packst am End vom Stiel. Allitera Verlag. München 2005. S. 11 ff. - Online abrufbar: „An Jackl packst am End vom Stiel“. Internet Archive: Wayback Machine. Abgerufen am 13. August 2020. Der auch in der Gegenwart in München spürbare, teilweise überdurchschnittlich deutliche „Münchner Armutsbericht – Armut in München 2017.“ muenchen.de. Das offizielle Stadtportal. Abgerufen am 2. April 2019. Gegensatz zwischen höher stehenden Bevölkerungsschichten mit üppigem Immobilienbesitz„Die Hauptstadt des Immobilienwahnsinns“ Webseite des Handelsblatt, 28. November 2014. Abgerufen am 2. April 2019. einerseits und ärmeren, teilweise in Wohnungsnot geratenen Menschen,„Der große Hype ist vielleicht zu Ende“Süddeutsche Zeitung: sz.de, 23. Januar 2019. Abgerufen am 2. April 2019. schlägt sich, der alten Tradition entsprechend, bis in die historische Bausubstanz hinein im heutigen Stadtbild nieder: Die teilweise reichen und noblen Orte des 18. und 19. Jahrhunderts, die später zu den heutigen Villenvierteln wurden, sind grundsätzlich geblieben und deutlich im Stadtbild abgesetzt von einfachen Großwohnsiedlungen andernorts, und dem Immobilienbesitz der Nachkommen freier Bauern (siehe unten). Nicht zuletzt hat auch Schwabing mit den später an seinem südlichen Rand angesiedelten Bauten der Universität und der Kunstakademie und mit dem Treiben auf der Leopoldstraße und in ihren Straßenlokalen, seine schon im 18. Jahrhundert eingenommene Rolle als Ort geistvoll gehobenen (vormals höfischen) LebensGünter Gerstenberg: An Jackl packst am End vom Stiel. Allitera Verlag. München 2005. S. 11 ff. - Online abrufbar: „An Jackl packst am End vom Stiel“. Internet Archive: Wayback Machine. Abgerufen am 13. August 2020.„Münchner Stadtteile: Schwabing“. SZ.de. Geschichte, Daten, Fakten. 7. November 2011, 18:34 Uhr. Abgerufen am 13. August 2020. auch äußerlich im Stadtbild erkennbar bewahrt.

Durch Baudenkmäler sind Reste der althergebrachten vornehmen und adligen Vergangenheit einstmals eigenständiger Vororte dem heutigen Münchner Stadtbild, in außerhalb des Zentrums gelegenen Stadtvierteln, mit eingeprägt. Dies sind außer den Schlossanlagen der Wittelsbacher (Schloss Nymphenburg, Schloss Fürstenried) etwa das Schloss Suresnes in Schwabing (18. Jhdt.), dann das Fleischerschlösschen als Nachfolgebau des ursprünglichen Grafenschlosses von Montgelas sowie das Höchl-Schlössl in Bogenhausen (frühes 19. Jahrhundert), weiter das ehemals den Grafen von Preysing gehörende Schloss und heutige kirchliche Zentrum in Haidhausen am Ende der Preysingstraße (ab Hausnummer 83, älteste Teile aus dem 18. Jhdt.„Liste der Baudenkmäler in Haidhausen. Buchstabe P. Preysingstraße“. Wikipedia. Abgerufen am 12. August 2020.), sodann die Villa des in den Adelsstand erhobenen Malers Stuck in Bogenhausen bzw. heute Haidhausen (19. Jahrhundert), und überhaupt viele der reichen Villenbauten und mondänen Patrizierhäuser, die oft auf dem Grund der ursprünglichen Schlösser errichtet wurden und die in den früheren (teilweise) vornehmen Orten und heutigen Stadtvierteln wie Schwabing,„Mythos Schwabing: Von der ersten Erwähnung zur Eingemeindung.“ br.de: BR Bayern 2. Abgerufen am 2. April 2019. Bogenhausen, Haidhausen und Nymphenburg auffallen und in offiziellen Listen aufgeführt sind.

Gleichzeitig haben sich auch noch in der heutigen Münchner Innenstadt einzelne auffällige Reste der Gebäude einer bäuerlichen Bevölkerung aus dem 18./19. Jahrhundert in den vornehm überprägten Ansiedlungen erhalten, wie die denkmalgeschützten Landhäuser unweit des Schlosses Suresnes in Schwabing (zum Beispiel in der Gunezrainerstraße) oder der Kriechbaumhof nahe dem ehemals gräflichen Anwesen in Haidhausen (in der Preysingstraße). Allerdings zeugen genau dort auch alte, bis auf das 18. Jahrhundert zurückgehende Kleinhäuser von bereits damals vorstädtischer Bebauung weit vor den Toren der damaligen Stadt München und stehen in diesen heutigen Stadtteilen für eine schon lange vor der Eingemeindung nach München eingetretene (sub)urbane Tradition und Kontinuität (ebenfalls Gunezrainerstraße und Preysingstraße, siehe unten).

Bedeutende frühere kleinstädtische Orte und Vorstädte mini|Im heutigen Straßenbild vorhandene Zeugen dafür, dass es schon seit dem 18. Jahrhundert verbreitet suburbane Besiedlung um München herum gab: Alte Vorstadthäuser in der Preysingstraße

Außer planmäßig angelegten „Vorstädten“ der Königsstadt gab es schon lange zuvor andere bedeutende, später eingemeindete Orte im Umkreis Münchens, die seit dem Ende des 18. Jahrhunderts gelegentlich auch zu eigentlichen Städten (mit Stadtrecht) aufstiegen. Sie waren von Haus aus nicht rein bäuerlich geprägt, sondern trugen teilweise mehr einen gewissen bürgerlichen oder besonderen aristokratischen suburbanen Charakter. Nachwirkungen davon sind bis heute im Stadtbild Münchens vielfach erkennbar und lassen eine gewisse städtebauliche Kontinuität und Traditionsverbundenheit durchscheinen.