Wo die Sonne aufgeht (Originaltitel: The New Year) ist der Titel eines 1968 publizierten Romans der amerikanischen Schriftstellerin Pearl S. Buck über das Schicksal der „War children“. Am Beispiel des Kindes einer koreanischen Mutter und eines amerikanischen Soldaten, der elf Jahre lang seine einjährige Affäre während des Koreakrieges geheim gehalten hat und der nun durch einen Hilferuf seines Sohnes während seines Wahlkampfes um das Gouverneursamt mit seiner Vergangenheit konfrontiert wird, stellt sich die Frage nach der Verantwortung, eventuell mit dem Ende einer politischen Karriere. Die deutsche Übersetzung von Maria Meinert wurde 1969 veröffentlicht.Perl S. Buck: „Wo die Sonne aufgeht“. Scherz Verlag Bern München, 1969. Droemer Knaur, München und Zürich, 1973.

Überblick Die Romanhandlung spielt auf zwei Zeitebenen: einmal in der Mitte der 1960er Jahre zur Zeit des Kalten Krieges in den USA (1. und 3. Kapitel) und in Südkorea (2. Kapitel) und zweitens in eingeblendeten Rückblicken von Chris Winters und Kim Soonya im 1953 durch einen Waffenstillstand beendeten Koreakrieg. Die Autorin thematisiert am Beispiel des „War childs“ Kim Christopher die Situation der Menschen im Spannungsfeld unterschiedlicher Kulturen: die Ausgrenzung in der koreanischen Gesellschaft sowie die Tabuisierung der Soldatenkinder in Nordamerika.

Handlung 1 Christopher (Chris) Winters, erfolgreicher Anwalt in Philadelphia, der für das Gouverneursamt kandidiert, erhält einen Brief von seinem koreanischen Sohn Kim Christopher, den er zuletzt als einmonatiges Baby gesehen hat. Dieser bittet ihn um Hilfe bei seiner Ausbildung, denn er könne in Korea keine gute Schule besuchen. Winters wird dadurch wieder an seine Zeit vor ca. zwölf Jahren im Koreakrieg erinnert, die er verdrängt hat: Als 24-Jähriger, drei Tage mit Laura de Witt verheiratet, wird er 1952 als Soldat einberufen und nach Korea gebracht, wo ihn der Waffenstillstand 1953 von Kampfeinsätzen befreit. Die in Seoul stationierten Soldaten langweilen sich und amüsieren sich in Tanzlokalen mit einheimischen Mädchen. Chris lernt dort Soonya kennen, die ihre Familie als Barmädchen ernähren muss. Laura erscheint ihm unwirklich fern. Chris und Soonya verlieben sich ineinander, er zieht mit ihr in eine kleine Hütte, sie wird seine Konkubine und hofft, da sie nicht von seiner Ehe weiß, dass er sie heiratet und nach Amerika mitnimmt. Sie wird schwanger und er kehrt, anstatt sich weiter zu verpflichten, nach Amerika zurückkehrt. Er verschweigt ihr den wahren Grund, erklärt ihr, was sie aus ihrer Tradition nachvollziehen kann, er müsse für seine Eltern sorgen und verspricht ihr, zu versuchen wiederzukommen. Doch er bricht den Kontakt mit ihr ab.

Seiner Frau verschweigt er seine koreanische Beziehung. Laura ist eine Kontrastfigur zu Soonya: intellektuell und beherrscht. In seinen Semesterferien hat er als Reporter für eine Zeitung über eine Modeschau berichtet, auf der die angehende Wissenschaftlerin als Mannequin auftrat. Erst nach seiner Rückkehr aus Korea beginnt ihre liebevolle Ehe. Ihre Karrieren nehmen ihnen die Zeit für Kinder: er als Volkswirt und Anwalt, sie als Biologin und Pharmakologin. Laura erforscht die Entwicklung von Medikamenten aus Meeresalgen. Ihr riskantes Tauchen mit Atemgeräten in große Tiefen hat sie ihm zuliebe aufgegeben. Jetzt arbeitet sie in ihrem eigenen Labor und schreibt an einem Buch über ihre Untersuchungen.

Winters erzählt seinem Wahlkampfmanager Joe Berman von der Existenz seines unehelichen Sohnes und dieser rät ihm, die Geschichte geheim zu halten und den Brief nicht zu beantworten, um sein Image bei den konservativen Wählern nicht zu beschädigen. Denn er müsse mit seiner Frau das perfekte Paar abbilden, im Aussehen und in der Moral. Affären würden von seinen Gegnern ausgeschlachtet. Chris sieht dies auch so, aber er hat ein schlechtes Gewissen seiner Frau gegenüber und erzählt ihr von dem Brief. Sie reagiert enttäuscht und befragt ihn nach der Koreanerin im Vergleich zu ihr. Er beschwört ihre Liebe, die sich in der Zeit ihrer Ehe immer mehr vertieft hat. Nach mehreren Gesprächen über ihre Reaktionen auf den Brief entscheidet Laura, allein nach Korea zu reisen, um die Situation des Jungen und seiner Mutter kennenzulernen und mit ihnen zu sprechen.

2 Im zweiten Kapitel wird die Reise Lauras nach Korea erzählt. Im Hotel lernt sie Mr. Choe Yu-ren kennen, der in den USA studiert hat und dessen Firma mit amerikanischen pharmazeutischen Firmen zusammenarbeitet. Er bietet sich ihr als Führer durch die fremde Stadt an, begleitet sie zu Soonyas ärmlichem Haus, in dem sie mit ihrer Mutter und ihrem Sohn lebt, und übersetzt das Gespräch. So erfährt Laura, unterstützt durch einen Bildervergleich, dass Soonya die Mutter von Chris‘ Sohn ist. Mr. Choe hat den Anlass von Lauras Reise schnell erkannt, lädt sie zum Tee in sein Haus ein und informiert sie über die Lebensumstände der Koreanerin. Kim Soonya ist Sängerin und betreibt das „Haus der Blumen“, in dem nur koreanische Männer, keine Ausländer, von schönen wohlerzogenen Mädchen bewirtet und unterhalten werden. Choe bekennt, dass er als Witwer selbst Kunde des Edelbordells ist, Soonya gut kennt, aber nie von ihr bedient worden ist, obwohl er ihr mit einem Kredit beim Aufbau ihres Etablissements geholfen hat. Sie sei eine harte Geschäftsfrau. Prostituierte würden in der koreanischen Gesellschaft akzeptiert werden und dienten als Ergänzung der von den Ehefrauen nicht erfüllbaren sexuellen Wünsche der Männer. Er nimmt Laura mit ins „Haus der Blumen“, sie hört Soonyas Gesangsvortrag, begleitet vom Lautenspiel ihres verkleideten Sohnes und fragt sich, ob dies die Zukunft des Kindes sein soll.

Bei einem zweiten Besuch Soonyas erklärt diese ihr die Situation ihres Kindes: Die Söhne gehören in Korea den Vätern und Christopher hat als vaterloses Kind keine Geburtsurkunde, ist also nicht Teil der Gesellschaft, wird beschimpft und kann keine Schule besuchen. Christopher ist deshalb unglücklich, richtet seinen Zorn gegen seine Mutter und läuft oft von zu Hause weg. Soonya erzählt auch, wie sie Chris kennengelernt, mit ihm zusammengelebt und auf eine Ehe mit ihm in Amerika gehofft hat, obwohl er ihr das nie versprach. Es wird deutlich, dass sie ihn immer noch liebt und zu ihrem Sohn ein Liebe-Hass-Verhältnis hat, das sie in ihrer Gesellschaft wegen der Rollenmuster nicht auflösen kann. Anschließend spricht Laura mit Christopher und fragt ihn nach seinen Wünschen. Er sagt, er fühle sich in Korea als Fremder, er werde als ungeliebter Amerikaner behandelt, weil er seinem Vater gehöre und nicht seiner Mutter, die er liebe und hasse.

Lauras Erkundungen werden komplettiert durch die Bekanntschaft mit zwei amerikanischen Soldaten und sie kann dadurch die Situation ihres Mannes besser verstehen. Leutnant Lucius Brown beschreibt ihr die Einsamkeit der Männer, die keinen Sinn in ihrem militärischen Einsatz sehen und in den Bars einfache Unterhaltungen suchen. Die Ablehnung und Beschimpfung der Kriegskinder verdrängt er. Jim Traynor äußert sich dazu offener und spricht von Verfolgung und Ermordung. Aber er schiebt die Verantwortung den Koreanern zu. Er selbst unterhält eine koreanische Freundin auf Zeit. Im Falle einer Schwangerschaft müsste sie abtreiben. Laura kann sich nicht vorstellen, dass Chris sich so verhalten hätte und berät sich nach ihren verschiedenen Gespräche und Beobachten mit Mr. Choe über Christophers Chance in Korea. Während sie wie ihr Mann eine Schulausbildung in einem Internat Korea favorisiert, warnt Mr. Choe, Christopher werde keine gute Schule finden. Er habe keine Zukunftsperspektive im Land, außer dass er einmal das Geschäft seiner Mutter übernimmt. Bei einem Umsturz im Land oder einer Besetzung durch Nordkorea bestehe sogar die Gefahr, dass er zusammen mit vielen amerikanischen Kriegskindern getötet wird. Daraufhin vereinbart sie mit Soonya, Christopher mit nach Amerika zu nehmen und ihr eine Entschädigung dafür zu zahlen, dass sie bisher allein für ihren Sohn sorgen musste. Mit diesem Geld kann sie ein Haus kaufen, sich ernähren und ihr Geschäft aufgeben. Laura hat ihren Mann über alle Etappen ihrer Recherchen informiert und ihn schließlich umgestimmt, dass sie seinen Sohn nach Amerika bringt. Er schickt eine Vaterschaftserklärung an die Botschaft in Seoul und damit ist Christopher Amerikaner und darf ausreisen. Mr. Choe zieht aus dieser Lösung seinen Vorteil. Er rät Soonya, das Kind abzugeben und bietet ihr an, wenn diese Spur der belasteten Vergangenheit verwischt sei, seine zweite Frau zu werden, und sie stimmt dieser Versorgungsehe ohne Liebe zu.

3 Im dritten Kapitel wechselt die Handlung zwischen zwei Schauplätzen: Von Philadelphia aus führt Chris Winters mit Unterstützung seiner Frau im Bundesstaat Wahlkampf, in New Hampshire besucht Christopher erfolgreich die Waite-Schule und sehnt sich nach der Zuwendung seines Vaters.

Laura bringt Christopher in die USA. Auf dem Flughafen Los Angeles erwartet sie Chris. Sie bleiben zum Kennenlernen einige Tage in Kalifornien. Winters hat entschieden, ohne dies mit seiner Frau abzusprechen und zu ihrer Überraschung, seinen Sohn zuerst einmal, auch während der Ferien, in einer Internatsschule, der Waite-Schule in New Hampshire, zu verstecken, um der Opposition nicht die Gelegenheit zu geben, die schwache Stelle in seiner Biographie im Wahlkampf zu nutzen. Über das weitere Schicksal des Jungen soll später entschieden werden. In Waite geben sie dem Schulleiter James Bartlett gegenüber Christopher als koreanisches Waisenkind aus, das sie adoptieren wollen, und besprechen mit ihm das Unterrichtsprogramm. Sie versprechen Christopher, ihn zu Weihnachten zu besuchen, lassen den enttäuschten Jungen allein zurück und reisen nach Philadelphia weiter.