Poutafontana – auch Pouta-Fontana – ist eine Moor- und Seenlandschaft im Kanton Wallis in der Schweiz und ein Naturschutzgebiet. Das Areal liegt im mittleren Wallis links der in diesem Abschnitt begradigten Rhone auf dem Gebiet der Gemeinde Grône und der Stadt Siders auf etwa 499 Meter über Meer. Nahe beim Naturreservat befindet sich die Ortschaft Pramagnon, ein Ortsteil von Grône. Der geschützte Anteil des Naturareals ist 32 Hektar gross und bildet das grösste Feuchtbiotop im Kanton Wallis. Es ist seit 1994 als national bedeutendes Flachmoor und seit 2001 als Amphibienlaichgebiet von nationaler Bedeutung ausgewiesen,Amphibienlaichgebiete-Inventar: Objektbeschreibungen. Auf bafu.admin.ch.Amphibienlaichgebiet VS 66. map.geo.admin.ch. fehlt jedoch in andern Verzeichnissen national bedeutender Naturschutzgebiete.Das Naturschutzgebiet Poutafontana steht nicht in den offiziellen Listen der schweizerischen Ramsargebiete oder der Vogelreservate und Auengebiete von nationaler Bedeutung (Auen). mini|Moorlandschaft im Gebiet Poutafontana Im Jahr 1948 stellte der Walliser Staatsrat auf das Begehren der Westschweizer Vogelschutzvereinigung Nos Oiseaux ein Feuchtgebiet in dieser Zone unter Schutz. Um 1955 wehrten sich Naturschutzorganisationen, an erster Stelle die Jagdgesellschaft Diana von Siders, gegen die Pläne der damals noch selbständigen Gemeinde Granges (seit 1972 ein Ortsteil der Stadt Sitten), das Gebiet Poutafontana als öffentliche Kehrichtdeponie zu nutzen.Protection de la faune. In: Le Nouvelliste, 17. Mai 1991. Am 9. Juni 1959 erwarb der Kanton den südwestlichen Teil der Sumpflandschaft und erklärte das Areal zum Naturschutzgebiet. 1988 vergrösserte der Kanton das Reservat durch den Ankauf eines angrenzenden Gebiets.Antoine Sierro: Les oiseaux de la réserve de Pouta-Fontana (Grône et Sierre, VS). 1992, S. 3.

Name Der Flurname der Landschaft stammt aus der frankoprovenzalischen Mundart des Unterwallis, dem Patois. Er erscheint auf alten Karten in der Form „Poutaz Fontana“. Das Schluss-z bei frankoprovenzalischen Namen wird in der Regel nicht ausgesprochen und so entstand die verkürzte Schreibweise „Pouta“. „Poutaz Fontana“ bedeutet auf Deutsch etwa «Sumpfkirschen-Quelle» oder vielleicht allgemeiner «übelriechendes Wasserloch», weil die Sumpfkirsche (französisch putier, im Patois poutaz), ein Strauch oder Baum, der oft in Auenwäldern vorkommt, einen unangenehmen Geruch absondert.Adolphe Gros: Dictionnaire étymologique des noms de lieu de la Savoie. La Fontaine de Siloé 2004, S. 501.Chemin de la Peutasse. www.ge.ch, abgerufen am 17. August 2020. Demnach handelt es sich also ursprünglich um eine Zusammensetzung eines Hydronyms, also Gewässernamens, mit einem Pflanzennamen. Heute wird die ursprüngliche Bezeichnung kaum mehr verstanden und man benützt den Flurnamen für das ganze Gebiet mit den Trockenstandorten und Wäldern. Die steile Bergflanke im Süden des Naturschutzgebiets, unterhalb von Nax, heisst heute Les Rares de Poutafontana.

Fauna und Flora Die ehemalige Auenlandschaft bei Grône beherbergt vielseitige Lebensgemeinschaften und bildet mit den weiten Wasserflächen eine wertvolle Zwischenstation für den Vogelzug über die Alpen. Sie bildet das grösste Feuchtbiotop im Kanton Wallis. Mit systematischen Zählungen wurden über 180 Arten von Zugvögeln beobachtet, von denen einige im Wallis nur noch diese Fläche vorfinden. Hatten die Ornithologen früher vorwiegend den Aufenthalt der Zugvögel dokumentiert und meist in den ornithologischen Berichten der Zeitschrift Bulletin de la Murithienne publiziert, untersuchte der Biologe Antoine Sierro im Auftrag der Kommission des Schutzgebiets und des kantonalen Umweltschutzamts um 1990 auch die einheimischen Brutvögel.Antoine Sierro: Les oiseaux de la réserve de Pouta-Fontana (Grône et Sierre, VS). 1992. Zur Kenntnis des Vogelbestands trugen auch Beauftragte der Schweizerischen Vogelwarte Sempach bei.

Verschiedene Vogelarten kamen wegen der veränderten Lebensbedingungen im Rhonetal unter Druck. Wie das «Artenförderungskonzept Vögel Wallis» von 2011 aufzeigte, hat selbst im Naturschutzgebiet Poutafontana der Drosselrohrsänger seit den 1990er Jahren nicht mehr gebrütet.Bertrand Posse (u. a.): Artenförderungskonzept Vögel Wallis. Vogelwarte Sempach und Dienststelle für Wald und Landschaft des Kantons Wallis. Salgesch und Sitten 2011, S. 100.

Das Biotop bietet auch abgesehen von den Zugvögeln vielen Tierarten einen Lebensraum, zu denen neben den Fischen und etwa 50 einheimischen Vogelarten wie Enten und Reihern auch der Biber, den die kantonale Dienststelle für Jagd, Fischerei und Wildtiere 1973 im Naturschutzgebiet einführte,Grône. Les castors laborieux. In: Le Nouvelliste, 12. Juni 2001.Des castors qui vivent heureux. In: Le Nouvelliste, 17. April 1974. der Fuchs sowie Reptilien, Amphibien und Libellen zählen. Im national bedeutenden Amphibienlaichgebiet sind besonders die Gelbbauchunke, die Erdkröte, der Grasfrosch sowie der Seefrosch, der die anderen Arten teilweise verdrängt, nachgewiesen. mini|Renaturierung des Gebiets am Lac de La Corne

Der Pflanzenbestand im Naturschutzgebiet umfasst rund 160 Arten. Im südlichen Abschnitt haben sich zwischen den Flachgewässern auf festen Böden und verlandeten Zonen offene Sumpf- und Riedgebiete mit etwas Gebüsch und einzelnen Pappeln, Erlen und Eichen entwickelt, während im nördlichen Teil ein Rest des Auwalds steht. Die früher im Gebiet vorkommenden Tannen sind wegen des gesteuerten Wasserhaushalts abgestorben.Antoine Sierro: Les oiseaux de la réserve de Pouta-Fontana (Grône et Sierre, VS). 1992, S. 8.

Seit den 2010er Jahren wird im Schutzgebiet Poutafontana ein Rückgang von Insekten beobachtet. Seit Jahrzehnten beklagten Einwohner der Ortschaften Pramagnon und Grône eine starke Mückenplage in der Umgebung des Sumpfgebiets. Eine im Auftrag des Umweltschutzamts und der ETH Zürich durchgeführte Expertise empfahl verschiedene Massnahmen gegen die Vermehrung der Stechmücken, von denen 17 Arten im Naturreservat vorkommen. Man schritt gelegentlich zum Abmähen der ausgedehnten, im seichten Wasser stehenden Schilfbestände, in denen man die Brutstätte der Insekten identifiziert hatte.Une B. A. en faveur de la protection de la nature. In: Le Nouvelliste, 17. April 1975. Mit einer um 1980 angelegten Schleuse wird das Gebiet regelmässig geflutet, um einerseits die Verbuschung und andererseits die Vermehrung der Mücken zu stoppen. Mit Insektiziden werden die in den Gewässern lebenden Insektenlarven bekämpft. 2016 fand im Gebiet eine grössere Aktion zur Bekämpfung von Stechmücken statt, die in der Öffentlichkeit zu einer Kontroverser führte,Pouta Fontana. Was ist bloss mit den Insekten los?. Blog von Claudia Schnieper. 2. Juni 2016, abgerufen am 12. August 2020.Le Nouvelliste 25. Mai 2016. weil auch andere Insektenarten von den Massnahmen betroffen sein können und weil mit dem Rückgang der Insekten auch verschiedenen Vogelarten, darunter auch Zugvögeln, das Nahrungsangebot fehlen kann.Antoine Sierro: Les oiseaux de la réserve de Pouta-Fontana (Grône et Sierre, VS). 1992, S. 30.

Ein nicht unwesentlicher Einfluss auf die Lebensgemeinschaften im Naturschutzgebiet geht von den stark schwankenden klimatischen Bedingungen an dieser Stelle aus. Die Landschaft bei Pramagnon liegt im Winter während vier Monaten im Schatten des hohen und steilen Berghangs von Nax, und die Wasserflächen von Poutafontana sind lange zeit zugefroren. Im Sommer ändern die Temperaturen oft extrem, weil das Rhonetal in der Umgebung von Siders und Sitten die Landschaft mit den meisten Sonnenstunden in der Schweiz ist.Anzahl der Sonnenstunden an ausgewählten Messstationen in der Schweiz im Jahr 2019.

Landschaftsgeschichte mini|Flusslandschaft bei Grône um 1845 Um die gewässerkundlichen und biologischen Eigenheiten des Naturschutzgebiets Poutafontana zu verstehen, muss man seine weitere Umgebung mit ihrer Geschichte betrachten. Denn das heutige Biotop ist keine alte, unberührte Naturlandschaft, sondern verdankt seine Entstehung und Charakteristik einer Reihe menschlicher Eingriffe in diesem Abschnitt des Rhonetals während der letzten 200 Jahre.

Die Böden im Gebiet der Talebene von Granges und Grône liegen auf einer etwa 300 Meter mächtigen Schichtenfolge von Fluss- und Bachsedimenten, Seeablagerungen und Gletschermoränen.Damian Glenz (u. a.): Caractérisation de l’aquifère superficiel de la plaine du Rhône entre Sierre et Evionnaz (Suisse). In: Emmanuel Reynard (u. a., Hrsg.): Le Rhône, entre nature et société. Cahiers de Vallesia 29. Sion 2015, S. 109–128. In der Schlussphase des Eiszeitalters, als der Rhonegletscher nur noch das Oberwallis bedeckte, floss noch lange Zeit der Anniviersgletscher in das Tal bei Siders und Sion hinaus und brachte Moränenschutt aus dem südlichen Seitental in die Eben hinaus. Im Süden des Areals ragt ein kleiner Hügel wenige Meter über die Flussebene hinaus. Die älteren Ausgaben der Landeskarte der Schweiz zeigen auf der Fläche des Werkgeländes noch weitere solche Kuppen. Sie sind wie die grösseren Anhöhen bei Granges und Siders die Überreste des grossen nacheiszeitlichen, prähistorischen Erdrutsches von Siders und haben seit langem das Interesse der Geologen geweckt.Marcel Burri: La géologie du quaternaire aux environs de sierre. In: Bulletin de la société vaudoise des sciences naturelles, 66, 1955, S. 1–14.Fritz Nussbaum: Die Bergsturzlandschaft von Siders im Wallis. In: Actes de la Société hélvetique des Sciences naturelles, 122, 1942, S. 11–12.Marcel Burri: La géologie du quaternaire aux environs de Sierre. In: Bulletin de la Murithienne, 72, 1955, S. 1–14. Der einzige im Naturschutzgebiet noch vorhandene Hügel bietet heute als Trockenstandort besondere Lebensbedingungen im Biotop Poutafontana, dessen Gewässer im Übrigen mit der grundwasserführenden Schicht der Rhonebene verbunden sind. Glenz (u. a.): Caractérisation de l’aquifère superficiel de la plaine du Rhône entre Sierre et Evionnaz (Suisse). 2015.