Ein Wohnwagen (Synonyme: Caravan, Campingwagen) ist ein Anhänger (fast immer ein Starrdeichselanhänger) für Kraftfahrzeuge, in dem sich eine Wohnungseinrichtung befindet. Wesentlicher Unterschied zu den Wohnmobilen (Reisemobilen) ist das Fehlen eines eigenen Antriebs. Anhängergespanne unterliegen in den meisten Ländern Geschwindigkeitsbeschränkungen (typischerweise 80 bis 100 km/h).

Geschichte mini|Ein früher Wohnwagen (Pferdewagen), Schottland, Ende 19. Jahrhundert Erste „touristische Reisewagen“ wurden seit Ende des 19. Jahrhunderts in Großbritannien gefertigt. Es waren bisweilen sehr luxuriös eingerichtete, zweiachsige und anfangs noch von Pferden gezogene Gefährte (Pferdewagen oder Kutschen). Schon kurz nach Einführung des Automobils entstand hier im Jahre 1908 der erste „Caravan Club“. Zu Beginn des Zweiten Weltkrieges gab es auf den britischen Inseln mehrere tausend Wohnwagen.Geschichte der Wohnwagen (englischsprachig)

mini|Dethleffs Wohnauto, Replik des ersten Caravans Deutschlands aus dem Jahre 1931 Das deutsche Pendant zum englischen „Reisewagen“ wurde von Arist Dethleffs (1908–1996) im Jahre 1931 erfunden. Der Peitschen- und Skistockvertreter nannte sein Gefährt „Wohnauto“ und erfüllte damit den Wunsch seiner Verlobten, der Malerin Fridel Edelmann, die sich, wie sie in einem Brief an ihren künftigen Ehemann schreibt, „so etwas Ähnliches wie einen Zigeunerwagen, in dem wir gemeinsam fahren und ich noch malen könnte“, vorstellte. „Wohnauto“ war ein irreführender Begriff, denn es handelte sich dabei um einen richtigen (Wohn-)Anhänger. Er wurde zu Ostern des folgenden Jahres fertiggestellt.

Das „Wohnauto“ wurde zu einer Art Hochzeitsgeschenk. Die Frischvermählten bereisten damit noch im selben Jahr die Republik und sorgten für Aufsehen, so dass schon bald zahlreiche Bestellungen bei dem Erfinder eingingen. Dethleffs verlegte sich kurze Zeit später auf die serielle Produktion seines mittlerweile modifizierten „Wohnautos“ und gründete das Unternehmen Dethleffs. Unter dem Markennamen werden bis heute Wohnmobile und Wohnwagen hergestellt.

Zu einer Verbreitung der Wohnwagen kam es ab den 1950er Jahren. 1977 kamen in Westdeutschland bereits 26 Campinganhänger auf 1000 Pkw, besonders hoch war deren Verbreitung in Holland und Irland mit 87 bzw. 82 Campinganhängern je 1000 Pkw.Caravan-Dichte. In: Kraftfahrzeugtechnik 4/1978, S. 105. Auch in Osteuropa verbreiteten sich Campinganhänger,Campinganhänger aus der VR Polen und der ČSSR. In: Kraftfahrzeugtechnik 4/1978, S. 120–121. sie wurden jedoch nicht in großen Stückzahlen am Fließband hergestellt, wie es beispielsweise bei Tabbert der Fall war. In der DDR waren Wohnwagen oft nur mit langen Wartezeiten erhältlich und entwickelten sich zu einem Statussymbol. Entsprechend den Möglichkeiten der verfügbaren Fahrzeuge handelte es sich um relativ kleine Einachser sowie verschiedene Wohnzeltanhänger vor allem der Klappfix-Baureihe. In den 1950er Jahren wurden mangels Serienwagen verschiedene Einzelanfertigungen gebaut und besprochen.Für die kommende Camping-Saison. In: Kraftfahrzeugtechnik 12/1957, S. 467–468.Camping-Anhänger für leichte PKW. In: Kraftfahrzeugtechnik 4/1958, S. 153–154.Für Reise und Camping. In: Kraftfahrzeugtechnik 5/1959, S. 210

Typen Wohnwagen gibt es in verschiedenen Grundversionen:

als Zeltklapp-Wohnwagen, der eigentlich ein aus einem Anhänger ausklappbares Zelt ist (Beispiel: Faltmeister, Klappfix, Rhön Universal), als Teardrop-Anhänger in Tropfenform, auch als Motorradanhänger. als Klapp-Wohnwagen, der immerhin feste Seitenwände hat, aber während der Fahrt die Benutzung des Innenspiegels im Zugfahrzeug ermöglicht und vor allem aerodynamische Vorteile hat (Beispiel: die Wagen der französischen Fa. Esterel), als Fahrradwohnwagen. Kleine, sehr leichtgebaute Wohnwagen, die von einem (E-)-Fahrrad gezogen werden können. Sie können als ganz oder teilweise einklappbare Anhänger ausgeführt sein. Auch der Selbstbau ist möglich, Komfortables Camping mit dem Rad, abgerufen am 7. März 2024. als Wohnwagen mit Hubdach, der für die Dauer der Fahrt eine etwas geringere Höhe hat als im Wohnbetrieb (Beispiel: Eriba Touring-Serie von Hymer), als klassische Wohnwagen, dessen Wände feststehen.

Die ersten vier Kategorien sind in nur sehr geringen Stückzahlen vertreten. Häufiger werden Hubdach-Wohnwagen angetroffen, welche von mehreren Herstellern angeboten werden. Der ganz überwiegende Anteil der Wohnwagen fällt aber in die letzte Gruppe der „klassischen“ Wohnwagen.

Bei den klassischen Wohnwagen wird mitunter zwischen

Mini-Wohnwagen, Touring- oder Reisewohnwagen – die häufigste Variante – und Groß- oder Luxus-Wohnwagen, die nur von entsprechend großen und kräftig motorisierten Zugfahrzeugen gezogen werden können,

unterschieden. Es gibt aber keine verbindliche Definition für diese Unterscheidungen; die Grenzen sind fließend.

Von Wohnwagen zu unterscheiden sind Mobilheime, die nur mit Hilfe von Traktoren oder auf Tiefladern von Lkw bewegt werden und sich für die Reise nicht eignen, da sie kein geeignetes Fahrgestell und keine Bremsen haben. Sogenannte „Gartenlauben auf Rädern“ sind Mobilheimen ähnlich, haben aber ein geeignetes Fahrgestell.Konstruktion und Formgestaltung im Camping-Wohnwagenbau. In: Kraftfahrzeugtechnik 9/1980, S. 276–279.

Aufbau und Ausstattung Der Aufbau besteht oft aus einem Rahmen, der außen mit Aluminiumblech und innen mit einer Kunststoff- oder Holzverkleidung beplankt ist, während dazwischen mit Kunststoffschaum (oft Polystyrol oder Polyurethan) isoliert wird. Gewöhnliche Wandstärke ist 30 bis 40 mm, bei hochwertigen Modellen bis zu 50 mm. Der Rahmen besteht bei einigen wenigen Modellen aus Metall (Beispiel: Eriba Touring), in den meisten Fällen aus Holz. Einige wenige Wohnwagen haben eine Hülle aus Polyester, die leichter repariert werden kann und kaum verrottet (Beispiele: QEK Junior, Intercamp / Berger Oase, Lander Graziella). Zunehmend werden auch Fahrzeuge aus glasfaserverstärktem Kunststoff (GFK) gefertigt; die Verwendung von GFK dient eher der besseren Haltbarkeit. Insbesondere Witterungseinflüsse wie Hagel werden z. B. durch ein GFK-Dach, zunehmend auch GFK-Wände, besser kompensiert. Auch die Bodenplatte wird zunehmend aus GFK-Materialien gefertigt. Probleme durch Verrottung von Holz im Aufbau von Wohnwagen durch eindringende Feuchtigkeit entfallen dadurch.

Große (Luxus-)Wohnwagen können bis zu 8 m lang und 2,50 m breit sein. Typische Reisewohnwagen haben eine Aufbaulänge bis zu 4,50 m und eine Breite von 2,10–2,30 m und bieten je nach Innenausstattung bis zu sechs Schlafplätze. Zwei der Plätze sind meist nur für Kinder geeignet, oftmals in Form von Etagenbetten. Schlafplätze können tagsüber zu Sitzgruppen umgebaut werden; zur Gegensitzgruppe (man sitzt sich gegenüber) oder U-Sitzgruppe bzw. Hecksitzgruppe (man sitzt an drei Seiten um den Tisch herum). Auch Reisewohnwagen werden mitunter als Wochenendunterkunft im sogenannten Dauercamping benutzt.

Immer häufiger am Markt zu finden sind Familien-Caravans mit bis zu sieben Schlafplätzen. Meist gibt es ein festes Doppelbett, zwei bis drei feststehende Etagenbetten für die Kinder, sowie eine Sitzgruppe, die nochmals zum Doppelbett umgebaut werden kann.

Übliche Ausstattung (außer bei sehr kleinen Wohnwagen) ist heutzutage ein Küchenblock mit einem zwei- oder dreiflammigen Gaskocher, einem Kühlschrank (Standard ca. 70–90 l; aber auch bis über 150 l – diese großen Kühlschränke können als Absorber-Ausführung während der Fahrt nicht mit der 12V-Stromversorgung des Zugfahrzeuges betrieben werden) und einer Spüle. Die meisten Kühlschränke sind Absorberkühlschränke, die mit 230 Volt Wechselspannung, mit 12 Volt Gleichspannung oder mit Flüssiggas (Propan- bzw. Butangas) betrieben werden können. Diese Geräte arbeiten völlig geräuschlos. Kompressorkühlschränke haben bei geringerer Leistungsaufnahme eine höhere Kühlleistung, sind jedoch vorwiegend nur für eine Stromversorgung (z. B. 12/24 V, seltener auch optional 230 V) ausgelegt. Ihr Betrieb ist nicht geräuschlos. Marktführer bei den Caravankühlschränken ist die Firma Dometic (ehemals Electrolux). Ebenfalls bietet die Firma Thetford solche an.

Seltener findet man auch Mini-Geschirrspülmaschinen und -Backöfen.

Im Gasflaschenkasten (früher Deichselkasten) können kleine 5-kg- oder 11-kg-Gasflaschen untergebracht werden.

Die Wasserversorgung erfolgt aus tragbaren Kanistern oder fest eingebauten Tanks mit einer Kapazität von 10 bis 70 l. Das Abwasser wird meist in einen untergestellten Eimer, Kanister oder aber in einen geschlossenen Abwasserbehälter (verschiedene Bauarten, in manchen Ländern Vorschrift) geleitet. Auf entsprechend ausgestatteten Campingplätzen können Frisch- und Abwasser fest angeschlossen werden, bisweilen auch Gas.

Vom Vorratsbehälter im Wohnwagen zum Wasserhahn und zur Toilette und Dusche wird das Wasser gepumpt. Die elektrische Pumpe wird durch Kontakte an den Wasserhähnen oder einen Druckschalter in der Wasseranlage gesteuert. Früher gab es Fußschalter, welche man zur Wasserentnahme betätigen musste. Um einer Verkeimung des Wassers im Tank vorzubeugen und bei zweifelhafter Wasserqualität wird die Zugabe von im Handel angebotenen Entkeimungsmitteln zum Beispiel auf Silberionen-Basis oder auch Chlor empfohlen.

Elektrische Kleinboiler zur Heißwasserbereitung (z. B. Truma-Therme mit 5 l Inhalt) versorgen Bad und Küche. Ebenso werden Gasboiler mit 10–14 l Kapazität zur Warmwasserbereitung verbaut.

Nasszellen mit Waschbecken, meist auch mit Kassettentoilette gehören in der Regel zur Grundausstattung. Durch eine Serviceklappe kann der Fäkalientank zur Entsorgung entnommen werden. Vor allem größere Wohnwagen können auch über eine Dusche verfügen. Dabei dient die Duschtasse oft als Nasszellenboden und ist an den Grauwassertank angeschlossenen. Grauwassertanks werden separat entleert, Frischwassertanks von außen befüllt.

Für Wintercamping haben fast alle Wohnwagen eine Gasheizung; einer der führenden Hersteller ist die Firma Truma. Eine gleichmäßige Temperaturverteilung wird mit einer Warmluft-Verteilanlage erreicht. Winterrückenlehnen mit Abstandhaltern zwischen den Polstern und den Außenwänden ermöglichen eine Hinterlüftung, um Schwitzwasserbildung zu vermeiden. Auch werden Fußbodenheizung und Heizungen mit Warmwasserkreislauf angeboten. Beim Fahren muss die Gasanlage ausgeschaltet werden, wenn sie nicht für den Betrieb während der Fahrt zugelassen ist.

Der Handel bietet eine automatische, druckgesteuerte Umschaltung an, die auf eine zweite Gasflasche schaltet, sobald der Gasvorrat der ersten Gasflasche verbraucht ist. Ein überraschender manueller Flaschenwechsel wird somit vermieden.

Die Fahrgestelle der meisten Wohnwagen stammen von den Herstellern AL-KO, BPW Bergische Achsen oder Knott GmbH. Die Modelle sind mittels Auflaufbremse gebremst. Bremst der Zugwagen, läuft der Wohnwagen zunächst von hinten auf das Zugfahrzeug auf. Durch den Druck der Deichsel auf die Kugelstange der Anhängerkupplung wird nun die Bremsanlage des Wohnwagens, grundsätzlich handelt es sich um eine Trommelbremse, betätigt. Durch ein starkes Anschrägen der Backenbetätigung wird zum einen ein Servo-Effekt erreicht, zum anderen ein problemloses Rückwärtsfahren dadurch ermöglicht, dass beim Rückwärtsrollen nur eine ganz geringe, vernachlässigbare Bremswirkung entsteht. Ältere Wohnwagen hatten bis ca. in die 1970er Jahre hinein noch eine von Hand einzulegende Rückfahr-Sperre an der Deichsel, die den Auflaufbremsmechanismus zum Rückwärtsfahren außer Kraft setzte.

Ein vom Zugfahrzeug abgekuppelter Wohnwagen kann in der Regel von Hand rangiert werden; fernbediente elektrische Rangierhilfen erleichtern das Rangieren.

Die meisten Camper verwenden ein Vorzelt oder Sonnendach vor dem Wohnwagen. Hierdurch wird die Nutzfläche stark vergrößert. Das Vorzelt wird als Windfang bzw. Wetterschutz, zum Abstellen von Gegenständen oder auch zum Trocknen von Kleidung verwendet. Hier wird auch häufig gekocht.