Der Frauenkultur e. V. Leipzig ist ein feministischer Verein in Leipzig.

Geschichte Im November 1989 beschlossen einige Frauen sich organisatorisch vom Neuen Forum zu trennen und gründeten die Fraueninitiative Leipzig mit verschiedenen Arbeitsgruppen. Eine Arbeitsgruppe beschäftigte sich mit „Weiblicher Kunst und Ästhetik“ – aus dieser ging der Frauenkultur e.V. Leipzig hervor. Das offizielle Gründungsdatum der Frauenkultur Leipzig war der 1. Oktober 1990.

Insgesamt entstanden 1990 fünf Soziokulturelle Zentren in der Stadt Leipzig. Mitarbeitende der Frauenkultur und des „Haus Steinstraße“ erarbeiteten den Entwurf für ein „Modellprojekt Soziokultur in Freier Trägerschaft“; abgestimmt mit Anker Leipzig, Conne Island und naTo. 1991 wurde nach Beschluss des Stadtrats der Vertrag über Freie Trägerschaft mit allen fünf Soziokulturellen Zentren (Anker Leipzig, Conne Island, Frauenkultur Leipzig, Haus Steinstraße, naTo) und der Stadt Leipzig unterzeichnet und für fünf Jahre festgeschrieben. Das war gleichzeitig der Beginn der Leipziger „AG Soziokultur“.

Die Frauenkultur Leipzig ist seit ihrer Gründung Veranstaltungsort für Konzerte, Lesungen, Filme, Vorträge, Kurse, Workshops, Tagungen und Seniorinnen-Singen. Von 1991 bis 1993 waren die Redaktion der Frauenzeitschrift Zaunreiterin und die Lesbengruppe „Lila Pause“ ebenfalls in der Frauenkultur ansässig.

Da die Frauenkultur Leipzig in der gesellschaftlich-strukturellen Umbruchsphase nach 1989 in einem übergreifenden Miteinander mit anderen Arbeitsgruppen der „Fraueninitiative Leipzig“ agierte, fungierte der Verein 1991 bis 1992 zudem als verantwortlicher Träger von ABM-Stellen für einzelne dieser Arbeitsgruppen: mit je einer weiteren ABM-Stelle für das Büro der „Fraueninitiative Leipzig“ für die Erstellung der "Frauen-Blätter" und die entstehende Frauenbibliothek MONAliesA im Haus der Demokratie, für das Lese-Café des Frauenbuchladen Tian in der Könneritzstraße und für zwei Stellen der Redaktion der Zaunreiterin.

1991 und 1992 fanden zwei internationale Workcamps gemeinsam mit dem Service Civil International (SCI) statt; 1992 die ersten Frauenkulturtage in den Neuen Bundesländern. 1994 zog die Frauenkultur von der Löbauer Straße 49 in einer Interimslösung ins Budde-Haus in Leipzig-Gohlis. 1994 bezog die Frauenkultur Räume in der Braustraße 17/19 in der Leipziger Südvorstadt und 2000 in der Windscheidstraße 51, auf das Gelände der Kulturfabrik Werk 2.

Im Mai 2000 bezog die Frauenkultur das Haus in der Windscheidstraße 51. In den Räumen der einstigen Werkskantine des VEB Werkstoff-Prüfmaschinen mit einer Bühne für Konzerte, Lesungen und Vorträge, kleineren Räumen für Kurse und Büro, einem Café, in dem sich regelmäßig Arbeitsgruppen oder Stammtische treffen und an dessen Wänden Platz für Ausstellungen ist, gestaltet die Frauenkultur bis heute das soziokulturelle Leben der Stadt Leipzig mit. Hier feierte der Verein sein zehnjähriges Jubiläum mit einem bunten Veranstaltungsprogramm. Zu sehen gab es die Kunstausstellung „ART of Woman – eine Collage“. Zudem wurden musikalische Darbietungen, Dokumentarfilme sowie eine lange Partynacht angeboten. 2007 entstanden die Grafiken an den Fensterläden durch die Leipziger Künstlerin Antje Olowaili. So erhielt das Gebäude seine bis heute noch sichtbare bunte Farbe.

2010 schloss sich die Frauenkultur unter der Dachmarke „Kulturfabrik Leipzig“ mit drei weiteren Vereinen zusammen, mit dem Werk 2 e. V., der Halle 5 e. V., und den Cammerspielen Leipzig e. V. Der Zusammenschluss sorgte für eine bessere Vernetzung der einzelnen Akteure untereinander und beflügelte die Organisation von gemeinsamen Veranstaltungen wie einem gemeinsamen Sommerfest und einem Weihnachtsmarkt am Connewitzer Kreuz. Die Erlöse unterstützen den Interkulturellen Mädchentreff MiO und die Leipziger Kulturfabrik.

2020 feierte die Frauenkultur ihren 30. Geburtstag. Im Rahmen des Jubiläums wurde die Ausstellung „30 Jahre Frauenkultur Leipzig“ gezeigt.

Am 1. Oktober 2025 feiert die Frauenkultur ihren 35. Geburtstag in der Windscheidstraße. Mit der Eröffnung der Ausstellung "Die stumm bleiben, werden nicht gehört! 19 Porträts von Leipzigerinnen aus der Zeit vor und nach 1989.

Veranstaltungen und Aktionen Die Frauenkultur Leipzig gründete sich mit dem Ziel, Frauen in ihrer künstlerisch kulturellen Arbeit zu unterstützen und zu fördern sowie Geschlechterstereotype zu hinterfragen und dekonstruierend entgegenzuwirken. Seit 1994 werden jährlich soziokulturelle Projekte in den Bereichen „Soziokultur“ sowie „Gleichstellung und Geschlechtergerechtigkeit“ umgesetzt. Angeboten werden Kurse, Workshops, Chöre und Bildungsveranstaltungen, Stadtrundgänge und Schreibwerkstätten, und es finden Konzerte, Ausstellungen, Lesungen und Filmvorführungen statt. Neben seiner Publikationstätigkeit pflegt der Verein ein einschlägiges Archiv.

Seit 1994 koordiniert die Frauenkultur die Frauenprojekte Leipzig.AG Frauenprojekte Leipzig

Die Räume des Zentrums dienen seit 1990 für Einzel- und Gruppenausstellungen und der Verein veranstaltet ebenso Ausstellungen an externen Orten in Leipzig, wie der Oper Leipzig, der Galerie Fiedler oder im Haus der Buches Leipzig. Seit 1992 organisiert der Verein einzelne Konferenzen und Workshops zu frauen- und genderrelevanten Themen oder zum Rassismus in der Gesellschaft.

2009 veranstaltete die Frauenkultur einen Newcomerinnen-Wettbewerb für Singer/Songwriterinnen, bei dem die Künstlerin „Sylvia totally unplugged“ von der Jury als Siegerin gewählt wurde. Aufgrund der vielen Anfragen von Singer/Songwriterinen für den Wettbewerb organisierte die Frauenkultur 2010 das erste Singer/Songwriterinnen-Festival in Leipzig. Die Frauenkultur öffnete ihre Räume stets für Musikerinnen aus aller Welt. Neben der amerikanischen Singer/Songwriterin McKinley Black gaben auch die Roma Musikerin Rada Vascenko skandinavische Musikerinnen wie Kerstin Blodig und Laura Hoo, die Band Bra'Agas, die australische Musikerin Kirbanu, Sue Ferres aus Neuseeland, Kim Edgar aus Schottland sowie die Rapperinnen Sookee und Leila Akinyi und viele weitere Musikerinnen Konzerte in der Frauenkultur. Dass die Frauenkultur als Ort für weibliche Kunst und Kultur weit über die Stadtgrenzen Leipzigs hinaus bekannt ist, zeigt sich in den vielen überregionalen Anfragen von Künstlerinnen.

Auch im Bereich der bildenden Kunst gab die Frauenkultur Künstlerinnen aus aller Welt die Möglichkeit ihre Kunstwerke auszustellen. Neben Mona Hakimi-Schüler zeigte u. a. die pakistanische Künstlerin Shehzil Malik ihre Kunstwerke. Maliks Ausstellung „Looking through Dark Eyes“ im Jahr 2019 thematisierte Fragen der Sozialisation, der Rollenzuschreibungen, soziale Normen, gesellschaftliche Zwänge sowie Fragen der eigenen Identität und Emanzipation der Frauen. Shehzil Malik konnte, trotz erschwerter Reisebedingungen, bei der Ausstellungseröffnung anwesend sein und unterstützte die Frauenkultur zudem bei einer Kunstaktion in der Leipziger Innenstadt.

2018 wurde im Rahmen des Leipziger Wave-Gothic-Treffens, dem weltweit größten Festival seiner Art, die Kunstausstellung „Dark meets Romantic“ der Fotografin Sylvia Schmehl in der Frauenkultur gezeigt. 2019 schrieb die Frauenkultur den Kunstwettbewerb „Frauen '89 und Künstlerinnen 2019“ aus. Der Wettbewerb stellte zum 30. Geburtstag der friedlichen Revolution die historischen Dimensionen der Aktivitäten von Frauen 1989 in den Mittelpunkt und erreichte auch Künstlerinnen über die Stadtgrenzen Leipzigs hinaus An verschiedenen Ausstellungsorten konnten die Werke gezeigt werden.

Um auf die Unterrepräsentation von Frauen in der Wissenschaft, insbesondere an Lehrstühlen von Hochschulen, aufmerksam zu machen, fand 2011 eine Podiumsdiskussion mit den derzeit drei Leipziger Hochschul-Rektorinnen statt – der Universität Leipzig, der HTWK und der HGB. Die Frauenkultur entwickelte in Kooperation mit dem Referat für Gleichstellung und Lebensweisenpolitik im StudentInnenrat der Universität Leipzig das langfristige Projekt „Women in Science“, in dessen Rahmen Absolventinnen und Wissenschaftlerinnen die Möglichkeit gegeben wurde, ihre Forschungsarbeiten öffentlich vorzustellen.

Seit 2015 organisiert die Frauenkultur in Kooperation mit weiteren Vereinen das Leipziger Frauenfestival.

Im Rahmen des 150-jährigen Gründungsjubiläums des Allgemeinen Deutschen Frauenvereins (ADF) trafen sich im Jahr 2015 insgesamt 35 Historikerinnen und Frauenstadtführerinnen zu einer Arbeitstagung in Leipzig. Während dieses Tagungswochenendes veranstaltete die Frauenkultur einen Geocaching Rundgang zu „Aktivistinnen 89_Queerfeministinnen 2014“. Dieser Rundgang zu Aktivistinnen von 1989 wird auch heute noch von der Frauenkultur angeboten.

2015 fand in der Frauenkultur der internationale Breakdance-Wettbewerb für Frauen „Queen Sweet 16 Battle“ statt. Erstmals traten außerhalb der USA die 16 weltweit besten Breakdancerinnen aus Schweden, Frankreich, Russland, Slowenien, Polen, Ukraine, der Schweiz, den Niederlanden und Deutschland gegeneinander an. Die jüngste der Teilnehmerinnen aus Großbritannien war acht Jahre alt. Bis 2023 organisierte die Frauenkultur vier Mal das Festival Queen16.

2016 eröffnete der Frauenkultur e. V. Leipzig das „Interkulturelle Frauen Informations- und Begegnungszentrum FiA | Frauen in Arbeit“ – in der Konradstraße, um generationsübergreifend Frauen aus allen Kultur- und Sprachräumen mit Informationen zu unterstützen zu den Themen: Ausbildung, Anerkennung von Abschlüssen, berufliche Qualifikationen, versicherungspflichtige Erwerbstätigkeiten und Praktika. Das FiA bietet auch soziokulturelle Angebote und Begegnungen an. 2017 startete das Sprachtandem „Sprich mit mir“ in Kooperation mit dem Museum der bildenden Künste Leipzig.

Im Bereich Theater initiierte die Frauenkultur verschiedene Projekte. Beispielsweise entstand 2018 im Rahmen der Aktion „Wem gehört die Stadt?“ ein performatives Theaterstück mit dem Titel "Szenen einer Stadt". Dafür befragten die Mitarbeiterinnen der Frauenkultur im Vorfeld Leipziger Passanten nach Wünschen und Gestaltungsideen für die Stadt Leipzig. Das Theaterstück wurde als Teil des Gemeinschaftsprojektes der AG-Soziokultur auf dem Wilhelm-Leuschner-Platz in der Leipziger Innenstadt aufgeführt.

2019 fanden im Rahmen des Clara Schuhmann-Jahres verschiedenste Veranstaltungen zum Gedenken an Clara Schuhmann und ihr künstlerisches Schaffen statt. Unter dem Titel "Clara 2019" bot die Frauenkultur, auch in Kooperation mit anderen Leipziger Akteuren, Workshops, Konzerte, Vorträge sowie Stadtführungen an.

Während der Covid-19-Pandemie bot die Frauenkultur Online-Veranstaltungen an. So auch das Projekt „Zitate von Frauen, die ermutigen, die stärken, die leichter machen“. In dieser Aktion wurden Zitate gesammelt, die auf der Website des Vereins zu finden sind.

Kinder- und Jugendarbeit Der Verein eröffnete 1991 das erste Mädchencafé in Leipzig. Das Mädchencafé wurde an den jeweiligen Orten weitergeführt bis 2008. Die Frauenkultur veranstaltete zahlreiche Malwettbewerbe für Kinder und Jugendliche und führt seit 1999 jährlich ein Sommercamp für Mädchen durch. 2021 wurde das Online-Projekt „Hinsehen. Handeln. Jetzt!“ gegen sexuellen Missbrauch von Kindern gestartet, das Hilfe und Unterstützung bei sexuellen Übergriffen bietet.

Die Frauenkultur ist anerkannter Träger der freien Jugendhilfe.