Die Ostpreußen-Kaserne war eine Kaserne der Bundeswehr in Homberg (Efze), in der seit 1967 Versorgungs-, Nachschub- und Instandsetzungseinheiten der Panzergrenadierbrigade 5 sowie zwischen 1981 und 1992 das teilaktive Panzergrenadierbataillon 51 untergebracht waren. Die Kaserne wurde nach der preußischen Provinz Ostpreußen benannt. Sie umfasste 20,1 Hektar. Nach der zivilen Konversion der Flächen wurden Teile der Kasernenanlagen abgebrochen, andere Flächen für die Gewinnung von Solarenergie verwendet.

Bau und Nutzungsgeschichte mini|Ehemalige Ostpreußen-Kaserne Gebäude U4 (2021) mini|Ehemalige Ostpreußen-Kaserne Gebäude U2 und U3 (2021) mini|Ehemalige Ostpreußen-Kaserne, T-Bereich (2021), und Blick auf Homberg (Efze) Nachdem sich bereits 1955 die Stadt Homberg/Efze um die Stationierung der Bundeswehr bemüht hatte und 1957 dem Bau einer Kaserne sowohl durch den Bundesminister der Verteidigung als auch durch die hessische Landesregierung die Zustimmung erteilt worden war, konnte am 20. September 1961 die erste Kasernenanlage, die spätere Dörnberg-Kaserne, durch den Stab der Panzergrenadierbrigade 5 und das Feldartilleriebataillon 55 bezogen werden. Bereits zu diesem Zeitpunkt stand fest, dass diese Kaserne jedoch zu geringe Kapazitäten bot, um auch noch das für den Standort Homberg/Efze vorgesehene Versorgungsbataillon 56 der Panzergrenadierbrigade 5 aufzunehmen. Es sollte nachfolgen, wenn hierfür noch vor Ort Platz geschaffen ist.

Bis 1967 wurden sodann auf einer südlich der Stadt gelegenen Fläche, die sich westlich an die bestehende Dörnberg-Kaserne anschloss und lediglich durch die Kreisstraße 36 nach Waßmuthshausen von ihr getrennt war, 7 Unterkunftsgebäude, 1 Stabsgebäude, 1 Wirtschaftsgebäude, über 20 Gebäude im Technischen Bereich, Sportstätten, 1 Unterrichtsgebäude sowie verschiedene andere Einrichtungen erbaut. Am 12. Juli 1967 wurde die Kaserne der Bundeswehr übergeben und zugleich als „Ostpreußen-Kaserne“ benannt.

Damit konnte das Versorgungsbataillon 56 einziehen. Diese Einheit war am 1. März 1959 im Zuge der Heeresstruktur 2, nach der die Brigaden über ein eigenes Versorgungsbataillon verfügen sollten, aufgestellt worden. Sie war zunächst in der Georg-Friedrich-Kaserne in Fritzlar stationiert worden, wobei die 2. Kompanie am 20. September 1961 in die Dörnberg-Kaserne bereits umgezogen war. Doch bereits mit Einnahme der Heeresstruktur 3 wurden die Versorgungsbataillone der Brigaden wieder aufgelöst. Dies hatte zur Folge, dass am 30. März 1972 zunächst aus der 4./Versorgungsbataillon 56 die Nachschubkompanie 50 hervorging, die der Panzergrenadierbrigade 5 unterstellt war und weiterhin in der Ostpreußen-Kaserne stationiert blieb. Sodann erfolgte am 1. Juli 1972 die Bildung der Instandsetzungskompanie 50 aus der am 1. April 1959 aufgestellten 3. Kompanie des Versorgungsbataillons 56. Auch sie war der Panzergrenadierbrigade 5 zugeordnet. Am 1. Oktober 1972 wurde das Versorgungsbataillon 56 schließlich aufgelöst.Uwe Walter: Von Wölfen, Leoparden und anderen Raubtieren. Die Geschichte des Heeres der Bundeswehr in Hessen und den angrenzenden Bundesländern, 1. Teil, Burgwald-Verlag, Cölbe-Schönstadt 2010, S. 22–24

In der Ostpreußen-Kaserne wurde am 1. April 1976 die Panzerjägerkompanie 50 neu aufgestellt. Dies war erforderlich geworden, weil die in Wolfhagen in der Pommern-Kaserne bisherige Panzerjägerkompanie im Zuge der Erprobung der Heeresstruktur 4 in Panzerjägerkompanie 340 umbenannt und der Panzerbrigade 34 unterstellt worden war. Die neue Panzerjägerkompanie 50 verblieb in Homberg/Efze bis zu ihrer Auflösung zum 31. März 1992.Uwe Walter: Von Wölfen, Leoparden und anderen Raubtieren. Die Geschichte des Heeres der Bundeswehr in Hessen und den angrenzenden Bundesländern, 1. Teil, Burgwald-Verlag, Cölbe-Schönstadt 2010, S. 15–16

Die Heeresstruktur 4 brachte die Aufstellung des Panzergrenadierbataillons 51 (teilaktiv) zum 1. Oktober 1980 in der Ostpreußen-Kaserne. Die gekaderte 1. Kompanie des Bataillons war unmittelbar der Panzergrenadierbrigade 5 unterstellt und ebenfalls in der Ostpreußen-Kaserne stationiert. Die 2. Kompanie war dem Panzergrenadierbataillon 52 zugeordnet und in der Alheimer-Kaserne in Rotenburg an der Fulda beheimatet. Die 3. Kompanie unterstand dem Panzergrenadierbataillon 53 und war in der Georg-Friedrich-Kaserne Fritzlar untergebracht. Die 4. Kompanie gehörte dem Panzerbataillon 54 an und war in der Blücher-Kaserne stationiert. Zum 30. September 1992 wurde das Panzergrenadierbataillon 51 wieder aufgelöst.Uwe Walter: Von Wölfen, Leoparden und anderen Raubtieren. Die Geschichte des Heeres der Bundeswehr in Hessen und den angrenzenden Bundesländern, 1. Teil, Burgwald-Verlag, Cölbe-Schönstadt 2010, S. 25. Die 3./Feldersatzbataillon 105 war als Geräteeinheit in den 1980er Jahren in der Kaserne eingelagert.

Die Luftwaffe gab nach dem Ende des Kalten Krieges in der Ostpreußen-Kaserne ein kurzes Intermezzo. Im August 1990 verlegte die 4. Staffel des Flugabwehrraketengeschwaders 38 nach Homberg. Ihre Einsatzstellung befand sich nun auf dem Semmelberg der Gemeinde Knüllwald (). Das Geschwader war am 1. August 1959 als Luftwaffenflugabwehrbataillon 46 in Nörvenich aufgestellt worden. Am 1. August 1962 verlegte zunächst der Stab, ab dem 15. Februar 1964 auch die Batterien in die Kaserne Haus Hardt. Doch bereits am 1. Juli 1965 erfolgte die Umbenennung in Flugabwehrraketenbataillon 38. Ende 1965 zog das Bataillon nach Alt Duvenstedt-Krummenort bei Rendsburg. Die 3. Batterie wurde in Windbergen stationiert (), während die 4. Batterie zunächst nach Krummenort (), 1967 nach Schafstedt () und schließlich 1970 nach Wesselburener Deichhausen kam (). Das Bataillon selbst erhielt die Wulf-Isebrand-Kaserne in Heide am 7. Oktober 1967 als neuen Standort. Im Zuge der Einnahme der Luftwaffenstruktur 3 wurde es am 1. Oktober 1989 in Flugabwehrraketengeschwader 38 umbenannt. Aus den Batterien wurden Staffeln. Am 1. April 1990 erfolgte der Unterstellungswechsel zum Flugabwehrraketenkommando 4. Im August 1990 verlegte das gesamte Geschwader in neue Standorte in Nordrhein-Westfalen und Hessen. Das Geschwader lag mit seinem Stab in Burbach (Siegerland). Die 3. Staffel kam zunächst nach Lich (). Am 1. Januar 1993 wurde das Geschwader in Flugabwehrraketengruppe 38 umbenannt. Im November 1993 gab die 3. Staffel den Standort Lich auf und verlegte ebenfalls nach Homberg in die Ostpreußen-Kaserne. Doch bereits am 31. Dezember 1995 folgte die Deaktivierung der 3. und 4. Staffel sowie ihre Umwandlung in Geräteeinheiten als neue 5. und 6. Staffel. Sie wurden schließlich am 31. Dezember 2001 aufgelöst. Ihrem Schicksal folgte ein Jahr später auch die gesamte Flugabwehrraketengruppe 38.

Mit der Heeresstruktur 5 wurde zum 1. April 1993 aus der Instandsetzungskompanie 50 die 4. Kompanie des Instandsetzungsbataillons 51 mit neuem Standort in der Herrenwald-Kaserne Stadtallendorf. Die Nachschubkompanie 50 wurde am 1. April 1993 zur 9./Nachschubbataillon 51, verblieb jedoch in der Ostpreußen-Kaserne. Am 1. Oktober 1996 wurde sie am Standort zur 2./Nachschubbataillon 52 als Geräteeinheit umgegliedert. Zum 30. Juni 2003 wurde diese Einheit schließlich aufgelöst.

Zur medizinischen Versorgung war in der Ostpreußen-Kaserne der Sanitätsbereich 44/1 zwischen dem 1. Juli 1972 und dem 30. Juni 1997 mit Material ausgestattet und das Sanitätszentrum 405 vom 1. April 1986 bis 30. September 1996 eingerichtet. Die Zahnstation (Terr) H 429 bestand ab 1. Juli 1973 und wurde zum 1. April 1981 in die Zahnarztgruppe 405/1 umgegliedert, die schließlich zum 31. Dezember 1998 aufgelöst wurde.

Der Katholische Standortpfarrer Homberg war zwischen dem 1. Mai 1955 und dem 30. Juni 2007 eingesetzt. Der Kasernenkommandant war mit Unterstützungspersonal vom 1. Oktober 1981 bis zum 31. Dezember 2005 hier tätig.

Der Standort verfügte über einen Standortübungsplatz mit ca. 300 Hektar Gesamtfläche, auf dem die Standortschießanlage 441/2 zwischen dem 1. April 1972 und dem 30. November 2000, die Übungsschießanlage Fliegerabwehr aller Truppen 441/2 zwischen dem 1. Oktober 1975 und dem 31. Oktober 2005 sowie die Standortmunitionsniederlage 441/5 zwischen dem 1. April 1981 und dem 30. September 2000 eingerichtet waren. Zudem bestand die Standortfernmeldeanlage 415/122.

Die Ostpreußen-Kaserne wurde zum 31. Dezember 2005 geschlossen.

Konversion Eine noch vor der Aufgabe der Kaserne durch die Bundeswehr für das Hessische Ministerium für Wirtschaft, Verkehr und Landesentwicklung im Jahr 2005 erstellte Studie zur Nachnutzung der ehemaligen militärischen Liegenschaften bescheinigte für den zum Januar 2006 freiwerdenden Standort einen mittelmäßigen bis guten baulichen Zustand. Für das Abwassernetz lag bereits eine Schadensfeststellung und ein Sanierungskonzept vor, eine Umsetzung war jedoch noch nicht erfolgt. Allerdings kam die Studie zu dem Ergebnis, dass von einer Nutzung oder Entwicklung der Ostpreußen-Kaserne abzusehen sei. Begründet wurde dies zum einen in der zurückhaltenden gewerblichen Nachfrage in der Region und eine prognostizierte negative demografische Entwicklung für den Schwalm-Eder-Kreis, die dazu führten, dass die Entwicklungspolitik der Kommunen auf die Bestandssicherung gewerblicher Ansiedlungen und nur äußerst moderate Erweiterung ausgerichtet werden müsse. Da das vorhandene Gewerbegebiet Knüllwald-Remsfeld mit direktem Autobahnanschluss an die Bundesautobahn 7 noch Kapazitäten habe und darüber hinaus ein rund 48 Hektar großes interkommunales Gewerbegebiet Homberg/Knüllwald/Schwarzenborn in Planung sei, wurde eine Entwicklung der Ostpreußen-Kaserne nicht empfohlen. Nachdrücklich warnte die Studie vor einer Splitternutzung einzelner Teile der Kaserne. Die Studie riet davon ab, das Kasernengelände oder auch nur Teilflächen für Siedlungszwecke wie Wohnen, Gewerbe, Dienstleistungen oder Sondernutzungen auszuweisen. Weder die Übernahme der Infrastruktur, noch die Grundstücke sollten in kommunales Eigentum überführt werden. Vielmehr sei es nicht unwahrscheinlich, dass „die Ostpreußen-Kaserne absehbar keiner Nutzung zugeführt werden kann und als Militärbrache liegen bleibt“. Deshalb sei sogar ein Rückbau der Kasernenanlagen auf Kosten des Bundes ins Auge zu fassen.

Die Bundesanstalt für Immobilienaufgaben übernahm nach der Aufgabe der Ostpreußen-Kaserne zunächst die Vermarktung der Kasernenflächen.

2008 fand vom 6. bis 15. Juni der 48. Hessentag in Homberg statt. Die Hessentagsarena war im Herzen der Ostpreußen-Kaserne auf einem Freigelände zwischen den ehemaligen Unterkunftsgebäuden eingerichtet. Es traten u. a. Herbert Grönemeyer, Die Ärzte und das Classic Rock Open Air mit Journey, Kansas und REO Speedwagon auf.

Am 11. Dezember 2008 fasste der Stadtrat von Homberg (Efze) den Beschluss zur Aufstellung des Bebauungsplans Nr. 60 „Gewerbegebiet ehemalige Ostpreußenkaserne“.

2009 signalisierte die Stadt Homberg/Efze die Absicht, die Kasernenareale der Dörnberg- und der Ostpreußenkaserne erwerben zu wollen. Daraufhin stellte die Bundesanstalt für Immobilienaufgaben ihre Vermarktungsbemühungen ein und räumte der Stadt ein Vorkaufsrecht auf die Flächen ein. Der Erwerb der Grundstücke durch die Stadt gestaltete sich jedoch schwierig und verzögerte sich.

Am 18. November 2010 fasste der Stadtrat von Homberg (Efze) den Beschluss zur Aufstellung des Bebauungsplans Nr. 61 „Sondergebiet Photovoltaik“. Gegenstand war die Ausweisung von Flächen des ehemaligen Standortübungsplatzes für den Bau von Solaranlagen. Zugleich wurde die Aufstellung eines weiteren Bebauungsplans Nr. 62 für ein Sondergebiet Photovoltaik nördlich und südlich der ehemaligen Standortschießanlage beschlossen. Hierfür wurden zwar später Planungsleistungen vergeben. Das Verfahren wurde schließlich jedoch auf Eis gelegt, so dass ein Satzungsbeschluss bisher nicht zustande gekommen ist.