Die Bagdad-Batterie, auch unter dem Namen Batterie der Parther oder Batterie von Khu-jut Rabuah bekannt, ist ein Tongefäß, das 1936 bei Ausgrabungen einer parthischen Siedlung an der Stelle des Hügels Khujut Rabuah nahe Bagdad gefunden wurde. Da das Gefäß einen Kupferzylinder und ein Eisenstäbchen enthält, spekulierte Wilhelm König, der Direktor des Irakischen Nationalmuseums, dass es – in einer Reihe mit gleichartigen Objekten zusammengeschaltet – bereits vor 2000 Jahren als Batterie gedient haben könnte, obwohl damals Elektrizität nach bisherigem Wissensstand noch unbekannt war.

Diese These wird von Wissenschaftlern heute größtenteils abgelehnt, da es keinerlei Überlieferungen zu Kenntnissen der Elektrizität, sowie über elektrische Anwendungen des Gefäßes aus den relevanten Epochen gibt. Es gibt jedoch zahlreiche Überlieferungen, die eine okkulte Bedeutung wahrscheinlich machen.

Das Gefäß verschwand während des Irakkriegs im Jahr 2003 und ist seither verschollen.

Ausgrabung Nach einer schweren Überschwemmung Bagdads im Jahre 1936 veranlasste das Gesundheitsministerium eine Aufschüttung von verbleibenden Tümpeln, um einer Malariaepidemie vorzubeugen. Hierzu sollte Lehm des Hügels Khujut Rabuah, nahe der Bahnstrecke nach Chanaqin, abgetragen werden. Dabei stellte sich heraus, dass der Hügel ein Tell war, und das Irakische Nationalmuseum führte eine Ausgrabung durch. Man fand parthische Ruinen (etwa 250 v. Chr.–225 n. Chr.), und in einem Haus außerhalb der Siedlung fand man neben einigen Beschwörungsschalen ein Tongefäß mit einem Kupferzylinder und einem Eisenstab. Dieses fiel zuletzt Wilhelm König in die Hände, der es als antike Batterie zu erkennen glaubte.

In der folgenden Zeit sammelte König Hinweise, die seine Theorie unterstützten, indem er seinen Fund mit weiteren ähnlichen Funden aus der Region verglich. Viele ähnelten dem Aufbau der Bagdad-Batterie, doch nur sie hatte exakt diese Anordnung der beiden Metalle.

Das Gefäß mini|Zeichnung der Fundstücke: Tongefäß, Kupferzylinder und Eisenstäbchen. Die Bagdad-Batterie ist ein circa 14 Zentimeter hohes vasenförmiges Tongefäß, dessen größter Durchmesser rund 8 Zentimeter beträgt. Es enthält einen am unteren Ende verschlossenen, circa 9 Zentimeter langen Kupferzylinder mit einem Durchmesser von 26 Millimeter. In diesem befand sich, durch eine Art Stöpsel aus Asphalt (Bitumenmasse) festgehalten, ein stark oxidiertes Stäbchen aus Eisen. Dessen oberes Ende stand etwa 1 Zentimeter über den Stopfen heraus und war von einer gelbgrauen Oxidationsschicht überzogen.Wilhelm König: Ein Galvanisches Element aus der Partherzeit? In: Forschungen und Fortschritte. Band 14, 1938, S. 8–9.; Walter Winton: Baghdad Batteries B. C. In: Sumer. Band XVIII, 1962, S. 87.A. Al-Haik: The Rabbou'a Galvanic Cell. In: Sumer. Band XX, 1964, S. 103–104. Zwischen beiden Metallen besteht kein leitender Kontakt.

König datierte das Gefäß, wie auch den Tell, auf die Partherzeit. Diese Einschätzung wurde jedoch später revidiert und das Gefäß dem Sassanidenreich zugeordnet, womit es auch zu ähnlichen Funden passt, die König bereits bekannt waren.

Verbleib 1978 wurde das Gefäß in Genf und anschließend im Roemer- und Pelizaeus-Museum Hildesheim mit der Bezeichnung „Apparat“ gezeigt und im Katalog beschrieben. Insbesondere die Hildesheimer Präsentation führte zu einer Flut von Vermutungen über das nunmehr Parther-Batterie genannte Objekt, von denen bisher keine verifiziert wurde.

Kurz nach der US-Invasion im Irak 2003 wurde das Irakische Nationalmuseum geplündert, in dem die Bagdad-Batterie aufbewahrt worden war. Seither ist sie verschwunden.

Vergleichbare Fundstücke Ähnliche und vor allem nach ihrem Inhalt zu unterscheidende Gefäße waren bereits zuvor gefunden und näher untersucht worden:

Unter der archäologischen Leitung von Leroy Waterman, University of Michigan, wurden 1930 bei Seleukeia vier verschlossene Tongefäße ausgegraben.Leroy Waterman: Preliminary Report upon the Excavations at Tel Umar, Iraq. University of Michigan Press, Ann Arbor 1931. Drei dieser in die späte Sassanidenzeit (5. bis 6. Jahrhundert n. Chr.) datierten Fundobjekte waren mit Bitumenmasse versiegelt. Diese Gefäße enthielten einen wiederum versiegelten Bronzezylinder, in dem sich ein eingepresster Papyruswickel befand. Obwohl auf keiner dieser weitgehend zerfallenen Faserrollen Schriftzeichen nachgewiesen werden konnten, andererseits aber diese Tonbehälter mit bis zu vier im Erdboden eingesenkten Metallstäben aus Bronze und Eisen abgesteckt worden waren, wird auf deren kultische Sinngebung und Verwendung geschlossen.Aus frühesten Veröffentlichungen J. M. Upton: The Expedition to Ctesiphon, 1931–1932. In: Bulletin of the Metropolitan Museum of Art. 27, S. 188–197; Emmerich Paszthory: Stromerzeugung oder Magie. In: Antike Welt. 16, 1985. Das vierte ebenfalls versiegelte Gefäß enthielt Glasscherben. Eine von Ernst Kühnel geleitete deutsch-amerikanische Grabungsexpedition fand 1931 im unmittelbar benachbarten Ktesiphon sechs weitere Tongefäße, darunter drei versiegelte Fundobjekte mit jeweils einem, drei und zehn gewickelten und versiegelten Bronzeröllchen. Innerhalb dieser Bronzewickel befanden sich bereits stark zersetzte Zellulosefasern. Ein weiteres Tongefäß enthielt drei versiegelte Bronzezylinder. In den beiden übrigen und ebenfalls versiegelten Gefäßen befanden sich in einem Fundexemplar mit Bleikarbonat überzogene Plättchen aus ursprünglich reinem Blei; im anderen zehn stark korrodierte Eisennägel, an denen Spuren eines umwickelten organischen Fasermaterials nachgewiesen werden konnten.Ernst Kühnel: Die Ergebnisse der Zweiten Ktesiphon-Expedition. In: Forschungen und Fortschritte. Nr. 8, 1932; Ernst Kühnel: Die Ausgrabungen der zweiten Ktesiphon-Expedition. hrsg. Islamische Kunstabteilung der Staatlichen Museen in Berlin. 1933. Zwar erinnert ein Rundwickel aus Metallfolie und Papier an das konstruktionstypische Merkmal eines zum Beispiel mit getränktem Papier aufgebauten Elektrolytkondensators, jedoch gibt es für diese wie auch die bei Seleukia ergrabenen Funde wegen offenkundig fehlender Gegenelektrode keine unmittelbar greifbare elektrophysikalische Funktionsgrundlage.

Batterienhypothese mini|Interner Aufbau nach W. König Wilhelm König vertrat seit 1938 die Auffassung, dass es sich bei dem in Khujut Rabua gefundenen henkellosen Tonbehälter nur um ein galvanisches Element bzw. eine Batterie handeln könne. Auf diesen Standpunkt bezieht sich bis heute eine Reihe kontroverser Abhandlungen.Zur synoptischen Übersicht unter anderem Nasser Kanani: The Parthian Battery – Electric Current 2.000 Years Ago? Eugen G. Leuze Verlag, Saulgau 2004. König stützte sich dabei auf das Aussehen des Fundstücks, das Vorhandensein von zwei verschiedenen Metallen und die Beobachtung, man „brauchte nur eine saure oder laugige Flüssigkeit einzufüllen“, um einen Stromfluss zu erhalten. Ob sich jedoch Überreste einer solchen Flüssigkeit jemals in dem Behälter befunden haben, ist unklar, und die Ergebnisse einer entsprechenden Untersuchung in Wien wurden nie veröffentlicht.

Von König gänzlich unbeachtet blieben Papyrusfunde in vergleichbaren Fundstücken, die das Vorhandensein einer Flüssigkeit unplausibel machen. Zudem ist bei den meisten Fundstücken ungeklärt, ob die Metallnägel überhaupt Teil der Funde waren, oder sich nur in der Nähe befanden.

Wilhelm Königs Angaben über den Aufbau und die Eignung der Parther-Batterie als Galvanische Zelle wurden im Jahr 1962 von Walter Winton, Historiker am Science Museum London, bestätigt. Winton hatte zu dieser Zeit das Irakische Nationalmuseum reorganisiert sowie ein dort vorhandenes Exponat näher untersucht.Walter Winton: Baghdad Batteries B. C. In: SUMER. Band XVIII, Ausgabe 1962, S. 87–88. (englisch) Demnach handelt es sich bei dem von König beschriebenen Fundtyp um eine geschlossene, mit einer bitumenartigen Masse fixierte und versiegelte Anordnung, die sowohl von mehreren fachwissenschaftlichen als auch medienpopulären Beiträgen als Elektrodeneinheit einer Batterie aufgefasst wird.Nasser Kanani: In: Gahname – Fachzeitschrift VINI. Nr. 7, 2004, Quellenliste S. 201–203. Folgt man deren Interpretation als Hauptbestandteil einer galvanischen Zelle, so konnte der von König beschriebene geschlossene Aufbau auch bei ungünstigen Umgebungsverhältnissen einen unter Teilbefüllung reaktionsfähigen Elektrolyten (darunter zum Beispiel Zitronen- oder verdünnte Essigsäure) sowohl vor Austrocknung als auch Verunreinigung bewahren.

Der geschlossene Aufbau liefert aber auch ein starkes Argument gegen die Batterienhypothese: Für eine erfolgreiche elektrolytische Reaktion benötigt die Zelle Sauerstoff. Dieser kann durch den ungebrannten Ton des Gefäßes diffundieren, jedoch nicht durch das mit Bitumen versiegelte Kupferrohr. Der von König beschriebene Aufbau der Batterie kann eine solche Reaktion also nur einmalig für wenige Stunden aufrechterhalten. Ein offener Aufbau, in dem sich die Flüssigkeit im Tonbehältnis anstatt im Kupferzylinder befindet, eignet sich hingegen nicht für eine längere Aufbewahrung, da der ungebrannte Ton nicht wasserdicht ist.Emmerich Paszthory: Stromerzeugung oder Magie. Die Analyse einer ungewöhnlichen Fundgruppe aus dem Zweistromland. In: Antike Welt. Jahrgang 16, Nummer 1, 1985, Darmstadt, S. 3–12.

Wie aus der elektrochemischen Spannungsreihe der Elemente abgeleitet werden kann, ergibt sich für Kupfer und ebenso reines Eisen als galvanisches Elektrodenpaar eine Potentialdifferenz von höchstens ca. 0,79 Volt. Eine generell von den elektrolytischen Eigenschaften abhängige und insoweit auch niedriger zu veranschlagende Zellenspannung lässt sich für das von König erfasste Exemplar und andere Fundvarianten jedoch nicht darstellen, weil ein abgesicherter Rückschluss auf irgendeinen an ihren Metalloberflächen eingewirkten Reaktionsträger nicht vorliegt bzw. möglich ist. Rekonstruktionen zeigten jedoch, dass der geschlossene Aufbau der Zelle bei Stromabnahme zu einem sofortigen Spannungsabfall und Stillstand der Reaktion führt.

Anwendungshypothesen

Vergoldungshypothese Nachdem König den Fund als Batterie klassifiziert hatte, suchte er nach potentiellen Anwendungsgebieten für die Batterien. Die erste von ihm postulierte Hypothese befasst sich mit dem Vergolden metallischer Gegenstände. Diese Theorie fand im vergangenen Jahrhundert, und teilweise bis heute, großen Anklang in der geschichtswissenschaftlichen Welt. Der Physiker George Gamow und der Althistoriker Christopher Kelly (Universität Cambridge) zählen zu den Wissenschaftlern, die sich auf die von Wilhelm König favorisierte elektrochemische Metallveredlung beziehen.George Gamow: Geburt und Tod der Sonne. Verlag Birkhäuser, Basel 1947.Kellys Vortrag bei Ali McGrath, Stuart Clarke: Ancient Inventions. DVD- und TV-Filmreihe Ancient Discoveries. Titel der deutschen Fassung: Hightech der Antike. Erfindungen zwischen Tiber und Tigris. TV-Beitrag (ZDF und Phoenix). Aus diesem Grund befassen sich zahlreiche wissenschaftliche Veröffentlichungen mit der Eignung und Plausibilität dieser Hypothese. König bezieht sich dabei auf ein „primitives Verfahren auf versteckter elektrischer Basis“, das in den 1930er Jahren in Bagdad verwendet wurde, und postuliert, dass dieses vielleicht schon viel älter als das von Galvani entdeckte Verfahren sei. Dieser Theorie widerspricht jedoch eine spätere Untersuchung, die dieses Verfahren auf ein Patent von 1839 zurückführen kann.

Eine Grundlage zur Spekulation bietet dabei die Frage, wie die Parther an eine Goldsalzlösung gekommen sein könnten, da diese für eine galvanische Vergoldung unerlässlich ist. Theoretisch standen den damaligen Goldschmieden zu deren Herstellung Mandelsäure aus Bittermandeln, Blausäure aus Obstkernen, sowie eine Herstellungsmethode mithilfe von verrottendem Leder zur Verfügung. Allerdings ist in keiner historischen Schrift eine Beschreibung derartiger Methoden überliefert.