Die Islamische Revolution (), (ursprünglich) auch als Iranische Revolution bezeichnet, war eine vielschichtige Bewegung, die 1979 zur Absetzung von Schah Mohammad Reza Pahlavi und zur Abschaffung der Monarchie im Iran führte. Sie wird auch Revolution 57 (persisch Enghelāb-e pandschah o haft) genannt, nach dem Revolutionsjahr 1357 im iranischen Kalender.Techrasa, 23. April 2016 (englisch) Symbolfigur und später Revolutionsführer war der Ajatollah Ruhollah Chomeini, der ab 1979 gegen weitere revolutionäre und säkulare Gruppen sein Staatskonzept von der Regentschaft der Geistlichkeit (Welāyat-e Faqih, „Statthalterschaft des Rechtsgelehrten“) zum Teil mit Gewalt durchsetzte und neues Staatsoberhaupt wurde.
Die ersten von Ruhollah Chomeini angeführten Demonstrationen gegen den Schah fanden im Juni 1963 statt. Mit den von der Freiheitsbewegung (Nehzat-e Azadi) um Mehdi Bazargan, Mitglied des Parteienbündnisses der Nationalen Front, unterstützten Protesten sollte das Reformprogramm der Weißen Revolution von Schah Mohammad Reza Pahlavi, vor allem die Abschaffung des Großgrundbesitzes und die Einführung des Frauenwahlrechts, verhindert werden.
Nach einer auf Druck des US-Präsidenten Jimmy Carter im Jahr 1977 erfolgten politischen Liberalisierung lebten die von Chomeini initiierten Demonstrationen im Januar 1978 wieder auf. Zwischen August und Dezember 1978 legten mit Unterstützung der Nationalen Front organisierte Streiks die Wirtschaft des Landes lahm. Der Schah verließ das Land Mitte Januar 1979 und zwei Wochen später kehrte Chomeini, der 1964 ins Ausland abgeschoben worden war, aus seinem französischen Exil nach Teheran zurück, wo er von einer jubelnden Menschenmasse begrüßt wurde. Die konstitutionelle Monarchie brach spätestens am 11. Februar 1979 endgültig zusammen, als Guerillagruppierungen und bewaffnete islamistische Revolutionäre die schahtreuen Teile der Armee in Straßenkämpfen angriffen.
Am 1. April 1979 wurde die bisherige Staatsform der Monarchie als Ergebnis eines zuvor abgehaltenen Referendums abgeschafft und durch die neue Staatsform der Islamischen Republik ersetzt.
Die Islamische Revolution, die zunächst eine iranischeNatalie Amiri: Zwischen den Welten. Von Macht und Ohnmacht im Iran. Aufbau, Berlin 2021, ISBN 978-3-351-03880-9; Taschenbuchausgabe ebenda 2022, ISBN 978-3-7466-4030-3, S. 19 und 219. war, ermöglichte einer mittellosen Landbevölkerung den Aufstieg zu bescheidenem Wohlstand. Viele Dorfbewohner waren in die Slums iranischer Großstädte gezogen und bildeten ein Kleinbürgertum, das loyal zu dem durch die Revolution eingeführten theokratischen System war. Für diese Loyalität erhielten sie Arbeitsplätze, Bildung, Wohnungen, was ihnen zuvor als ländliches Prekariat verwehrt geblieben war. mini|Ruhollah Chomeini bei seiner Rückkehr aus dem Exil am 1. Februar 1979 am Flughafen in Teheran. Oben links: Sadegh Ghotbzadeh
Vorgeschichte Der schiitische Klerus (ʿUlamā') hatte immer großen Einfluss auf den Teil der iranischen Bevölkerung, der religiös und konservativ war und westliche Einflüsse in der iranischen Gesellschaft ablehnte. Dass der Klerus eine bedeutsame politische Kraft war, zeigte sich in der jüngeren iranischen Geschichte 1891 in der Tabakbewegung, die sich gegen eine von Nāser ad-Din Schah erteilte Konzession richtete, die den gesamten Tabakhandel in Iran an die britische Imperial Tobacco Group vergeben hatte.
Wenige Jahre später beteiligten sich auch schiitische Geistliche im Rahmen der Konstitutionellen Revolution (1905 bis 1911) am Sturz der absolutistischen Monarchie und dem Aufbau einer konstitutionellen Monarchie mit einer Verfassung und einem Parlament. Während der Konstitutionellen Revolution kam es zu heftigen Diskussionen zwischen der Geistlichkeit und den bürgerlichen Kräften, welche Rolle der Islam in der Verfassung spielen solle. Revolutionsführer Chomeini bezog sich in seinen Schriften direkt auf den 1909 von den Konstitutionalisten erhängten Scheich Fazlollah Nuri und bezeichnete ihn als Vorbild, der für die Vorherrschaft der Religion im politischen System Irans gekämpft habe. Nuri hatte in der verfassungsgebenden Versammlung durchgesetzt, dass eine Kommission schiitischer Geistlicher jedes vom Parlament verabschiedete Gesetz daraufhin überprüfen müsse, dass es nicht den Gesetzen des Islams widerspreche; ansonsten sei es nichtig.
Jahrzehnte später kam es dann zu den zu erwartenden Auseinandersetzungen zwischen dem Klerus und Reza Schah Pahlavi, der bis dahin gültige islamische Gesetze und Gerichte 1927 durch eine moderne Rechtsordnung westlicher Prägung ersetzte, das Tragen des Hidschāb verbot und die koedukative Erziehung in den Schulen einführte.
Im Jahr 1941 trat Reza Schah Pahlavi nach der anglo-sowjetischen Invasion auf britischen Druck hin zurück. Sein Sohn Mohammad Reza Pahlavi folgte ihm auf dem Thron. Schah Mohammad Reza Pahlavi suchte die Aussöhnung mit der Geistlichkeit und lud die in den Irak geflüchteten Ajatollahs ein, nach Iran zurückzukehren.
1953 führte eine von den Geheimdiensten der USA und Großbritanniens durchgeführte Operation zum Sturz von Premierminister Mohammad Mossadegh. Mit der als Operation Ajax in die Geschichte eingegangenen Geheimdienstoperation wurde die Machtstellung Schah Mohammad Reza Pahlavis weiter gefestigt. Mossadegh hatte die Verstaatlichung der Ölwirtschaft in Iran umgesetzt, um die Ausbeutung der iranischen Ölfelder durch die britische Anglo-Persian Oil Company zu stoppen. Damit löste er eine internationale Krise aus (Abadan-Krise), die letztlich zu seinem Sturz führte.
Ideologische Entwicklungen im Vorfeld der Revolution Chomeinis Kritik an der Weißen Revolution mini|Schah Mohammad Reza Pahlavi bei der Übergabe von Landbesitzurkunden
Der Führer der Islamischen Revolution, der schiitische Geistliche Ruhollah Chomeini, wurde 1963 einem größeren iranischen Publikum dadurch bekannt, dass er sich vehement gegen das Reformprogramm des Schahs, das später den Titel Weiße Revolution tragen sollte, aussprach. Chomeini sah in dem Programm, dessen Hauptpunkte aus einer Landreform, der Stärkung der Rechte der Frauen und einer Alphabetisierungskampagne bestanden, einen Angriff auf den Islam. Chomeini brandmarkte das Referendum über das Reformprogramm als ein gegen Gott gerichtetes Vorhaben und rief alle Gläubigen dazu auf, nicht an der Abstimmung teilzunehmen. Es sprachen sich am 26. Januar 1963 5.598.711 Iraner dafür und nur 4.115 dagegen aus.
Am 3. Juni 1963 griff Chomeini während der Aschura-Feierlichkeiten den Schah in einer Rede in Ghoms Faizieh-Schule persönlich an, indem er eine Rede gegen den Tyrannen unserer Zeit hielt: Nach dieser Rede wurde Chomeini am 5. Juni 1963 verhaftet.
Die Rede Chomeinis gegen die Reformen der Weißen Revolution wurde von gewalttätigen Demonstrationen in Ghom, Schiras, Maschhad und Teheran begleitet. Mehr als 10.000 Demonstranten zogen am 5. Juni 1963 durch die Straßen Teherans, um gegen die Verhaftung Chomeinis zu protestieren. Premierminister Asadollah Alam rief die Armee zu Hilfe, nachdem er nur noch mit einem gepanzerten Fahrzeug den Regierungssitz hatte verlassen können. Zum ersten Mal nach dem Zweiten Weltkrieg herrschte in Teheran der Ausnahmezustand. Truppen marschierten in den Straßen auf, und es wurde auf Demonstranten geschossen. Tausende wurden verletzt. Die Zahl der Toten wurde von Premierminister Alam mit 20 angegeben. Chomeini und seine Anhänger sprachen von 15.000 toten Demonstranten. Nach einer nach der islamischen Revolution durchgeführten Untersuchung von Emad al-Din Baghi waren am 5. Juni 1963 in Teheran bei den gewalttätigen Ausschreitungen 32 Demonstranten zu Tode gekommen. Der Widerstand gegen Mohammad Reza Schah unter Chomeini hatte sich formiert. Führende Politiker der Islamischen Republik Iran erklären heute, die Proteste im Juni 1963 seien die Geburtsstunde der islamischen Revolution gewesen.Abbas Milani: Eminent Persians. Syracuse University Press, 2009, S. 51.
Nach acht Monaten Hausarrest kam Chomeini wieder frei und begann von Neuem, gegen den Schah und seine Regierung zu agitieren. Im November 1964 wurde er ein weiteres Mal verhaftet und in die Türkei abgeschoben.
Chomeini im Exil Nach seinem anfänglichen Aufenthalt in Bursa (Türkei) konnte Chomeini im Oktober 1965 auf sein Drängen hinBahman Nirumand: Mit Gott für die Macht. Hamburg 1989, S. 125. in den Irak reisen, wo er sich zuerst in Bagdad, dann in Nadschaf, einem heiligen Ort der Schiiten, niederließ. Er konnte sich dort relativ frei bewegen und seine Studien und Lehrtätigkeit fortsetzen. In diesem Klima entstand Chomeinis wichtigstes Werk: Der Islamische Staat (1970). In diesem Werk entwickelte er das Staatsprinzip der Welayat-e-faghih („Herrschaft des Obersten Rechtsgelehrten“). In seiner Agitation gelang es ihm allmählich, die Idee des gesellschaftlichen Fortschritts durch die Ausrichtung am Westen, die eine der Grundlagen des Reformprogramms des Schahs war, zu diskreditieren und eine eigene, islamische Fortschrittsideologie zu entwickeln. Dabei griff er auf Dschalāl Āl-e Ahmads Kritik der Verwestlichung Irans zurück. Al-e Ahmad sprach von der Verwestlichung (Gharbzadegi) als Plage, welche die iranische Gesellschaft vergifte.Sandra Mackay: Iranians. 1996, S. 215.
Ein weiterer wichtiger Beitrag, um den als rückwärtsgewandt geltenden schiitischen Islam als fortschrittsorientiert erscheinen zu lassen, waren die Veröffentlichungen von Ali Schariati. Für ihn zeigte der Islam den Weg zur Befreiung der Dritten Welt vom Joch des Kolonialismus, des Neokolonialismus und des Kapitalismus.Nikki R. Keddie: Modern Iran. 2003, S. 201 ff. Morteza Motahharis populäre Predigten über den Kampf des schiitischen Islam gegen die Ungerechtigkeit in der Regelung der Nachfolge Mohammads tat ein Übriges, seine Zuhörer für den neuen Kampf gegen die vermeintlichen Ungerechtigkeiten des Schahregimes zu mobilisieren.
Eines der zentralen Themen Chomeinis war, dass die Revolte und besonders der Kampf des Märtyrers gegen Ungerechtigkeit und Tyrannei zentrale Bestandteile des schiitischen Islam seienThe Last Great Revolution Turmoil and Transformation in Iran von Robin Wright. und dass Muslime dem Islam und weder dem westlichen Weg (Liberalismus und Kapitalismus) noch dem östlichen Weg (Kommunismus) folgen sollten: Na Scharghi Na gharbi Dschomhuriyeh Eslami („Weder Ost noch West [sondern eine] Islamische Republik“).
mini|Chomeini in Neauphle-le-Château vor westlichen Medien Am 6. Oktober 1978 wurde Chomeini von dem Vizepräsidenten Saddam Hussein des Landes verwiesen und nach Frankreich abgeschoben. Er wohnte dort in Neauphle-le-Château, am westlichen Stadtrand von Paris. Dort zeichnete er zahlreiche Reden und Interviews auf Tonband auf und forcierte die Verbreitung dieser Tonbänder in Iran. Amir TaheriAmir Taheri: Chomeini. S. 284. zählt in den wenigen Monaten 132 Rundfunk-, Fernseh- und Presseinterviews auf. Mohammad Beheschti spielte bei der Verbreitung in Iran eine entscheidende Rolle.Heinz Nußbaumer: Khomeini. München 1980. S. 125.
Die Oppositionsbewegung Trotz des angeblich rigorosen Durchgreifens des Schahs und seines Geheimdienstes SAVAK konnten sich drei wichtige Oppositionsbewegungen entwickeln:
Die zwar offiziell verbotene, aber im Untergrund erfolgreich agierende kommunistische Tudeh-Partei leistete überwiegend friedlichen Protest durch die Organisation von Streiks und Demonstrationen. Die Islamischen Volksmudschahedin führten einen bewaffneten Guerillakrieg. Ihre Rolle bei der Entstehung der Islamischen Revolution wurde später von Ayatollah Mahmud Taleghani hervorgehoben. Er wurde Oktober 1979 in der Zeitung Ettelā'āt mit den Worten zitiert: „Die Gründer der Mudschahedin waren wahre Muslime. Sie waren Juwelen – oder Leuchtfeuer –, die in Zeiten der Dunkelheit leuchten. Sie waren es, die den heroischen Kampf begannen, der schließlich in der Islamischen Revolution gipfelte.“Zitiert in Abrahamian: Radical Islam. The Iranian Mojahedin. 1989, S. 81.