Wilczęta () ist ein Dorf und Amtssitz der Landgemeinde Wilczęta im Powiat Braniewski (Kreis Braunsberg) der polnischen Woiwodschaft Ermland-Masuren.
Geographie Die Ortschaft liegt im ehemaligen Ostpreußen, im historischen Oberland, etwa 90 Kilometer südsüdwestlich von Kaliningrad (Königsberg), 18 Kilometer nordöstlich der früheren Kreisstadt Pasłęk (Preußisch Holland) und elf Kilometer ostsüdöstlich von Młynary (Mühlhausen i. Ostpr.).
Geschichte Ortsgeschichte mini|Deutschendorf, südsüdwestlich von Königsberg und nordöstlich der Stadt Preußisch Holland, auf einer Landkarte von 1910 Der ursprüngliche Ortsname Dotschedorf oder Dutschedorf lässt vermuten, dass das Dorf in der ersten Zeit der Herrschaft des Deutschen Ordens gegründet wurde, als es in der Region im Unterschied zu späteren Zeiten noch Dörfer mit rein indigener Einwohnerschaft gab. Wie aus einer vom Elbinger Komtur Siegfried Walpot von Bassenheim am 6. Januar 1392 erneuerten Handfeste hervorgeht, war die erste Handfeste den Lokatoren Heinrich und Herbort von dem Elbinger Komtur Heinrich von Gera ausgefertigt worden, der vom 28. Juli 1305 bis zum 28. April 1312 amtierte, sich jedoch noch in einer Urkunde vom 21. Januar 1313 Komtur zu Elbing nannte. Demnach muss Deutschendorf spätestens 1313 und frühestens 1305 gegründet worden sein. Von den für die Dorfgründung zu kulmischem Recht verschriebenen 84 Hufen waren vier Freihufen für die Kirche vorgesehen.Georg Conrad: Regesten ausgewählter Urkunden des reichsburggräflich und gräflich Dohnaschen Majoratsarchivs in Lauck (Ostpr.), in: Altpreußische Monatsschrift, Band 32, Königsberg i. Pr. 1895, S. 519–554, insbesondere S. 522–523 (Google Books). In Deutschendorf kamen mittelalterliche Hausmarken vor.Sitzungsberichte der Altertumsgesellschaft Prussia, Band 20, Königsberf i. Pr. 1896, S. 61 (Google Books).
Durch eine Urkunde vom 12. November 1469, drei Jahre nach dem Zweiten Frieden von Thorn (1466), verlieh Hochmeister Heinrich Reuß von Plauen Deutschendorf dem schlesischen Deutschordenssöldner Stanislaus von Dohna (um 1430–1504/05) aus dem Hause Kraschen für ausstehende Soldforderungen als erbliches Lehen.Siegmar Friedrich von Dohna: Aufzeichnungen über die Vergangenheit der Familie Dohna, Decker, Berlin 1877, Anhang: Urkunden-Buch der Dohna's, S. 3–5 (Google Books).Georg Conrad: Regesten ausgewählter Urkunden des reichsburggräflich und gräflich Dohnaschen Majoratsarchivs in Lauck (Ostpr.), in: Altpreußische Monatsschrift, Band 32, Königsberg i. Pr. 1895, S. 519–554, insbesondere S. 528–529 (Google Books). Stanislaus erwarb später zusätzlich Karwitten und Karwinden.Anton Chroust: Abraham von Dohna – Sein Leben und sein Gedicht auf dem Reichstag von 1613, München 1896, S. 14–15 (Google Books). Stanislaus oder Stenzel liegt zusammen mit seiner Frau in der Kirche St. Katharina begraben. Achatius zu Dohna (1533–1601) und Fabian zu Dohna (1550–1621) erbauten hier ein Haus. Deutschendorf kam 1654 an den Karwinder Anteil und mit diesem zusammen 1762 durch Kauf an die Gutsherrschaft Schlodien.
Deutschendorf im Oberland gehörte seit der Neuzeit zum Hauptamt Preußisch Holland.Michael Lilienthal: Erleutertes Preußen – Oder Auserlesene Anmerckungen ueber verschiedene, zur Preußischen Kirchen-Civil- und Gelehrten-Historie gehörige besondere Dinge. Band 43, Königsberg 1727, S. 498 (Google Books).Max Toeppen: Historisch-comparative Geographie von Preussen. Gotha 1858, S. 279 (Google Books).
Im Jahr 1785 wurde Deutschendorf als ein adliges Gut und Dorf, zwischen den Fließgewässern Baude, Schene und Passarge gelegen, mit einer Kirche, einem gräflich Dohnaschen Rathaus, einer Windmühle und 58 Feuerstellen (Haushaltungen) beschrieben, das sich im Besitz des Grafen zu Dohna in Karwinden befindet.
In Deutschendorf tagte bis 1852 das Patrimonialgericht des Dohnaschen Güterkomplexes.Adolf Boetticher: Die Bau- und Kunstdenkmäler der Provinz Ostpreußen. Band 3: Die Bau- und Kunstdenkmäler des Oberlandes. Königsberg 1893, S. 13–17 (Google Books). Seit der vor 1845 erfolgten Vereinigung der gräflich Dohnaschen Güter Schlobitten mit Pröckelwitz, Lauck, Reichertswalde und Schlodien mit Karwinden zu einer Grafschaft Dohna lautete sein offizieller Name Gericht der Grafschaft Dohna zu Deutschendorf (für Schlobitten, Lauck, Schlodien und Karwinden).Amts-Blatt der Königl. Preuß. Regierung zu Königsberg, No. 7, vom 12. Februar 1845, S. 50–51, Bekanntmachung No. 25 (Google Books). Das schon früher entstandene Verwaltungsgebäude oder Rathaus, in dem es untergebracht war, wurde im 18. Jahrhundert zweistöckig ausgebaut. Hier wohnte der Amtmann, später der Justizrat, und hier tagte die Verwaltung der Familienkasse bis ins 20. Jahrhundert hinein. Die Dohnas verkauften bald nach 1930 das Haus. Es wurde durch den Zweiten Weltkrieg zerstört und danach abgetragen.Deutschendorf (Ostpreussen.net) 19 Bände älterer Testamentsakten aus der Zeit des Patrimonialgerichts wurden 1900 an das Königliche Staatsarchiv zu Königsberg abgegeben.Georg Conrad: Ein Verzeichniß von Testamentsakten der ehem. Burggräflich und Gräflich zu Dohnaschen gemeinschaftlichen Gerichte zu Deutschendorf, Ostpr., in: Der Deutsche Herold, Jahrgang 32, Berlin 1901, S. 80 (Google Books).
Deutschendorf gehörte im Jahr 1945 zum Landkreis Preußisch Holland im Regierungsbezirk Königsberg im Gau Ostpreußen des Deutschen Reichs. Es wurde 1874 Sitz und namensgebend für einen Amtsbezirk, dem die Dörfer Baarden, Deutschendorf und Seepothen zugeordnet waren. Der Amtsbezirk wurde 1881 aufgelöst, Baarden und Deutschendorf kamen zum Amtsbezirk Schlodien,Amtsbezirk Schlodien (Territorial.de) Seepothen zum Amtsbezirk Lauck.
Im Frühjahr 1945, zum Ende des Zweiten Weltkrieges, wurde die Region von der Roten Armee besetzt. Anschließend wurde die südliche Hälfte Ostpreußens mit Deutschendorf Teil Polens. Der Ort wurde in Wilczęta umbenannt.
Demographie + Bevölkerungsentwicklung bis 1945 Jahr Einwohner Anmerkungen 1782 – adliges Gut und Dorf, mit einer Kirche, einem gräflich Dohnaschen Rathaus, einer Windmühle und Feuerstellen (Haushaltungen), zur Gutsherrschaft Lauck gehörigJohann Friedrich Goldbeck: Volständige Topographie des Königreichs Preußen. Teil I: Topographie von Ost-Preußen, Anhang: Volständige Topographie vom Ost-Preußischen Cammer-Departement, Marienwerder 1785, S. 34 (Google Books). 1818 431 adliges BauerndorfAlexander August Mützell und Leopold Krug: Neues topographisch-statistisch-geographisches Wörterbuch des preußischen Staats, Band 1: A–F, Halle 1821, S. 265, Ziffer 878 (Google Books). 1832 548 Bauerndorf, mit einer Mutterkirche, 63 Häusern und einem PatrimonialgerichtGeorg Friedrich Krause: Handbuch zu dem Atlas von Preußen in 27 Karten; oder: geographisch-statistisch-topographische Beschreibung der preußischen Mönarchie. Zweite Hälfte: Verzeichniß sämmtlicher Städte, Flecken, Dörfer, Weiler, Vorwerke etc. der Monarchie. Band I: A – E, Müller, Erfurt 1835, S. 662 (Google Books). 1858 744 adliges Dorf, mit einer Gemarkungsfläche von 6023 Morgen, zum adligen Gut Karwinden gehörig, davon 717 Evangelische, 18 Katholiken und neun Juden, in 82 WohngebäudenAdolf Schlott: Topographisch-statistische Uebersicht des Regierungs-Bezirks Königsberg, nach amtlichen Quellen. Hartung, Königsberg 1861, S. 117, Ziffer 39 (Google Books).1864 775 am 3. Dezember, GemeindebezirkPreußisches Finanzministerium: Die Ergebnisse der Grund- und Gebäudesteuerveranlagung im Regierungsbezirk Königsberg, 9. Kreis Pr. Holland, Berlin 1966, S. 2–9, Ziffer 31 (Google Books). 1867 827 am 3. Dezember, Kirchdorf 1871 824 am 1. Dezember, Kirchdorf, davon 807 Evangelische, acht Katholiken, ein sonstiger Christ und acht JudenKönigliches Statistisches Bureau: Die Gemeinden und Gutsbezirke der Provinz Preussen und ihre Bevölkerung. Nach den Urmaterialien der allgemeinen Volkszählung vom 1. December 1871 bearbeitet und zusammengestellt. Berlin 1874, S. 172–173, Ziffer 21 (Google Books). 1885 881 am 1. Dezember, Landgemeinde, auf einer Gemarkungsfläche von 1398 Hektar, davon 864 Evangelische, elf Katholiken und sechs JudenKönigliches statistisches Bureau: Gemeindelexikon für das Königreich Preußen. Auf Grund der Materialien der Volkszählung vom 1. Dezember 1885 und anderer amtlicher Quellen. I. Provinz Ostpreußen, Berlin 1888, S. 196–197, Ziffer 20 (Google Books). 1895 843 am 2. Dezember, Landgemeinde, auf einer Gemarkungsfläche von 1400,5 Hektar, davon 830 Evangelische, sieben Katholiken und sechs JudenGemeindelexikon für das Königreich Preußen, Band 1: Provinz Ostpreußen, Berlin 1898, S. 194–195, Ziffer 22 (Google Books). 1910 720 am 1. DezemberDeutschendorf, Dorf, Kreis Preußisch Holland, Regierungsbezirk Königsberg, Provinz Ostpreußen, mit Eintrag aus Meyers Orts- und Verkehrslexikon, Ausgabe 1912, sowie einer historischen Landkarte der Umgebung von Deutschendorf (meyersgaz.org) 1933 682 1939 620
Landgemeinde
Religion mini|Dorfkirche St. Katharina, bis 1945 Gotteshaus der evangelischen Pfarrgemeinde Deutschendorf, seit 1996 römisch-katholische Kirche der Pfarrei Verklärung des Herrn Die Kirche zu Deutschendorf gehörte als Kirche St. Katharina vor der Reformation zum Erzpriestertum Elbing.Monumenta Historiæ Warmiensis oder Quellensammlung zur Geschichte Ermlands, Band 3, Mainz 1866, S. 391 (Google Books). Seit 1996 ist sie als Kirche der Verklärung des Herrn die Pfarrkirche der neu errichteten Pfarrei gleichen Namens.
Kirchengebäude
Das Langhaus der Kirche entstand um 1330, der Chor um 1360. Die Sakristei liegt im Norden. Im Süden befindet sich die in zwei Geschossen zum Kirchenschiff geöffnete Marienkapelle mit Treppenturm, davor die Vorhalle aus dem 19. Jahrhundert. Die Fachwerkvorhalle im Westen ist von 1655. Aus demselben Jahr stammte der nicht mehr vollständig erhaltene Westturm mit Bretterverschalung und vierseitigem Dach und Wetterfahne von 1752 mit dem Dohnaschen Wappen. Er war 1738 restauriert worden, die Kirche im Innern 1870. An der Ostfassade schließt sich mit separatem Eingang die Dohna-Schlodienschen Patronatsgruft an. Hier wurden Familienangehörige der Patronatsrechtsinhaber beigesetzt, darunter am 19. Januar 1866 auch der preußische Staatsminister a. D. Rudolf von Auerswald (1795–1866)Altpreußisch Monatsschrift, Band 3, Königsberg i. Pr. 1866, S. 377–378 (Google Books) und am 7. September 1870 dessen Sohn, der preußische Offizier Adalbert von Auerswald.Jahrbücher für die deutsche Armee und Marine, Band 98, Bath, Berlin 1896, S. 136–137 (Google Books).
Das Kirchengebäude, das zuvor der evangelischen Pfarrgemeinde Deutschendorf als Gotteshaus gedient hatte, wurde 1945 zugunsten der Römisch-katholischen Kirche in Polen zwangsenteignet.
mini|hochkant=1.8|zentriert|Grundriss der Dorfkirche St. Katharina im 19. Jahrhundert
Evangelische Kirche Bis 1945 war die Kirchengemeinde Deutschendorf Teil des Kirchenkreises Preußisch Holland in der Kirchenprovinz Ostpreußen der Kirche der Altpreußischen Union.Walther Hubatsch: Geschichte der evangelischen Kirche Ostpreußens, Band 3 Dokumente, Göttingen 1968, S. 470 Das Kirchenpatronat oblag der Gutsherrschaft derer von Schlodien.
Kirchspielorte: Nach Deutschendorf waren bis 1945 außer Deutschendorf noch Baarden und Schlodien eingepfarrt. Im Jahre 1925 zählte das Kirchspiel 1.279 Gemeindeglieder, für die auch eine Gemeindeschwester in Schlodien im Dienst war.
Pfarrer: Johann Preuß, 1567Agathon Harnoch: Chronik und Statistik der evangelischen Kirchen in den Provinzen Ost- und Westpreußen, Nipkow, Neidenburg 1890, S. 136–137 (Google Books). Peter Bolderan, 1602 und 1609 Peter Meermann, 1624 und 1627 Johann Bleynagel, 1625 vermutlich zunächst Hilfspfarrer, 1631 nach Schmauch gegangen Salomo Grunowius, 1631–1634 Michael Feyerabend, 1635–1653 Melchior Weiß, Ende 1654 angekommen, vermutlich zunächst Hilfspfarrer Heinrich Brandt, seit Mai 1672 David Bierfreund, seit Juni 1688, † 1709