Die Aitape-Wewak-Kampagne war eine der letzten größeren Operationen während des Pazifikkriegs im Zweiten Weltkrieg. Die australische 6. Division, unterstützt durch See- und Luftstreitkräfte, bekämpfte die 18. Armee des japanischen Kaiserreichs im Territorium Neuguinea ab dem November 1944. Diese bis zum Kriegsende andauernden Kämpfe wurden von den Australiern als „Aufräum-Operation“ angesehen.

Bei den dort herrschenden klimatischen und territorialen Bedingungen waren die Verluste durch Krankheiten und der geführten Kämpfe im Verhältnis zur strategischen Notwendigkeit sehr hoch. Gerade dies wurde später in Frage gestellt.

Die japanischen Streitkräfte konnten im Verlauf aus den Küstengebieten in das Landesinnere getrieben werden.

Vorgeschichte Während des Pazifikkriegs wurde die Stadt Aitape und der Rest des nördlichen Territoriums Neuguineas im März 1942 zunächst von der Kaiserlich Japanischen Armee im Rahmen der Invasionsbestrebungen nach Südostasien besetzt. Die Japaner legten dort auch das Flugfeld Tadji an.

Durch eine amerikanische Landung am 22. April 1944 zurückerobert (→ Operation Persecution), wurde Aitape zum alliierten Bereitstellungsraum, um den weiteren Vormarsch in Richtung der Philippinen zu unterstützen. Um amerikanische Truppen für die philippinischen Operationen freizustellen, wurde die Verteidigung des Gebiets auf Befehl von General Blamey an australische Streitkräfte übergeben. Die Truppen der 6. Australischen Division und des 3rd Base Sub Area, eine Logistikeinheit, begannen ab Anfang Oktober 1944 die Amerikaner schrittweise zu entlasten.

Das Kampfgebiet Die Kämpfe wurde in einem langgestreckten Dreieck im Nordosten des Landes ausgetragen. Es wurde im Norden vom Meer, im Süden vom Fluss Sepik und im Westen ungefähr von einer Nord-Süd-Linie durch Aitape begrenzt. Rund um Aitape erstreckt sich die sumpfige Küstenebene etwa 13 km landeinwärts, bevor sie die Ausläufer der Torricelli-Berge erreicht. Östlich von Aitape verengt sich die Ebene und die Berge reichen fast bis an den Strand. Nördlich der Torricelli-Berge gibt es einige Flussdeltas, die während der Regenzeit plötzlichen Überschwemmungen ausgesetzt sind. Im Süden münden die Bäche in den Sepik, einen großen Fluss, der von Schiffen etwa 480 km weit ins Landesinnere befahrbar ist. Zwischen den südlich fließenden Bächen liegt eine Reihe steiler, stark bewaldeter Grate und Felssporne die bei Maprik jedoch etwas weniger rau werden und es gibt weite Gebiete mit Silberhaargras.

Nur zu Fuß konnten sich die Einheiten in den Bergen bewegen, die sich an der Südflanke abrupt erheben. Oft waren die Spitzen der Felsgrate, die in diese Bereiche führen, nur sehr schmal und boten eine Vielzahl von Standorten für Verteidigungspositionen die für Infanteristen äußerst schwierig anzugreifen oder für Artillerie schwer zu erreichen waren.

In der Nähe von Aitape und Wewak gab es einige Kilometer befahrbare Straße und eine Straße zwischen Marui und Maprik, das vor dem Krieg ein Verwaltungszentrum und der Standort eines Flugplatzes gewesen war. Die Küstenregion war nur spärlich bevölkert, aber das fruchtbare Hügelland südlich der Torricelli-Berge war ziemlich dicht besiedelt und seine vielen Dörfer waren durch ein Netz von Fußwegen verbunden.

Die japanische Situation mini|Adachi Hatazō Die 18. Armee hatte infolge australischer Operationen im Hinterland von Salamaua, auf der Halbinsel Huon (→ Schlacht um die Huon-Halbinsel) und im umkämpften Finisterre-Gebirge große Verluste erlitten. Hinzu kam der schwere Rückschlag, den die 18. Armee nach dem Angriff auf die amerikanische Garnison zum Schutz des Flugplatzes und des Hafens von Aitape hinnehmen musste.

Der australische Geheimdienst glaubte im Oktober 1944, dass die 18. Armee auf etwa 30.000 Mann geschrumpft war. Allerdings lag die korrekte Zahl bei ungefähr 35.000. Es war auch bekannt, dass sich das Armeehauptquartier von Generalleutnant Adachi Hatazō einige Kilometer westlich von Wewak befand. Auf den Inseln Kairiru und Muschu wurden rund 2000 Mann vermutet. Die 51. Division unter Generalleutnant Nakano Hidemitsu sollte sich in der Küstenregion vom Fluss Sepik bis etwa Karawop befinden, die 20. Division unter Generalleutnant Nakai Masutaro bei den Flugfeldern But und Dagua sowie im Landesinneren des Maprik-Gebiets und die 41. Division unter Generalleutnant Mano Gorō vor dem Fluss Anumb bis an die Küste nach Balif, wo sie ihr Hauptquartier hatte.

Viele Japaner waren krank oder körperlich schwach, weil es an Nahrungsmitteln und Medikamenten mangelte. Ein großer Teil beschäftigte sich mit Gartenarbeit und Fischerei, und 3000 Basistruppen wurden verteilt, um auf dem Land nach Nahrung zu suchen.

Die australische Situation mini|Generalmajor Stevens Am 15. September 1944 landete eine Aufklärungseinheit der 3rd Base Sub-Area unter Oberstleutnant J. T. Lang in Aitape. Sie war dazu vorgesehen für die nachrückende 6. Division ein Basislager zu errichten. Mitte Oktober trafen weitere Transporter mit Vorräten und Männern der Einheit ein. Als die ersten Soldaten der 6. Division eintrafen war die Basis errichtet, aber der Mangel an Schiffen und Entladungsmöglichkeiten behinderte den weiteren Ablauf erheblich. Letztendlich dauerte es dreieinhalb Monate, bis die letzten Kampfeinheiten in Aitape eingetroffen waren. Die 6. Division stand unter dem Kommando von Generalmajor Jack Stevens.

Zur Luftunterstützung war der Einsatz des No. 71. Wing der RAAF mit drei Staffeln Beauforts vorgesehen. Die taktische Aufklärung sollte von der 4. Staffel mit Boomerangs und Wirraways durchgeführt werden. Weitere Unterstützung sollte auch von Flugzeugen des American Combat Replacement and Training Center in Nadzab, nordwestlich von Lae, geleistet werden.

Nach vorläufigen Patrouillen zur Erkundung der Lage begann der australische Vormarsch der Brigaden der 6. Division im Dezember 1944. Er hatte zwei Achsen; die erste entlang der Küste in Richtung der japanischen Basis in Wewak und die andere in die Torricelli-Berge, die auf das Gebiet um Maprik abzielte. Dieses Gebiet nutzten die Japaner zur Nahrungssuche und Pflanzenanbau damit die japanische Streitmacht überleben konnte.

Beginn der Kämpfe Die japanische 20. und 41. Division hatten ihre Patrouillen verstärkt und Verteidigungspositionen vorbereitet. An beiden Fronten machten die Australier daher nur langsame Fortschritte gegen starke Gegner, aber ihre überlegene Ausbildung und Ausrüstung kamen ihnen zugute. Ende Januar 1945 erreichte die 19. Brigade den Fluss Danmap. Dabei verloren sie 36 Mann, von denen einige bei Überflutungen ertrunken waren. Die Japaner verloren bei den Kämpfen 434 Soldaten. Beide Seiten litten unter Tropenkrankheiten, insbesondere der Malaria, die während der Regenzeit wütete.

Anschließend wurde die 19. Brigade von der 16. abgelöst.

Für den Jahresbeginn 1945 unterbreitete General Stevens drei Vorschläge für das weitere Vorgehen. Er bevorzugte einen Vormarsch entlang der Torricelli-Berge, um zu verhindern, dass sich die Japaner von Wewak nach Süden in die fruchtbareren Gebiete zurückziehen, in denen sie Gärten angelegt hatten. Doch dazu waren die Ressourcen nicht verfügbar. Eine nötige zusätzliche Luftunterstützung konnte nicht bereitgestellt werden. Stattdessen wurde ihm am 10. Februar befohlen, im Rahmen seiner eigenen Ressourcen und ohne größere Schlachten weiter entlang der Küste nach Wewak vorzurücken.

Kämpfe um die Flugfelder But und Dagua mini|Vier Beaufort-Bomber an der Nordküste Neuguineas im Anflug auf japanische Stellungen bei Wewak Ein Bataillon der 16. patrouillierte entlang der Küste bis zum Nordwesthang des Hügels Nambut, wo es auf japanischen Widerstand stieß. In der Nacht vom 29. auf den 30. Januar wurde ein heftiger feindlicher Angriff am Nordwesthang des Hügels abgewehrt. Nachdem am 4. Februar ein Schlag gegen japanische Positionen auf dem Hügel misslang wurde Luftunterstützung angefordert. Am darauf folgenden Tag bombardierten acht Beauforts den Hügel, nachdem die Infanteristen das Ziel mit Rauchbomben markiert hatten. Auch in den nächsten Tagen beschossen Bumerangs und Beauforts den Hügel, so dass die Infanterie zwei feindliche Stellungen an den Nordwesthängen erobern konnte. Die Infanterie führte am 16. Februar einen Überraschungsangriff gegen den höchsten Punkt des Hügels erfolgreich durch. Nach weiteren Luftangriffen wurden zwei weitere feindliche Stellungen erobert und bis zum 19. Februar war der Nambut vollständig von den australischen Einheiten eingenommen.

Gegen nur geringen Widerstand besetzte das Bataillon am 16. März Positionen auf dem But-Flugfeld und am 19. März war das But-Gebiet komplett befreit.

Der Vormarsch auf das nächstgelegene Flugfeld Dagua begann am 20. März. Auf einem Kamm seitlich der Straße fanden die Australier einige Gewehre und Ausrüstung die darauf hindeuteten, dass dort 60 bis 70 Japaner in der vergangenen Nacht campiert hatten. Anscheinend hatte der schnelle Vorstoß auf But sie gründlich überrascht und sie hatten ihre Position fluchtartig verlassen. mini|Australische Soldaten bei einer Flussquerung Auf dem überwucherten Dagua-Flugfeld gab es wie auch in But einige verlassene Flugzeuge, viele rostige Triebwerke und Deponien rostiger Bomben. Es gab so gut wie keinen japanischen Widerstand.

Die Japaner wurden nun aus wichtigen Gebieten vertrieben. In den Bergen musste das Hauptquartier der 41. Division in Balif aufgegeben werden. Die Japaner waren von der Küste nach Süden gedrängt worden und mussten nun an den Ausläufern der Berge bekämpft werden. Dies löste die härtesten Kämpfe seit Beginn der australischen Offensive aus und es dauerte den größten Teil des April um das Gebiet zu sichern. Diese harten Kämpfe begannen die Moral der 6. Division zu mindern, zumal alles ziemlich sinnlos schien, da der Schwerpunkt des Pazifikkriegs zu dieser Zeit so viel näher an Japan lag. Möglicherweise erhielt die Division als Reaktion darauf endlich mehr Unterstützung durch die Marine, einschließlich Transport- und Kriegsschiffe.

Kämpfe um Maprik Das nächste australische Ziel war Maprik, östlich von Balif in den Bergen. Schon Mitte März hatten australische Beauforts begonnen japanische Verteidigungsstellungen westlich und nördlich von Maprik anzugreifen. Die Japaner antworteten mit leichtem Flugabwehrfeuer.

Das Gebiet um Maprik wurde Mitte April von den Infanterieeinheiten erreicht, aber die Japaner leisteten erneut heftigen Widerstand und es dauerte mehrere Tage um das Gebiet zu räumen. Die Australier rückten den ganzen Mai über auf der Binnenroute vor und drängten die Japaner stetig zurück.

Die Japaner waren für die Verteidigung von Maprik gut vorbereitet. Jedwede Annäherung der Australier wurde von ihnen genau beobachtet. Eine mit Blick auf Maprik vorgerückte australische Patrouille wurde am 12. April ausgeschaltet. Zwei Tage später versuchten die Australier aus einer guten Position die Japaner mit Mörserfeuer zu vertreiben, was aber fehlschlug. Am 15. April bewegten sich zwei Kompanien nach Osten zum Fluss Screw. Die Japaner wurden aus der Luft sowie mit Mörsern und Maschinengewehren attackiert, wehrten sich jedoch stark aus gut eingegrabenen Stellungen. In den umliegenden Dörfern kam es in den nächsten Tagen immer wieder zu weiteren Kämpfen mit kleineren Gruppen. Es gelang den Japanern sich teils tagelang in verschanzten Stellungen um Maprik zu halten.

Am 21. April starteten die australischen Infanterietruppen den Großangriff auf die Stadt, die am nächsten Tag eingenommen werden konnte. Die Japaner hatten die Westseite des Flusses Screw aufgegeben und begonnen sich in Richtung Norden abzusetzen. Auch der zahlenmäßig größte Luftangriff wurde am 22. April geflogen, als 33 Bomber ein japanisches Hauptquartier etwa 6,5 km östlich von Maprik in drei Wellen bombardierten.