mini|RegioShuttle der NEB im Dezember 2014 auf dem Bahnhof Angermünde Die Niederbarnimer Eisenbahn AG (NEB) ist ein nichtbundeseigenes Eisenbahninfrastrukturunternehmen (EIU) mit Sitz in Berlin. Über die Tochtergesellschaft NEB Betriebsgesellschaft mbH ist sie auch als Eisenbahnverkehrsunternehmen (EVU) aktiv und betreibt schienengebundenen Personennahverkehr in Berlin und Brandenburg.
Eigentumsstruktur Größter Aktionär der Gesellschaft ist heute mit 66,92 Prozent die zur BEHALA und zur Captrain Deutschland gehörende Industriebahn-Gesellschaft Berlin GmbH (IGB). Ebenso Anteilseigner sind der Städte- und Gemeindebund sowie der Landkreistag Brandenburg mit zusammen 6,16 Prozent, die Landkreise Oberhavel, Barnim, Märkisch-Oderland und Oder-Spree mit zusammen 26 Prozent sowie zahlreiche Gemeinden entlang der Bahnstrecke mit den übrigen 0,92 Prozent.
Infrastruktur der NEB Die Stammstrecke der NEB war seit 1901 die sogenannte Heidekrautbahn vom Bahnhof Berlin-Wilhelmsruh (früher Reinickendorf-Rosenthal) über Basdorf und Klosterfelde nach Groß Schönebeck mit einem Abzweig von Basdorf über Wensickendorf nach Liebenwalde. Als EIU betreibt die Niederbarnimer Eisenbahn AG heute diese Abschnitte mit Ausnahme eines durch den Mauerbau unterbrochenen Teilstücks bei Berlin-Wilhelmsruh. Die Strecke von Basdorf in Richtung Wilhelmsruh wird nur für den Güterverkehr (Anschluss für Stadler Pankow GmbH) genutzt. Der Streckenabschnitt Wensickendorf–Liebenwalde ist zurzeit ohne Verkehr. Daneben betreibt die NEB die um 1950 von der Deutschen Reichsbahn gebauten Streckenabschnitte vom Bahnhof Berlin-Karow (ohne den Bahnhofsbereich) nach Basdorf und von Wensickendorf nach Schmachtenhagen.
Der Gesellschaft gehört seit 1925 auch die Industriebahn Tegel–Friedrichsfelde. Diese verband den gesamten Nordosten Berlins ursprünglich mit dem Hafen in Tegel, der Nordbahn sowie der Kremmener Bahn, der Stettiner Bahn und der Ostbahn. Die Industriebahn wurde in Teilen noch bis in die 1990er Jahre intensiv für den Güterverkehr genutzt, da an ihren Anschlussgleisen viele wichtige Industriewerke und Fabriken Ostberlins lagen, unter anderem Stern-Radio und NILES Werkzeugmaschinen GmbH. Weiterhin gab es eine Verbindung zum Magerviehhof Friedrichsfelde und zum nördlichen französischen Sektor von Berlin sowie mehrere Anschlüsse an das Netz der Deutschen Bahn.Daten nach Beefland Privat und Kleinbahnen
Regionalverkehr mini|Aktuelles Liniennetz der NEB Betriebsgesellschaft mini|VT 735 im Bahnhof Seelow-Gusow mini|Regioshuttle der Linie RB 36 im Juli 2024 über die Dahme in Niederlehme
Als EVU betätigt sich die Niederbarnimer Eisenbahn im Schienenpersonennahverkehr im Raum Berlin und Ostbrandenburg. Seit Dezember 2005 betreibt die NEB Betriebsgesellschaft mbH, eine Tochtergesellschaft der Niederbarnimer Eisenbahn AG, den Regionalverkehr zwischen Karow über Basdorf nach Groß Schönebeck und über Basdorf nach Wensickendorf auf der Heidekrautbahn, am Wochenende verlängert bis Schmachtenhagen (Linie RB 27, bis 2012 NE 27). Zwischen dem 16. April 2007 und dem 31. Dezember 2007 führte die NEB einen befristeten Probebetrieb an Werktagen mit jeweils vier Zugpaaren vormittags und nachmittags zwischen Wensickendorf und Zehlendorf (b Oranienburg) durch.Pressemitteilung , Niederbarnimer Eisenbahn AG, 13. April 2007 Mangels Nachfrage wurde dieser wieder eingestellt.
Ebenso betreibt die Niederbarnimer Eisenbahn als Gewinnerin einer Betriebsausschreibung des Verkehrsverbundes Berlin-Brandenburg (VBB) den Betrieb auf der Ostbahn zwischen Berlin-Lichtenberg und Küstrin in Polen. Die Strecke befuhr bis 2006 die DB Regio. Die NEB übernahm den Betrieb bis 2014 unter dem Markennamen „Oderlandbahn“Peter Neumann: Mehr Züge von Strausberg nach Berlin. In: Berliner Zeitung, 2. August 2005. beziehungsweise der Liniennummer RB 26 (bis 2012 NE 26).
Auf beiden Linien setzt die NEB Triebwagen der Bauart Talent von Bombardier ein, die im Bahnbetriebswerk in Basdorf beheimatet sind und dort auch instand gehalten werden. Wie die anderen Verkehrsunternehmen Brandenburgs und Berlins ist auch die Niederbarnimer Eisenbahn Partner im VBB, wobei dessen Beförderungsbedingungen gelten und die Fahrscheine anerkannt werden. Die NEB betrieb 2006/07 1,01 Prozent aller Beförderungsleistungen (in Zugkilometern) im VBB.VBB-Verbundbericht 2006/2007. S. 28 (PDF; 4,3 MB).
Zur Entlastung der wegen der S-Bahn-Krise eingeschränkt verkehrenden S-Bahnlinie 2 wurden ab Anfang 2011 werktags je drei Zugpaare im morgendlichen und im nachmittäglichen Berufsverkehr von Berlin-Karow nach Berlin-Gesundbrunnen verlängert ohne Halt in Berlin-Karow.Zusätzliche Fahrten der Heidekrautbahn (NE27) nach Berlin-Gesundbrunnen. Fahrplaninformation Gesundbrunnen, NEB, 30. Dezember 2010. Dieses Angebot wurde schrittweise bis Ende 2011 ausgedehnt.
Am 12. Februar 2013 hat der Verkehrsverbund Berlin-Brandenburg im Auftrag der Länder Berlin und Brandenburg den Zuschlag für das sogenannte „Netz Ostbrandenburg“ an die Niederbarnimer Eisenbahn erteilt. (PDF; 40 kB) Ab Dezember 2014 wurden fünf Linien und ab Dezember 2015 weitere vier Linien übernommen. Eingesetzt werden neben den bereits bekannten Talent auch Regio-Shuttle sowie überwiegend auf der RB 26 Neufahrzeuge von Typ Link.
Am 31. März 2014 hat der Verkehrsverbund Berlin-Brandenburg das „Netz Ostbrandenburg Vorlauf“ an die Niederbarnimer Eisenbahn vergeben. Damit wird die RB 25 seit Dezember 2014 durch die NEB betrieben. Auch die RB 26 war Bestandteil der Ausschreibung und bleibt bei der NEB. Zum Einsatz kommen die bekannten Talent.
Insgesamt erhöhte sich die Zahl der betriebenen Linien ab 13. Dezember 2015 auf elf.
Im Januar 2016 ist ein Talent-Triebwagen komplett abgebrannt. Zusätzlich sorgte die verspätete Zulassung für den Fahrzeugtyp Link für einen instabilen Betrieb. Seit dem Juni 2016 sind die zweiteiligen Fahrzeuge des Typs Link auf den Strecken der NEB unterwegs. Im Regelbetrieb werden diese auf den Linien RB 26 und RB 54 eingesetzt. Da der Hersteller Pesa für die dreiteiligen Triebzüge keinen Liefertermin nennen konnte, wurde die Bestellung von zwei dreiteiligen Fahrzeugen in vier zweiteilige Fahrzeuge umgewandelt. Bis zu deren Lieferung wurden ältere Gebrauchtfahrzeuge als Ersatz eingesetzt. Wegen Veränderungen gegenüber ersten Serie war eine erneute Zulassung durch das Eisenbahn-Bundesamt nötig, die erst im Dezember 2018 vorlag.
Von Dezember 2018 bis Dezember 2021 fand auf dem Streckenabschnitt Joachimsthal–Templin ein Probebetrieb im Zweistundentakt statt. Anliegergemeinden und der Verkehrsverbund Berlin-Brandenburg wollten damit prüfen, ob der im Dezember 2006 abbestellte Streckenabschnitt wieder regulären Personennahverkehr erhalten kann. Aufgrund des abrupten Fahrgastschwundes durch den Corona-Virus wurde die Probezeit um ein Jahr, also bis Dezember 2022, verlängert. Trotz dieser Maßnahme blieben die Fahrgastzahlen so gering, dass der Probebetrieb nach vier Jahren wieder eingestellt wurde. Dies führte zu viel Kritik, da in den Fahrgastauswertungen auch die Zeit während der Corona-Pandemie mitberechnet wurden. Dafür wurde ab Sommer 2023 ein neuer „PlusBus-Ring“ eingeführt, welcher fast parallel zur alten Bahnstrecke verkehrt.
Zum 4. September 2023 wurde auf dem Tesla-Shuttle der Betrieb aufgenommen. Dieser verbindet, angelehnt an die Schichtzeiten, in einem unregelmäßigen Takt den Bahnhof Erkner mit dem neu errichteten Bahnhof Fangschleuse Tesla-Süd. Zum Einsatz kamen dreiteilige Talente, teilweise in Doppeltraktion. Die Mitfahrt ist kostenlos möglich. Seit April 2024 verkehrt der erste Zug des Tages ab Berlin-Lichtenberg. Der zum 14. Juni 2024 endende Vertrag konnte seitens der NEB nicht verlängert werden, da an den LINK-Fahrzeugen der ersten Lieferserie die Hauptuntersuchungen durchgeführt werden mussten und deshalb keine Fahrzeuge mehr für den Shuttlezug zur Verfügung standen. Im August 2024 wurde der Verkehr wieder mit einem batterieelektrischen Fahrzeug vom Typ Mireo Smart Plus B aufgenommen. Ab 2026 werden die Leistungen nicht mehr von der Niederbarnimer Eisenbahn erbracht. Neuer Betreiber des Tesla-Shuttles ist die ODEG.
Zum Fahrplanwechsel im Dezember 2024 hat die Niederbarnimer Eisenbahn den Betrieb im Netz Ostbrandenburg II aufgenommen. Das Liniennetz hat sich hierbei im Vergleich zum vorherigen Netz Ostbrandenburg (2014–2024), welches ebenfalls durch die Niederbarnimer Eisenbahn betrieben wurde, nicht verändert. Das Angebot an sich wurde auf den einzelnen Linien zum Teil aber deutlich ausgeweitet. So ist es mit dem Fahrplanwechsel im Dezember 2024 zu diversen Taktverdichtungen und verlängerten Betriebszeiten gekommen. Zum Einsatz kommen Neufahrzeuge mit alternativen Antrieben, die stufenweise bis zum dritten Quartal 2025 eingeführt wurden.
Zum Fahrplanwechsel im Dezember 2025 wurde die Linie RB62 eingestellt und durch die neue Linie RE30 ersetzt, welche über Prenzlau hinaus bis nach Stralsund verkehren wird. Diese neue Linie wird allerdings nicht mehr von der Niederbarnimer Eisenbahn betrieben. Außerdem verkehrt die Linie RB 27 nur noch in der Hauptverkehrszeit von Basdorf weiter nach Wensickendorf, der Streckenteil weiter nach Schmachtenhagen entfällt komplett.
Aktueller Betrieb Linie Zuglauf Vertragslaufzeit Fahrzeuge Takt (min) Berlin Ostkreuz – Berlin-Lichtenberg – Oranienburg – Löwenberg (Mark) – Templin Stadt Dezember 2024 – Dezember 2036 Mireo Plus B 60 Berlin Ostkreuz – Berlin-Lichtenberg – Ahrensfelde – Werneuchen 30 (Mo–Fr) durch DB Regio60 (Sa–So) durch NEB Berlin Ostkreuz – Berlin-Lichtenberg – Strausberg – Werbig – Kostrzyn (– Gorzów Wielkopolski) Pesa Link 60Berlin-Lichtenberg – Strausberg – Müncheberg Mireo Plus B 60(Verstärker) (Berlin-Gesundbrunnen –) Berlin-Karow – Basdorf – Wensickendorf (nur in der HVZ-Zeit)Mireo Plus H 60 Klosterfelde – Groß Schönebeck 30-120 Fürstenwalde (Spree) – Bad Saarow-Pieskow Mireo Plus B 60 Königs Wusterhausen – Beeskow – Frankfurt (Oder) 60 Löwenberg (Mark) – Herzberg (Mark) – Rheinsberg (Mark) 120 Eberswalde – Wriezen – Werbig – Frankfurt (Oder) 60 Angermünde – Schwedt (Oder) Ergänzung des RE 3 zu Stundentakt (Berlin-Gesundbrunnen-) Eberswalde – Joachimsthal 60 durch DB Regio
Zukünftiger Betrieb Linie Zuglauf Vertragslaufzeit Fahrzeuge Takt (min) RB 28 Berlin-Wilhelmsruh – Basdorf voraussichtlich ab 2026 Mireo Plus H 30-60
Geschichte Zwischen Gründung und Zweitem Weltkrieg mini|Genußrechts-Urkunde über 100 RM der Reinickendorf-Liebenwalde-Gross Schönebecker Eisenbahn-AG vom 1. April 1926 Die Anrainergemeinden der Heidekrautbahn gründeten die Gesellschaft zunächst unter dem Namen Reinickendorf-Liebenwalder-Groß-Schönebecker Eisenbahn AG. Seit 1927 heißt sie Niederbarnimer Eisenbahn AG. Am 21. Mai 1901 wurde der Personenverkehr zwischen Bahnhof Berlin-Wilhelmsruh (Klbf) und Liebenwalde beziehungsweise Groß Schönebeck eröffnet. Am 1. Juli 1925 kam auch die Industriebahn Tegel–Friedrichsfelde, eröffnet 16. Dezember 1907, mit 26 km Streckenlänge in den Besitz der Gesellschaft. Der erste Betriebsführer der Bahn war Regierungsbaumeister a. D. August Steinfeld.
Im Jahr 1943 war die Stadt Berlin Hauptaktionär mit rund 67 Prozent des Kapitals, weitere Aktionäre waren der Kreis Niederbarnim (26 Prozent), die Provinz Brandenburg (6 Prozent) und anliegende Gemeinden. Sitz der Gesellschaft war bis Ende des Krieges das Bürohaus in Berlin-Wilhelmsruh, Fontanestraße 31. Betriebsstelle der Bahn war zunächst der Bahnhof Berlin-Wilhelmsruh, später der Bahnhof Basdorf. Bereits in den 1930er Jahren hatte die Heidekrautbahn eine derartige Bedeutung, dass die Elektrifizierung der Strecke geplant war.
Enteignung durch die DDR und Mauerbau