Die Siedler – Das Erbe der Könige ist ein Echtzeit-Strategiespiel und der fünfte Teil der Siedler-Spielereihe. Das Spiel wurde von Blue Byte für Windows entwickelt und von Ubisoft am 25. November 2004 in Deutschland veröffentlicht. Es ist das erste Spiel der Reihe, das vollständig in 3D-Grafik umgesetzt ist und sich mit dreh- und zoombarer Kamerasicht von den Vorgängern abhebt. Auch spielerisch unterscheidet sich dieser Teil deutlich von seinen Vorgängern, da der Fokus des Spielgeschehens weniger auf Warenkreisläufen, die auf ein Minimum reduziert wurden, als vielmehr auf dem raschen Sammeln von Ressourcen, der Produktion von Militäreinheiten und Echtzeitkämpfen liegt.

Das Spiel war ein kommerzieller Erfolg, erhielt aber von Fachpresse und Fans ein gemischtes Echo. Die Grafik, Musik und Soundeffekte wurden durchgehend gelobt, aber die Abkehr vom traditionellen Spielprinzip der Reihe sowie Schwächen bei der KI und im Missionsdesign erfuhren deutliche Kritik. Bald nach der Veröffentlichung erschienen zwei Erweiterungen, die noch vor Ablauf eines Jahres mit dem Grundspiel zu einer Gold-Edition zusammengefasst wurden. Im November 2018 brachte Ubisoft das Spiel als History-Edition ein weiteres Mal neu auf den Markt, mit lediglich kleinen Anpassungen an die technische Weiterentwicklung der Windows-Plattform und für höher aufgelöste Bildschirme.

Spielprinzip Das Grundgebäude des Spiels ist die Burg, die auch zu einer Festung und einer Zitadelle ausgebaut werden kann. Wird diese zerstört, so verliert der Spieler das Spiel. In ihr können die ersten Siedler, die Leibeigenen, erworben werden, die zwar keine Steuern zahlen, aber als einzige Einheiten dazu in der Lage sind, Gebäude zu bauen und zu reparieren, Holz zu sammeln sowie andere Rohstoffe ohne das Errichten von Minen abzubauen. Ein weiterer Grundgebäudetyp sind die Dorfzentren, die nur auf fest vorgegebenen Siedlungsplätzen errichtet werden können und ein Limit für die Anzahl aller Einwohner in der Siedlung des Spielers, inklusive der Militäreinheiten, setzen. Jedes Dorfzentrum bietet dabei Platz für 75 Siedler, kann aber zweimal, erst zu einem Gemeindezentrum und dann zu einem Stadtzentrum, ausgebaut werden, wodurch sich das Bevölkerungslimit um jeweils weitere 25 Siedler erhöht.

Es gibt sechs verschiedene Ressourcen, die fünf Rohstoffarten Lehm, Holz, Stein, Eisen und Schwefel sowie Geld (Taler), die zum Bau und Ausbau von Gebäuden, für die Forschung sowie für das Rekrutieren von Militäreinheiten benötigt werden. Taler erhält der Spieler durch Steuereinnahmen, die alle 120 Sekunden von allen Siedlern bis auf die Leibeigenen und die Militäreinheiten entrichtet werden. Holz kann nur von Leibeigenen geschlagen werden. Lehm, Stein, Eisen und Schwefel können auch in fest vorgegebenen Rohstoffschächten bzw. Steinbrüchen durch das Errichten von Minen gefördert werden. Alle diese Ressourcen stehen dem Spieler nach ihrer Gewinnung sofort zur Verfügung und müssen nicht erst, so wie man es aus den vorherigen Teilen der Spielereihe kennt, durch Träger in Lagerhäuser gebracht werden. Ebenfalls neu ist, dass bereits gewonnene Rohstoffe durch zugehörige Gebäude (Ziegelhütte, Sägemühle, Schmiede, Alchimistenhütte und Steinmetzhütte) veredelt werden können, wodurch sie sich sehr effektiv vermehren lassen. Auch ist es möglich, eine Bank zu bauen, deren Schatzmeister für die Vermehrung der Taler sorgen, sowie einen Marktplatz zu errichten, auf dem Ressourcen gegen andere Ressourcen getauscht werden können.

Eine weitere Neuerung ist die Forschung, die durch den Bau einer Hochschule ermöglicht wird. Erst wenn bestimmte Technologien (Konstruktion, Alchemie, Bildung, Wehrpflicht etc.) erforscht wurden, können neue Gebäude gebaut und bereits bestehende Gebäude bis zu zweimal aufgewertet werden. Dies gestattet es, beispielsweise mehr Siedler in einem Gebäude arbeiten zu lassen, die Siedler effizienter arbeiten zu lassen oder auch weitere Technologien in anderen Gebäuden zu erforschen. Ebenfalls können durch das Forschen neue Militäreinheiten rekrutiert oder aufgewertet werden.

Alle zivilen Siedler, ausgenommen die Leibeigenen, müssen mit einem Schlafplatz in einem Wohnhaus und einem Essensplatz in einem Bauernhof versorgt werden, um bei Laune gehalten zu werden. Die Nähe dieser beiden Gebäude zu den Arbeitsplätzen der jeweiligen Siedler wirkt sich dabei wesentlich auf die Effizienz der Arbeiter aus, da diese durch kürzere zu laufende Wege schneller und somit länger wieder an die Arbeit gehen können. Weiterhin ist es möglich, die Motivation der Siedler durch das Errichten von Zierobjekten und einer Kapelle, die bis zu einer Kathedrale ausgebaut werden kann, zu erhöhen. Auch können Überstunden und hohe Steuern angeordnet werden, was sich jedoch negativ auf die Motivation auswirkt.

Der militärische Teil des Spiels umfasst vier Militärgebäude (Kaserne, Schießplatz, Stall und Kanonengießerei) in denen sieben verschiedene Einheitentypen rekrutiert werden können: Schwertkämpfer, Speerträger, Schützen, leichte Kavallerie, schwere Kavallerie, leichte Kanonen und schwere Kanonen. Außer den Kanonen können alle diese Einheitentypen durch diverse Technologien zu stärkeren Versionen dieser Einheitentypen wie etwa Breitschwertkämpfern, Lanzenträgern, Langbogenschützen etc. aufgewertet werden. Rekrutiert der Spieler eine dieser Einheiten, so erhält er zunächst einen Hauptmann, dem dauerhaft ein Sold bezahlt werden muss und der je nach technologischem Fortschritt und Einheitentyp vier bis acht Soldaten befehligt (Kanonen gibt es nur einzeln). Die Hauptmänner können im Kampf Ränge aufsteigen und gefallene Soldaten an den jeweiligen Militärgebäuden durch Nachrekrutierung ersetzen. Neben den normalen Militäreinheiten stehen dem Spieler auch sechs verschiedene Helden zur Verfügung (drei weitere sind im Hauptspiel fast gänzlich dem Mehrspielermodus vorbehalten), die meist mächtige Angriffsfähigkeiten besitzen.Siedler DEdK Helden und Fähigkeiten 21. Dezember 2015, bei siedlercommunity.de. Abgerufen am 7. August 2020. Im Bedarfsfall können auch Leibeigene zu den Waffen gerufen werden, die daraufhin Milizen bilden, und die Alarmglocken geläutet werden, woraufhin sich die Arbeiter in Gebäude flüchten und die Feinde von dort aus beschießen. Zudem ist es möglich, Aussichtstürme zu errichten, die zu Ballistatürmen bzw. Kanonentürmen aufgewertet werden können. Weiterhin ist das Wetter ein militärischer Faktor, da es den verschiedenen Spielparteien nicht möglich ist, Flüsse oder Seen zu überqueren. Um dies dennoch zu gewährleisten, kann eine Wettermaschine, bestehend aus einem Wetterkraftwerk und einem Wetterturm, gebaut werden, die beispielsweise dazu in der Lage ist, den Winter oder den Sommer herbeizuführen, wodurch diese Gewässer dann gefrieren oder auftauen und somit überquerbar oder eben nicht mehr überquerbar sind.

Das Hauptspiel enthält insgesamt 14 verschiedene zivile Siedler-Typen, 20 verschiedene Militäreinheiten und 57 Gebäude (Aufwertungen eingeschlossen). Zusätzlich können 12 verschiedene Zierobjekte errichtet werden.

Spielmodi Der Einzelspielermodus des Hauptspiels bietet eine 15 Missionen umfassende Kampagne und mehrere alleinstehende Missionen. In der Kampagne übernimmt der Spieler die Geschicke eines jungen Mannes namens Dario, dessen Dorf eines Tages von schwarzen Rittern überfallen wird. Als Dario der Ursache des Überfalls auf den Grund geht, findet er heraus, dass er der Sohn des ehemaligen Königs Keron ist, dessen Reich einst in acht Fürstentümer zerfiel. Auch bringt er in Erfahrung, dass die schwarzen Ritter auf Befehl ihres Anführers Kerberos das Land verheeren, da dieser ihnen aufgetragen hatte die Teilstücke eines mächtigen Orbs zu finden, dessen Besitzer rechtmäßigen Anspruch auf den Königsthron hätte. Dario tut sich daraufhin mit einigen Gefährten zusammen und sie beschließen das Königreich wiederzuvereinen sowie dem finsteren Treiben Kerberos’ ein Ende zu setzen.

Im Mehrspielermodus können über LAN oder Internet einige zur Verfügung gestellte Karten gespielt werden. Die Spieler können dabei zwischen drei verschiedenen Siegbedingungen wählen. Für den Eroberungssieg müssen alle feindlichen Hauptquartiere zerstört werden, für den Technologiesieg müssen alle Forschungen in der Hochschule bzw. Universität erforscht werden und für den Punktesieg müssen alle Spielparteien innerhalb einer Stunde so viele Punkte wie möglich sammeln, wobei die Partei mit den meisten Punkten gewinnt.

Die Aktionen der Computergegner des Spiels basieren nur auf einfachen Scripten (Lua), anstatt auf einer „vollwertigen“ KI, weshalb es auf den Mehrspielerkarten nicht möglich ist ein freies Spiel gegen Computergegner zu spielen (diese bleiben untätig).

Die Siedler: Das Erbe der Könige – Nebelreich Die erste Erweiterung des Spiels erschien am 24. März 2005 unter dem Titel Die Siedler: Das Erbe der Könige – Nebelreich. Für den internationalen Markt ergänzte man den Spieltitel deutlich schlichter einfach nur mit Expansion Disc. Sie enthält neue Einzel- und Mehrspielerkarten sowie eine neue, neun Missionen umfassende Kampagne, bei der ein mysteriöses Nebelvolk besiegt werden muss, das in das Siedler-Königreich einfällt. Durch das Errichten einer Architektenstube ist es dem Spieler nun auch möglich an vorgegebenen Plätzen Brücken zu bauen. Zwei weitere neue Gebäude sind die Büchsenmacherei, die es erlaubt auf dem Schießplatz den neuen Einheitentyp der Scharfschützen auszubilden und die Taverne, in welcher der Spieler Kundschafter und Diebe anheuern kann. Die Kundschafter sind durch ein Fernglas besonders effektiv darin, die Karte auszukundschaften. Zudem können sie die Richtung anzeigen, in der noch unentdeckte Rohstoffvorkommen liegen und unüberwachte Gebiete (Nebel des Krieges) durch Fackeln eine Zeit lang erleuchten. Diebe können dafür verwendet werden Waren zu stehlen, oder Brücken und Gebäude durch Sabotage zum Einsturz zu bringen.

Weiterhin wurden zwei neue Helden für den Einzelspielermodus und eine neue Heldin für den Mehrspielermodus sowie Söldnerquartiere, in denen man gegen Taler Soldaten anwerben kann und umnebelte Flüsse eingeführt, die im Winter nicht zufrieren.The Settlers: Heritage of Kings – Expansion Disc Instruction Manual (UK) (PDF; 915 kB), Ubisoft 2005, Seiten 8–10. Abgerufen am 7. August 2020. Auch wurde ein Karteneditor mitgeliefert, der es den Spielern erlaubt eigene Karten zu erstellen.

Die Siedler: Das Erbe der Könige – Legenden Am 1. September 2005 folgte die zweite Erweiterung Die Siedler: Das Erbe der Könige – Legenden. Diese bietet neben neuen Einzel- und Mehrspielerkarten drei neue Kampagnen mit jeweils vier Missionen und eine neue Kampagne mit fünf Missionen, in denen es meist darum geht Barbaren zu bekämpfen. Einzig die Kampagne Das Böse in mir hebt sich von diesem Schema ab. In ihr nimmt der Spieler die Geschicke des schwarzen Ritters Kerberos in die Hände, der zusammen mit den beiden anderen bösen Helden aus dem Hauptspiel (dort waren diese drei Bösewichte nur im Mehrspielermodus verfügbar, wobei Kerberos in einer Mission gespielt werden konnte) einen Plan schmiedet, um Dario vom Thron zu stürzen. Zudem wurde der Karteneditor erweitert, der nun einige vereinfachende Funktionen wie beispielsweise den Texturen-Pinsel oder den Zufallskartengenerator bereitstellt.

Weitere Veröffentlichungen