mini|hochkant=1.6|Gelände des Schachtes Riedel Beim Explosionsunglück in Hänigsen am 18. Juni 1946 explodierten zwischen 10.000 und 12.000 Tonnen Munition im heute zur Gemeinde Uetze gehörenden Ortsteil Hänigsen in der heutigen Region Hannover. Die Munition war im Kaliwerk Niedersachsen-Riedel als einem Teil der Heeresmunitionsanstalt Hänigsen eingelagert. Insgesamt 86 Menschen kamen dabei ums Leben.

Verlauf mini|Gedenkstein zum Explosionsunglück auf dem Werksgelände

Im Bergwerk Riedel wurden während des Zweiten Weltkriegs Munition und chemische Kampfstoffe (Blaukreuzkampfstoffe) gelagert. Sie befanden sich in mehreren Kammern in 500 bis 700 Meter Tiefe.

Bei Bergungs- und Delaborierungsarbeiten, die seit längerem dort täglich stattfanden, kam es am 18. Juni 1946 zu einer Reihe unterirdischer Explosionen.18. Juni 1946: Explosion im Salzbergwerk Hänigsen, NDR1, 19. Juni 2005, abgerufen am 5. Juli 2020. – Audio (2:33) Durch die Explosionen starben 82 Männer unter Tage und einer stürzte vom Förderturm. Unter den Toten waren 22 Ukrainer als frühere Zwangsarbeiter. Wenige Tage später kamen drei Angehörige eines Rettungstrupps ums Leben, die unter Tage an giftigen Gasen erstickten.

Die Umgebung wurde kontaminiert. Es gab Presseberichte, wonach im Umkreis von 20 km Gemüsepflanzen geschädigt wurden und es zu erheblichen Ernteausfällen kam. Als Ursache vermutete ein Munitionssachverständiger die Entzündung von losem Munitionspulver. Das Pulver war in Leinensäcke eingenäht, die vermutlich von den Beschäftigten unter Tage vorschriftswidrig aufgeschnitten wurden, um das Leinen als Stoff zu nutzen. Das Material war wegen des Mangels an Kleidung in der Nachkriegszeit begehrt.

Der Zustand und Verbleib der konventionellen und chemischen Kampfmittel ist nicht bekannt, da Teile der Anlage nicht mehr zugänglich sind.Ralf E. Krupp: Gutachten zur Flutung des Kali- und Steinsalzbergwerkes Niedersachsen Riedel, S. 13 Die derzeitige Flutung des Bergwerks soll 2028 abgeschlossen sein. Vermutet werden in etwa 700 Meter Tiefe noch mindestens 30 Tonnen Sprengstoff.

Siehe auch Liste der größten künstlichen, nichtnuklearen Explosionen

Literatur Ralf Bierod: Der Tag der Apokalypse: die Versuchs- und Musteranstalt Heeresmunitionsanstalt Bergwerk Riedel in Hänigsen 1936-1946 und die Geschichte ihrer Explosion. Eigenverlag, Uetze 2022, ISBN 979-8-7985-7081-2.

Einzelnachweise

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