mini|hochkant=1.3|Donaueschingen nach dem Brand im August 1908 Der Stadtbrand von Donaueschingen am 5. August 1908 zerstörte 125 Wohnhäuser und 168 landwirtschaftliche Anwesen innerhalb von nur fünf Stunden. Ein Drittel aller Gebäude der Stadt fielen den Flammen zum Opfer, darunter Werkstätten, Scheunen und Kleinbetriebe. Auch staatliche Behörden wie das Finanzamt, das Amtsgefängnis und das Rathaus wurden ein Raub der Flammen. Es kamen keine Menschen an diesem Tag ums Leben, jedoch verloren 220 Familien mit rund 600 Personen ihre Unterkunft. Die Katastrophe führte zu einer Welle der Hilfsbereitschaft in ganz Deutschland. So gelang es, den zerstörten Teil der Stadt innerhalb von nur drei Jahren, teils im Jugendstil, wieder aufzubauen.
Donaueschingen Anfang des 20. Jahrhunderts mini|Donaueschingen um 1900 Das südbadische Donaueschingen an der Donauquelle wurde 1810 zur Stadt erhoben. Es wurden viele öffentliche Gebäude errichtet, so zum Beispiel 1838 das Rathaus, 1854 das Amtsgerichtsgefängnis und 1892 das Finanzamt. Die Stadt gewann in dieser Zeit als Behördenstandort und als Marktplatz zunehmend an Bedeutung. Zu Anfang des 20. Jahrhunderts hatte Donaueschingen knapp 4000 Einwohner, aber immer noch seinen früheren dörflichen Charakter. Nur einige Straßenzüge im Gebiet zwischen Rathaus, Stadtkirche, Lehenstraße und Wasserstraße waren dichter, die restlichen Straßen locker bebaut. Typisch für die Gegend waren Häuser mit Treppengiebeln und Schindeldächern. Handwerksbetriebe wie Sattler, Schreiner und Kürschner sowie Einzelhandelsgeschäfte wie Eisenwarenhandel, Versandhandel und Bekleidungsgeschäfte zogen Kunden aus dem ganzen Umland an. Die Fürstlich Fürstenbergische Brauerei hatte ebenfalls hier ihren Sitz. Die Stadt war seit dem 18. Jahrhundert Sitz der Fürsten zu Fürstenberg, die hier ihr Schloss erbauten. Kaiser Wilhelm II. war insgesamt 14 Mal in Donaueschingen zu Besuch, nahm an Hofjagden sowie Familienfesten teil und zeigte großes Interesse an der Entwicklung der Stadt. Er war ein Studienkollege und Freund des Fürsten Max Egon II. zu Fürstenberg.
Schon vor 1900 hatte es in Donaueschingen einige größere Brände gegeben. Für das 19. Jahrhundert listet die Badische Presse um die zwei Dutzend Brände auf. So brannten am 24. Januar 1849 in der Herdgasse sechs Häuser ab, im Jahr 1856 brannte das Hotel Zum Adler in der Stadtmitte. Dies war der Anlass, im Jahr 1858 die Freiwillige Feuerwehr Donaueschingen zu gründen.
Brandausbruch mini|Luftbild vom 5. August 1908: Die letzte Aufnahme Donaueschingens vor dem verheerenden Stadtbrand ist ein Luftbild, aufgenommen aus einem Ballon rund zwei Stunden vor dem Brandausbruch. Das abgebrannte Stadtgebiet ist gelb hinterlegt. Der 5. August 1908, ein Mittwoch, war ein sehr heißer Tag. Schon seit Längerem herrschte eine Trockenperiode. Es wehte ein sehr starker Wind, der alles austrocknete. Zufällig ist der Zustand der Stadt an diesem Tag genau dokumentiert. Ein Ballon überfuhr um die Mittagszeit die Stadt und fotografierte sie aus etwa 3000 Metern Höhe.
Der erwachsene Sohn der Witwe Engeßer kam an diesem Tag mittags zu seinem Wohnhaus in der unteren Käferstraße zurück. Er wohnte dort in einem für die Gegend typischen Treppengiebelhaus mit einem Wohn- und Ökonomieteil. Im Anbau, wo frisches Heu gelagert wurde, entdeckte er um 14:15 Uhr Feuer. Mit der Hilfe des Wirtes der Restauration Kuttruff (heute Hotel Ochsen) und einigen in der Nähe arbeitenden Italienern versuchte er, das Feuer mit Wassereimern zu löschen. Dies schlug fehl, worauf man die Feuerwehr nach etwa einer Viertelstunde alarmierte. Anwohner der Käferstraße begannen um 14:30 Uhr, um Hilfe zu rufen. Der Stadtbaumeister Mack sah vom Rathaus aus Rauch aufsteigen und ließ die Feuerglocke schlagen. Auch die katholische und evangelische Stadtkirche ließen die Glocken läuten.
Verlauf Die Bürger der Stadt liefen zum Spritzenhaus in der Lehenstraße, statteten sich mit Pumpen, Schläuchen und Feuerwehrgeräten aus und brachten diese zum Brandort. Dort standen bereits das Schindeldach und die Rückseite des Engeßer’schen Bauernhauses in Flammen. Bis die Pumpen an den Hydranten angeschlossen waren, stand bereits das ganze Haus in Flammen. Die Stadt hatte zwar 1892 eine Hochdruckwasserleitung in Betrieb genommen, aber die Wasserreservoire des Schellenbergs und des Buchbergs waren leer. Auch die Brunnen lieferten kein Wasser.
Da es seit Wochen nicht mehr geregnet hatte, kam aus den Wasserleitungen kein Wasser mehr. Auch die Wasserspeicher waren leer. Die Bürger bildeten deshalb eine Kette bis zur nahe gelegenen Brigach, um mit Eimern das Wasser heranzuschaffen. Durch die wochenlange Trockenheit waren die Schindeldächer vollkommen ausgedörrt. Der starke Wind wehte brennende Schindeln auf die Dächer der Nachbarhäuser. So entzündeten sich immer weitere Häuser in rascher Reihenfolge. Die zusammenhängenden Häuser waren zwar durch Brandgiebel (das ist der über das Dachniveau hinaus geführte Teil einer Brandmauer zwischen unterschiedlichen Gebäuden) getrennt, die jedoch keinen Schutz boten.
Der brennende Stadtteil wurde überwiegend von Landwirten bewohnt. Bald standen die Häuser der Familien Mäder und Strohmayer in Flammen, dann das Haus von Sattlermeister Heinrich Cron und das Restaurant Zum Roten Ochsen. Nach 15 Minuten brannten drei weitere Häuser, diesmal in der Karlstraße schräg gegenüber der Hofapotheke, 600 Meter entfernt vom ersten Brandplatz. Nun musste die Feuerwehr an zwei unterschiedlichen Orten Brände bekämpfen. Nur 30 Minuten nach dem Ausbruch des Feuers stand auch das Gasthaus Zur Traube in Flammen, das rund 200 Meter vom Brandherd entfernt war.
Inzwischen war klar, dass man des Brandes nicht Herr werden konnte und Hilfe von außerhalb benötigte: Über den Telegrafen des Großherzoglich Badischen Bezirksamtes wurden die Feuerwehren der benachbarten Städte informiert. Die Feuerwehr von Bräunlingen war eine der ersten, die am Brandplatz eintrafen. Nun standen mehrere Straßenzüge gleichzeitig in Brand. Die Häuser der gesamten Käferstraße, der Herdstraße, der Rosenstraße und der Wasserstraße brannten. Auch die Häuser im oberen Teil der Mühlenstraße fingen Feuer. Mit Pferdegespannen wurden Saug- und Druckpumpen herangeschafft, mit denen Wasser aus der Brigach gepumpt werden konnte.
Durch den starken Wind entzündeten die brennenden Häuser der Käfer- und Rosenstraße die Häuser in der Bierstraße (der heutigen Zeppelinstraße). Bald darauf brannten zwei weitere Häuser in der damaligen Eisenbahnstraße (heute Max-Egon-Straße) nieder. Eine Stunde nach Brandausbruch fingen auch die Sparkasse, das Gefängnis und das Rathaus im Zentrum der Stadt Feuer. Das Haus der Großherzoglich Badischen Steuereinnehmerei (das Finanzamt), das erst zehn Jahre alt war, wurde ebenso ein Raub der Flammen. Das Feuer breitete sich weiter entlang der unteren Lehenstraße und der Villinger Straße aus. Weitere Feuerwehren wurden angefordert. Mit Sonderzügen kamen am Bahnhof die Feuerwehren aus Villingen, St. Georgen, Triberg und Löffingen an. Sie versuchten mit Wasser aus der Brigach, der Donauquelle und sogar aus Güllegruben, die Feuer zu bekämpfen.
Von der Bierstraße aus fingen die Häuser der Hauptgasse/Schmiedgasse (heute Karlstraße) Feuer. Das Gasthaus Adler fiel dort den Flammen zum Opfer. Auch weitere Gaststätten und Wohnhäuser in diesen Straßenzügen konnten nicht gerettet werden: die Drogerie Rasina, die Wirtschaft Zur Schmiede der Familie Conzelmann, das Gasthaus Zum Engel und das Gasthaus Zum Auerhahn. Auch die Eisenhandlung Beda-Seidel (heute das Geschäftshaus Thedy) brannte aus. Um 16 Uhr brannten der Turm und der Dachstuhl des Rathauses. Häuser in der Mühlenstraße und dem unteren Teil der Villinger Straße fingen ebenfalls an zu brennen. Das letzte Haus, das vernichtet wurde, war das Gasthaus Zur Linde in der östlichen Karlstraße.
Es waren 210 Feuerwehrmänner aus Donaueschingen an der Brandbekämpfung beteiligt, meist Mitglieder der Freiwilligen Feuerwehr, die nach dem Brand des Gasthauses Adler 1856 gegründet worden war. Die Pflichtmannschaft bestand aus 140 Mann, die Handpumpen bedienten und Wasser beschafften. Insgesamt waren 1850 Feuerwehrleute während des Brandes im Einsatz. Aus allen umgebenden Dörfern der Baar kamen die Feuerwehren. Es waren 40 Saug- und Druckpumpen im Einsatz. 31 Wasserfuhrwerke mit Fuhrleuten und Gespannen halfen, den Brand zu bekämpfen. Sie brachten auch Hydrantenwagen, Standrohre und Leitern mit. Mit ihrer Unterstützung konnte eine noch größere Katastrophe verhindert werden. Die Feuerwehr war gut ausgestattet, auch weil der Bürgermeister Hermann Fischer vor seiner Wahl Kommandant der Feuerwehr gewesen war.
Unterstützung kam auch von der Brauereifeuerwehr der Brauerei Fürstenberg. Mit ihrer Hilfe konnte ein Überspringen des Feuers auf die nahe gelegene Brauerei und auf weitere Teile der Stadt verhindert werden. In den betroffenen Arealen hatte das Feuer dagegen bereits ein solches Ausmaß angenommen, dass nur noch versucht wurde, das Vieh, Hab und Gut zu retten. Durch den starken Wind und Funkenflug war die Feuerwehr letztlich hilflos und konnte sich teilweise nur durch Flucht selbst schützen. Die Bauern waren mit der Ernte beschäftigt und hatten einen langen Fußweg zur Stadt. Sie konnten nur ohnmächtig zusehen, wie die Stadt und ihre Häuser abbrannten. Um 17:30 Uhr war die Situation hoffnungslos, die Feuer konnten nicht mehr unter Kontrolle gebracht werden.
Zwischen 18 und 19 Uhr abends brachte dann ein starkes Gewitter Regen und Hagelschlag. Dadurch wurden bestehende Brände gelöscht. Die Schindeldächer wurden nass und konnten sich nicht mehr so leicht entzünden. Bestehende Glutnester wurden eingedämmt. Bis zu diesem Zeitpunkt hatte der Stadtbrand fünf Stunden gedauert, so dass in jeder Minute ein weiteres Gebäude in Flammen aufgegangen war. Gegen 21 Uhr setzte nochmals ein starker Wind ein, der wieder die Gefahr mit sich brachte, dass sich die noch brennenden Glutnester erneut weiter verbreiten könnte. Bis 22 Uhr konnte das aber verhindert werden. Bis in die Nachtstunden mussten Brände gelöscht werden.
Unmittelbare Folgen mini|Meldung von Amtsmann Arnold am 5. August 1908 an den Landeskommissar Konstanz über den Stadtbrand Donaueschingen Am Ende des Tages konnte Amtsvorstand Arnold in einem Telegramm nach Konstanz nur noch berichten, dass sich der Brand auf die ganze Stadt ausgedehnt hatte und die Rettung eines erheblichen Teils der Stadt aussichtslos ist. Um 17:35 Uhr wurde ein Telegramm an das Großherzogliche Bezirksamt gesendet, mit der Bitte, 100 Soldaten mit Schanzzeug und Sprengmitteln für die Unterstützung der Brandbekämpfung zu senden. Noch am Abend um 20:54 Uhr kamen mit der Eisenbahn rund 100 Soldaten der ersten Kompanie des Infanterieregiments 114 der Garnison Konstanz an. Sie übernahmen die Brandwache und lösten die Feuerwehrmänner ab. Einige Tage später traf aus Kehl ein 30 Mann starkes Kommando des Pionierbataillons Nr. 14 ein. Es sollte die Ruinen einreißen und sprengen, um Unfälle zu verhüten. Bis zum 20. August wurden diese Arbeiten durchgeführt.
Durch den Brand wurden 600 Donaueschinger obdachlos. Für sie mussten Notquartiere organisiert, Verpflegung und Kleidung beschafft werden. Viele kamen bei Verwandten und Bekannten in den umliegenden Ortschaften unter. In der Festhalle stellte das Badische Rote Kreuz Betten auf. Auch Max Egon II. Fürst zu Fürstenberg stellte Wohnraum zur Verfügung. In der großen Reithalle wurden Notstallungen für das Vieh eingerichtet; Heu und Stroh wurden bereitgestellt. Der Fürst spendete 40.000 Mark als Ersthilfe, davon wurden 6.000 Mark sofort verteilt. Seine Frau Irma richtete eine Suppenküche ein, um die Obdachlosen, Helfer und Handwerker zu versorgen. Gegen Abend ging der Fürst mit einer Schar von Leuten von Laden zu Laden, um Kleidungsstücke und Nahrung einzukaufen. In der Festhalle wurden Notunterkünfte eingerichtet. Für die Obdachlosen wurden Baracken entlang der Brigach aufgebaut.