Karl Heinz JakobSein ursprünglicher doppelter Vorname wurde in der Literatur meist mit Bindestrich als Karl-Heinz Jakob, auch Karl-Heinz Jacob oder als Karlheinz Jakob geschrieben. (* 15. August 1929 in Zwickau; † 2. März 1997 in Zwickau-Weißenborn) war ein deutscher Maler, Zeichner und Grafiker.
Biografie Karl Heinz Jakob besuchte bis 1948 in Zwickau die Gerhart-Hauptmann-Oberschule und machte das Abitur. Dem folgten drei Jahre Volontariat beim Architekten Kurt Ludwig.Karl Heinz Jakob „Ich bin die Summe meiner Figuren“. Turmgalerie am Schloss Augustusburg; abgerufen am 3. August 2020. Ab 1949 besuchte er Abend-Zeichenkurse an der Mal- und Zeichenschule Zwickau bei Carl Michel und Karlheinz Schuster. Von 1951 bis 1955 studierte er an der Hochschule für Bildende Künste Dresden bei Erich Fraaß, Wilhelm Lachnit und Rudolf Bergander. Danach arbeitete er freischaffend in Zwickau.
Ab 1958 erfolgten unter dem Motto „Kunst hilft Kohle“ Studieneinsätze von Künstlern in Regionen des Bergbaus und der kohleverarbeitenden Industrie der DDR. Karl Heinz Jakob nahm dabei in einer Künstlerbrigade mit dreizehn Künstlern, darunter Erhard Zierold (1920–2005), Paul Schmidt-Roller, Erika und Edgar Klier, Käte Walther und Erik Winnertz, an Produktions- und Porträtstudien von Bergarbeitern des VEB Steinkohlenwerks Martin Hoop in Zwickau teil. Ziel war vor allem, die Werktätigen in der Produktion ganz im Sinn des Sozialistischen Realismus darzustellen. 1961 schloss die Werkleitung des Steinkohlenwerks mit Jakob einen Werkvertrag. Darin war festgelegt, dass er die fachliche Anleitung eines Mal- und Schnitzzirkels im Betrieb übernimmt, regelmäßig seine Werke mit den Kumpeln berät und am Leben der Brigade der sozialistischen Arbeit Nier teilnimmt. Der Betrieb verpflichtete sich, zur finanziellen Sicherheit Jakobs beizutragen. Es war einer der ersten derartigen Verträge im Bezirk Karl-Marx-Stadt.Das Blatt des Verbandes Bildender Künstler Deutschlands. Berlin, 6/1961, S. 13 Der 1972 aufgestellte Gedenkstein für Martin Hoop geht auf die Entwürfe der Mitglieder des Zirkels zurück, der sich unter der Leitung Jakobs’ zu einem der profiliertesten Volkskunstkollektive der DDR entwickelt hatte. 1968 wurde Jakob Leiter des Förderstudios Malerei beim Zwickauer Stadtkabinett Kulturarbeit in der Galerie am Domhof für fast 30 Jahre. Von 1983 bis 1986 war er Honorardozent an der Fachschule für angewandte Kunst Schneeberg.Kunst in der DDR: Karl Heinz Jakob auf Bildatlas Kunst in der DDR; abgerufen am 2. August 2020 Einer seiner Schüler war der Bildhauer Hans-Georg Wagner.
Jakob hatte in der DDR und im Ausland eine bedeutende Zahl von Einzelausstellungen und Ausstellungsbeteiligungen, u. a. von 1953 bis 1988 an sieben Deutschen Kunstausstellungen bzw. Kunstausstellungen der DDR in Dresden.
Für seine Leistungen erhielt er als einziger Künstler den Max-Pechstein-Preis zwei Mal. Seine Werke befinden sich in vielen privaten Sammlungen Sachsens, in den Kunstsammlungen Zwickau, im Museum Junge Kunst in Frankfurt (Oder), in der Berliner Nationalgalerie, den Städtischen Museen Chemnitz, im Lindenau-Museum der Stadt Altenburg, im Besitz der Hochschule für Bildende Künste Dresden und in vielen anderen Museen.
Seine Enkelin war die Installationskünstlerin Henrike Naumann, die sich über den Nachlass von Jakob in ihren Installationen ab 2018 verstärkt mit dem künstlerischen Erbe ihres Großvaters auseinandersetzte und seine Bilder in ihre Installationen integrierte.Künstlerin Henrike Naumann: DDR Noir, Online in monopol. magazin für Kunst und Leben (2018/2019); abgerufen am 3. August 2020
Mitgliedschaften 1954 bis 1990: Verband Bildender Künstler der DDR 1990 bis 1997: Sächsischer Künstlerbund/Chemnitzer Künstlerbund im Bundesverband Bildender Künstler.
Darstellung Jakobs in der bildenden Kunst Der Zwickauer Bildhauer Berthold Dietz schuf eine Büste von Jakob, die Bronzeplastik entstand etwa 1963.Telefonat mit Berthold Dietz am 5. Dezember 2020. In der Literatur wird die Büste fälschlich dem Dresdner Bildhauer Reinhard Dietrich zugeschrieben.Porträt Karl-Heinz Jacob auf bildindex.de (Deutsches Dokumentationszentrum für Kunstgeschichte); abgerufen am 7. Dezember 2020
Œuvre Karl Heinz Jakobs Bilder und Grafiken befassten sich zum großen Teil mit Menschen aus dem Arbeitsalltag. Seine Formensprache war eine körperbetonte in der Art des sozialistischen Realismus. Zeit seines Lebens blieb er dem Zwickauer Steinkohlenrevier und der schweren Arbeit unter Tage verbunden. Erste Arbeiten zum Sujet entstanden mit Beginn der 1950er Jahre und wurden bis zum Ende des Reviers Mitte der 1970er Jahre in immer neuen Bildern umgesetzt. Von mehreren Auslandsstudienreisen, u. a. nach Kuba (1961/1962)Marcus Kenzler: Der Blick in die andere Welt, 2010/2012, S. 220, in die Bundesrepublik (1965, Hamburg), in die Sowjetunion (1966 nach Moskau und Leningrad, 1968 nach Ostsibirien mit Klaus Matthäi, 1978 nach Mittelasien, 1982 Kaukasusregion, 1987 Leningrad und Murmansk), in die ČSSR (1965), Bulgarien (1973), nach Polen (1980) und in die Türkei (1993, Istanbul) brachte er stets neue Ideen mit, die sein Schaffen weiter beeinflussten.Ballarin, Brix, Lewey, Wagner: Karl Heinz Jakob: Malerei und Graphik, S. 27
Seine erste längere Auslandsreise nach Kuba hat ihn dabei wohl besonders inspiriert. Marcus Kenzler bewertet die durch die Auslandsreise nach Lateinamerika geschaffenen Bilder als Opus eximium, als außergewöhnliches Werk. Dabei entstanden im Rahmen seines Kuba-Zyklus u. a. die Aquarelle „Hafenstraße in Santiago de Cuba“ (1961),Marcus Kenzler: Der Blick in die andere Welt, 2010/2012, S. 229 „Havanna“ (1962),Marcus Kenzler: Der Blick in die andere Welt, 2010/2012, S. 228 und eine Vielzahl von Portraitstudien der kubanischen Bevölkerung, so das Ölbild „Kubanerin“ (1961),Marcus Kenzler: Der Blick in die andere Welt, 2010/2012, S. 231 das Aquarell „Geschwister“ (1961), die Kreidezeichnung „Alte Kubanerin“ (1961), die Federzeichnungen „Mädchen aus Santiago de Cuba“ (1961), „Reiter“ (1961) und „Landarbeiter“ (1961) sowie Monate später 1962 die Aquarelle „Mädchen mit Kopftuch“ und „Kubanisches Mädchen“, die Pinsel- bzw. Federzeichnungen „Mutter und Kind“, „Tanz (kubanisch)“, „Mulitreiberin“ und wieder das Thema „Geschwister“. Ein Jahr nach der Reise 1963 setzte er seine Begeisterung für das damals pulsierende Leben der kubanischen Städte mit Kleinkünstlern, Folklore- und Straßenmusikanten großformatig in Öl um: „Kubanische Straßenmusikanten“ (120 cm × 100 cm): im Besitz der Galerie Junge Kunst in Frankfurt (Oder).
In den frühen 1950er bis in die 1960er Jahre war die Malerei der wichtige Teil seiner künstlerischen Darstellungen. Später wurden Zeichnungen und Grafiken zum Mittelpunkt seines Schaffens.
2009 kennzeichnet ihn Siegfried Wagner, damaliger Vorsitzender des Kunstvereins Zwickau e. V., zur Ausstellungseröffnung in den Fluren der Zwickauer Stadtverwaltung wie folgt:
Ehrungen 1954 und 1985: Max-Pechstein-Preis der Stadt Zwickau 1956/1957/1964: Kunstpreis des Bezirkes Karl-Marx-Stadt 1961/1964/1970: Kunstpreis des FDGB 1972: Kunstpreis der DDR 1973: Ehrenpreis der DSF 1974: Vaterländischer Verdienstorden in Gold 1991: Ernennung zum Ehrenmitglied des Kunstvereins Zwickau e. V.
Werkbeispiele Siehe auch Bildindex der Kunst & Architektur – Startseite Bildindex
Tafelbilder Dreifacher Aktivist Arthur Kraus, Zwickauer Maschinenfabrik (Öl, 114 × 88 cm; auf der Dritten Kunstausstellung der DDR)Dreifacher Aktivist Arthur Kraus, Zwickauer Maschinenfabrik, Deutsche Fotothek; abgerufen am 3. August 2020 Selbstbildnis (1954, Öl, 33 × 39 cm) Negerstudenten (Öl)Abbildung im Katalog der Mittelsächsischen Kunstausstellung 1958 Alte Frau und Kind (Öl; 1957 auf der Mittelsächsischen Kunstausstellung)Abbildung im Katalog Zwickauer Kumpel (1960, Öl, 120 × 90 cm)Katalog der Ausstellung der Akademie der Künste Junge Künstler-Malerei Ölgemälde Konzerteinführung (vor 1962; auf der V. Kunstausstellung der DDR)Jakob, Karl Heinz (1929. 08.15 Zwickau - 1997.03.02 Zwickau/Weißenborn). „Konzerteinführung.“ Öl, Maß: 150,0 cm X 150,0 cm. Dresden: 5. Deutsche Kunstausstellung, 1962, Deutsche Fotothek; abgerufen am 3. August 2020. Ölgemälde Helmut Schürer (1964; Öl)Bildnis Helmut Schürer, Deutsche Fotothek; abgerufen am 3. August 2020. Zwickauer Bergarbeiter (1971, Öl; auf der VII. Kunstausstellung der DDRZwickauer Bergarbeiter (1. Fassung), Deutsche Fotothek; abgerufen am 3. August 2020; von diesem Werk hat der Künstler mehrere Fassungen erarbeitet.) Kubanische Straßenmusikanten (um 1970; Öl; Brandenburgisches Landesmuseum für moderne Kunst, vormals Museum Junge Kunst)Karl-Heinz Jacob: Kubanische Straßenmusikanten, Bildarchiv Foto Marburg, Sammlung: Deutsche Fotothek; abgerufen am 13. August 2020 Genesender (1981, Mischtechnik; auf der IX. Kunstausstellung der DDR)Genesender, Deutsche Fotothek; abgerufen am 3. August 2020. Schichtwechsel (1982; Öl; Bergbaumuseum Oelsnitz)Gemälde "Schichtwechsel"; abgerufen am 2. August 2020.
Aquarelle
Kubanische Straßenszene (nach 1961; zwei Bilder zum Sujet, Städtisches Museum Zwickau)
Am Schwanenteich (um 1983; drei Bilder zum Sujet, Städtisches Museum Zwickau) Zwickauer Stadtansicht (um 1983; zwei Bilder zum Sujet, Städtisches Museum Zwickau)
Zeichnung
Sinnende (1985; Kohle, 63 × 49 cm; auf der X. Kunstausstellung der DDR)
Ausstellungen (unvollständig) Einzelausstellungen 1960: Freiberg 1964: Karl-Marx-Stadt, Museum am Theaterplatz: Karl Heinz Jakob, Zwickau: Ölgemälde, Aquarelle, Zeichnungen 1965: Erfurt, Angermuseum 1967: Dresden, im Glockenspielpavillon des Zwinger: Ausstellung des Verbandes Bildender Künstler Deutschlands, Bezirksvorstand Dresden 1968: Altenburg, Lindenaumuseum 1972: Leipzig, Wort und Werk 1973: Karl-Marx-Stadt, Galerie oben (Eröffnungsausstellung der Galerie), Ausstellung im Agricola-Haus 1981: Adelsberg, Galerie Clara Mosch 1989: Zwickau, Galerie am Domhof: Karl Heinz Jakob: eine Entwicklung zum bekennenden GestusKarl Heinz Jakob: eine Entwicklung zum bekennenden Gestus, Sächsische Bibliothek Online; abgerufen am 4. August 2020 1989: Karl-Marx-Stadt, Galerie oben 1999: Zwickau, Galerie am Domhof: Karl Heinz Jakob: Malerei und Grafik 2023: Zwickau, Galerie am Domhof: Karl Heinz Jakob. Rückblick auf ein Lebenswerk
Gruppenausstellungen seit der deutschen Wiedervereinigung 2016: Werdau, Galerie im Verwaltungszentrum Werdau des Landkreises Zwickau, Königswalder Straße 18: Bilder aus der Kunstsammlung des Landkreises Zwickau, Webseite des Kreises; abgerufen am 2. August 2020 2017: Neue Sächsische Galerie Chemnitz: gezeichnet. Sammlungspräsentation 2017 Sächsische Kunst nach '45,gezeichnet. Sammlungspräsentation 2017 Sächsische Kunst nach '45, Webseite Neue Sächsische Galerie Chemnitz; abgerufen am 6. August 2020 2020: Zwickau, Kunstsammlungen Zwickau, Industrie in Bildern, Sonderausstellung zu historischen Industrieansichten und -darstellungen der Region, mit Werken von Johannes Dinter, Albert Schwarz, Edgar Klier, Karl Heinz Jakob, Max Pechstein und Heinz Fleischer.Ausstellungseröffnung: Industrie in Bildern, auf www.industriekultur-in-sachsen.de; abgerufen am 2. August 2020. 2024: Die gespaltene Generation, Neue Sächsische Galerie, Chemnitz
Literatur
Georg Brühl: Karl-Heinz Jakob. In: Reihe: Künstler aus dem Bezirk Karl-Marx-Stadt, Herausgeber: Rat des Bezirkes Karl-Marx-Stadt Abt. Kultur, Karl-Marx-Stadt 1973, 2 Faltblätter (=24 Seiten).
Siegfried Wagner: Karl-Heinz Jakob: ein Mann der Stille. In: Kunsterziehung: Zeitschrift für Lehrer und Jugenderzieher, (Bd. 36). Verlag Volk und Wissen, Berlin 1989, S. 202. Joachim Voigtmann: Karl Heinz Jakob: eine Entwicklung zum bekennenden Gestus, Ausstellungskatalog: Galerie am Domhof Zwickau und Galerie Oben in Karl-Marx-Stadt, Zwickau/Karl-Marx-Stadt 1989.