mini|Schloss Wernrode mini|Hofansicht Das Schloss Wernrode ist ein Schloss in Wernrode, einem Ortsteil der Stadt Bleicherode im Landkreis Nordhausen in Thüringen.
Lage Durch den Ort führte eine alte Heerstraße von Nordhausen über die Hainleite, durch das Kirchtal und das Ungeheure Tal, in Richtung Mühlhausen.
Die benachbarten Burgen und Befestigungsanlagen auf der Hainleite sind im Osten die Burgruine Sargberg, im Südosten die Burg Straußberg, im Süden der Rauchenberg, im Südwesten Burgruine Kirchberg Alte Kirche und Burgruine Kirchberg Alte Burg sowie im Westen die Burgruine Zengenberg.
Beschreibung mini|Engel, der eine Laute stimmt mini|Reliefsteinplatte mit Wappen der Familien von Jagemann und Steckel mini|Hochmotte – ein Schuttkegel einer Turmhügelburg im Landschaftspark Das ehemalige Rittergut ist ein geschlossener Vierseithof mit Wirtschaftsgebäuden, die in verschiedenen Jahrhunderten entstanden sind. Die ältesten Teile stammen aus dem 12. Jahrhundert. Das zweigeschossige, massive Herrenhaus in der Teichstraße 41 wurde aus Bruchsteinen um 1603 in schlichten Formen der Renaissance erbaut. Das steile Satteldach mit bauzeitlichem Dachstuhl hat kleine Dachgauben. Vier verputzte Erker an den Ecken des Daches sind mit Pyramidendächern bedeckt. Im Norden und Süden ist ein geschwungener Staffelgiebel. Im Westen befindet sich ein innenliegender, runder Treppenturm. Im Süden steht ein polygonaler Anbau, der ursprünglich als Kapelle diente. Im Osten steht ein rundbogiges Tor mit Bossenwerk und nachträglich eingebauten antikisierender Bekrönung mit weiblichen Büsten. Im Erdgeschoss sind die Decken aus Stuck erhalten. Im Westen steht ein eingeschossiger Fachwerkhaus mit hohem Sockel aus Werkstein, Krüppelwalmdach mit Dachgauben aus dem 18. Jahrhundert.
In nördlicher Richtung neben dem Schloss befindet sich ein Teich (53 × 27 m), der mögliche Rest eines Wassergrabens und ehemaliger Klappenteich. Die obere und untere Klappe wurden zur Regulierung des Wasserzuflusses bzw. Wassersperre genutzt, damit das Mühlrad der Mühle Wernrode, bei Niedrigwasser des Wernröder Bachs, arbeiten konnte.
Der 2,3 ha große Landschaftspark, neben dem Schloss, ist von einer Bruchsteinmauer umgeben, in der stark verwitterte Reliefplatten eingearbeitet sind. Diese gelblich-bräunlichen Reliefsteine bestehen aus Seeberger Sandstein des Oberen Keuper (Rätkeuper).
Das Steinrelief der Dreifaltigkeit, dass bis 1938 in der Diele des Herrenhauses angebracht war, zeigt Gott Vater und Gottes Sohn mit einem Kreuz in seiner rechten Hand. Beide legen ihre Hände auf die zwischen ihnen schwebende Weltkugel. Der heilige Geist schwebt in Taubengestalt darüber und die Figur eines Engels in fliegendem Gewand, der eine Laute stimmt. In einer Kartusche steht die Inschrift: „Mein Hofnvng steht zv Gott, Margreta Jagemann geborne Deden.“ und das Jagemannsche Wappen.
Ein weiters Steinrelief war früher am Pferdestall angebracht. Es zeigt die Alliancewappen, die von Engeln gehalten werden. Das Jagemannsche Wappen mit Anker und Jagdhorn befindet sich links und rechts das Wappen der Familie Steckel, das im Schild einen stilisierten Aar über einem Wasserband mit Fisch zeigt. Auf dem Helm ist einen wachsenden Adler abgebildet. Darüber sind ein mit Engelsköpfchen besetzter Giebel und die Inschriften: „Anno Dmi 1603.“ und „D. Joh. Jagemann zu Hardegsen, Göttingen und Dorst F Bruns Cantler“ zu sehen.Julius Schmidt: Beschreibende Darstellung der älteren Bau- und Kunstdenkmäler des Kreises Grafschaft Hohenstein (1889), Bad Langensalza, Verlag Rockstuhl, 2011, ISBN 978-3-86777-394-2, S. 171–172
Im Landschaftspark befindet sich eine Hochmotte, ein Schuttkegel einer Turmhügelburg. Der überwachsene Hügel hat einen Durchmesser von ca. 22 m, eine von Höhe ca. 1,5 m und einen oberen Durchmesser von ca. 9 m. Im Süden ist ein flacher Graben von 18 m Breite zur Sicherung dieser Anlage zu erkennen.
Gegenüber dem Schloss liegt die kleine Kirche Wernrode.
Denkmalschutz Das Objekt und seine umliegenden Bauten sind im Denkmalbuch eingetragen und textlich dort wie folgt beschrieben.
Bleicherode OT Wernrode Teichstraße 40, 41, 43, 44 Gemarkung Wernrode, Flur 6, Flurstücke 31, 32, 34, 27, 29/1 Gutsanlage mit zwei Gutshäusern, Wirtschaftsgebäuden und Parkanlage
Die Gutsanlage mit zwei Gutshäusern A. 17. Jh. und 18. Jh., dreiseitiger Anlage von Wirtschaftsgebäuden 18. und 19. Jh., Parkanlage mit Parkmauer besteht aus: Gutshaus: Anfang 17. Jh. und 19. Jh.; stattlicher zweistöckiger, siebenachsiger Bau auf hohem Kellergeschoß, Traufstellung, profilierte gekoppelte Rechteckfenster, Portale 17. und 18. Jh., rückseitiger Treppenturrn, vierseitige Eckerker, Giebel mit Voluten und Kugelbekrönung, Dachgaupen, Inneres mit Kreuzgewölben, Reste der Renaissanceausstattung Torgewände, Stuckdecken, barockes Hoftor mit drei Relieftafeln. Gutshaus: 18. Jh., Fachwerkbau, einstöckig, 18-achsig, hoher Hausteinsockel, Gewölbekeller, Sprossenfenster, Krüppelwalmdach. Dreiseitige Anlage von fünf Wirtschaftsgebäuden 18. und 19. Jh., Fachwerk mit Bruchsteinsockel, Satteldächer. Große Parkanlage mit Bruchsteinmauer.
Geschichte und Eigentümer des Schlosses Territorialgeschichte
um 1000 Wippergau 1155–1220 Grafschaft Kirchberg 1220–1247 Heiliges Römisches Reich, Grafschaft Kirchberg 1247–1259 Heiliges Römisches Reich, Grafschaft Schwarzburg 1259–1320 Heiliges Römisches Reich, Grafschaft Lohra 1320–1802 Heiliges Römisches Reich, Grafschaft Hohnstein 1802–1807 Königreich Preußen, Grafschaft Hohnstein 1807–1813 Königreich Westphalen, Departement des Harzes, Distrikt Nordhausen, Kanton Pustleben 1813–1867 Königreich Preußen, Provinz Sachsen, Regierungsbezirk Erfurt, Kreis Nordhausen 1867–1871 Norddeutscher Bund, Königreich Preußen, Provinz Sachsen, Regierungsbezirk Erfurt, Kreis Nordhausen 1871–1882 Deutsches Reich, Königreich Preußen, Provinz Sachsen, Regierungsbezirk Erfurt, Kreis Nordhausen 1882–1918 Deutsches Reich, Königreich Preußen, Provinz Sachsen, Regierungsbezirk Erfurt 1918–1945 Deutsches Reich, Freistaat Preußen, Provinz Sachsen, Regierungsbezirk Erfurt April bis Juni 1945 Amerikanische Besatzungszone, Freistaat Preußen, Provinz Sachsen, Regierungsbezirk Erfurt 1945–1949 Sowjetische Besatzungszone, Land Thüringen, Landkreis Nordhausen 1949–1952 Deutsche Demokratische Republik, Land Thüringen, Landkreis Nordhausen 1952–1990 Deutsche Demokratische Republik, Bezirk Erfurt, Kreis Nordhausen ab 1990 Bundesrepublik Deutschland, Freistaat Thüringen, Landkreis Nordhausen Adelsgeschlecht von Wernrode ab 1200 1271 Reinhardus, Lippoldus, Wernerus et Conradus de Werenrad 1278 Ritter Alexander de Werenrode, zuletzt erwähnt am 8. Juni 1300 als Zeuge in den Sondershäuser Urkunden 1287 Brüder Friedrich und Heinrich de Werenrode 1302 Friedrich von Wernrode (als Zeuge: Kevernbergisches Erbe an die Grafen von Hohenstein), Heinrich von Wernrode, Die Töchter von Friedrich, Gertrudis und Mechthildis, waren im Nonnenkloster der Magdalenerinnen von Schlotheim, zuletzt erwähnt am 28. August 1330 als Zeuge in den Sondershäuser Urkunden 1309 und am 6. März 1313, Albert von Wernrode, Siegel unter der Walkenrieder Urkunde Nr. 734 1320 Brüder Friedrich und Heinrich de Werenrode (Nos quoque Henricus miles & Fredericus fratres de Wernrode), Gertrudis hieß die Frau von Friedrich. 1327 Albert von Wernrode verwendete ein dreieckiges Siegel mit dreiblättriger Blume am 15. März 1341. 1337 zogen Meß und Thecke von Wernrode aus dem Nonnenkloster von Schlotheim in das Jungfrauenkloster nach Bad Langensalza. 1329 Heinrich von Wernrode, Urkunde vom 22. Februar 1329 Zisterzienserkloster Volkenroda 1337 Johannes von Wernrode 1352 Alexander von Wernrode, Sohn des Ritters Albert von Wernrode, 8. Abt im Kloster 1353 Heinrich und Sander von Wernrode (Ilfeld Kopialbuch I Nr. 172) Sander war mit Katherina von Volkerode verheiratet.Thomas T. Müller in Gabriela Sigmori: Das Wunderbuch Unserer Lieben Frau im thüringischen Elende (1419–1517). Bd. 12, Verlag Böhlau 2006, Seite 20 und 21 1363 Ritter Albrecht und Friedrich von Wernrode (Ilfeld Kopialbuch I Nr. 188) Das Adelsgeschlecht führte eine Blume der Kornrade im Wappen. Am 21. August 1370 starb Adelheid genannt Tela von Wernrode, Herrin im Franziskanerkloster in Mühlhausen. 1366 Albrecht von Wernrode am 29. Januar als Zeuge in den Sondershäuser Urkunden 1431 Otto von Wernrode (Archive signature: 1.1./ I Lc 40 Inventory signature: StadtA NDH Best. 1.1. Sign. I Ageing: 1457 März 12) bis 1460 war Otto von Wernrode, zum Ende der Minderjährigkeit von Ernst IV. von Hohnstein und Johann III. von Hohnstein, vormundschaftliche Regierung gemeinsam mit Apel von Wechsungen und Kurt von Brück 1466 Otten von Wernrode 1493 Hans von Wernrode und Bruder Hylmar 1496 Hilmar von Wernrode (Archivalien-Signatur: 1.1./ I Le 39 Bestandssignatur: StadtA NDH Best. 1.1. Sign. I Datierung: 1496 März 16) 1509 Hylmar von Wernrode besaß das Dorf Krimderode (Krymmelderode) (Archive signature: 1.1./ I Lc 57 Inventory signature: StadtA NDH Best. 1.1. Sign. I Ageing: 1509 Januar 12) 1528 Heinrich von Wernrode 1530 Ernst von Wernrode (ThHStAW, EGA, Reg. Kk, Nr. 1058) 1558 Brüder Otto Vincentius und Hilmar (der Jüngere) von Wernrode (NLA-HStAH, Cal. Br. 14 Nr. 986)
Adelsgeschlecht von Schiedungen ab 1573 mini|Alabaster-Grabmal von Anna von Schiedungen in der Kirche Wernrode mini|verschwundene Sandsteinfigur Reliefplatte knienden betenden Ritter vor einem Kruzifix mit der Jahreszahl 1587 1573 Hans und Heinrich von Schiedungen
In den Nischen des Chores der Kirche in Wernrode waren an der Südwand zwei Reliefplatten. Das verschwundene verwitterte Sandsteinbild zeigte einen knienden Ritter vor einem Kruzifix und dem Datum „1587 DEN 1. MAII“. Daneben ist in gleicher Größe eine Figur einer Matrona aus weißem Alabaster auf schwarzer Grundplatte mit der Umschrift „ANN0 1627 DEN 10. JAN. IST DIE WOHLEDLE VND EHRN VIEL TVGENDSAME FRAW ANNA GEBORNE VON REHEN, HANS VON SCHIEDUNGEN S.(elige) WITWEN IN CHRISTO ENTSCHLAFN“.Julius Schmidt: Beschreibende Darstellung der älteren Bau- und Kunstdenkmäler des Kreises Grafschaft Hohenstein (1889). Verlag Rockstuhl, Bad Langensalza 2011, ISBN 978-3-86777-394-2, S. 169–171.
Adelsgeschlecht von Jagemann ab 1600 1603 Johann von Jagemann (Braunschweigischer Kanzler und Geheimrath) († 7. Januar 1604 in Wernrode) und seine Frau Juliane geb. Steckel (* 1560; † 1612 in Osterode am Harz) 1620 Brüder Julius Jagemann, Heinrich Julius Jagemann (NLA HA Cal. Br. 14 Nr. 476 und Nr. 477) und Hans Ernst von Jagemann (* 1584; † 1647) mit Frau Juliana von Jagemann († 12. Juni 1638 in Wernrode)
Adelsgeschlecht von Hagen ab 1638 1638 Lehen der Familie von Hagen 1661 Jost Hartmann von Hagen 1716 Wilhelm Hartmann von Hagen auf Wernrode, Fürstlich bayrischer Obristleutnant 1720 königlich polnische und kurfürstliche Kapitän Hans Christoph von Hagen (1646–1715) auf Wernrode
Adelsgeschlecht von Bila ab 1720 1720 Heinrich Günther von Bila (1680–1738) (Kirchenpatron in Wernrode) mit Gemahlin Eleonore Wilhelmine Henriette von Seidensticker 1737 Hauptmann Friedrich Anthon von Bila (Kirchenpatron in Wernrode) 1769 drei der vier Brüder, August Friedrich, geb. 1721, Georg Carl, geb. 1726, Heinrich Wilhelm August, geb. 1729, besaßen die Güter Wernrode und Elbingen (bei Buchholz), dazu Sundhausen 1780 Kaufmann Wilhelm August von Bila (bis 1807) 1814 Friedrich Wallrath Karl Johann von Biela (1784–1846) ⚭ 17. April 1814 in Greußen Friederike Dorette Meyer (1790–1858) 1815 Thilo Friedrich von Biela, geb. 22. April 1815 in Wernrode, gest. 2. März 1893 in Brödelwitz 1816 Ausbau des Schlosses, siehe C 125 Naumburg, VI Nr. 46d Hypothekenakte des Rittergutes Wernrode (Dannemann), Laufzeit 1816–1849 1817 Friederike Agnes Ida von Biela, geb. 11. Februar 1817 in Wernrode, gest. 14. April 1858 Erfurt, ⚭ 24. August 1841 in Wernrode mit Friedrich Ludwig August Schulze, Oberstlieutenant