Wittingen ist eine Kleinstadt im Landkreis Gifhorn in Niedersachsen. Ihrem weitläufigen, dünn besiedelten Umland dient sie als Mittelzentrum.

Geografie Geografische Lage Wittingen liegt im Nordosten des Landkreises Gifhorn an der Landesgrenze zu Sachsen-Anhalt. Die Stadt liegt zwischen der Lüneburger Heide und der Altmark. Das heutige Gebiet der Stadt Wittingen und der dazugehörigen Dörfer erstreckt sich über eine Fläche von 225,09 Quadratkilometern, wovon 7,8 % Siedlungs- und Verkehrsfläche sind. Nächstgelegene Städte sind Gifhorn (25 km entfernt), Wolfsburg (30 km), Uelzen (30 km), Celle (50 km) und Salzwedel (35 km) (alle Angaben sind gerundet und Luftlinien). Durch das Stadtgebiet verläuft die Elbe-Weser-Wasserscheide. Wittingens nördliche und westliche Ortsteile entwässern über Ise und Aller zur Weser. Durch das südöstliche Stadtgebiet fließt die Ohre. Sie ist ein Nebenfluss der Elbe; der Ortsteil Ohrdorf wurde nach ihr benannt.Rudi Fischer: 800 Jahre Calvörde – Eine Chronik bis 1991. o. O. 1996.

Stadtgliederung mini|Ortschaften der Stadt Wittingen

Die Stadt Wittingen ist eine Einheitsgemeinde und besteht aus 26 Ortsteilen, die sich auf 25 Ortschaften verteilen (in Klammern die Einwohnerzahl am 31. Dezember 2024): Boitzenhagen (221) Darrigsdorf (207) Erpensen (174) Eutzen (74) Gannerwinkel (116) Glüsingen mit Hahnenberg, Mannhagen und Hafen Wittingen (192) Hagen mit Baumgartenmühle, Stackmannsmühle und Lütjemühle (105) Kakerbeck (123) Knesebeck mit Krummühle (2632) Küstorf (63) Lüben mit Rumstorf (105) Mahnburg (78) Ohrdorf (418) Plastau (38) Rade (177) Radenbeck (512) Schneflingen (132) Stöcken (237) Suderwittingen (149) Teschendorf (97) Vorhop und TransvaalDie Ortsteile Vorhop und Transvaal bilden eine gemeinsame Ortschaft, vgl. Holger Boden: Vorhoper wollen schnelleres Netz. Isenhagener Kreisblatt, 21. November 2019, abgerufen am 11. Mai 2022. mit Forsthaus Malloh (508) Wittingen (4727) Wollerstorf (36) Wunderbüttel mit Friedrichsmühle (90) Zasenbeck (306)

Die größeren Ortschaften Wittingen, Knesebeck, Ohrdorf, Radenbeck und Vorhop-Transvaal verfügen jeweils über einen Ortsrat mit Ortsbürgermeister, die übrigen Ortschaften jeweils über einen Ortsvorsteher.Hauptsatzung der Stadt Wittingen, abgerufen am 21. Dezember 2025.

Das Mittelzentrum Wittingen wird durch die Ortsteile Wittingen und Glüsingen einschließlich des Wittinger Hafens gebildet. Sein weitläufiges, dünn besiedeltes Versorgungsgebiet umfasst den Norden und Osten des Landkreises Gifhorn sowie die angrenzenden Bereiche der Landkreise Celle, Uelzen, Lüchow-Dannenberg und Altmarkkreis Salzwedel. An seiner Funktion als Grundzentrum für das Wittinger Stadtgebiet hat auch der Ortsteil Knesebeck teil, der zudem ein wichtiger Gewerbestandort ist.

Geschichte Gründung Die erste Erwähnung Wittingens entstammt einer Urkunde aus dem Jahr 781, in der die Grenzen des Bistums Hildesheim beschrieben werden. Eine weitere frühe Erwähnung entstammt einer Urkunde Karls des Großen aus dem Jahr 803, in der die Grenzen des neuen Bistums Halberstadt genannt werden. Aus diesen Quellen kann jedoch nicht auf die tatsächliche Gründungszeit des Ortes geschlossen werden, da es in dieser Zeit bereits einen Gau namens Wittingau gab, so dass eine frühere Entstehungszeit angenommen werden kann.

Mittelalter Wittingen war im Mittelalter nicht nur Grenzort, sondern lag zudem verkehrsgünstig an der Grenze zur Altmark. Die Stadt war damit Handels- und Rastplatz für den Handel in Ost-West-Richtung. Im 9. Jahrhundert wurde durch das Bistum Halberstadt die Stephanus-Kirche errichtet. Bis zum Beginn des 13. Jahrhunderts hatte Wittingen die Stadtrechte erworben und wurde Miteigentümer der Lüneburger Münze. 1340 gelangte die Stadt aus dem Brandenburgischen in den Besitz der Welfen in Celle. Während der Hildesheimer Stiftsfehde wurde auch Wittingen im Jahr 1519 fast vollständig zerstört. Als Konsequenz wurde mit dem Bau von Befestigungsanlagen begonnen. Im Süden der Altstadt sind ein Teil des Walles sowie zwei Gräben zwischen Achterstraße und Hindenburgwall noch heute erhalten.

Frühe Neuzeit bis zur Moderne mini|Merian-Stich um 1654 Im Laufe des Dreißigjährigen Krieges erlitt Wittingen durch Tributzahlungen Schaden. 1639 quartierten sich zudem zwei schwedische Regimenter in der Stadt ein. Während ihrer Anwesenheit wurde ein Großteil der Häuser durch eine Brandkatastrophe zerstört.

Während des Siebenjährigen Krieges wurde Wittingen von den Franzosen besetzt. Am 12. April 1792 brach um 20 Uhr in einem Haus am Markt eine Feuersbrunst aus, die sich trotz fast unmerklichem Nordostwind so schnell ausbreitete, dass 66 Wohnhäuser, ohne Nebengebäude, innerhalb einer Stunde abbrannten. Die meisten Einwohner waren bereits entkleidet und retteten nichts als was sie am Leibe hatten. Viele wurden von den Flammen verletzt, zwei Frauen und auch verschiedenes Vieh kamen um. 387 Notleidende einschließlich Kindern und Mietsleuten waren vorhanden, wie Pastor E. H. Küker in den „Hannoverischen Anzeigen“ vom 27. April des Jahres mitteilte.Ausführlich: Matthias Blazek: Das Löschwesen im Bereich des ehemaligen Fürstentums Lüneburg von den Anfängen bis 1900. Adelheidsdorf 2006, S. 155 f., ISBN 978-3-00-019837-3.

Ein weiterer verheerender Brand ereignete sich am 8. Juni 1852, der sechsundvierzig Wohnhäuser und neunundvierzig Nebengebäude in Asche legte.

Die zweite Besetzung durch die Franzosen erfolgte 1803 während der Napoleonischen Kriege.

Samtgemeinden, Eingemeindungen und Neubildung Das heutige Wittinger Stadtgebiet ist nahezu identisch mit dem Kernbereich des alten Amtes Knesebeck, bestehend aus der Gografschaft Wittingen und der Vogtei Knesebeck. In diesem Bereich bestanden Anfang des 20. Jahrhunderts noch 26 eigenständige Gemeinden. 1928/29 wurden die Gemeinden Fünfmühlen, Küstorf, Mahnburg und Plastau aufgelöst, 1953 Plastau aber wieder neugebildet. So waren es Anfang 1974 noch 23 Gemeinden. Die Stadt Wittingen umfasste darunter lediglich das Gebiet der heutigen gleichnamigen Ortschaft.

In den 60er Jahren gab es verstärkt Tendenzen, größere kommunale Einheiten zu bilden, die den wachsenden Anforderungen an die örtliche Verwaltung besser gerecht werden konnten. So schlossen sich am 15. Juni 1963 die Gemeinden Plastau, Schneflingen und Teschendorf zur Samtgemeinde Schneflingen mit Sitz in Teschendorf zusammen. Am 1. Juni 1965 gesellten sich ihnen noch die Gemeinden Boitzenhagen und Zasenbeck hinzu. Am 30. Juni 1965 entstanden zwei weitere Samtgemeinden: Die Gemeinden Darrigsdorf, Erpensen, Gannerwinkel, Glüsingen, Lüben, Kakerbeck, Rade, Suderwittingen und Wollerstorf bildeten die Samtgemeinde Wittingen und die Gemeinden Eutzen, Hagen bei Knesebeck, Knesebeck und Wunderbüttel die Samtgemeinde Knesebeck. Die Stadt Wittingen trat etwas verzögert am 1. Januar 1966 der nach ihr benannten Samtgemeinde bei. Am 19. Juni 1969 gliederten sich noch die Gemeinden Schönewörde und Vorhop der Samtgemeinde Knesebeck und am 1. Januar 1971 die Gemeinde Stöcken der Samtgemeinde Wittingen an.

Im Zuge der Gebietsreform in Niedersachsen lösten sich die drei Samtgemeinden am 1. März 1974 schon wieder auf. Stattdessen wurden am selben Tag die Mitgliedsgemeinden der ehemaligen Samtgemeinde Wittingen in die Stadt Wittingen und die meisten Mitgliedsgemeinden der ehemaligen Samtgemeinde Knesebeck in die Gemeinde Knesebeck eingegliedert. Lediglich Schönewörde trat zeitgleich der neugegründeten Samtgemeinde Wesendorf bei. Die Mitgliedsgemeinden der ehemaligen Samtgemeinde Schneflingen wurden an diesem Tag mit den noch gänzlich eigenständigen Gemeinden Ohrdorf und Radenbeck zu einer neuen Gemeinde Ohrdorf zusammengeschlossen. Diese drei bereits stark vergrößerten Gemeinden wurden gemäß „Verordnung über die Neubildung der Stadt Wittingen“ vom 23. März 1974 am 1. April 1974 wiederum zur neugebildeten Einheitsgemeinde Stadt Wittingen zusammengeschlossen.

Einwohnerentwicklung Nach dem Niedersächsischen Landesamt für Statistik wohnten 2005 in der Stadt Wittingen 12.291 Menschen in 3745 Gebäuden mit insgesamt 5399 Wohnungen bei einer durchschnittlichen Wohnfläche von 49,9 m² je Person. Seit Gründung der Einheitsgemeinde wuchs die Einwohnerzahl beständig, sowohl durch eine positive natürliche Bevölkerungsentwicklung als auch durch einen positiven Wanderungssaldo. 21,3 % der Bevölkerung waren 2005 unter 18 Jahre alt, 7,1 % zwischen 18 und 25, 27,0 % zwischen 25 und 45, 24,4 % zwischen 45 und 64, und 20,3 % waren 65 Jahre alt oder älter. Die Arbeitslosenquote lag bei durchschnittlich 11,3 % (Männer: 9,4 %, Frauen: 14,0 %). 2247 Menschen pendeln regelmäßig aus der Stadt heraus, 1745 herein.

Am lag die Einwohnerzahl bei .

Religion Die evangelisch-lutherische St.-Stephanus-Kirche in der Stadtmitte ist die älteste Kirche in Wittingen. Ihre Kirchengemeinde gehört zum Kirchenkreis Wolfsburg-Wittingen innerhalb des Sprengels Lüneburg der Landeskirche Hannovers. Die Kirche besitzt eine rekonstruierte Orgel des Orgelbauers Johann Wilhelm Gloger mit zwei Manualen und Pedal. Weitere evangelisch-lutherische Kirchen befinden sich in Wittinger Ortsteilen. Die St.-Gabriel-Kirche in Darrigsdorf wurde Ende des 14. Jahrhunderts als rechteckiger gotischer Feldsteinbau errichtet. Die 1235 erbaute Laurentius-Kirche wurde als Wehrkirche errichtet und ist eine Feldsteinkirche in Ohrdorf.

Die St.-Stephans-Kirche am Hindenburgwall ist eine Selbständige Evangelisch-Lutherische Kirche.

Die katholische Kirche Maria Königin, auch St. Marien genannt, ist die nördlichste Kirche im Dekanat Wolfsburg-Helmstedt. Sie wurde 1972 an der Schützenstraße errichtet, ausgeführt als Fertigteilkirche mit freistehendem Glockenturm. Zuvor bestand bereits seit 1953 eine Notkirche in der Celler Straße 12. Heute gehört zur Pfarrgemeinde auch die katholische Kirche in Wesendorf.

Die neuapostolische Gemeinde Wittingen wurde 2012 aufgelöst und der Gemeinde Hankensbüttel angeschlossen, das Kirchengebäude wurde verkauft. Der erste neuapostolische Gottesdienst in Wittingen fand 1926 in einem Hotel statt, 1975/76 wurde eine eigene Kirche in der Spörkenstraße 28 errichtet.

Politik Verwaltungszugehörigkeit In seiner Frühzeit gehörte Wittingen zu Brandenburg. Erst 1340 kam die Stadt zu Celle und damit zu den Welfen. Nach der Besetzung durch die Franzosen erfolgte 1810 eine neue Ämtereinteilung. Wittingen befand sich im Département Niederelbe im Königreich Westphalen und bildete den 5. Kanton mit 13 Kommunen. Wittingen gehörte von 1885 bis 1932 zum Landkreis Isenhagen, der dann im Landkreis Gifhorn aufging. Im Zuge der Gebiets- und Verwaltungsreformen schlossen sich 1974 die Samtgemeinden Wittingen, Knesebeck, Schneflingen und die Gemeinden Ohrdorf und Radenbeck zur neuen Stadt Wittingen zusammen. Bis zum 31. Januar 1978 gehörte Wittingen zum Regierungsbezirk Lüneburg, bis zum 31. Dezember 2004 dann zum Regierungsbezirk Braunschweig, der infolge einer Verwaltungsreform mit Ablauf dieses Datums aufgelöst wurde.Ausführlich: Matthias Blazek: Von der Landdrostey zur Bezirksregierung – Die Geschichte der Bezirksregierung Hannover im Spiegel der Verwaltungsreformen. Stuttgart 2004, ISBN 3-89821-357-9.

Rat Der Rat der Stadt Wittingen besteht aus 28 Ratsfrauen und Ratsherren. Dies ist die festgelegte Anzahl für eine Stadt mit einer Einwohnerzahl zwischen 11.001 und 12.000 Einwohnern., abgerufen am 30. Dezember 2014 Die 28 Ratsmitglieder werden durch eine Kommunalwahl für jeweils fünf Jahre gewählt. Die aktuelle Amtszeit begann am 1. November 2016 und endet am 31. Oktober 2021.

Stimmberechtigt im Rat ist außerdem der hauptamtliche Bürgermeister Andreas Ritter (parteilos).

Die letzte Kommunalwahl vom 12. September 2021 ergab das folgende Ergebnis:Ergebnis der Ratswahl 2021 abgerufen am 16. März 2022 CDU: neun Sitze FWG: sieben Sitze SPD: sechs Sitze Grüne: drei Sitze BA: zwei Sitze AfD: ein Sitz