mini|hochkant|Napoleon reitet während der Schlacht bei Jena an seiner Alten Garde vorbei. Bildausschnitt aus einem Ölgemälde von Emile Jean Horace Vernet (19. Jh.) mini|hochkant|Grenadier der Kaiserlichen Garde

Die Kaiserliche Garde () entstand im Jahre 1804 in Frankreich nach der Thronbesteigung von Kaiser Napoleon durch Umbenennung der „Konsulargarde“.

Napoleon und seine Garde Die 1804 auf der Grundlage der alten Konsulargarde aufgebaute Kaiserliche Garde war eine persönliche Schöpfung Napoleons. Zu Beginn bestand sie aus acht Einheiten: dem Régiment Grenadiers à cheval de la Garde impériale dem Régiment Chasseurs à cheval de la Garde impériale der Mamelouks de la Garde impériale dem Régiment der Gendarmerie d’élite de la Garde impériale dem 1er régiment de grenadiers à pied de la Garde impériale dem 1er régiment de chasseurs à pied de la Garde impériale dem Bataillon des Marins de la Garde impériale dem Régiment d’artillerie à cheval de la Garde impériale

In den folgenden 11 Jahren des Bestehens der Garde kamen eine große Anzahl an Formationen hinzu, so das Régiment de dragons de la Garde impériale 1806, das 1er régiment de chevau-légers lanciers polonais de la Garde impériale 1807 oder die Compagnie de Sapeurs de la Garde impériale 1810.

Bei der Planung des Russlandfeldzuges umfasste sie fast 52.000 Mann. Der Kaiser allein überprüfte und kontrollierte die Rekrutierungen, Beförderungen und kümmerte sich um alle weiteren Details des Dienstes bis hin zum Aussehen der Uniformen. Über seine zahlreichen Feldzüge und Schlachten hinweg entwickelte Napoleon ein sehr persönliches Verhältnis zur Garde, die nicht nur im Krieg für seine persönliche Sicherheit garantierte, sondern auch in Friedenszeiten zu Repräsentationszwecken – etwa durch ihre Anwesenheit bei Staatsbanketten – eingesetzt wurde. Napoleon kannte mehrere hundert seiner Gardesoldaten namentlich und kümmerte sich auch um Einzelschicksale, was die enge persönliche Bindung zwischen ihm und den Soldaten noch verstärkte. Bis Waterloo galt sie als nahezu unbesiegbar.

Privilegien Angehörige der Gardeinfanterie erhielten einen doppelt so hohen Sold wie Soldaten der einfachen Linienregimenter. Ein Gardegrenadier beispielsweise erhielt täglich 80 centimes, während sein Pendant in der Linie 30 centimes täglich verdiente. Die Gardedienstgrade rangierten jeweils einen Rang vor denen der regulären Armee; d. h., der Sergent Major (Stabsfeldwebel) der Garde war dienstgradgleich mit dem Sous-lieutenant der Linie, der Garde-Lieutenant rangierte mit dem Capitaine der Linie. Die Gardeeinheiten wurden besser verpflegt und jeder Soldat verfügte über eine eigene Suppenschüssel, während alle übrigen Soldaten der Grande Armée zu mehreren aus einem Topf essen mussten. Darüber hinaus verfügte die Garde über ein eigenes Krankenhaus in Gros-Caillou bei Paris, das unter der Leitung des berühmten Militärarztes Dominique Jean Larrey stand und dessen medizinisches Personal mit großer Sorgfalt ausgewählt wurde. Begegnete ein Garderegiment auf seinem Marsch einem einfachen Linienregiment, so war letzteres verpflichtet, der Garde den Weg frei zu machen, anzuhalten und die Waffen zu präsentieren. Alle diese Privilegien waren darauf ausgelegt, unter den Angehörigen der Garde ein Gefühl des Stolzes zu erzeugen und damit die Motivation der Soldaten zu steigern.

Gliederung, Stärke Die Garde des Kaiserreichs umfasste alle Waffengattungen der Zeit. Sie bestand aus schwerer Infanterie (Grenadiere), leichter Infanterie (Jäger, Voltigeurs, Tirailleure und später Flanquere) schwerer und leichter Kavallerie, Fußartillerie, berittener Artillerie, Gendarmen, Marineinfanteristen und Pionieren. Aufgeteilt war die Kaiserliche Garde in die „Alte“, die „Mittlere Garde“ und die „Junge“ Garde. Die 3. und 4. Grenadiere sowie die 3. und 4. Jäger wurden, wie auch die Füsilier-Grenadiere und die Füsilier-Jäger, als „Mittlere Garde“ bezeichnet.

Nach besonderen Leistungen auf dem Schlachtfeld wurden einzelne Regimenter zu Garderegimentern erhoben: Nach dem verlustreichen Sieg am Somosierra-Pass in Spanien (30. November 1808) wurden die Polnischen Chevaulegers von der „Jungen Garde“ in die „Alte Garde“ überführt. Der Augenzeuge Philippe-Paul de Ségur berichtete, dass die Tapferkeit des Regimentes Napoleon so beeindruckte, dass er es die „Mittlere Garde“ überspringen ließ.siehe: Segurs Augenzeugenbericht

Folgende Momentaufnahme vom Tag der Schlacht bei Ligny (16. Juni 1815) gibt einen ungefähren Überblick über die Organisationsstruktur und Truppenstärke gegen Ende des Ersten Kaiserreichs:

Die Kaiserliche Garde (La Garde Impériale)Aide major général Marschall Adolphe Mortier, ab 18. Juni Général de division Comte DrouotKommandant der Artillerie und der Marineinfanteristen Général de division Baron Desvaux de Saint MauriceCommandant du génie Général de division Baron HaxoAlte Garde1. Division Général de division Comte Friant Grenadier-Brigade zu Fuß Général de division Comte Rouget1. Grenadiere zu Fuß Général de brigade Baron Petit (2 Bataillone) 1.006 Mann2. Grenadiere zu Fuß Baron Christiani (2 Bataillone) 1.063 Mann3. Grenadiere zu Fuß Morvan (2 Bataillone) 1.146 Mann4. Grenadiere zu Fuß Général de brigade Harlet (1 Bataillon) 503 Mann2. Division Général de division Comte Morand Chasseur-Brigade zu Fuß Général de division Comte Michel1. Jäger zu Fuß Colonel Comte Cambronne (2 Bataillone) 1.271 Mann2. Jäger zu Fuß Général de brigade Baron Pelet (2 Bataillone) 1.031 Mann3. Jäger zu Fuß Chevalier Malet (2 Bataillone) 1.028 Mann4. Jäger zu Fuß Henrion (2 Bataillone) 1.041 MannJunge Garde Général de division Comte Duhesme 1. Brigade Chartrand1. Voltigeure Malcolm (2 Bataillone) 1.188 Mann1. Tirailleure Secretan (2 Bataillone) 935 Mann 2. Brigade Guye3. Voltigeure Pailhes (2 Bataillone) 1.271 Mann3. Tirailleure Hurel (2 Bataillone) 1.031 MannLeichte Kavallerie Général de division Comte Lefebvre-DesnouettesChasseurs à cheval Général de division Baron Lallemand (7 Escadrons) 1.197 Mann1er régiment de chevau-légers lanciers de la Garde impériale Colonel Pawel Jerzmanowski2e régiment de chevau-légers lanciers Général de division Colbert-Chabanais (6 Escadrons) 880 MannLanciers lituaniens de la Garde impérialeColonel Jan KonopkaTartares lituaniens Samuel Murza Ulan1er régiment des éclaireursColonel Claude Testot-Ferry2e régiment des éclaireursColonel Laurent Hoffmayer3e régiment des éclaireursColonel Jan Leon KozietulskiSchwere Kavallerie Général de division Baron GuyotGrenadiers à cheval Dubois (6 Escadrons) 796 MannDragoner Major Laurent Hoffmayer (letzter) (6 Escadrons) 880 MannFußartillerie Géneral de brigade Henri Dominique Lallemand (72 Kanonen) 702 MannArtillerie zu Pferd Duchand (24 Kanonen) 380 Mann

Einsatz der Garde Napoleon nutzte die Garde in seinen Schlachten häufig als letzte Reserve und setzte sie bevorzugt in schlachtentscheidenden Situationen ein. Insbesondere den Einsatz der Alten Garde zögerte er gerne so lange wie möglich hinaus. In einigen Schlachten (wie z. B. bei Austerlitz) blieb die Alte Garde infolgedessen weitgehend untätig.

Dagegen wurde die Junge Garde – die im Feldzug von 1813 auf je 19 Regimenter Voltigeure und Tirailleure angewachsen war – vergleichsweise häufig an der Seite der Linientruppen eingesetzt.

Mythen und Legenden mini|250px|links|Napoléons Abschied von der Garde in Fontainebleau (1814). Historiengemälde des französischen Malers Antoine-Alphonse Montfort aus dem 19. Jahrhundert Auf den Gemälden der Historienmalerei des 19. Jahrhunderts wird häufig nur die sogenannte „Alte Garde“ dargestellt, die Bärenfellmützen trug. Die berittenen Grenadiere wurden von den Linientruppen angeblich etwas verächtlich „die Unsterblichen“ genannt, da sie normalerweise nicht im Gefecht, sondern „nur“ als Bedeckung des kaiserlichen Hauptquartiers eingesetzt wurden.

Die Grenadier-Regimenter der „Alte Garde“ mit den hohen Bärenfellmützen wurden angeblich von ihren Gegnern als „Götter“ bezeichnet, da sie auf dem Schlachtfeld aufgrund ihrer gesteigerten Größe eine beeindruckende Erscheinung darstellten.

In der Spätphase der napoleonischen Ära litt die Garde so wie auch andere Truppenteile unter Mangel. So schrieb etwa der britische Künstler Benjamin Haydon nach seinem Besuch in Schloss Fontainebleau im Jahre 1814:

In Frankreich wurden die Soldaten der „Alten Garde“ als bezeichnet.

Bei der Schlacht von Waterloo wurde auch die Kaiserliche Garde in die allgemeine umfassende Niederlage hineingezogen. Nach einem letzten verlustreichen Angriff befand sie sich in unhaltbarer Stellung und wurde zur Übergabe aufgefordert. Pierre Cambronne, Kommandeur des 1. Garde-Jäger-Regiments zu Fuß, wurde das Zitat zugeschrieben (geflügelte Worte).

Übersicht über den Gesamtbestand der Garde Infanterie Vieille Garde (Alte Garde)

Diese bestand aus altgedienten Veteranen, die für sich in Anspruch nahmen die verdienstvollsten Soldaten in der französischen Militärgeschichte zu sein. 1er régiment de grenadiers à pied de la Garde impériale (aufgestellt 1799) 1er régiment de chasseurs à pied de la Garde impériale (aufgestellt 1800)

Moyenne Garde (Mittlere Garde) mini|hochkant|Chasseurs à pied der Alten Garde

Grenadiers (Grenadiere)

Bei der Aufstellung der Mittleren Garde im Jahre 1804 bestanden die Grenadiere aus einem Regiment zu zwei Bataillonen mit 1620 Mann, angeschlossen war ein Bataillon Veliten zu 950 Mann. 1806 wurde ein zweites Regiment Grenadiere errichtet. Bereits 1808 wurden die beiden Regimenter zusammengelegt. Im Jahre 1810, nach der Annexion des holländischen Königreichs wurde das dort vorhandene königliche Gardegrenadierregiment als neues 2. Grenadierregiment zu Fuß in die Mittlere Garde eingegliedert.

1815 bestanden vier Regimenter Grenadiere zu Fuß in der mittleren Garde: 2e régiment de grenadiers à pied de la Garde impériale (1806–1809 und 1811–1815) 2e régiment de grenadiers à pied (hollandais) (ab 1810) Bataillon de grenadiers polonais (Polnisches Grenadierbataillon – aufgestellt 1812) 3e régiment de grenadiers à pied de la Garde impériale (aufgestellt 1811) 4e régiment de grenadiers à pied de la Garde impériale (aufgestellt 1815)

Chasseurs à pied (Jäger zu Fuß)

Die Chasseurs à pied der Garde wurden gleichzeitig mit den Grenadieren aufgestellt. In der Theorie rekrutierten sie sich aus der Leichten Infanterie, während sich die Grenadiere aus der Linieninfanterie ergänzten. 2e régiment de chasseurs à pied de la Garde impériale 3e régiment de chasseurs à pied de la Garde impériale (aufgestellt 1815) 4e régiment de chasseurs à pied de la Garde impériale (aufgestellt 1815)

Fusiliers (Füsiliere)

Régiment des fusiliers-chasseurs de la Garde impériale (1er régiment de fusiliers de la Garde impériale – aufgestellt 1806) Régiment des fusiliers-grenadiers de la Garde impériale (2e régiment de fusiliers de la Garde impériale – aufgestellt 1806)

Jeune Garde (Junge Garde)

1er régiment de tirailleurs de la Garde impériale (aufgestellt 1809–1810) 2e régiment de tirailleurs de la Garde impériale (aufgestellt 1809–1810) 3e régiment de tirailleurs de la Garde impériale (aufgestellt 1809–1810) 4e régiment de tirailleurs de la Garde impériale (aufgestellt 1809–1810) 1er régiment de voltigeurs de la Garde impériale (aufgestellt 1809–1810) 2e régiment de voltigeurs de la Garde impériale (aufgestellt 1809–1810) 3e régiment de voltigeurs de la Garde impériale (aufgestellt 1809–1810) 4e régiment de voltigeurs de la Garde impériale (aufgestellt 1809–1810) Régiment de flanqueurs-chasseurs de la Garde impériale (aufgestellt 1811) Régiment de flanqueurs-grenadiers de la Garde impériale (aufgestellt 1813)

Tirailleurs (Schützen) 5e régiment de tirailleurs de la Garde impériale (aufgestellt 1811) 6e régiment de tirailleurs de la Garde impériale (aufgestellt 1811) 7e régiment de tirailleurs de la Garde impériale (aufgestellt 1813) 8e régiment de tirailleurs de la Garde impériale (aufgestellt 1813)