mini|Plan des römischen Vesunna mini|Modell der Stadt im 2. Jahrhundert Vesunna Petrucoriorum war eine römische Stadt in der Provinz Gallia Aquitania, die Vorläuferin der im französischen Périgord gelegenen Stadt Périgueux.

Geschichte Am Ort des späteren Vesunna, einem Übergang über die damals schiffbare Isle, hatte der gallische Stamm der Petrocorii (petru = vier, corios = Heer), der zwischen Dordogne, Vézère und Isle siedelte, seinen befestigten Hauptsitz.Venceslas Kruta: Les Celtes: histoire et dictionnaire. Paris 2000. ISBN 2-221-05690-6. Er unterstützte Vercingetorix bei seinem Abwehrkampf gegen die Römer. Vesunna war der Name einer lokalen Schutzgöttin (tutela), bei der es sich vermutlich um eine Quellgöttin handelte (Vesunna von ves = keltischer Wortstamm: gut, hervorragend, führend). Nach der Eroberung durch die Römer, wohl zwischen 25 und 16 v. Chr., wurde Vesunna als gallorömisches Municipium gegründet. Die Bevölkerung wurde rasch romanisiert. Zur Zeit des Kaisers Claudius entstand hier ein repräsentatives domus mit herausragenden Fresken für einen Angehörigen der lokalen Elite, das mehrfach umgebaut und erweitert wurde. Heute bilden die Grundmauern der 1959/60 entdeckten Anlage den Kern der Ausstellung des Vesunna-Museums.

Weiterhin entstanden im 1. Jahrhundert das Forum und ein Amphitheater. Die Ruine eines 24 Meter hohen Rundturms wird einmütig als Tempel der Schutzgöttin gedeutet. Vom hohen Stand der Wasserversorgung zeugt unter anderem der Fund einer kombinierten Druck- und Saugpumpe nach dem Prinzip des Ktesibios.Elisabeth Pénisson: Vesunna. Editions Sud Ouest, Bordeaux 2015.

Vermutlich aufgrund der Einfälle der Alemannen 275/76 schrumpfte der zuvor bedeutende, 60 Hektar umfassende Ort beträchtlich. Er wurde um 290 im Norden der alten Siedlung auf einer Fläche von 5,5 Hektar neu errichtet und mit einer Mauer von 950 Meter Länge aus Kalksteinblöcken befestigt. Um dieses Material zu gewinnen, wurden auch alte Häuser abgerissen. Die Bevölkerung zog sich in die neue Stadt zurück. Da sie früh den christlichen Glauben angenommen hatte, wurde der Name der keltischen Schutzpatronin nicht mehr verwendet. Die neue Siedlung hieß nun Civitas Petrucoriorum. Später wurde sie nur noch Civitas bzw. La Cité genannt.

Nach der Verwüstung durch die Westgoten, die den Bischof ermordeten, wurde der Ort Anfang des 6. Jahrhunderts erneut Bischofssitz und im Jahr 1240 mit dem benachbarten Puy-Saint-Front zur Stadt Périgueux zusammengelegt.

Archäologie mini|Turm von Vesunna Im Wesentlichen erhalten ist der heute Tour Vésonne genannte Tempelturm aus dem 2. Jahrhundert n. Chr., der heute inmitten einer kleinen Parkanlage (Parc de Vésone) steht. Er zeigt Elemente keltischer und römihscer Architektur. Auch Spuren des damals größten Amphitheaters sind im Jardin des Arènes erhalten. Ein Großteil der antiken Bausubstanz fiel der Entnahme für den Bau der Befestigungen und eines Nonnenklosters zum Opfer. Die Bevölkerungszahl des antiken Vesunna wird auf ca. 20.000 Menschen geschätzt.

Gallo-römisches Museum mini|Blick in das Museum Über den Fundamenten einer im Jahr 1959 entdeckten römischen Stadtvilla wurde im Jahr 2003 das Museum Vesunna Site-musée gallo-romain de Périgueux eröffnet. Es handelt sich um eine Glas-Metall-Konstruktion des Architekten Jean Nouvel mit möglichst geringen Eingriffen in die antike Bausubstanz. Ein Rundgang führt über die Fundamente. Zudem werden mobile Exponate, hauptsächlich Gefäße und andere Alltagsgegenstände gezeigt. Ebenso sind Wandmalereien, Grabreliefs und eine Merkurstatue zu besichtigen. Ein 3-D-Film ergänzt die erhaltenen Spuren zu einer anschaulichen Animation der antiken Räumlichkeiten.

Rundgang im Museum Der Rundgang beschäftigt sich anhand von 17 Stationen mit den folgenden Themen:

1: Diorama der antiken Stadt Vesunna 2: Der Tempel 3: Das Amphitheater 4: Säulenmonumente und -fragmente 5: Die Stadtmauern 6: Bestattungskult 7: Romanisierung am Beispiel der Religion 8: Handel 9: Die Stadtvilla (domus) 10: Wandmalerei 11: Heizungssysteme 12: Die Küche 13: Rekonstruktion eines Speisesaals 14: Speisen 15: Schriftliche Spuren 16: Der Garten und der Empfangsraum 17: Die Thermen

Im Ein- und Ausgangsbereich befindet sich ein Museumsshop.

Literatur Pierre Barrière: Vesunna Petrucoriorum, histoire d'une petite ville à l'époque gallo-romaine. Périgueux 1930.

Jean Lauffray, Ernest Will, Max Sarradet, Claude Lacombe: La Tour de Vésone à Périgueux. Temple de Vesunna Petrucoriorum. CNRS Éditions, Paris 1990, ISBN 2-222-04183-X. Jean-Pierre Bost (Hrsg.): Guide archéologique de l'Aquitaine. De l'Aquitaine celtique à l'Aquitaine romane (vie siècle av. J.-C.-xie siècle apr. J.-C.). Éditions Ausonius, Pessac 2004, ISBN 978-2-910023-44-7, S. 141–161.

Weblinks

Amphitheater bei amphi-theatrum.de

Einzelnachweise

Kategorie:Périgueux Kategorie:Römische Stadt in Gallien Kategorie:Gallia Aquitania