mini|Luftbild Steinberg an der Ostsee (2012) mini|hochkant=1|Altes emailliertes Amtsschild (2012) Steinberg (dänisch: Stenbjerg, angeldän.: StenbjerreWolfgang Laur: Historisches Ortsnamenlexikon von Schleswig-Holstein, 2. Auflage, Neumünster 1992, S. 617Johannes Kok: Det danske folkesprog i Sønderjylland, 2. Band, København 1867, S. 374) ist eine Gemeinde an der Ostseeküste im Kreis Schleswig-Flensburg in Schleswig-Holstein.

Geographie Die Gemeinde verfügt über eine Fläche von 16,24 km²; bei 830 Einwohnern ergibt das mit 51 Einwohnern je km² eine etwas geringere Bevölkerungsdichte als im gesamten Amt Geltinger Bucht, zu dem Steinberg seit 2008 gehört. Steinberg grenzt auf eine Länge von 8 Kilometern an die Ostsee bzw. deren Geltinger Bucht nahe der Flensburger Förde. Der Ort liegt in der leicht hügeligen Region Angeln und auf einer Höhenlage zwischen 0 und 27 m über NHN. Die Ausdehnung der Gemeinde beträgt 6 Kilometer in Nord-Süd-Richtung und 4 Kilometer in West-Ost.

Geschichte Der Ort Steinberg wurde erstmals 1352 als „campo Stenbiert“ erwähnt, ist sicher aber viel älter. Die unweit vom Ort Steinberg gebaute St.-Martin-Kirche gab dem rundum die Kirche heranwachsenden Siedlungsbereich den neuen Namen „Steinbergkirche“, der zur Nachbargemeinde Steinbergkirche heranwuchs.Gemeinde Steinbergkirche. Steinbergkirche – Eine junge GemeindeKreiskarte Flensburg. Landesvermessungsamt Schleswig-Holstein 1970

Das Dorf erstreckte sich auch nach 1945 noch in großer Ausdehnung von der Gemeindegrenze im Westen bei Bredegatt bis Flintholm im Osten, im Süden bis Südsteinberg und im Norden bis Stürsholz. Steinbergholz gehörte schon immer als Ortsteil dazu. Seit dem letzten Gemeindezusammenschluss von Steinberg und Norgaardholz mit Habernis sowie Steinberghaff im Jahr 1970 definiert sich das Gemeindegebiet nach Himmelsrichtungen im Norden von Habernis und entgegengesetzt bis Südsteinberg (an die Gemeinden Esgrus und Niesgrau grenzend) und im Westen an Steinbergkirche angrenzend sowie bis nach Steinberghaff in östlicher Angrenzung an Ohrfeldhaff (Gemeinde Niesgrau). Der Ortsteil Steinberggaard, einst ein Weiler und in der Zeit von ca. 1450 bis 1470 im Besitz von König Christian I. aus Dänemark, wurde im Jahr 2010 ein amtlich registrierter Ortsteil von Steinberg. Steinberggaard, dessen Bewohner bereits 1854 dem Kirchspiel Steinberg zugerechnet wurden, dürfte damit der älteste Ortsteil von Steinberg sein.Steinberggaard seit 2010 Ortsteil von Steinberg. SHZ-Webseite abgerufen am 9. Februar 2020

In früheren Zeiten bildeten in Süderjütland bzw. im Herzogtum Schleswig die sogenannten Harden die untersten Verwaltungseinheiten. Ihnen oblag auch die Gerichtsbarkeit. Steinberg gehörte zur Nieharde (neue Harde), die im frühen Mittelalter von den benachbarten Harden abgetrennt worden war. Sie umfasste die Kirchspiele Sörup, Quern, Sterup, Esgrus, Steinberg und früher auch Gelting.

Anfang des 16. Jahrhunderts stritten sich Quern und Steinberg um die Halbinsel Habernis, die offenbar erst spät besiedelt wurde. Das Steinberghaff wurde 1614 erstmals namentlich erwähnt. Die Endung „-haff“ entspricht dabei dem dänischen Stenbjerg hav (= Meer, See). Ursprünglich bezog sich der Name „Steinberghaff“ auf die ganze Strandstrecke von der Lipping Au bis Habernis (ca. 4 km). Erst um 1800 wurde der Name Steinberghaff mit einem ca. 300 m langen und etwa 100 m breiten Küstenstreifen zwischen den Östergaarder Gehölz und Steinberger Hölzungen, speziell auf das Gebiet am Ostende der heutigen Fischerstraße bezogen.

Im späten 18. Jahrhundert begann der Schiffsbaumeister und frühere Seefahrer Hans Ingermann mit dem Bau von Schiffen und Booten, womit Ingermann, der gebürtig aus dem dänischen Asserballe stammte, die Gewerbesparte Schiffbau am Haff (Meer) des heutigen Steinberg begründete. Mit der Entwicklung ging auch ein wachsender Handel am Ort mit anzulieferndem Holz einher. Hans Petersen folgte als Schiffbauer dem 1807 in Steinbergholz verstorbenen Hans Ingermann. Im 19. Jahrhundert entwickelte sich der Schiffbau in Norgaardholz in größeren Ausmaßen unter der Schiffsbau-Familie Diedrichsen. In den Betrieben wurden über 140 Schiffe und Boote bis zur Größe von 200 BRT und maximalem Volumen um 500 Kubikmeter gebaut, womit man unter den Werften zwischen Flensburg und Kappeln nicht als unbedeutend galt, aber den Schiffbau am Haff von Steinberg nach über einem Jahrhundert dann doch im Wettbewerb gegen industrialisierte Werften aufgeben musste.

mini|Ehemaliger Landkrog Strassburg in Südsteinberg In der Zeit von 1806 bis 1814 war Dänemark mit Frankreich verbündet, dementsprechend waren im Herzogtum Schleswig in der Region Angeln auch französische Truppen einquartiert. So ist davon auszugehen, dass auch der ehemalige Landkrog Strassburg in Südsteinberg zwischen 1808 und 1813 der Unterbringung französischer Militärs diente und dadurch den Namen Strassburg erhielt, der als Schriftzug noch stets über der Eingangstür des ehemaligen Landkrogs das Gebäude ziert.

Nach dem Deutsch-Dänischen Krieg von 1864 bildeten die Herzogtümer Holstein und Schleswig durch Proklamation vom 24. Juni 1867 die neue preußische Provinz Schleswig-Holstein. Mit der preußischen Landgemeindeordnung von 1867 wurden neue Gemeinden gebildet. 1888/89 erfolgte anstelle der Harden die Schaffung der Amtsbezirke, die größtenteils die alten Kirchspiele umfassten.

mini|Wasserstandsmarke der Hochwasserkatastrophe am 13. November 1872 Im Jahr 1872 traf eine Hochwasserkatastrophe für Ostseeverhältnisse im schwersten Ausmaß auch die Flensburger Förde und richtete damit auch schwere Schäden in Steinberg an. Von Anfang November 1872 drückten anhaltende starke Westwinde enorme Wassermassen in die Ostsee, was vom 12. bis 13. November 1872 mit drehendem Sturm in Orkanstärke aus Nordost die gewaltigen Wassermassen gen Westen und damit an die deutsche Ostseeküste zurück drückte, wonach durch die katastrophalen Auswirkungen viele Todesopfer und große materielle Schäden zu beklagen waren. Für die sturmflutartige Hochwasserkatastrophe wurden für Flensburg, Schleimünde und Eckernförde Wasserstände von 3,20 bis 3,45 m über NN ermittelt.Max. Wasserstände an versch. Pegeln, Bau.Uni-Siegen, abgerufen am 3. März 2020. Hieraus ist für Steinberg aus der Katastrophe ein Hochwasserstand von mehr als 3 m über NN zu folgern; in Mitleidenschaft gezogen wurden die heutigen Steinberger Ortsteile Habernis. Norgaardholz, Steinbergholz und Steinberghaff sowie der Fischerholz bzw. Oestergaarder Wald. Für die deutsche Ostseeküste gelten diese Hochwasserstände weiterhin als Maßstab für baulichen Hochwasserschutz.

Zum Ende des Zweiten Weltkrieges befand sich im 24 Kilometer entfernten Flensburger Vorort Mürwik der sogenannte Sonderbereich Mürwik mit der letzten Reichsregierung unter Karl Dönitz. Nach der Teilkapitulation der Wehrmacht für Nordwestdeutschland, Dänemark und die Niederlande am 4. Mai wurden im Raum Flensburg gemäß dem eigentlich von Dönitz zurückgenommenen Regenbogen-Befehl, über 70 U-Boote im Flensburger Raum versenkt. Die meisten wurden unweit von Steinberg im Bereich der Geltinger Bucht versenkt. Kurz nach der anschließenden bedingungslosen Kapitulation der Wehrmacht wurden dort die drei Matrosen Fritz Wehrmann, Alfred Gail und Martin Schilling wegen Fahnenflucht zum Tod verurteilt und hingerichtet. Am Strand von Norgaardholz befindet sich zur Erinnerung ein Gedenkstein mit einer angebrachten Tafel.

Im Jahr 1949 vereinigten sich die benachbarten Ämter Steinberg und Quern zum gemeinsamen Amtsbezirk Quern-Steinberg mit Sitz in Steinbergkirche, einem Ortsteil der damals noch selbständigen Gemeinde Bredegatt.

Nachdem sich bereits 1966 die Gemeinden Habernis und Norgaardholz vereint hatten, schlossen sich im Jahre 1970 aufgrund der Gebietsreform die bis dahin selbständigen Gemeinden Steinberg, Norgaardholz und Steinberghaff zu einer Bädergemeinde Steinberg mit der im Raumordnungsplan des Landes Schleswig-Holstein zugeordneten Funktionen Fremdenverkehr, Landwirtschaft und Wohnen zusammen.

Politik Gemeindegebiet Das heutige Gemeindegebiet besteht seit 1970. Habernis (Havernæs), Norgaardholz (Nørregårdskov), Steinbergholz (Stenbjergskov), Steinberghaff (Stenbjerghav), Oestergaard (Østergård) und Steinberggaard liegen im Gemeindegebiet. Zum Gemeindegebiet gehört auch der Fischerholz oder Oestergaardwald genannt (dän.: Fiskerskov bzw. Østergårdskov), ein über 20 Hektar großes Waldgebiet im Osten der Gemeinde Steinberg.

Da auch „Oestergaard“ über eine wechselhafte Historie verfügt, ist hier anzumerken, dass am 17. Mai 1872 der Weiler bzw. die Ansiedlung Oestergaarde amtlich den Status einer Gemeinde erhielt. 37 Jahre später wurde aber die Registrierung dieser früheren Gemeinde Oestergaard laut Erlass vom 23. April 1909 der Königlichen Regierung zu Schleswig in Gemeinde Steinberghaff umgeändert, so am 11. Mai 1909 auf Veranlassung des Regierungspräsidenten von Dolega-Kozierowski verkündetUmbenennung Oestergaard in Steinberghaff gemäß Veröffentlichung am 22. Mai 1909 im Amtsblatt der Königlichen Regierung zu Schleswig und am 22. Mai 1909 im Amtsblatt der Königlichen Regierung zu Schleswig veröffentlicht.

Gemeindevertretung

Bei der Kommunalwahl am 14. Mai 2023 wurden insgesamt 12 Sitze vergeben. Von diesen erhielt die Wählergemeinschaft Steinberg sechs Sitze und die Partei Aktive BürgerInnen Steinberg/Die Grünen und die CDU je drei Sitze.

Nach der Hauptsatzung für die Gemeinde Steinberg vom 6. Januar 2014 gibt es in der Gemeindevertretung fünf ständige Ausschüsse, und zwar einen Finanzausschuss, Bau- und Wegeausschuss, einen Dorf- und Touristikausschuss, einen Ausschuss für Planung und Umwelt sowie einen Rechnungsprüfungsausschuss.Amt Geltinger Bucht Gemeinde Steinberg Ortsrecht Amtliche Hauptsatzung als PDF abrufbar, Webseite abgerufen am 9. Februar 2020

Bürgermeister Am 17. Juni 2020 wurde Roy Bonde (CDU) zum Bürgermeister gewählt.

mini|Wappen der Gemeinde Steinberg (2012)

Wappen

Infrastruktur

Polizei Die örtlich zuständige Polizeidienststelle befindet sich im zwei Kilometer entfernten Steinbergkirche.

Schulen und Kindergarten mini|Ehemalige Schule in Steinberg Ortsteil Norgaardholz (2012) Mit historischem Rückblick wird festgehalten, dass es einst von 1749 bis 1973 eine Steinbergholzer Schule gab. Dann entstand im Jahr 1802 ein Neubau für eine Schule in Norgaardholz, dem 1952 ein Um- und Erweiterungsbau folgte. Schließlich musste im Jahr 1973 der Schulbetrieb vor Ort eingestellt werden.

Nachdem die alte Schule Norgaardholz nicht mehr dem schulischen Zweck diente, ereilte das Zusammenlegungsschicksal auch die früher dort etablierte Evangelische Kindertagesstätte Norgaardholz, womit es in Steinberg keinen Kindergarten mehr gibt. Dafür existiert ein evangelischer Kindergarten in der drei Kilometer entfernten Ortschaft Steinbergkirche.

Die heute für Steinberg zuständige Grundschule ist ebenfalls in Steinbergkirche; zusätzliche andere Schulen existieren im Bereich des Amtes Geltinger Bucht wie in Sterup und ergänzt durch weitere auswärtige Schulen in Flensburg und in Kappeln. In Sterup besteht in der Gemeinschaftsschule im Amt Geltinger Bucht, der Heinrich-Andresen-Schule ein Angebot bis zum Erwerb vom Mittleren Schulabschluss (MSA). In Flensburg wird das Schulangebot ergänzt durch private Schulen wie beispielsweise die Ostseeschule oder die Freie Waldorfschule. In Kappeln besteht neben der gymnasialen Klaus-Harms-Schule die Gemeinschaftsschule an der Schlei.

Für Angehörige der dänischen Minderheit in Schleswig-Holstein besteht in Steinbergkirche im Ortsteil Hattlund ein dänischer Kindergarten und eine dänische Grundschule (Hatlund-Langballe Danske Skole).Hatlund-Langballe Danske Skole

Medizinische Versorgung Im Bereich der Ortschaft Steinberg gibt es für die medizinische Versorgung eine Hausarzt-Praxis. Ebenfalls im Ort ist physiotherapeutische Behandlungsmöglichkeit gegeben. Die nächste Apotheke ist zwei Kilometer entfernt in Steinbergkirche.