mini|Muhammad bin Raschid Al Maktum Das Muhammad-bin-Raschid-Raumfahrtzentrum (), wegen der englischen Bezeichnung Mohammed Bin Rashid Space Centre im Ausland auch unter der Abkürzung „MBRSC“ bekannt, ist eine staatliche Einrichtung des Emirats Dubai, die einen großen Teil des Raumfahrtprogramms der Vereinigten Arabischen Emirate bestreitet, unter anderem das Astronautenprogramm der VAE und die Marsmission al-Amal. Das Raumfahrtzentrum hat seinen Sitz im Stadtbezirk al-Khwaneej 1 von Dubai, sein Generaldirektor ist seit dem 20. Januar 2022 Salem Humaid al-Marri.
Institut der Emirate für fortschrittliche Wissenschaft und Technologie Am 4. Januar 2006 wurde Muhammad bin Raschid al-Maktum nach dem Tod seines ältesten Bruders Emir von Dubai und Vizepräsident der Vereinigten Arabischen Emirate. Einen Monat später, am 6. Februar 2006, gründete er per Dekret das Institut der Emirate für fortschrittliche Wissenschaft und Technologie (), wegen der englischen Bezeichnung Emirates Institution for Advanced Science and Technology im Ausland auch unter der Abkürzung „EIAST“ bekannt. Anders als der Name vermuten lässt, handelt es sich hier nicht um eine Initiative der Vereinigten Arabischen Emirate, sondern allein von Dubai. Generaldirektor des Instituts wurde Ahmed Obaid al-Mansuri. Wenn auch in der Selbstdarstellung des Instituts viel von weitreichenden Zielen wie nachhaltiger Entwicklung und dem Aufbau einer Wissensgesellschaft die Rede war, ging es in der Praxis zunächst nur um Erdbeobachtungssatelliten zur Erlangung von präzisen geografischen Informationen für verschiedene Anwendungen.
mini|DubaiSat 1 Das Institut war von Anfang an eine Raumfahrtbehörde. Im September 2007 wurde angekündigt, im folgenden Jahr den Erdbeobachtungssatelliten DubaiSat 1 zu starten; der Satellit sollte Dubai zu einer der weltweit führenden Nationen bei Wissenschaft und Technologie machen. Das Emirat Dubai mit einer Bevölkerung von damals knapp 1,5 Millionen Einwohnern verfügte jedoch in keiner Weise über eine industrielle Basis, um Raumfahrt betreiben zu können. Daher wurde im Mai 2006 ein Vertrag mit der südkoreanischen Satrect Initiative GmbH in Daejeon geschlossen, eine 1999 von Raumfahrtingenieuren des Korea Advanced Institute of Science and Technology (KAIST) gegründete Firma, die auf Kleinsatelliten und Technologietransfer spezialisiert war. Eine Gruppe von Ingenieuren des EIAST wurde nach Korea geschickt, um an Entwicklung und Bau des rund 200 kg schweren, auf dem SI-200-Bus der Satrec basierenden Satelliten teilzunehmen. Die Bodenstation mit einer Antenne von 11,3 m Durchmesser hinter dem Hauptgebäude des Instituts in Dubai wurde von der kalifornischen Viasat Inc. gebaut, die Datenverarbeitungssysteme im Kontrollzentrum, Virtueller Rundgang durch den Kontrollraum. ebenfalls am Hauptsitz des Instituts, wurden von Satrec geliefert. Ursprünglich war der Start für Ende 2008 geplant, tatsächlich wurde DubaiSat 1 dann am 29. Juli 2009 von der ISC Kosmotras mit einer ukrainischen Trägerrakete vom Typ Dnepr vom Kosmodrom Baikonur gestartet. Am 21. November 2013 folgte der ebenfalls von Satrec gebaute, auf dem etwas größeren SI-300-Bus der Firma basierende DubaiSat 2. Der Satellit wog mit 300 kg rund 100 kg mehr als sein Vorgänger, seine Kamera hatte eine mehr als doppelt so hohe Auflösung. Der Start wurde wieder von der Kosmotras organisiert, erneut mit einer Dnepr-Rakete, diesmal aber vom russischen Kosmodrom Jasny.
Muhammad-bin-Raschid-Raumfahrtzentrum Im Zusammenhang mit der heute unter dem Namen „al-Amal“ bekannten Marsmission, einem von Muhammad bin Raschid al-Maktum initiierten Projekt, gründete Chalifa bin Zayid an-Nahyan, Präsident der Vereinigten Arabischen Emirate, am 6. August 2014 mit Bundeserlass Nr. 1/2014 die Raumfahrtbehörde der Emirate. Knapp acht Monate später, am 17. April 2015 gründete Muhammad bin Raschid al-Maktum per Dekret das Mohammed bin Rashid Space Centre (MBRSC), am folgenden Tag wurde das EIAST per Dekret in das neue Raumfahrtzentrum integriert. Hierbei handelte es sich um einen reinen Verwaltungsvorgang. Das Muhammad-bin-Raschid-Raumfahrtzentrum war keine neu geschaffene Einrichtung, sondern nur ein neuer Name für das alte Institut; die alten Gebäude mit dem Kontrollzentrum und der Parabolantenne im Hof wurden weiterbenutzt. Im Juni 2015 ernannte Muhammad bin Raschid al-Maktum seinen zweitältesten Sohn Hamdan bin Muhammad al-Maktum, den Kronprinzen von Dubai, zum Leiter des Raumfahrtzentrums, im Juli 2015 wurde Hamad Obaid al-Mansuri, Generaldirektor der Regulierungsbehörde für Telekommunikation der Vereinigten Arabischen Emirate und stellvertretender Leiter der Raumfahrtbehörde der Emirate, zusätzlich zum Vorsitzenden des Direktorats des Raumfahrtzentrums ernannt. Sein Stellvertreter wurde Yousef Ahmed asch-Schaibani. Generaldirektor blieb Yousuf Hamad asch-Schaibani, der diesen Posten bereits seit 2013 beim EIAST innegehabt hatte.
Am 6. Dezember 2021 wurde asch-Schaibanis bisheriger Stellvertreter Salem Humaid al-Marri, der vor der Gründung des Raumfahrtzentrums die Entwicklung von DubaiSat 1 und DubaiSat 2 geleitet hatte und später unter anderem für das Astronautenprogramm zuständig war, mit Wirkung vom 20. Januar 2022 zum neuen Generaldirektor ernannt. Yousuf Hamad asch-Schaibani wurde stellvertretender Vorsitzender des Direktorats des Raumfahrtzentrums. Anders als asch-Schaibani setzt al-Marri nicht nur auf die USA und ihre Verbündeten als Partner für Raumfahrtmissionen, sondern er nahm auch Kontakt mit der Nationalen Raumfahrtbehörde Chinas auf. Am 14. Juni 2022 besprach er mit Wu Yanhua, dem stellvertretender Direktor der Behörde, die Möglichkeiten für eine Zusammenarbeit bei Erdbeobachtungssatelliten sowie der Mond- und Tiefraumerkundung, was drei Monate später zu einem Kooperationsabkommen bezüglich des zweiten emiratischen Mondrovers führte (siehe unten).
KhalifaSat mini|KhalifaSat Bereits 2013 wurde das damals auf vier Jahre angelegte Projekt zur Entwicklung von Dubais drittem Erdbeobachtungssatelliten gestartet. Anders als bei seinen beiden Vorgängern, die komplett in Korea gebaut worden waren, sollte nun die Endmontage des zunächst „DubaiSat 3“ genannten, 330 kg schweren Satelliten in Dubai stattfinden. Im Februar 2014 stellte das damalige EIAST die Pläne für den mittlerweile zu Ehren von Chalifa bin Zayid an-Nahyan in „KhalifaSat“ umbenannten Satelliten auf einer Raumfahrtkonferenz in Singapur öffentlich vor. Parallel dazu wurden am Sitz des EIAST in Dubai zunächst einige kleinere Reinräume und Laboratorien eingerichtet, die im November 2014 fertig waren. Der große Reinraum für die Endmontage des Satelliten war Ende 2015 einsatzbereit. Virtueller Rundgang durch die Einrichtung.
Ursprünglich war angekündigt, dass KhalifaSat zu 100 % von Ingenieuren der Vereinigten Arabischen Emirate entwickelt werden würde, eine Fiktion, die vom Muhammad-bin-Raschid-Raumfahrtzentrum noch bis 2020 aufrechterhalten wurde. In Wahrheit kamen nur 30 % der Ingenieure aus den Emiraten, 70 % waren Koreaner. In einer ersten Phase reisten die Ingenieure des EIAST Anfang 2014 nach Daejeon, um zusammen mit ihren Kollegen von der Satrec GmbH, die erneut den Auftrag erhalten hatte, an den Entwürfen zu arbeiten. Wie DubaiSat-2 basierte KhalifaSat auf dem SI-300-Bus der Satrec und hatte mit 330 kg ein ähnliches Gewicht. Am 15. Oktober 2014 waren die Entwurfsarbeiten abgeschlossen, und im Februar 2015 kehrte das EIAST-Team nach Dubai zurück.
In einer zweiten Phase schickte die Satrec GmbH die in Korea gebauten Komponenten für den Bus, die Elektrik und die Optik des Satelliten sukzessive nach Dubai. Im Frühjahr 2015 hatten die EIAST-Ingenieure einen Prototyp des Gehäuses zusammengebaut und begannen, die restlichen Komponenten einzufügen, um an diesem Modell mittels ausführlicher Tests das Konzept des Satelliten zu überprüfen. Diese sogenannte Critical Design Review war im Dezember 2015 abgeschlossen. Bereits im März 2015 hatte das EIAST mit Mitsubishi Heavy Industries einen Vertrag über den Start des Satelliten mit einer Trägerrakete vom Typ H-2A im ersten Quartal 2018 geschlossen. Tatsächlich fand der Start vom Tanegashima Space Center dann am 29. Oktober 2018 statt. Die Systeme für Empfang und Verarbeitung der Bilder des Erdbeobachtungssatelliten wurden von Satrec aus Korea geliefert, als Antenne wurde die alte 11,3-m-Parabolantenne der Viasat Inc. aus Kalifornien verwendet. Dubai verfügt über keine eigenen Trackingstationen; die Bahnelemente für die 3-achsig stabilisierten Satelliten liefert das North American Aerospace Defense Command (NORAD) als sogenannte Two Line Elements (TLE).
Hier ein Vergleich der drei von Dubai finanzierten Erdbeobachtungssatelliten:
DubaiSat 1 DubaiSat 2 KhalifaSat Hersteller Satrec, Korea Satrec, Korea Satrec, Korea Bus SI-200 SI-300 SI-300 Masse 200 kg 300 kg 330 kg Orbit SSO (680 km; 98,1°) SSO (600 km; 97,1°) SSO (613 km; 97,1°) Auflösung panchromatisch 2,5 mmultispektral 5 m panchromatisch 1 mmultispektral 4 m panchromatisch 0,75 mmultispektral 3 m Schwadbreite 20 km 12 km 12 km Bordspeicher 64 Gbit 256 Gbit 512 Gbit Downloadgeschwindigkeit 30 Mbit/s 160 Mbit/s 320 Mbit/s Startdatum 29. Juli 2009 21. November 2013 29. Oktober 2018 Startplatz Kosmodrom Baikonur Kosmodrom Jasny Tanegashima Space Center Trägerrakete Dnepr Dnepr H-2A
al-Amal Die am 16. Juli 2014 in die Wege geleitete Marsmission al-Amal läuft zwar offiziell unter dem Dach der Raumfahrtbehörde der Emirate, ist aber eine Initiative von Muhammad bin Raschid al-Maktum und wird auf emiratischer Seite allein vom Muhammad-bin-Raschid-Raumfahrtzentrum durchgeführt: Omran Anwar Scharaf, der Projektleiter der Mission, war 2006 einer der ersten Angestellten des EIAST und ist heute Leiter der Abteilung für Projektabwicklung am MBRSC Suhail Buti al-Mheiri, stellvertretender Projektleiter, war 2006 ebenfalls einer der ersten Angestellten des EIAST und ist heute Leiter der Sektion Raumfahrtsysteme am MBRSC Sarah al-Amiri, stellvertretende Projektleiterin und Chefwissenschaftlerin der Mission, begann ihre berufliche Laufbahn 2009 am EIAST als Software-Entwicklerin für DubaiSat 1 und DubaiSat 2 und war bis zu ihrem Wechsel ins Kabinett der Vereinigten Arabischen Emirate im Jahr 2017 Leiterin des Drohnenprogramms am MBRSC
Hierbei war das Muhammad-bin-Raschid-Raumfahrtzentrum nur für die Projektleitung zuständig. Die tatsächliche Entwicklung und der Bau der Sonde fanden wieder im Ausland statt, diesmal am Labor für Hochatmosphären- und Weltraumwetterforschung (Laboratory for Atmospheric and Space Physics) der University of Colorado Boulder, mit Unterstützung von Wissenschaftlern des Labors für Weltraumwissenschaften (Space Sciences Laboratory) der University of California, Berkeley und des Instituts für Erd- und Weltraumforschung (School of Earth and Space Exploration) der Arizona State University.
Ab 2014 arbeiteten 250 amerikanische Techniker und Ingenieure unter der Leitung von Pete Withnell in Boulder zusammen mit einigen dutzend Kollegen aus Dubai an der Sonde. Nachdem die Sonde im Dezember 2019 im Labor für Hochatmosphärenforschung die Temperatur- und Vakuumtests bestanden hatte, wurde sie nach Dubai gebracht, um die Kommunikation zwischen Sonde und Kontrollzentrum zu erproben. Diese Kommunikationstests im Muhammad-bin-Raschid-Raumfahrtzentrum sollten an sich bis Mai 2020 dauern. Da man jedoch befürchtete, dass die Zahl der COVID-19-Fälle in Japan, von wo aus die Sonde gestartet werden sollte, und den Vereinigten Arabischen Emiraten weiter zunehmen könnte, wurde der kombinierte Luft- und Seetransport nach Tanegashima auf die vierte Aprilwoche vorgezogen, bevor alle Tests durchgeführt werden konnten.