mini|Arbeiterwohnhaus von 1892 im Burgweg 2 am Standort des Sulzer Hofes (2026) Der Sulzer Hof, auch Hof zu Selzen (1362), Sultzer Hof (1596) oder Hof zu Sültz (1743) war ein Adelshof der Familien Ansenbruch, Leyen,Stammsitz auf der Burg Layen bei Rümmelsheim; Wappen: In Schwarz ein von zehn goldenen, 2:1, 2:1 und 1:2:1 gestellten Schindeln begleiteter silberner Sparren. Gulpen genannt von Heddesheim, Eltz und Ebersberg genannt von Weyhers in der Gemarkung Sulze (1203; später aufgegangen in der Gemarkung von Kreuznach) im Nahetal vor dem Dorf Münster am Stein. Der Name weist auf solehaltige Quellen in diesem Bereich hin. Reste eines Festen Hauses (Niederungsburg) sind im Salinental im Bereich der Saline Theodorshalle neben dem Gebäude Burgweg 2 erhalten.
Geschichte Dorf Sulze Auf dem Gelände am Sulzer Hof, wo 1742 die Saline Theodorshalle errichtet wurde, hat wahrscheinlich bereits eine römische Siedlung gestanden.Otto Guthmann: Kreuznach und Umgebung in römischer Zeit. Verein für Heimatkunde, Bad Kreuznach 1965, S. 24, unter Verweis auf eine „Akte des Staatsarchivs Koblenz aus dem Jahre 1783“; Walburg Boppert: Römische Steindenkmäler aus dem Landkreis Bad Kreuznach. Römisch-Germanisches Zentralmuseum, Mainz 2001, S. 23. Der kurpfälzische Verwaltungsjurist und Landvermesser Peter Immanuel Dahn berichtete, dass in Kreuznach nicht nur an der sogenannten Heidenmauer, den Überresten eines römischen Kastells, sondern auch „bei der Saline Erbauung … Römische Gräbern, Urnen, Geknöche und Münzen“ vorgefunden wurden. „Es ist zu bedauern, daß diese Urnen, aus einem Rechte des Aberglaubens, eines Schätzbegirigen Pöbels, so viel ich weiß alle zertrümmert, und die Münzen an die Kupferschmitten, Gürtler, Juden &c. so schändlich veräußert worden sind, daß sich dermalen nur noch wenig unter hiesigen Einwohnern vorfinden.“Peter Immanuel Dahn: Gnädigst aufgegebene General Beschreibung des Churpfälzischen OberAmts Creuznach. Gestellt von P. I. Dahn et[iam] Renovat[or] E[ius]d[em] (= auch Renovator desselben) Anno 1.7.7.2., Handschrift 1772, Bl. 23; Bayerische Staatsbibliothek München (Cgm 2654) (Digitalisat der Bayerischen Staatsbibliothek München) = (lateinische Übersetzung) Johann Heinrich Andreae: Crucenacum palatinum cum ipsius archisatrapia illustrantium, Bd. II. Johann Baptist Wiesen, Heidelberg 1781, S. 112 (Digitalisat der Bayerischen Staatsbibliothek München).
Der Name „Sulze“ (Sulcze) bezeichnete eine dörfliche Siedlung und deutet auf die Nutzung von Salzquellen bereits im Mittelalter hin. Der Ort wird urkundlich erstmals 1203 erwähnt, als Ritter Gernod von Bosenheim (Bosinheim) dem St. Peterskloster bei Kreuznach fünf Hufen (Joche) Weingärten im Belz („Belce“) am Kautzenberg, Güter in Ippesheim sowie Geldrenten zu Sulze und in der Hosterburc (untergegangenes Dorf Osterburg am Römerkastell) stiftete.Johann Philipp Roos: Berichtigung der ersten Geschichte der Stadt-Pfarrkirche auf dem Wörthe zu Creutznach. Emmerich Joseph Henß, Kreuznach 1814, S. 14 Anm. 12 (Digitalisat des Landesbibliothekszentrums Rheinland-Pfalz Koblenz); Adam Goerz (Bearb.): Mittelrheinische Regesten oder chronologische Zusammenstellung des Quellen-Materials für die Geschichte der Territorien der beiden Regierungsbezirke Coblenz und Trier, Bd. II. Friedrich Denkert & Wilhelm Groos, Koblenz 1879, Nr. 969, S. 268 (Digitalisat im Internet Archive). Die „Sultzer gemarcken“ grenzte im Süden an den Bezirk Münster am Stein der Rheingrafschaft.Peter Streuff (Bearb.): Weyßthum [der Wild- und Rheingrafschaft] … Monster under dem Stein, ir Wystum (1515). In: Wilhelm Fabricius (Bearb.): Güter-Verzeichnisse und Weistümer der Wild- und Rheingrafschaft. (Trierisches Archiv. Ergänzungsheft 12). Lintz, Trier 1911, S. 68–70; bes. S. 70 (Digitalisat des Landesbibliothekszentrums Rheinland-Pfalz Koblenz). Zur Siedlung „Sülczen“ gehörte eine Kapelle, nach dem Altar- und Pfründenverzeichnis des Landkapitels (Archipresbyteriats) Münsterappel im Archidiakonat des Mainzer Dompropstes besaß der „cappellanus in Sülczen“ 1401 eine Pfründe von 12 Schilling Heller.Altar- und Pfründenverzeichnis vom 5. April 1401. In: Stephan Alexander Würdtwein: Dioecesis Moguntina in Archidiaconatus distincta, Bd. I. Akademische Druckerei, Mannheim 1769, S. 88–92, bes. S. 91 (Google-Books). Die Kollatur am „St. Nicolaus-Altar zu Sulzen ußwendig der Stadt“ Kreuznach wurde noch 1529 durch Peter I. von Leyen (* um 1487; † 1551) wahrgenommen.Friedrich Back: Die evangelische Kirche im Lande zwischen Rhein, Mosel, Nahe und Glan, Bd. I. Adolph Mareus, Bonn 1872, S. 84 (Google-Books).Die Familie war außerdem im Besitz des Patronats über den Katharinen-Altar im Kreuznacher Adelshof der Familie, dem sogenannten Leyenschen Hof (im Bereich der heutigen Hochstraße 45). Eine Zuwegung nach Sulzen von Kreuznach aus führte bereits im Mittelalter über einen Uferweg auf der linken Naheseite (heute Priegerpromenade).
Graf Simon III. von Sponheim-Kreuznach erlaubte 1382 der Stadt Kreuznach auf 5 Jahre, zur Begleichung ihrer Schulden pro Malter Salz eine Steuer von 2 Hellern zu erheben.Urkunde vom 12. März 1382; Bayerisches Hauptstaatsarchiv München (Grafschaft Sponheim, Urkunde 676). Salz wurde in Kreuznach auf einem speziellen Markt gehandelt, dem Salzmarkt in der Neustadt (Mannheimer Straße zwischen Metzger- und Gerberviertel), zunächst allerdings wohl nur in geringem Umfang aus örtlicher Produktion.Rudolf Feld: Das Städtewesen des Hunsrück-Nahe-Raumes im Spätmittelalter und in der Frühneuzeit. (diss. phil. Mainz 1972). 2. Aufl. Henn, Kastellaun 1975, S. 46. Die Salzwaage befand sich in der Mannheimer Straße 38.
1490 verlieh Kurfürst Philipp von der Pfalz die „saltz- und badbronnen“ zwischen der Ebernburg und Kreuznach seinen Köchen Conrad Brunn und Matthes von Nuwendorff.Franz Josef Mone: Erbverleihung der Saline und des Solbades zu Kreuznach. 1490. In: ders.: Ueber Krankenpflege, vom 13. bis 16. Jahrhundert in Wirtenberg, Baden, der baier. Pfalz und Rheinpreußen. In: Zeitschrift für die Geschichte des Oberrheins 2 (1851), S. 257–291, bes. S. 285–287 (Google-Books). Die solehaltigen Quellen waren wahrscheinlich 1478 entdeckt bzw. wiederentdeckt worden. Eine längerfristige wirtschaftliche Nutzung kam allerdings zunächst noch nicht zu Stande. mini|Die Saline Theodorshalle im 19. Jh. Das eigenständige Dorf Sulze wurde spätestens 1743 mit dem Bau der Saline Theodorshalle als Ortsteil von Kreuznach aufgegeben und damit zur Wüstung.
Festes Haus „Sulzer Hof“ Der Hof Sulz oder der Seltzer Hof war ein Festes Haus (hus), das im Mittelalter und in der Frühen Neuzeit zu von der Raugrafschaft zu Altenbamberg und zu vom Erzstift Mainz lehensrührig war.Wilhelm Fabricius: Die Herrschaften des Unteren Nahegebietes. Topographischer Teil Geschichtlicher Atlas der Rheinprovinz. Erläuterungen 6). 1914 S. 13–16 und 93*. Die Herren von Ansenbruch (Anselburg bei Neuhemsbach)Mitte des 13. Jahrhunderts werden „Rudolphus et Franko fratres (= Brüder) de Ansenburc“ als Inhaber einer „villa in Bubelnsheim“ erwähnt; Wilhelm Sauer (Bearb.): Die ältesten Lehnsbücher der Herrschaft Bolanden. Julius Niedner, Wiesbaden 1882, S. 44 und 84 Anm. 58 (Digitalisat im Internet Archive); 1259 waren sie Zeugen des Grafen Simon I. von Sponheim-Kreuznach bei der Verleihung der Stadtrechte an Kirchberg. zu Heddesheim genannt von Sultzen erhielten das Lehen für ihren Dienst als Burgmänner der Raugrafen auf der Altenbaumburg.Regest vom 13. August 1362; Johannes Mötsch (Bearb.): Regesten des Archivs der Grafen von Sponheim, Bd. I 1065-1370. Landesarchivverwaltung Rheinland-Pfalz, Koblenz 1987, S. 701 (Google-Books; eingeschränkte Vorschau).
Die Raugrafen Georg II. von Stolzenburg († 1349) und sein Bruder Konrad V. (VI.) von Stolzenburg († nach 1340) sicherten ihrem Lehensträger Edelknecht Rudolf von „Ansenbrucg“ d. Ä. 1316 zu, seine Lehen „Sulczen und Hedesheym“ an Rheingraf Syfridde (Siegfried) II. vom Stein (* um 1240; † vor 1327) zu vergeben, falls Rudolf ohne Leibeserben sterben sollte.Regest vom 21. Februar 1316; Ludwig Schmitz-Kallenberg (Bearb.): Wild- und Rheingräfliche Archive. In: Ders.: Urkunden des fürstlich Salm-Horstmar’schen Archives in Coesfeld und der herzoglichen Croy’schen Domänenadministration in Dülmen. (Veröffentlichungen der Historischen Kommission der Provinz Westfalen. Inventare der nichtstaatlichen Archive der Provinz Westfalen. 1,2). Aschendorff, Münster 1904, S. 170–328, bes. S. 198 (Digitalisat und PDF der Universitäts- und Landesbibliothek Münster). 1362 gingen die raugräflichen der Lehnshoheit auf die Grafen von Sponheim über.Verzeichnis der Aktivlehen der Grafschaft Sponheim um 1450 „It[em] zwene brieffe, daz Sulczen bij Crucznache gelegen von myne herren zu lehen roret“. Generallandesarchiv Karlsruhe; Franz Josef Mone (Bearb.): Verzeichnis der Sponheimischen Lehensleute. In: Zeitschrift für die Geschichte des Oberrheins 3 (1852), S. 167–170, bes. S. 168 (Digitalisat). Der Edelknecht Rudolf von Ansenburg d. J. zu Heddesheim, der das Lehen als Burglehen innehatte,Jean-Claude Loutsch: Die Wappen der trierischen Burgmannen um 1340. In: Jahrbuch für westdeutsche Landesgeschichte 18 (1992), S. 1–179, bes. S. 147. wechselte im Tausch mit Ulrich I. von Layen († 1372) aus dem Dienst von Raugraf Philipp von Stolzenburg († 1377) zu Bolanden und Altenbamberg in den Dienst von Graf Walram von Sponheim-Kreuznach.Regest vom 13. August 1362; Wilhelm Fabricius: Die Herrschaften des Unteren Nahegebietes. (Geschichtlicher Atlas der Rheinprovinz. Erläuterungen 6). Behrendt, Bonn 1914, Topographischer Teil, S. 15f.
Raugraf Wilhelm von Stolzenburg († 1358) stimmte 1354 einer Bewittumung der Frau des Rudolf von Ansenburg auf das Haus Sulzen zu.Regest vom 16. Dezember 1354; Wilhelm Fabricius: Die Herrschaften des Unteren Nahegebietes. (Geschichtlicher Atlas der Rheinprovinz. Erläuterungen 6). Behrendt, Bonn 1914, Topographischer Teil, S. 15. Rudolf von Ansenburg zeigte 1355 dem Mainzer Erzbischof an, dass er von Haus Sulz zu Mannlehen besitze, Erzbischof Gerlach von Nassau bewilligte daraufhin, dass Rudolf von Ansenburg, „sein lieber Getreuer“, seine Frau Grede (Kämmerer von Worms genannt Fuchs von Rüdesheim), eine Tochter des Ritters Gieselbrecht Voisses,Tochter von Ritter Giselbert II. (Kämmerer von Worms genannt) Voß (Fuchs) von Rüdesheim († nach 1352) und NN. von Partenheim; Johann Maximilian von Humbracht, Georg Helwich: Die höchste Zierde Teutsch-Landes und Vortrefflichkeit des Teutschen Adels. Knoch, Franckfurt am Main 1707, Tf. 102.Franz Joseph Bodmann: Rheingauische Alterthümer, Bd. I. Kupferberg, Mainz 1819, S. 351 Anm. c) (Digitalisat der Bayerischen Staatsbibliothek München); Wilhelm Fabricius: Die Herrschaften des Unteren Nahegebietes. (Geschichtlicher Atlas der Rheinprovinz. Erläuterungen 6). Behrendt, Bonn 1914, Topographischer Teil, S. 15; Franz-Josef Heyen: Zwischen Rhein und Mosel. Der Kreis St. Goar. Boldt, Boppard 1966, S. 409. mit dem des Hauses Sulcze, das vom Erzbischof zu Lehen rührte, bewidmete.Regest vom 1. Januar 1355; Fritz Vigener: Regesten der Erzbischöfe von Mainz von 1289-1396, Bd. II/1. Leipzig 1913 (Nachdruck Berlin 1970), Nr. 0265 und 0266 (Online; Zugriff am 30. Juli 2020). Graf Walram von Sponheim stimmte am 9. Juni 1361 einer weiblichen Erbfolge für die Ansenburger Lehen zu.Johann Georg Lehmann: Die Grafschaft und die Grafen von Spanheim der beiden Linien Kreuznach und Starkenburg, Bd. II. R. Voigtländer, Kreuznach 1869, S. 173 (Google-Books).