mini|Adrian Zenz (2019) Adrian Zenz (* 1974) ist ein deutscher Anthropologe. Er ist vor allem für seine Forschung zu den Umerziehungslagern in Xinjiang bekannt, in denen die Volksrepublik China Uiguren und Angehörige anderer turkstämmiger Ethnien in großer Anzahl ohne Gerichtsverfahren inhaftiert hat. Zenz ist Senior Fellow für Chinastudien an der Victims of Communism Memorial Foundation.
Biografie Adrian Zenz schloss sein Studium der Entwicklungswissenschaft an der University of Auckland mit einem Masterabschluss ab, gefolgt von einem Ph.D. in Sozialanthropologie an der University of Cambridge., Original auf der awm-Internetpräsenz unter awm-korntal.eu awm-korntal.eu Der Titel der Dissertation zur Erlangung seines Ph.D.-Titels, der ihm im akademischen Jahr 2009/2010 am Department of Social Anthropology der University of Cambridge verliehen wurde, lautet „Tibetanness Under Threat? Sinicisation, Career and Market Reforms in Qinghai, P.R. China“. Für diese Doktorarbeit in Sozialanthropologie betrieb er in den Jahren 2006 bis 2008 Feldforschung zum Bildungssystem, zu Arbeitsmöglichkeiten und ethnischer Identität junger Tibeter in der Provinz Qinghai.Christoph Giesen: „Nichts ist gut“ sueddeutsche.de vom 27. Oktober 2017
Er war Lecturer für Empirische Sozialforschung an der European School of Culture and Theology, einem Unternehmen der evangelikalen theologischen Institution Akademie für Weltmission, wo er ebenfalls Doktoranden betreute. Im Sommer 2018 zog er von Europa in die Vereinigten Staaten. Jahrelang betrieb Zenz seine Studien über die Unterdrückung der Uiguren in Xinjiang Medienangaben zufolge institutionell unabhängig und auf eigene Rechnung.Fabian Kretchmer: „Willkür gegen Uiguren“ TAZ vom 18. Februar 2020 2019 bestritt Zenz seinen Lebensunterhalt zunächst noch als Freiberufler in der IT-Branche.
Seit 2019 ist Zenz als Senior Fellow für Chinastudien beim Think-Tank Victims of Communism Memorial Foundation. Zenz ist auch als Berater der Inter-Parliamentary Alliance on China tätig.
Zenz war ursprünglich römisch-katholisch; er bezeichnet sich inzwischen als wiedergeborener Christ in evangelikaler Tradition.
Anthropologische Forschung Zenz ist ein Tibet-Experte und hat diesem Thema den größten Teil seiner Arbeit gewidmet. Als Zenz in Tibet studierte, war Chen Quanguo als KPCh-Chef die bestimmende Figur des chinesischen Parteistaats im Autonomen Gebiet Tibet und setzte sein „Befriedungsprogramm“ in dieser Region um. Erst nach Ernennung Chens zum KPCh-Chef des Uigurischen Autonomen Gebiets Xinjiang im Jahr 2016 sollte Zenz später sein Hauptaugenmerk auf Xinjiang richten und spezialisierte sich auf das Thema der Behandlung der ethnoreligiösen Minderheit der Uiguren durch den chinesischen Staat.
Gegenüber dem Wall Street Journal gab Zenz im Mai 2019 an, dass er die Motivation für seinen Einsatz für religiöse Minderheiten aus seinem christlichen Glauben schöpfe und dass er sich bei seiner Forschung „ganz klar von Gott geleitet“ fühle.
Tibet Im Jahr 2013 wurde ein Buch von Zenz über das zeitgenössische Tibet veröffentlicht, das insbesondere auch die chinesische Minderheitenpolitik und allgemeiner den Forschungsbereich pädagogische Anthropologie behandelt.
Nach langjähriger Behandlung der Xinjiang-Thematik beschäftigte sich Zenz erneut mit seinem ursprünglichen Forschungsgebiet Tibet und veröffentlichte im September 2020 eine auf Auswertung von Staatsmedienberichten, Regierungsdokumenten und Satellitenaufnahmen beruhende Studie Veröffentlicht als: China Brief, Band 20, Nr. 17. zu massenhafter Zwangsarbeit in Tibet. (Gastbeitrag im Blog “Asia Unbound”) Zenz zufolge sollen ursprünglich in Tibet erprobte Methoden staatlicher Repression und Versicherheitlichung nachfolgend bei den Uiguren und anderen ethnischen Minoritäten in Xinjiang angewandt worden sein, umgekehrt aber auch das in Xinjiang angewandte System von Zwangsarbeit später in Tibet Anwendung gefunden haben, so dass von einer „positiven Rückkopplung“ erzwungener Assimilation gesprochen werden könne. In einem Gastbeitrag eines Blogs des Council on Foreign Relations bemängelte der ehemalige Leiter der Modern Tibetan Studies an der Columbia University, Robert Barnett, dass diese von der Jamestown Foundation publizierte Studie von Zenz ohne vorheriges Peer-Review, ohne begleitende Überprüfung durch Feldstudien und ohne Referenz auf die Arbeiten anderer Forscher mit Fachkenntnissen zur Thematik, stattdessen aber in Abstimmung mit einer zeitgleich zur Veröffentlichung der Studie stattfindenden „prominenten Medienkampagne“ erfolgt war. (Gastbeitrag im Blog “Asia Unbound”). Barnett verweist für die begleitende Medienkampagne auf einen Op-ed-Artikel in der New York Times (), einen längeren Artikel der Nachrichtenagentur Reuters (), ein Editorial des Wall Street Journals () und auf eine Stellungnahme der politischen Lobbyorganisation Inter-Parliamentary Alliance on China (IPAC) ().
Xinjiang Zenz' einflussreichste Veröffentlichungen behandeln seine Forschung zu Massenverhaftungen und -inhaftierungen von Uiguren, Kasachen und Angehörigen anderer turksprachiger Minderheiten in den Umerziehungslagern in Xinjiang. Zenz war einer der ersten Forscher, der Existenz, Größe und Umfang dieser Lager aufdeckte. Seine verschiedenen Studien trugen seit 2018 nicht nur dazu bei, die mediale Aufmerksamkeit für das Thema zu wecken, sondern auch immer wieder darauf zu lenken, so dass ihnen ein stark überproportionaler Anteil bei der Aufdeckung der Menschenrechtsverstöße in Xinjiang und der Aufrechterhaltung des Diskurses zur Thematik zukam.
Nachdem Zenz im Jahr 2016 über Internetrecherche aus Dokumenten wie Stellenanzeigen und Bauprojekten Informationen der Behörden den Aufbau von Polizeikräften in Tibet hatte zusammentragen können, orientierte er sich vom Thema der tibetischen zur uigurischen Minderheit um. Damit soll er einer Anregung von James Leibold, einem Experten für chinesische Minderheitenpolitik, gefolgt sein. Nachdem Zenz auf einem Treffen der International Association of Tibetan Studies in Norwegen im Jahr 2016 einen Vortrag über die in kurzer Zeit stark gestiegene Anzahl von Polizei- und Sicherheitsstellen in Tibet gehalten hatte, war er nach eigener Aussage von Leibold gebeten worden, ähnliche Daten wie für Tibet auch für Xinjiang zu recherchieren.
Zu dieser Zeit leitete der zuvor als KPCh-Chef Tibet amtierende Chen Quanguo als neuer KPCh Xinjiangs dort eine verschärfte Minderheitenpolitik ein. In der Folge machten Zenz' Xinjiang-Recherchen wie etwa zu den „China Cables“, zur „Karakax-Liste“ oder zum „Nankai-Report“ die Repression der Uiguren in der Breite publik.
Im Mai 2018 wurde eine Studie Veröffentlicht als: China Brief, Band 18, Nr. 10. von Zenz veröffentlicht, in der er vor allem anhand von chinesischen Veröffentlichungen und geleakten chinesischen Regierungsdokumenten Belege für die seit 2016 vorangetriebene Einrichtung und Existenz von Umerziehungslagern für ethnische Minoritäten in der gesamten Region des Uigurischen Autonomen Gebiets Xinjiang vorlegte. Diese Studie von Zenz diente als wichtige Grundlage für Experten des UN-Ausschusses für die Beseitigung der Rassendiskriminierung, der die Situation der ethnischen Minoritäten in Xinjiang im August 2018 in Genf behandelte und die Verbreitung der Angabe förderte, dass sich die Anzahl der in Internierungslagern Xinjiangs festgehaltenen Angehörigen der ethnischen Minderheit der Uiguren auf über eine Million belaufe. Vor dem Ausschuss gab die chinesische Delegation die Existenz der Lager zu, verwies jedoch darauf, dass es sich dabei um „Berufsbildungszentren“ handele. In Folge dieser öffentlichen Verhandlungen rückte die Verfolgung der Uiguren in den Blickpunkt der Weltöffentlichkeit.
Auch in den Jahren nach seiner Studie von 2018 erschienen regelmäßig Publikationen von Zenz zur Situation der ethnischen Minderheiten in Xinjiang. So publizierte Zenz im Juni und Juli 2020 Veröffentlicht als: China Brief, Band 20, Nr. 12. für die neokonservativeWenshan Jia: Chiglobalization? A Cultural Argument, in: Baogang Guo/Sujian Guo (Hrsg.): Greater China in an Era of Globalization, Lanham (MD): Rowman & Littlefield 2010, S. 17. Denkfabrik Jamestown Foundation zum Thema der Unterdrückung der Geburtenrate von Uiguren in Xinjiang. Im Dezember 2020 folgte eine Veröffentlichung Gesamter Report veröffentlicht als PDF-Datei: (Intelligence Brief) im Auftrag des Center for Global Policy zum Thema der Zwangsarbeit bei der Baumwollernte, für die Zenz den sogenannten Nankai-Report ausgewertet hatte. mini|Adrian Zenz als auf die chinesische Ethnienpolitik spezialisierter Experte an der Seite von Kelley E. Currie (Office of Global Criminal Justice des US-Außenministeriums), bei einem Medienbriefing vor einer Veranstaltung zum Schutz der Grundfreiheiten in Xinjiang am 13. März 2019, die von der Ständigen Vertretung der Vereinigten Staaten in Genf gesponsert und gemeinsam von den USA, Kanada, Deutschland, den Niederlanden und Großbritannien bei den Vereinten Nationen in Genf ausgerichtet wurde.Vgl. Vgl. mini|Adrian Zenz im Jahr 2020 vor einem Mikrophon der Stimme Amerikas (VOA). Zenz wurde 2020 zu seiner Einschätzung in Bezug auf das Karakax-Liste genannte Datenleak befragt. In dem sich entwickelnden Diskurs über den Genozidcharakter der chinesischen Politik gegenüber den Uiguren seit 2018 gewann der Ausdruck „Genozid“ als Bezeichnung für einen vollständigen physischen Völkermord in akademischen, medialen oder juristischen Kreisen erst mit der Veröffentlichung von Zenz' Studie über Zwangssterilisationen und einem darauf aufbauenden Artikel der Nachrichtenagentur AP vom 29. Juni 2020 an Bedeutung. Erste Online-Veröffentlichung: 19. November 2020. Reflection-Artikel. Im Jahr 2018 war Zenz vom Deutschlandfunk als Beispiel für Beobachter genannt worden, die für das chinesische Vorgehen bereits von „kulturellem Genozid“ sprachen. Zenz bekräftigte diese Einordnung in seiner im Juli 2019 im Journal of Political Risk erschienenen Studie (Online veröffentlicht als: ) und wurde 2019 von Medien wie der deutschen Tagesschau oder der Wochenzeitung Die Zeit als Experte zitiert, der den Umgang der chinesischen Regierung mit den Uiguren als „kulturellen Genozid“ einstufte. Zu diesem Zeitpunkt hatte sich bereits ein Richtungs- und Narrativwechsel sowie eine Neudefinition der Beziehungen der Europäischen Union zu China vollzogen, da die EU China nach ihrem Strategiepapier 2019 (vom 12. März 2019) angesichts des autoritären chinesischen Gesellschaftsmodells als „systemischen Rivalen“ ansah. Printversion: „Die Zeit“, Nr. 14/2021, 31. März 2021 Auch die US-amerikanische Politik ging seit etwa 2019 nicht mehr wie in den vorangegangenen vier Jahrzehnten davon aus, dass sich China im Zuge zunehmender Globalisierung und wachsender ökonomischer Entwicklung allmählich in Richtung Liberalisierung und Demokratisierung bewege.