mini|hochkant|Jaime Guzmán (um 1983) Jaime Jorge Guzmán Errázuriz (* 28. Juni 1946 in Santiago de Chile; † 1. April 1991 in Santiago) war ein chilenischer Studentenführer, Hochschullehrer, Politiker und Senator. Er ist der Begründer des chilenischen Gremialismus, der späteren Parteiideologie der von ihm gegründeten chilenischen Rechtspartei UDI.

Biografie

Guzmán Errázuriz war der Sohn von Jorge Guzmán Reyes (1920–1977) und Carmen Errázuriz Edwards (1924–2007). Sein Vater war leitender Angestellter und nebenberuflich als Sportfunktionär und Sportberichterstatter aktiv; seine Mutter arbeitete als Reiseagentin in Europa und ermöglichte ihrem Sohn frühe Auslandsreisen. Mit seinen beiden Schwestern Rosario (1945–2025) und María Isabel wuchs er im Haus des Großvaters auf, des konservativen Senators Maximiano Errázuriz Valdés (1895–1950). Die Eltern trennten sich, als er 13 Jahre alt war. Die Familie war politisch interessiert. 1958 engagierte sich Jaime mit gerade 12 Jahren im Präsidentschaftswahlkampf für Jorge Alessandri, den er auch später bewunderte.

Von eher schwächlicher Konstitution und durch seine starke Kurzsichtigkeit behindert, glänzte er schon als Schüler mit überdurchschnittlichen intellektuellen Leistungen. Er besuchte von 1951 bis 1962 das Colegio de los Sagrados Corazones der Arnsteiner Patres in Santiago, eine Eliteschule der hauptstädtischen Oberschicht. Ein wichtiger Lehrer war der Arnsteiner Pater Osvaldo Lira (1904–1996), der zum Kreis der konservativen Autoren der Zeitschrift Estudios gehörte und mit dem spanischen Franquismus sympathisierte. Auch der Gründer dieser Zeitschrift, der chilenische Geschichtsphilosoph und Vordenker des Hispanismus Jaime Eyzaguirre, vor allem aber der antiliberale brasilianische Publizist und TFP-Gründer Plinio Corrêa de Oliveira gehörten während der Ausbildung zu seinen prägenden Vorbildern. mini|hochkant|Das „Orange Heft“ (Folleto Naranja), die von Guzmán 1971 verfasste Programm­schrift seiner anti­marxistischen Studenten­bewegung (hier das Titelblatt der Ausgabe von 1980, Volltext im Archivo Jaime Guzmán) Ab 1963, erst 16 Jahre alt, studierte er Rechtswissenschaften an der Päpstlichen Katholischen Universität von Chile und schloss das Studium 1968 mit höchster Auszeichnung ab. Bereits während des Studiums übernahm er Lehraufgaben. In seiner Studienzeit gründete er das Movimiento Gremial Universitario, eine rechtskonservative politische Bewegung, die mit offensiven Aktionen und politischer Provokation den Einfluss linker Studentenbewegungen erfolgreich zurückdrängte und 1968 die Führung der Studentenvertretung an der Juristischen Fakultät der Katholischen Universität übernahm. Ihre von Guzmán entworfene Ideologie wird als „Gremialismus“ bezeichnet. Aus dem ursprünglichen Ziel, die „christdemokratische Politisierung“ der Universität zu bekämpfen, entwickelte sich die Bewegung zu einem Sammelbecken radikalisierter Vertreter der sogenannten „neuen politischen Rechten“, einer Mischung aus rechtskatholisch geprägtem politischen Autoritarismus und wirtschaftspolitischem Neoliberalismus.Gabriela Gomes: Héroes y demonios. Los jóvenes del Frente Nacionalista Patria y Libertad en el Chile de la Unidad Popular (1970–1973). In: Revista de la Red Intercátedras de Historia de América Latina Contemporánea, Zweite Reihe, Nr. 4 (Juni 2016), S. 57–73, hier: S. 60 f. Guzmán wurde Wissenschaftlicher Assistent, dann Hilfsprofessor und später Professor für Politische Theorie und Verfassungsrecht an der Rechtsfakultät der Katholischen Universität von Chile. 1968 wurde er Mitglied des Akademischen Rates der Fakultät, 1972 Vertreter der Hochschullehrer und dann Mitglied im Obersten Rat der Universität. Gleichzeitig war er ein scharfer politischer Agitator gegen die 1970 gewählte Volksfront-Regierung unter Salvador Allende.

Nach dem Militärputsch 1973 wurde Guzmán ein enger Berater des Diktators und Generals Augusto Pinochet und ein einflussreicher Gestalter der neuen politischen Ordnung in Chile, ohne dabei ein offizielles Amt einzunehmen. Er war seit 1973 maßgeblich mit der Ausarbeitung der neuen Verfassung Chiles unter dem Militärregime befasst, die 1980 in Kraft trat und auch nach der Transition in Chile mit gewissen Anpassungen bis heute gültig blieb. Wesentliche Inspirationsquellen seines Denkens und seiner verfassungsrechtlichen Maximen waren neben seiner Bewunderung für Francisco Franco und den Carlismus seine frühen Prägungen durch einen thomistisch begründeten katholischen Korporatismus und die gegenrevolutionären Ideen der TFP. Außerdem beeinflussten ihn die Schrift Der Hüter der Verfassung des konservativen deutschen Staatsrechtlers Carl Schmitt und dessen Vorstellungen einer „geschützten Demokratie“, in welcher der pouvoir constituant zur Legitimationsbasis für eine autoritäre Präsidentschaft oder Diktatur umgedeutet wird.Bruce Caldwell, Leonidas Montes: Friedrich Hayek and His Visits to Chile. Duke University, Center for the History of Political Economy, CHOPE-Arbeitspapier Nr. 2014-12, August 2014, S. 29 f. (nach Renato Cristi).José Manuel Castro (PUC): Las ideas políticas de Jaime Guzmán 1962–1980. Desde el corporativismo católico a la democracia protegida. In: Bicentenario. Revista de Historia de Chile y América, Bd. 13, Nr. 2 (2014), S. 53–77 (hier besonders: S. 57 f.).

Nach der Wirtschaftskrise und der Entlassung der Chicago Boys 1982 verließ auch Guzmán die Regierung und widmete sich der politischen Parteiarbeit.José Manuel Castro (PUC): Las ideas políticas de Jaime Guzmán 1962–1980. Desde el corporativismo católico a la democracia protegida. In: Bicentenario. Revista de Historia de Chile y América, Bd. 13, Nr. 2 (2014), S. 53–77 (hier: S. 54 f.). 1983 gründete er die Bewegung Unión Demócrata Independiente (UDI), eine Kampforganisation, die nach seinen Vorstellungen nach dem Ende der Militärdiktatur die Regierung in Chile übernehmen sollte. Die Renovación Nacional wurde 1987 als Sammelpartei des rechten Spektrums gegründet, aus der sich die UDI unter Guzmán aber nach kurzer Zeit wieder löste. Nach den ersten freien Wahlen in Chile am 14. Dezember 1989 zog Guzmán trotz sehr geringer Unterstützung für seine Rechtspartei UDI ins Parlament ein und profilierte sich dort als rechtsgerichteter Oppositionsführer gegen die neue demokratische Regierung unter Präsident Patricio Aylwin. Ab 1989 war er gewählter Senator für Santiago. mini|Gedenkstätte Jaime Guzmán Guzmán wurde am 1. April 1991 auf der Heimfahrt von seiner Universität durch ein vierköpfiges Kommando der kommunistischen Guerilla-Organisation Frente Patriótico Manuel Rodríguez (FPMR) gestoppt und von Ricardo Palma Salamanca in seinem Auto erschossen. Zum Verhängnis wurde ihm unter anderem, dass er im Gegensatz zu anderen Politikern niemals seine Fahrtrouten änderte. Nach späteren Erkenntnissen aus den Gerichtsverhandlungen zu dem Fall 2010/11 wusste der damals noch als Oberbefehlshaber des Heeres amtierende Ex-Diktator Augusto Pinochet durch seinen Geheimdienst von dem geplanten Attentat, warnte Guzmán aber nicht.

Jaime Guzmán wurde auf dem Hauptfriedhof von Santiago de Chile beigesetzt. 2008 wurde zu seinen Ehren in Santiago eine Gedenkstätte an der Grenze der Kommunen Las Condes und Vitacura errichtet, wo traditionell viele UDI-Wähler leben.

Schriften Escritos Personales. JGE, Santiago de Chile 1992, ISBN 956-12-0759-1.

Literatur Renato Cristi: El pensamiento político de Jaime Guzman. Una biografía intelectual. LOM Ediciones, Santiago de Chile 2014, ISBN 978-956-00-0275-4 (Erstauflage unter leicht abweichendem Titel 2011). Cristián Gazmuri: ¿Quién era Jaime Guzmán? RIL Editores, Santiago de Chile 2013, ISBN 956-01-0042-4. Belén Moncada Durruti: Jaime Guzmán. Una democracia contrarevolucionaria. El político de 1964 a 1980. RIL Editores, Santiago de Chile 2006, ISBN 978-956-284-520-5.

Einzelnachweise

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