Der Flughafen Brüssel-Zaventem (offiziell Brussels Airport, früher , , ) ist der größte Flughafen Belgiens. Er dient auch als Militärflugplatz der belgischen Luftstreitkräfte, die den Flugplatz als Vliegbasis Melsbroek bezeichnen. Sie nutzen ihn als Heimatstandort ihrer Transportflugzeuge. Geschichte mini|Flugplatz Brüssel, Haren, 1929 mini|RAF Meteor III, Melsbroek, 1945 mini|Der Flughafen Zaventem, 1974 Um Brüssel existierten zunächst mehrere Flugfelder, so auch eines an der Grenze zwischen Evere und Haren, den Flugplatz Brüssel. Dieses lag strategisch günstig, auf einem großen freien Feld und mit guter Zug- und Straßenanbindung an Brüssel. Während des Ersten Weltkriegs errichteten die deutsche Besatzungstruppen dort 1914 einen Zeppelinhangar und bauten es weiter aus. Nach Kriegsende übernahmen die belgischen Streitkräfte das Flugfeld, das günstig zum Generalstab in der Dailly-Kaserne in Schaerbeek lag, und öffneten es auch wieder der zivilen Luftfahrt. Seit ihrer Gründung 1923 nutzte auch die belgische Fluggesellschaft Sabena das Flugfeld, das jedoch bei steigender Nutzung bald zu klein wurde. Heute befindet sich auf dem Gebiet des ehemaligen Flugfeldes das neu errichtete NATO-Hauptquartier.

Während des Zweiten Weltkriegs bauten dann die deutsche Besatzungstruppen einen neuen „Fliegerhorst“ wenige Kilometer entfernt bei weiter günstiger Verkehrsanbindung in Melsbroek.

Nach Kriegsende Nach der Befreiung Belgiens durch die Westalliierten wurde der Flugplatz unter der Codebezeichnung Advanced Landing Ground B-58 (ALG B-58) Brussels-Melsbroek in der Schlussphase und nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs u. a. von Staffeln der Royal Air Force (RAF) genutzt.

Der Militärflugplatz wurde 1948 in einen Verkehrsflughafen umgewandelt, wobei die militärische Nutzung durch das 15. Geschwader (15. Wing), einen Transportverband der belgischen Luftstreitkräfte, parallel bis heute weiterläuft. Durch die ständige Zunahme des zivilen Luftverkehrs wurde der Flughafen in Melsbroek in den 1950er Jahren schnell zu klein. Für die erwarteten sechs Millionen Fluggäste für die Weltausstellung 1958, die in Brüssel stattfand, wurde daher ein neues Terminal geplant. Nach der Grundsteinlegung im April 1956 durch den damaligen Verkehrsminister Edward Anseele wurde das neue Terminal am 5. Juli 1958 offiziell eingeweiht. Zum Symbol des Flughafens wurde die zeittypische große Abflughalle, als „Sky Hall“ von den Architekten Maxime Brunfaut, Géo Bontinck und Joseph Moutschen entworfen.o. A.: Brussels Airport fête son 60e anniversaire. Connect – Nachbarschaftsmagazin des Brüsseler Flughafens Ausgabe September 2018, S. 7.

Da das Terminal an der anderen Seite des Flughafens, auf dem Gemeindegebiet von Zaventem errichtet wurde, wird der Flughafen heute unter diesem Namen geführt. Der Militärflughafen und viele Frachtbereiche befinden sich weiter an der nördlichen Seite in Melsbroek.Laurent Vermeersch: Waarom is de luchthaven zo dicht bij de stad gebouwd? Bruzz No. 1581 vom 29. August 2017, S. 38. Ab 1972 nutzte das 15. Geschwader für den taktischen Lufttransport die Lockheed C-130H.

1994 wurden ein renovierter Terminal und der dazugehörige neu gebaute 650 Meter lange Pier B durch König Albert II. eröffnet. Dieser wird hauptsächlich für Nicht-Schengen- und Langstreckenflüge benutzt.

mini|hochkant=0.9|Der Flughafen 2001: Pier A im Bau, Sobelair noch existent mini|hochkant|Der neue Tower des Flughafens mini|hochkant=0.9|Pier A von innen im Jahr 2005

Bis zu ihrer Insolvenz 2001 nutzte die belgische Fluggesellschaft Sabena den Flughafen als Luftfahrt-Drehkreuz. Deren Nachfolgerin, die SN Brussels Airlines, vereinigte sich 2007 mit der ebenfalls von Brüssel aus operierenden Virgin Express zur Brussels Airlines. Daneben diente der Flughafen bis 2008 als Drehkreuz des Logistikunternehmens DHL. Von 2007 bis 2016 nutzte Jet Airways den Flughafen als Europa-Hub auf Flügen nach Indien, Kanada und den USA.

2002 ging der neue Schengen-Pier A in Betrieb und löste damit ältere Gebäudeteile, die teilweise noch aus dem Jahr 1958 stammten, und den so genannten Satelliten im Pier C ab. Dieser ist jedoch architektonisch geschützt und steht nun leer. Der neue ca. 750 Meter lange Pier A besitzt rundum Glasflächen und bietet somit einen guten Blick auf die parkenden Flugzeuge und den parallel liegenden Pier B.

2005 wurde im Osten des Geländes, in der Gemeinde Steenokkerzeel, der neue Tower des Flughafens fertiggestellt. In ihm ist die Zentrale der belgischen Flugsicherung, SKEYES (ehemals Belgocontrol), untergebracht. Im selben Jahr wurde ein Rauchverbot auf dem ganzen Flughafenareal eingeführt.

2006 bekam der Flughafen seine heutige Bezeichnung Brussels Airport, Welcome to Europe. Diese soll den alten Namen Brüssel National (Bruxelles National bzw. Brussels Nationaal) ablösen, der aber auf den meisten Schildern und Webseiten immer noch dominiert (siehe Straßenschild weiter oben). Somit stellt er sich namentlich als einzigen Brüsseler Flughafen dar, um sich vom Flughafen Brüssel-Charleroi abzugrenzen. Außerdem stellt der Flughafen damit seine internationale Rolle in den Mittelpunkt.

2006 und 2007 war der Flughafen Brüssel-Zaventem der pünktlichste Flughafen Europas. Pressemitteilung BIAC über Pünktlichkeit (Archivversion)

2008 hat der Flughafen vier neue Flugfeldlöschfahrzeuge (Ziegler Z8 FLF 80/125-10 Snozzle) in Betrieb genommen, die mit ihren spitzen Schläuchen in ein brennendes Flugzeug eindringen und innere Brände löschen können. Pressemitteilung über Flugfeldlöschfahrzeug (Archivversion) Der Flughafen Zaventem ist der erste Flughafen Belgiens, der diese Technik einsetzt.

Am 22. März 2016 verübte die Terrororganisation „Islamischer Staat“ (IS) Selbstmordattentate am Flughafen sowie in der Brüsseler Innenstadt im U-Bahnhof Maalbeek/Maelbeek. Nach offiziellen Angaben kamen 35 Menschen ums Leben, darunter drei der Attentäter, und mehr als 300 wurden verletzt.

Im Zusammenhang mit der Stationierung der Airbus A400M seit Oktober 2020Arrival of Luxembourg's A400M in Belgium launches binational unit between two countries. Janes, 9. Oktober 2020 erhielt der militärische Bereich 2020/21 einen neuen Hangar, in dem drei der Transporter gleichzeitig gewartet werden können.Hangar für drei A400M. ESUT, 3. September 2020

Lage mini|hochkant=0.9|Straßenschild zum Flughafen Der Flughafen liegt zwölf Kilometer nordöstlich der belgischen Hauptstadt Brüssel in der flämischen Gemeinde Zaventem und wird deswegen auch Luchthaven Zaventem oder Aéroport de Zaventem genannt. Zaventem liegt in der Provinz Flämisch-Brabant und grenzt direkt an die Region Brüssel-Hauptstadt. Aufgrund der Sprachenteilung Belgiens kam es in Bezug auf Nachtflugregelungen häufig zu Streitigkeiten zwischen den französischsprachigen Belgiern (Wallonen) und den niederländischsprachigen Belgiern (Flamen). Die vorgeschlagenen Pläne würden jeweils eine Bevölkerungsgruppe benachteiligen. Durch die anhaltenden Konflikte wurden Ausbauten des Flughafens häufig verzögert.Artikel der TAZ über die Nachtflugdiskussion

→ Siehe hierzu: Flämisch-wallonischer Konflikt

Um Planespotting zu erleichtern, hat der Flughafen zwei Plattformen eingerichtet. Von ihnen aus sind sehr gute Kameraperspektiven auf die Runways 01/19 bzw. 25L/07R möglich.

Verkehrsanbindung Schiene Ein Bahnhof der NMBS/SNCB befindet sich im Untergeschoss des Flughafens. Ab hier fahren mehrmals pro Stunde Züge vor allem in Richtung Brüssel und über die Nossegem-Spange nach Löwen. Diese Züge werden in das S-Bahn-Netz integriert. Der Kopfbahnhof wurde am 10. Juni 2012 mittels des neu errichteten Eisenbahntunnels unter den Landebahnen in einen Durchgangsbahnhof verwandelt. Über die nördlich daran anschließende ebenfalls neu errichtete Schnellfahrstrecke auf dem Mittelstreifen der Autobahn A1 verkehren dann zunächst Intercity- und Nahverkehrszüge weiter in Richtung Mechelen. Später ist auch die Bedienung durch den Hochgeschwindigkeitszug Thalys nach Antwerpen und darüber hinaus vorgesehen.

Der Anteil der per Bahn anreisenden Fluggäste soll langfristig von 15 Prozent im Jahr 2005 auf 30 Prozent steigen.Meldung Bessere Schienenanbindung des Brüsseler Flughafens. In: Eisenbahn-Revue International, Heft 8–9/2005, S. 394.

Straße mini|Ein De Lijn-Bus am Flughafen Der Flughafen ist mit dem Auto über den äußeren Ring von Brüssel (R0) zu erreichen.brusselsairport.be: Passengers: To & from the airport (englisch) Er liegt am Autobahnkreuz Zaventem in östlicher Richtung an der A201. Vom Brüsseler Zentrum aus ist der Flughafen ca. 15 Straßenkilometer weit entfernt. Für Motorrad- und Fahrradfahrer sind überwachte Parkplätze und Fahrradwege vorhanden. Ausgeschildert ist der Flughafen zweisprachig, wie in Brüssel üblich als ndl. Brussel Nationaal und frz. Bruxelles-National oder nur als Zaventem. Taxistände sind in dem untertunnelten Ankunftsbereich und dem oberen Check-In-Bereich zu finden.

Brüssel-Zaventem verfügt über eine Großzahl an Busverbindungen. So ist der Airport an das Busnetz von De Lijn, STIB/MIVB, und De Decker-van RietAirportExpress angeschlossen. Viele größere Hotels in der Innenstadt bieten einen Shuttle-Service zum Flughafen an.

Fußgänger und Radfahrer Von der Gemeinde Zaventem aus führte ein Fuß- und Radweg direkt vor das Terminal. Auf dem Gelände befinden sich zudem überwachte Fahrradstellplätze.

Straßenbahn Die flämische Verkehrsgesellschaft De Lijn plante, den Flughafen gegen 2020 im Rahmen der „Mobilitätsvision 2020“ durch zwei Straßenbahnstrecken des neuen Brabantnetzes vom Brüsseler Nordbahnhof und von Jette aus anzubinden. 2023 wurden die Genehmigungen erteilt zur Verlängerung der Tram-Gleise vom Bereich am NATO-Hauptquartier bis zum Flughafen. Die Luchthaventram soll ab 2026 gebaut werden und gegen 2030 in Betrieb gehen.

Zwischenfälle mini|Zerbrochene B747 der Kalitta Air

Am 15. Februar 1961 stürzte eine Boeing 707 der Sabena beim Landeanflug ab. 73 Personen starben, 72 an Bord (darunter das gesamte US-amerikanische Eiskunstlaufnationalteam) und eine am Boden.

Ende des Jahres 2000 wurde ein Airbus A319 der Lufthansa während des Beladens überfallen und ausgeraubt. Keiner der Passagiere, die sich während des Boarding-Vorganges auf dem Weg ins Flugzeug befanden, wurde dabei verletzt. Das Fluchtauto wurde wenig später ausgebrannt in einem Brüsseler Vorort aufgefunden. Ein ähnlicher Vorfall hatte sich vorher bereits am Flughafen Luxemburg ereignet.

Am 5. Mai 2006 kam es kurz nach Mitternacht im Hangar 40 der Sabena Technics zu einem Brand, bei der eine Belgium Air Force Hercules C-130 und drei A320 von Hellas Jet, Armavia und Armenian International Airways vollständig ausbrannten. Das Feuer konnte erst gegen 3 Uhr morgens unter Kontrolle gebracht werden.Zwischenfallbericht A320 EK-32010, Aviation Safety Network (englisch), abgerufen am 10. Februar 2020.Zwischenfallbericht C-130H Hercules CH-02, Aviation Safety Network (englisch), abgerufen am 10. Februar 2020.

Am 25. Mai 2008 verunglückteAFP: Auf: afp.google.com. 25. Mai 2008, 20:00 Uhr eine Boeing 747-209F der Kalitta Air, die 76 Tonnen Fracht nach Bahrain befördern sollte. Die Maschine kam von der Startbahn ab und zerbrach in zwei Teile. Alle fünf Besatzungsmitglieder konnten sich über die Notrutschen in Sicherheit bringen, vier davon wurden leicht verletzt.aerosecure (Simon Widmaier): Boeing 747 bricht entzwei Auf: www.aerosecure.de. 25. Mai 2008, 20:00 Uhr Das Flugzeug rutschte auf einen Auffanghügel und blieb kurz vor der HSL-2-Hochgeschwindigkeitsstrecke in Richtung Löwen stehen.

Terroranschläge am 22. März 2016

Am 22. März 2016 um acht Uhr morgens wurden im öffentlich zugänglichen Bereich des Flughafens zwei Nagelbomben gezündet. Dem Terroranschlag fielen 17 Personen zum Opfer, rund 100 Personen wurden verletzt. An der Infrastruktur des Flughafens entstand Sachschaden. Der Flugbetrieb wurde für rund 2 Wochen eingestellt; ein Teil der Flüge wurde über die Flughäfen in Lüttich und Antwerpen abgewickelt.