Jordi Bosch i Bernat, auch Jordi Bosch Bernat oder Jordi Bosch Bernat-Verí, kastilisch-spanisch Jorge Bosch de Bernat-Veri oder Jorge Bosch y Bernat-Veri, meist verkürzt zu Jordi Bosch [] (* 8. November 1739 in Palma de Mallorca; † 2. Dezember 1800In der Literatur kursiert häufig das Jahr 1801 als Sterbejahr Boschs, dies dürfte jedoch eine Verwechslung mit dem Datum seines Begräbnisses oder der Eröffnung seines Testaments sein. in Madrid), war ein mallorquinischer Orgelbauer und ab 1779 königlich-spanischer Hoforgelbauer. Er gilt als einer der größten Meister seines Handwerks in der 2. Hälfte des 18. Jahrhunderts.

Leben Jordi Bosch war der Sohn des Orgelbauers Mateu Bosch (1709–1751), des Erbauers der Orgel in der Església de Sant Jeroni in Palma de Mallorca (1746) sowie seinerseits Sohn eines Orgel- und Cembalobauers, sowie seiner Mutter Maria Bernat. Er wurde zunächst Schüler seines Vaters und, nach dessen Tod, seines Onkels Pere Josep Bosch. Seine Lehre setzte er – gefördert durch den damaligen Bischof von Mallorca, Francisco Garrido de la Vega – fort bei Leonardo Fernández Dávila in Granada, dessen 1756–1759 begonnene Orgel für die Kapelle des Palacio Real in Madrid er 1772–1778 fertigstellte, womit er sein Werkstattnachfolger wurde.

Bosch wurde 1779 zum königlich-spanischen Hoforgelbauer ernannt – mit der Verpflichtung, nicht nur das von ihm erbaute Instrument zu stimmen, zu warten und zu pflegen, sondern auch eine Orgelbauschule aufzubauen. Im selben Jahr heiratete er María Manuela Lidón, eine jüngere Schwester des königlich-spanischen Hoforganisten José LidónDer bisweilen für sie genannte Vorname Magdalena ist genauso unrichtig wie ihre Einordnung als Tochter Lidóns. – seine Frau verstarb jedoch schon ein Jahr später. 1795 wurde Bosch zum Kammerdiener ernannt, trotzdem verstarb er finanziell völlig ruiniert im Haus seines Schwagers José Lidón.

Bosch war Verfasser eines ungedruckten 200-seitigen illustrierten Traktats über Orgelbau, das seit dessen Verkauf in Barcelona 1924 verschollen ist. Er gilt auch als Schöpfer einiger Erfindungen außerhalb des Orgelbaus. Namhafte Schüler Boschs waren Antonio Otín Calvete, Francisco Rodríguez – der 1802 eine der beiden Orgeln in der Iglesia San Juan Bautista in Marchena errichteteAcademia de Órgano en Andalucía: Marchena. Iglesia de San Juan Bautista, lado epístola. Abgerufen am 5. Juli 2020. – und Gabriel Thomás. Sein Werkstattnachfolger wurde mit Juan Debono ein anderer seiner Schwäger.Guy Bourligueux: Bosch Bernat-Verí [de Bernat-Veri], Jorge. Abgerufen am 5. Juli 2020.

Werk

Werkliste (Auswahl) Es werden nur die nach gegenwärtigem Kenntnisstand sicheren Projekte Boschs gelistet sowie zusätzlich eine mögliche Zuschreibung, unabhängig vom jeweiligen Erhaltungsgrad. 1764: Binissalem, Parròquia de Santa Maria de Robines. Neubau, Erstlingswerk (1854 umgebaut durch Antonio Portell, erhalten) 1765: Palma de Mallorca, Convent de Sant Domingo. Neubau, Prospekt von Fra Albert BargunyHans-Dieter Möller: Die Orgel der Kirche Sant Andreu zu Santanyi [sic!]. In: Booklet zu Die historische Jordi Bosch-Orgel zu Santanyi [sic!] (Mallorca). 1991, Motette CD 11051, CD (Hans-Dieter Möller, Orgel), S. 6.Antoni Mulet; Arnau Reynés i Florit: Orgues de Mallorca. Olañeta, Palma de Mallorca 2001, ISBN 978-84-9716-018-6, S. 205–207. (1762 Auftragserteilung, 1835 abgerissen, 1837 teilweise wiederaufgebaut durch Guillem Puig in Santanyí, Parròquia de Sant Andreu, teilweise eingelagert ebenda, 1873 und 1888 weitere Teileinbauten durch Julià Munar, 1957 erster Restaurierungsversuch durch Organeria Española S. A., 1978–2002 restauriert und teilrekonstruiert durch Gerhard Grenzing, erhalten)Gerhard Grenzing: Die Orgel der Pfarrkirche Sant Andreu in Santanyí (Mallorca). Abgerufen am 5. Juli 2020.Sonus paradisi. Virtual Pipe Organ Project: L’Orgue de Jordi Bosch – Santanyi [sic!] (1762). Abgerufen am 5. Juli 2020. {| class="hintergrundfarbe2" style="border: 1px solid #999999; white-space: nowrap;" cellspacing="0" cellpadding="12" |+ class="hintergrundfarbe5" style="border: 1px solid #999999; border-bottom: hidden; white-space: nowrap;" | Disposition der Jordi-Bosch-Orgel von 1765 in Santanyí, Parròquia de Sant Andreu (vormals in Palma de Mallorca, Convent de Sant Domingo)Keine der in der einschlägigen Literatur angegebenen Dispositionen der Orgel gleicht der anderen, selbst diejenigen des langjährigen Restaurators Gerhard Grenzing weichen voneinander ab. Die nachstehende Disposition greift daher im Wesentlichen auf diejenige in Sonus paradisi. Virtual Pipe Organ Project: L’Orgue de Jordi Bosch – Santanyi [sic!] (1762) zurück und ergänzt bzw. berichtigt diese, wo immer erforderlich. | style="vertical-align:top;" | I Orgue major: Mà esquerra CD–c1 1. Flautat major 16′ 2. Flautat 8′ 3. Bordó 8′ 4. — 5. Octava II 4′ 6. Tapadet 4′ 7. Nasards V 4′ 8. Ple XXII ′ 9. — 10. Trompa batalla* 8′ 11. Trompa reial 8′ 12. Baixons* 4′ 13. Clarins en 15* 2′ 14. — 15. Regalies* 8′ * Horizontalzungen | style="vertical-align:top;" | I Orgue major: Mà dreta cis1–c3 1. Flautat major 16′ 2. Flautat 8′ 3. Bordó 8′ 4. Flautes dobles II 8′ 5. Octava III 8′+4′+4′ 6. Tapadet 4′ 7. Corneta magna X 8′ 8. Ple XXVDieses Ple und sein Pendant in der Mà esquerra sind mit 22 bis 25 Pfeifenreihen sowie 1.104 Pfeifen insgesamt die derzeit größte bekannte erhaltene historische Mixtur weltweit. 4′ 9. Trompa magna* 16′ 10. Trompa batalla* 8′ 11. Trompa reial 8′ 12. Clarins* 8′ 13. Xirimia alta* 4′ 14. Dolçaina* 16′ 15. Regalies* 8′ * Horizontalzungen | style="vertical-align:top;" | II Cadireta: Mà esquerra CD–c1 16. Flautat tapat (ohne Schleifenteilung) 8′ 17. Octava tapada (ohne Schleifenteilung) 4′ 18. Nasards III ′ 19. — 20. — 21. Saboiana 8′ III Teclat d’ecos CD–c3 noch nicht rekonstruiert | style="vertical-align:top;" | II Cadireta: Mà dreta cis1–c3 16. Flautat tapat (ohne Schleifenteilung) 8′ 17. Octava tapada (ohne Schleifenteilung) 4′ 18. Corneta III ′ 19. Dinovena II ′ 20. Siurell ′ 21. Saboiana 8′ Pedal CDEFGABH 22. Contres (fest angekoppelt) 16′ 23. Bombarda 16′ 24. Terratrèmol (über die beiden äußerstender 10 Pedaltasten betätigt) 16′ |} 1772: Palma de Mallorca, Basilica de Sant Francesc. Neubau, letztes mallorquinisches Werk Boschs vor seinem Wechsel auf die iberische Halbinsel (1771 Erstellung einer Studie, 1956 zerstört, Horizontalzungen erhalten in der Orgel von Gerhard Grenzing ebenda aus dem Jahr 2008)Gerhard Grenzing: Convento Sant Francesc. Abgerufen am 5. Juli 2020. 1772–1778: Madrid, Capilla del Palacio Real. Aufbau unter völliger Reorganisation und Erweiterung (1756–1759 erbaut durch Leonardo Fernández Dávila, wegen der Baumaßnahmen am Palast zwischen 1738 und 1764 nicht aufgebaut, 1771 endgültiger Aufbauauftrag an Fernández Dávila, wegen dessen Krankheit und Tod noch im selben Jahr auf ausdrücklichen Wunsch an Bosch übertragen, 1987–1994 restauriert durch Gerhard Grenzing, mit originaler Balganlage erhalten)Gerhard Grenzing: Die Orgel der Kapelle im königlichen Palast von Madrid. Abgerufen am 5. Juli 2020. 1777: Málaga, Santa Iglesia Catedral Basílica de la Encarnación. Nicht ausgeführter Plan (Zwillingsorgeln 1778–1783 erbaut durch Julián de la Orden, erhalten) 1779–1793: Sevilla, Catedral de Santa María de la Sede. Neubau, größte Orgel des iberischen Spätbarocks (1888 bei einem Erdbeben zerstört) 1780: Palma de Mallorca, Convent de la Mare dels Socors (Sant Agustí). Erweiterung um Horizontalzungen (1702–1703 erbaut durch die Gebrüder Damiá und Sebastiá Caymari, 1969–1970 restauriert durch Gerhard Grenzing, erhalten)Sonus paradisi. Virtual Pipe Organ Project: Palma, Sant Agusti. Abgerufen am 5. Juli 2020. s. d.: Murcia, Santa Iglesia Catedral de Santa María. Neubau (1854 beim großen Kathedralbrand zerstört) s. d. – Zuschreibung unsicher: Campos (Mallorca), Església de Sant Francesc de Paula (Convent dels Mínims). NeubauHans-Dieter Möller: Die Orgel der Kirche Sant Andreu zu Santanyi [sic!]. In: Booklet zu Die historische Jordi Bosch-Orgel zu Santanyi [sic!] (Mallorca). 1991, Motette CD 11051, CD (Hans-Dieter Möller, Orgel), S. 6. (gegenwärtiges Werk 1823 erbaut durch Gabriel Thomás, erhalten)Música d’orgue a Catalunya s.XVII - s.XVIII. 2009, Tritó TD00064, CD (Miquel González, Orgel).

Bauliche und klangliche Besonderheiten Die kompakteste und kompletteste Übersicht hierzu bietet, wenngleich in englischer Sprache, John Michael Barone. John Michael Barone: Historic Organs in Spain. 2013 (PDF; 4,8 MB), S. 53–54. Abgerufen am 5. Juli 2020. Auf sie wird im Folgenden nur dann explizit verwiesen, wenn das betreffende Merkmal singulär bei ihm gelistet ist. Bau der wahrscheinlich ersten Horizontalzungen auf MallorcaHans-Dieter Möller: Die Orgel der Kirche Sant Andreu zu Santanyi [sic!]. In: Booklet zu Die historische Jordi Bosch-Orgel zu Santanyi [sic!] (Mallorca). 1991, Motette CD 11051, CD (Hans-Dieter Möller, Orgel), S. 6. dabei äußerst reichhaltige Ausstattung insbesondere der Hauptwerke (Orgue major) mit HorizontalzungenHans-Dieter Möller: Die Orgel der Kirche Sant Andreu zu Santanyi [sic!]. In: Booklet zu Die historische Jordi Bosch-Orgel zu Santanyi [sic!] (Mallorca). 1991, Motette CD 11051, CD (Hans-Dieter Möller, Orgel), S. 6. fächerförmige, zum Teil mehrfach geschweifte Anordnung der Horizontalzungen zu bestmöglicher Raumbeschallung – zu diesem und den beiden vorangehenden Merkmalen vgl. das nachstehende BildSonus paradisi. Virtual Pipe Organ Project: L’Orgue de Jordi Bosch – Santanyi [sic!] (1762). Abgerufen am 5. Juli 2020. links|mini|alt=Prospekt der Jordi-Bosch-Orgel von 1765 in Santanyí, Parròquia de Sant Andreu (vormals in Palma de Mallorca, Convent de Sant Domingo): fächerförmige, zum Teil mehrfach geschweifte Anordnung der Horizontalzungen – hier unter anderem links mit den Pfeifen von Baixons 4′, rechts von Trompa magna 16′ sowie in der Mitte von oben nach unten von Trompa batalla 8′, Regalies 8′ und Dolçaina 16′|Prospekt der Jordi-Bosch-Orgel von 1765 in Santanyí, Parròquia de Sant Andreu (vormals in Palma de Mallorca, Convent de Sant Domingo) Erfindung von Kornetten aus ZungenstimmenJohn Michael Barone: Historic Organs in Spain. 2013 (PDF; 4,8 MB), S. 53. Abgerufen am 5. Juli 2020. Erfindung überblasender Trompeten mit doppelter BecherlängeJohn Michael Barone: Historic Organs in Spain. 2013 (PDF; 4,8 MB), S. 53. Abgerufen am 5. Juli 2020. Bau der wahrscheinlich ersten Flautes dobles (eine Art schwebend gestimmter Nachthörner) auf MallorcaJohn Michael Barone: Historic Organs in Spain. 2013 (PDF; 4,8 MB), S. 56. Abgerufen am 5. Juli 2020. Die Behauptung der Neuigkeit des Registers Bordò (einer Art von Rohrgedackt) in Sonus paradisi. Virtual Pipe Organ Project: L’Orgue de Jordi Bosch – Santanyi [sic!] (1762) beruht vielmehr auf einem Übertragungsfehler des zum Teil deckungsgleichen Texts. Erfindung von Soloflöten, welche die Anblastechnik der Querflöte zu imitieren versuchenJohn Michael Barone: Historic Organs in Spain. 2013 (PDF; 4,8 MB), S. 53. Abgerufen am 5. Juli 2020. Erfindung von bis zu 25fachen Mixturen und bis zu 10fachen Kornetten oder NasardenHans-Dieter Möller: Die Orgel der Kirche Sant Andreu zu Santanyi [sic!]. In: Booklet zu Die historische Jordi Bosch-Orgel zu Santanyi [sic!] (Mallorca). 1991, Motette CD 11051, CD (Hans-Dieter Möller, Orgel), S. 6. Aufbänken der Mixturen, Kornetten und Nasarden auf Holzkonduktenstöcken mit neuartiger Windversorgung Anordnen aller innenliegenden Pfeifen auf Höhe des Prospekts, so dass sie direkt in den Raum sprechen können hierzu Erfindung sogenannter T-Windladen (über die Vorstufe von L-Windladen), deren vertikaler Ast die Horizontalzungen und deren horizontaler Ast die Prospekt- sowie alle innenliegenden Pfeifen versorgt Bau doppelter oder gar dreifacher Windkästen mit hintereinanderliegenden Ventilen zur ausreichenden Windversorgung tiefer Pfeifen insbesondere von mehrchörigen Registern, standardmäßig in der untersten Oktave vermutlich Erfindung von Parallelbälgen