mini|Manna-Esche. Abbildungen aus Pietro Andrea Mattioli (1554 und 1562) In: Pietro Andrea Mattioli Commentarii, in libros sex Pedanii Dioscoridis Anazarbei, de medica materia. Venedig. Links: Ausgaben ab 1554. Rechts: Ausgaben ab 1562 mini|Gemeine Esche. Abbildung (1586) aus dem Nachlass von Conrad Gessner (1516–1565).In: Georg Handsch (Übersetzung) und Joachim Camerarius der Jüngere (Bearbeitung). Pietro Andrea Mattioli. Commentarii, in libros sex Pedacii Dioscoridis Anazarbei, de medica materia, 1586
Eschen (Fraxinus spec.). Theophrast und Plinius beschrieben zwei Fraxinus-Arten.Theophrastos von Eresos um 371 – um 287. Naturgeschichte der Gewächse. Ausgabe Kurt Sprengel. Theophrast’s Naturgeschichte der Gewächse. Friedrich Hammerich, Altona 1822, Teil I Übersetzung, Drittes Buch, Kapitel 11 (S. 106–107) (); Teil II Erläuterungen, Drittes Buch, Kapitel 11 (S. 107–108) () Plinius der Ältere. 1. Jh. Naturalis historia. Übersetzt und erläutert von Philipp H. Külb. Metzler, Stuttgart 1840–1864, Buch XVI, Kapitel 14 (); Ausgabe König 1993, Buch XVI, § 62–64
Die von Dioskurides (De materia medica) und von Plinius (Naturalis historia) angegebenen Heilmittel-Anwendungen stimmen weitgehend überein. Es wird daher angenommen, dass beide aus den gleichen Quellen schöpften:
Anwendungen für Eschen bei Pedanios DioskuridesPedanios Dioskurides. 1. Jh. De Medicinali Materia libri quinque. In der Übersetzung von Julius Berendes. Enke, Stuttgart 1902, Buch I, Kapitel 108 (Digitalisat) Anwendungen für Eschen bei Plinius dem Älteren Plinius der Ältere. 1. Jh. Naturalis historia. Übersetzt und erläutert von Philipp H. Külb. Metzler, Stuttgart 1840–1864. Buch XXIV, Kapitel 30 (); Ausgabe König 1993: Buch XXIV, § 46 Der Saft der Blätter in Wein getrunken und im Umschlag hilft denen, die von Schlangen gebissen wurden Der ausgepresste Saft auf die Wunde gelegt und getrunken hilft nach Schlangenbiss Die Holzspäne sollen tödlich giftig sein Vor den Spänen und dem Sägemehl soll man sich hüten Die gebrannte Rinde aufgestreut heilt Hauterkrankungen Die Samen in Wein getrunken wirken gegen Leberschmerzen, gegen Schmerzen in der Seite und gegen Unterhautödeme Die Blätter in Wein zerrieben und getrunken beseitigen Fettleibigkeit
Die Ärzte des arabischen und lateinischen Mittelalters unterschieden zwischen fraxinus und lingua avis („Vogelzunge“), wobei nicht sicher zu entscheiden ist, ob sie mit lingua avis eine eigene Art oder die blatt- und zungenähnlichen Früchte (Flügelnüsse der Gemeinen Esche)Otto Beßler: Prinzipien der Drogenkunde im Mittelalter. Aussage und Inhalt des Circa instans und Mainzer Gart. Mathematisch-naturwissenschaftliche Habilitationsschrift, Halle an der Saale 1959, S. 198–199 (zu Lingua avis). des fraxinusVgl. Wouter S. van den Berg (Hrsg.): Eene Middelnederlandsche vertaling van het Antidotarium Nicolaï (Ms. 15624–15641, Kon. Bibl. te Brussel) met den latijnschen tekst der eerste gedrukte uitgave van het Antidotarium Nicolaï. Hrsg. von Sophie J. van den Berg, N. V. Boekhandel en Drukkerij E. J. Brill, Leiden 1917, S. 236 (Lingua avis: „nihil alius quam Fraxinus semen“ von Fraxinus excelsior L.) bezeichneten. Sie übernahmen die von Dioskurides und Plinius angegebenen Indikationen und fügten als weitere Indikationen hinzu: Heilung von feuchten Wunden, Durchfall („lienteria“), Erbrechen, Milz-Erkrankungen, Impotenz, Ausbleiben der Monatsblutung, Herzzittern und allgemeine Schwäche.
Die deutschen Väter der Botanik kannten aus eigener Anschauung nur die Gemeine Esche, die sie in Anlehnung an Theophrast und Plinius beschrieben. Erst 1586 ließ Joachim Camerarius der Jüngere in einer Bearbeitung des Mattiolischen Dioskurides-Kommentars eine naturgetreue Abbildung der Gemeinen Esche aus dem Nachlass des Züricher Botanikers Conrad Gessner (1516–1565) abdrucken. Die Manna-Esche hatte Pietro Andrea Mattioli bereits in seinem ab 1554 in Venedig erschienenen Dioskurides-Kommentar abbilden lassen.W. L. Schreiber: Die Kräuterbücher des XV. und XVI. Jahrhunderts als Anhang zum Neudruck des Gart der Gesundheit. München 1924, S. XLIV-XLVI.
Quellen zum fraxinus und zur lingua avis (Auswahl) Arabisches Mittelalter Lateinisches Mittelalter 16. Jahrhundert Avicenna. 10.–11. Jh.Avicenna. 10.–11. Jh. Kanon der Medizin. Buch II. Einfache Arzneimittel. Übersetzung und Bearbeitung durch Gerhard von Cremona und Arnaldus de Villanova. Überarbeitung durch Andrea Alpago (1450–1521). Venedig 1555, S. 257–258: Lingua avis (Digitalisat); S. 270: Fraxinus (Digitalisat) Hildegard von Bingen. 12. Jh.Hildegard von Bingen. 12. Jh. Physica, III/27: „Asch“. Edition. Charles Victor Daremberg und Friedrich Anton Reuß (1810–1868). S. Hildegardis Abbatissae Subtilitatum Diversarum Naturarum Creaturarum Libri Novem. Migne, Paris 1855. Sp. 1336 nach der Handschrift Paris. Liber beate Hildegardis subtilitatum diversarum naturarum creaturarum et sic de aliis quam multis bonis. Paris. Bibliothèque Nationale. Codex 6952 f. 156–232. Vollständige Handschrift. 15. Jh. (1425–1450). — Übersetzung: Herbert Reier. Hildegard von Bingen. Physica … Kiel 1980, S. 112: Die Esche ist eher kalt als warm und symbolisiert die Einsicht. Wenn jemand in der Seite oder einem andern Glied von der Gicht ermattet ist als wären alle seine Glieder gebrochen und zustoszen, koche Eschenblätter in Wasser, hülle den Kranken in ein leinenes Tuch, gieße jenes Wasser ab und lege die gekochten warmen Blätter rings um ihn herum, besonders auf die schmerzende Stelle. Tue dies oft, und er wird es besser haben. Willst du von Hafer Bier ohne Hoppen bereiten, so koche das mit ebenso viel Grusz unter Zutat von sehr vielen Eschenblättern. Dieses Bier reinigt den Magen des Trinkenden und macht seine Brust leicht und angenehm. Und wenn Ziegen irgendwie krank werden, gebe man ihnen oft Eschenblätter zu fressen, und sie werden gesund werden. Otto Brunfels.Straßburg 1537Otto Brunfels. Ander Teyl des Teütschen Contrafayten Kreüterbůchs. Johann Schott, Straßburg 1537, S. 170 (Digitalisat) Konstantin der Afrikaner. 11. Jh.Konstantin der Afrikaner. 11. Jh. Liber de gradibus simplicium = Übersetzung des Liber de gradibus simplicium des Ibn al-Dschazzar. 10. Jh., Druck. Opera. Basel 1536, S. 351 Albertus Magnus. 13. Jh.Albertus Magnus. 13. Jh. Carl Jessen und Ernst Heinrich Meyer. Alberti Magni ex Ordine Praedicatorum. De vegetabilibus libri VII : historiae naturalis pars XVIII. Reimer, Berlin 1867, S. 391–392 (Buch VII, Trakt. I, Kapitel XX, § 108–109): Fraxinus () Hieronymus Bock. Straßburg 1546Hieronymus Bock. New Kreütter Bůch. Zweite erweiterte Ausgabe mit Abbildungen durch David Kandel. Wendel Rihel, Straßburg 1546, Buch III, Kapitel 78 (Digitalisat) Circa instans. 12. Jh.Circa instans. 12. Jh. Druck. Venedig 1497, Blatt 198v: Fraxinus (Digitalisat): Blatt 200v: Lingua avis (Digitalisat) Konrad von Megenberg. 14. Jh.Konrad von Megenberg. 14. Jh. Hauptquelle: Thomas von Cantimpré, Liber de natura rerum. Ausgabe. Franz Pfeiffer. Konrad von Megenberg. Buch der Natur. Aue, Stuttgart 1861, S. 324–325: „Slintpaum“ (Digitalisat) Pietro Andrea Mattioli. Dioskurides-Kommentar, Venedig ab 1554Petri Andreae Matthioli medici senensis Commentarii, in libros sex Pedacii Dioscoridis Anazarbei, de medica materia. Adiectis quàm plurimis plantarum et animalium imaginibus, eodem authore. Vincentius Valgrisi, Venedig 1554, S. 87 (Digitalisat) () ; 1559, S. 99 () ; 1573, S. 123–124 () Pseudo-Serapion. 13. Jh.Pseudo-Serapion. 13. Jh. Druck. Venedig 1497, Blatt 128: Lingua avis (Digitalisat) Herbarius Moguntinus. Mainz 1484Herbarius Moguntinus. Peter Schöffer, Mainz 1484. Teil I, Kapitel 64: Fraxinus Eschenbaum (Digitalisat) Übersetzung des Mattiolischen Dioskurides-Kommentars durch Georg Handsch (1529-ca. 1578), Prag 1563Georg Handsch (1529-ca. 1578). Georg Melantrich von Aventin, Prag 1563 () S. 39r – 40r () Abu Muhammad ibn al-Baitar. 13. Jh.Abu Muhammad ibn al-Baitar. 13. Jh. Kitāb al-jāmiʿ li-mufradāt al-adwiya wa al-aghdhiya. Übersetzung. Joseph Sontheimer unter dem Titel Große Zusammenstellung über die Kräfte der bekannten einfachen Heil- und Nahrungsmittel. Hallberger, Band II, Stuttgart 1842, S. 438 Fraxinus ornus (); S. 496 Fraxinus excelsior () Gart der Gesundheit. Mainz 1485Gart der Gesundheit. Peter Schöffer, Mainz 1485, Kapitel 178: Fraxinus (Digitalisat); Kapitel 244: Lingua avis (Digitalisat) Bearbeitung dieser Übersetzung durch Joachim Camerarius den Jüngeren, Frankfurt 1586Georg Handsch überarbeitet durch Joachim Camerarius den Jüngeren. Darin Abbildungen aus dem Nachlass von Conrad Gessner. Johan Feyerabend, Franckfurt am Mayn 1586, S. 36–37 (Digitalisat) Hortus sanitatis. Mainz 1491Hortus sanitatis. Jacobus Meydenbach, Mainz 1491, Kapitel 186 : Fraxinus (Digitalisat); Kapitel 263 : Lingua avis (Digitalisat) Hieronymus Brunschwig. Straßburg 1500Hieronymus Brunschwig. Kleines Destillierbuch, Johann Grüninger, Straßburg 1500, S. 47: Esche boum bletter (Bůch eschyn): (Digitalisat); S. 50: Fogels zung (Stein eschyn) (Digitalisat)
Manna mini|Abbildung zum Kapitel Manna im Hortus sanitatis Mainz 1491 mini|Jean-Pierre Houël 1782. Manna-Ernte in CinisiJean-Pierre Houël. Voyage pittoresque des isles de Sicile, de Malte et de Lipari: Où l'on traite des Antiquités qui s'y trouvent encore; des principaux Phénomènes que la Nature y offre ; du Costume de Habitans, & de quelques Usages. Paris 1782, Band I, Abbildung No 32: (Digitalisat). Erklärender Text auch in: Johann Heinrich Keerl (Übersetzer). Houels Reisen durch Sizilien, Malta und die Liparischen Inseln. Ettinger, Gotha 1797, Band II, S. 8–9: Beschreibung der Manna-Erndte ()google-streetview (22.10.2019) Manna-Esche in Cinisi
Dioskurides und Plinius verstanden unter „Manna“ die „durch Schütteln des Weihrauchbaumes abgesprungenen Krümchen“.Pedanios Dioskurides. 1. Jh. De Medicinali Materia libri quinque. In der Übersetzung von Julius Berendes. Enke, Stuttgart 1902, Buch I, Kapitel 83 (Digitalisat)Plinius der Ältere. 1. Jh. Naturalis historia. Übersetzt und erläutert von Philipp H. Külb. Metzler, Stuttgart 1840–1864. Buch XII, Kapitel 32 ()
Die Ärzte des arabischen und lateinischen Mittelalters verstanden unter der „Manna“ einen Tau („ros“) der auf Steine und Bäume fällt, süß ist und wie Honig zusammenrinnt. Diese „Manna“ solle die Natur dessen annehmen, worauf sie fällt. Sie sollte den Bauch erweichen, akute Fieber löschen, der Brust und den Lungen sowie den cholerischen und heißen Naturen nützlich sein. Quellen des arabischen Mittelalters:Avicenna. 10.–11. Jh. Kanon der Medizin. Buch II. Einfache Arzneimittel. Übersetzung und Bearbeitung durch Gerhard von Cremona und Arnaldus de Villanova. Überarbeitung durch Andrea Alpago (1450–1521). Venedig 1555, S. 272: Manna (Digitalisat)Konstantin der Afrikaner. 11. Jh. Liber de gradibus simplicium = Übersetzung des Liber de gradibus simplicium des Ibn al-Dschazzar. 10. Jh., Druck. Opera. Basel 1536, S. 347: Manna Circa instans. 12. Jh. Druck. Venedig 1497, Blatt 202r: Manna (Digitalisat)Pseudo-Serapion. 13. Jh. Druck. Venedig 1497, Blatt 106r: Manna (Digitalisat)Abu Muhammad ibn al-Baitar. 13. Jh. Kitāb al-jāmiʿ li-mufradāt al-adwiya wa al-aghdhiya. Übersetzung. Joseph Sontheimer unter dem Titel Große Zusammenstellung über die Kräfte der bekannten einfachen Heil- und Nahrungsmittel. Hallberger, Band II, Stuttgart 1842, S. 533 Manna (Digitalisat) Quellen des lateinischen Mittelalters:Konrad von Megenberg. 14. Jh. Hauptquelle: Thomas von Cantimpré, Liber de natura rerum. Ausgabe. Franz Pfeiffer. Konrad von Megenberg. Buch der Natur. Aue, Stuttgart 1861, S. 90–91: Himelprot (Digitalisat)Herbarius Moguntinus. Peter Schöffer, Mainz 1484, Teil II, Kapitel 7 Manna (Digitalisat)Gart der Gesundheit. Peter Schöffer, Mainz 1485, Kapitel 267: Manna hymmeldauwe (Digitalisat)Hortus sanitatis. Jacobus Meydenbach, Mainz 1491, Kapitel 275: Manna (Digitalisat)