mini|Douglas Macgregor (2020)

Douglas Abbott Macgregor (* 4. Januar 1947 in Philadelphia, PennsylvaniaThe Dickinson Alumnus, Band 30, Nr. 3 (Februar 1953), S. 26 (PDF)) ist ein pensionierter Colonel der United States Army, Politikwissenschaftler, Militärtheoretiker, Autor und Berater. Am 29. Juli 2020 nominierte Präsident Donald Trump Macgregor als Nachfolger von Richard Grenell für das Amt des Botschafters der Vereinigten Staaten in Deutschland.. Presseerklärung im Portal whitehouse.gov vom 29. Juli 2020, abgerufen am 6. August 2020 Er wurde aber nicht vom Senat bestätigt.Malte Lehming: Trumps neuer Botschafter für Berlin: Vergangenheitsbewältigung hält er für eine „kranke deutsche Mentalität“. Artikel vom 5. August im Portal tagesspiegel.de, abgerufen am 6. August 2020

Leben Macgregor ist Sohn von Norman K. Macgregor Jr., der im Zweiten Weltkrieg als Pilot diente, und dessen Ehefrau Alice M. Abbott, einer sportbegeisterten Absolventin des Dickinson College.Maureen McIlhane: Dickinson Tennis 1942, Webseite im Portal chonicles.dickinson.edu, abgerufen am 4. August 2020 Er besuchte die William Penn Charter School in Philadelphia und das Virginia Military Institute in Lexington. Als Fünftklässler las er Friedrich Wilhelm von Mellenthins 1956 erschienenes Buch Panzer Battles,Friedrich Wilhelm von Mellenthin: Panzer Battles. University of Oklahoma Press 1956, Ballantine Books Edition, New York 1971 so sei er nach eigenen Angaben bereits in jungen Jahren ein „Befürworter mobiler gepanzerter Feuerkraft“ geworden. In der elften Klasse kam er als Austauschschüler erstmals nach Deutschland.Marc Felix Serrao: Panzer-Fachmann, Querkopf und Realist der alten Schule: So tickt Donald Trumps designierter Botschafter für Berlin. Artikel im Portal nzz.ch vom 28. Juli 2020, abgerufen am 2. August 2020 Später studierte er an der United States Military Academy (USMA) in West Point, wo er 1976 im Fach general engineering mit dem akademischen Grad Bachelor of Science abschloss. Anschließend beschritt er eine Offizierslaufbahn in der US-Armee, die ihn unter anderem in die Militärstandorte Fort Knox, Fort Benning, Schwabach und Fort Carson führte. In Fort Benning absolvierte er im Range eines Second Lieutenant eine Ausbildung der United States Army Rangers.

1983 wählte das Department of Social Sciences der USMA Macgregor, der mittlerweile zum Captain (Hauptmann) aufgestiegen war, für einen Ausbildungsgang zum Associate Professor aus. Dies schloss ein zweijähriges Studium der Politikwissenschaften an der University of Virginia ein. Nachdem er dort in vergleichender Politikwissenschaft den akademischen Grad Magister Artium erworben und drei Jahre im Department of Social Sciences der USMA unterrichtet hatte, promovierte er 1987 an der University of Virginia im Fach Internationale Beziehungen zum Ph.D.Douglas Abbott Macgregor’s scientific contributions, Suchergebnis im Portal researchgate.net Bereits 1986 trat er als Autor zu militärischen und verteidigungspolitischen Themen in Erscheinung.

Nach seiner Lehrtätigkeit als Professor für Sozialwissenschaften an der USMA wurde er zum Major befördert. Außerdem erhielt er einen Platz am Command and General Staff College in Fort Leavenworth, wo er 1989 abschloss. Im gleichen Jahr wurde er zum 2. Kavallerieregiment nach Deutschland beordert, wo er anfangs als Regimental Adjutant, ab 1990 als Operations Officer der 2. Schwadron eingesetzt war.

Am Zweiten Golfkrieg nahm er als Operationsoffizier (S3-Offizier) von Panzereinheiten (2. Schwadron des 2. Kavallerieregiments) teil. Im Februar 1991 zerstörte die von ihm geführte Einheit im Rahmen der später Battle of 73 Easting genannten Operationen in einem rund 23 Minuten langen Gefecht 70 irakische gepanzerte Fahrzeuge ohne eigene Verluste.Verbitterter Kriegsheld und glühender Trump-Unterstützer. In: sueddeutsche.de, 28. Juli 2020. Er ging dabei unkonventionell vor und antizipierte die Bewegungen der irakischen Einheit.Douglas Macgregor: Ein Kenner der Oberpfalz als neuer US-Botschafter, onetz.de, 28. Juli 2020 Dafür erhielt er die Bronze Star Medal mit Combat Distinguishing Device.

Von Juni 1991 bis Juni 1992 arbeitete Macgregor als special assistant des Deputy Chief of Staff for Concepts, Doctrine, and Developments am United States Army Training and Doctrine Command (TRADOC) in Fort Monroe. Im Juni 1992 übertrug ihm die US-Armee das Kommando über die 1. Schwadron des 4. Kavallerieregiments in der 1. Infanteriedivision, Fort Riley. Die Funktion gab er im Juli 1994 auf, um als Forces Team Chief in der War Plans Division of the Operations Section 12 of the Army Staff zu dienen. Im April 1995 wurde er Fellow des Center for Strategic and International Studies. Im folgenden November beförderte ihn die US-Armee zum Colonel (Oberst). Von November 1996 bis Oktober 1997 arbeitete er als stellvertretender Direktor des Command and Control Battle Lab in Fort Leavenworth, im gleichen Zeitraum des Folgejahres in der Future Plans Division (J5) am Supreme Headquarters Allied Powers Europe (SHAPE) in Brüssel.

Unter dem Kommando von Wesley Clark diente er von Oktober 1998 bis Januar 2000 als Planungschef – Director of the SHAPE Joint Operations Center (JOC) – für den Einsatz der NATO-Streitkräfte im Kosovokrieg. Hierfür erhielt er die Defense Superior Service Medal., biografischer Eintrag im Portal globalpi.org (Global Policy Institute, Washington, D.C.) Ab Februar 2000 arbeitete er als special assistent des Verteidigungsministeriums an der National Defense University in Washington, D.C.,Daniel S. Stempniak: An Agent of Change or A Colonel Who Just Complained: A Case Study of Colonel Douglas A. Macgregor and His Book, Breaking the Phalanx, A New Design for Landpower in the 21st Century. School of Advanced Military Studies, United States Army Command and General Staff College, Fort Leavenworth, Kansas, AY 02-03, S. 12 (PDF) später dort am Institute for National Strategic StudiesJoint Forces Quarterly, Winter 2000/2001, S. 18 bzw. am Center for Technology and National Security Policy als senior research fellow.Hans Binnendijk, Stuart E. Johnson (Hrsg.): Transforming for Stabilization and Reconstruction Operations. National Defense University Press, Washington, D.C. 2004, S. 134 (PDF) Im Juni 2004 stellte die US-Armee Macgregor außer Dienst. Später firmiert er als Executive Vice President der Beratungsfirma Burke-Macgregor Group LLC., Webseite im Portal burke-macgregor.com, abgerufen am 28. Juli 2020

Am 11. November 2020 gab ein Sprecher des Pentagons bekannt, dass Macgregor von Präsident Trump als Senior Advisor to the Acting Secretary of Defense (leitender Berater) des neuen amtierenden Verteidigungsministers Christopher Miller eingestellt worden sei. Damals war Macgregor ein Befürworter des Rückzugs der USA aus Afghanistan, einer Politik Trumps, die vom US-Militär zuerst abgelehnt, letztlich aber umgesetzt wurde. Er hatte das Amt bis zum Ausscheiden Trumps aus dem Amt im Januar 2021 inne.

Im Dezember 2020 ernannte Präsident Trump Macgregor für eine Amtszeit von drei Jahren zum Mitglied des Beirats der United States Military Academy in West Point, seiner Alma Mater. Er wurde im September 2021 von Präsident Joe Biden mit anderen Beiräten entlassen.

Militärtheoretische und sicherheitspolitische Positionen Macgregor spricht Deutsch. In seinen Arbeiten beschäftigte er sich unter anderem mit den Schlachten der Wehrmacht gegen die Rote Armee im Zweiten Weltkrieg sowie mit den Beziehungen der DDR zur Sowjetunion im Kalten Krieg.Oliver Kühn: Ein neuer Fox-Kommentator für Berlin? Artikel vom 28. Juli 2020 im Portal faz.net, abgerufen am 28. Juli 2020 In seiner vielbeachteten Schrift Breaking the Phalanx: A New Design for Landpower in the 21st Century (1996 am Center for Strategic and International Studies als Fellowship Research Projekt erarbeitet, 1997 als Buch veröffentlicht) profilierte er sich als Befürworter einer tiefgreifenden Heeresreform. Darin kritisierte er, dass die US-Armee an veralteten Paradigmen des Kalten Kriegs festhalte, und trug ein neues Konzept vor, das nach seiner Einschätzung – unterstützt durch Veränderungen in Bezug auf Organisation, Schulung und Kultur – die Fähigkeiten des Militärs revolutionieren würde. Unter anderem schlug er den Aufbau kleinerer, modular organisierter, hochmobiler, in sich geschlossener Verbände mit der Fähigkeit zum Gefecht der verbundenen Waffen vor. Sein Konzept blieb umstritten.Daniel S. Stempniak, S. 2, 49 Unter Fachleuten erregte das Buch Aufsehen. Die darin unverblümt vorgetragene Kritik an der damaligen militärischen Führung soll ihm nach eigenem Bekunden die Karriere verbaut haben.Marc Felix Serrao, Artikel vom 28. Juli 2020

mini|Douglas Macgregor in der Diskussion mit Angehörigen der Israelischen Verteidigungsstreitkräfte, unter anderem Generalstabschef Aviv Kochavi, über Reform- und Modernisierungsvorhaben im Sinne der Konzepte in seinen Büchern (März 2020) In politischen und in Militärkreisen erwarb er sich fortan den Ruf eines Querdenkers, etwa auch durch die Auffassung, viele US-Militärbasen in Übersee könnten eingespart werdenDouglas Macgregor: A Radical Plan for Cutting the Defense Budget and Reconfiguring the U.S. Military. Artikel im Portal foreignpolicy.com vom 26. April 2011, abgerufen am 2. August 2020 und die NATO sei ein Zombie.Douglas Macgregor: NATO Is Not Dying. It’s a Zombie. Artikel vom 31. März 2019 im Portal nationalinterest.org, abgerufen am 28. Juli 2020 Bei den parteiinternen Kandidaturen zu den Vorwahlen der Republikanischen Partei im Jahr 2012 unterstützte er den libertären Politiker Ron Paul.Anthony Wile: Exclusive Interviews: Colonel Douglas Macgregor on Two Failed Wars and Why He Supports Ron Paul for President. Artikel im Portal thedailybell.com vom 15. April 2012, abgerufen am 2. August 2020 Bei dem US-amerikanischen Nachrichtensender Fox News trat er immer wieder als Experte in der Sendung des als konservativ-libertär geltenden Moderators Tucker Carlson auf.Fox-Kommentator, Trump-Fan und militärischer Querdenker. Artikel vom 28. Juli 2020 im Portal tagesspiegel.de, abgerufen am 28. Juli 2020 Bei einem dieser Auftritte bezeichnete er US-Präsident Trump als „Ein-Mann-Team“, das „von Irrläufern umgeben“ sei. Auch vertrat er in Fox News die Auffassung, eine „globalistische Elite und ihre Lobby in Kapitol, Pentagon und State Department“ wolle den entbehrlichen Krieg in Afghanistan aus eigennützigen Interessen am Laufen halten.Ret. Army Col. Macgregor: „Globalist Elite“ In Pentagon Pressuring Trump To Stay In Afghanistan, Posting vom 28. November 2018 im Portal realclearpolitics.com, abgerufen am 2. August 2020

Nach Einschätzung des Journalisten Marc Felix Serrao begreift Macgregor die Welt als „Arena konkurrierender Großmächte“, in der Partnerschaften nur mit „beschränkter Haftung“ möglich, aber durchaus wünschenswert seien. Zur Beilegung von Konflikten in den internationalen Beziehungen sei demnach immer nach Lösungen Ausschau zu halten, „mit der beide Seiten leben können“. Macgregor verlasse sich nicht auf supranationale Organisationen, auch nicht auf das „größenwahnsinnige“ nation building der Neokonservativen. Wiederholt drängte er in Artikeln und bei Fox News auf einen Rückzug der US-Truppen aus Syrien und Afghanistan, um das US-Verteidigungsbudget zu entlasten. Die Syrien-Politik der Türkei unter Präsident Erdoğan klassifiziert er als Neoosmanismus. Erdogan wäre gerne Herrscher über die früheren Gebiete des Osmanischen Reiches und wolle in Syrien mit Unterstützung von Staaten der arabischen Halbinsel ein sunni-islamisches Regime errichten. Dabei gerate er mit dem ebenfalls in Syrien involvierten Russland in einen lokalen Konflikt, aus dem sich die USA und der Westen heraushalten sollten.Oliver Kühn, faz.net, 28. Juli 2020Douglas Macgregor: Why Russia And Turkey Spat Over Turkey Isn’t America’s Problem. Artikel vom 29. März 2020 im Portal nationalinterest.org, abgerufen am 28. Juli 2020