Nomadland ist ein US-amerikanisches Filmdrama von Chloé Zhao. Das Drehbuch basiert auf dem 2017 veröffentlichten Sachbuch der Autorin Jessica Bruder Nomaden der Arbeit: Überleben in den USA im 21. Jahrhundert (Nomadland: Surviving America in the Twenty-First Century). Im Mittelpunkt des semifiktionalen Roadmovies steht eine 60-jährige trauernde Witwe aus Nevada (Frances McDormand), die nach dem Tod ihres Mannes und der Schließung des nahegelegenen Gipssteinbruchs ihre inzwischen entvölkerte Heimatstadt verlässt. Mit einem Van begibt sie sich auf eine nomadische Fahrt durch die Vereinigten Staaten.

Der Film feierte am 11. September 2020 in gleichzeitigen Vorführungen bei den Internationalen Filmfestspielen von Venedig und dem Toronto International Film Festival seine Premiere. In Venedig gewann Nomadland mit dem Goldenen Löwen den Hauptpreis des Festivals, in Toronto den People’s Choice Award, ebenfalls die höchste Auszeichnung. Bei der Oscarverleihung 2021 gewann der Film in den drei Kategorien Bester Film, Beste Regie und Beste Hauptdarstellerin für Frances McDormand, zudem erhielt er Oscar-Nominierungen für das beste adaptierte Drehbuch, die beste Kamera und den besten Schnitt. Darüber hinaus gewann der Film über 200 weitere internationale Film- und Festivalpreise. Am 19. Februar 2021 kam der Film in die US-amerikanischen Kinos.

Handlung mini|hochkant=0.9|Fern macht die Bekannt­schaft von Bob Wells Nach dem Tod ihres Mannes und dem wirtschaftlichen Zusammenbruch der inzwischen verlassenen Bergbaustadt Empire in der Nähe der Black Rock Desert in Nevada, der schließlich sogar ihre Postleitzahl entzogen wurde und die damit praktisch aufgehört hat, offiziell zu existieren, packt die 60-jährige Fern, die so praktisch allen bisherigen Halt verloren hat, das Nötigste ihrer Habe in ihren weißen Van, um sich damit, ohne eine bestimmte Richtung oder ein bestimmtes Ziel im Auge zu haben, auf den Weg zu machen, als moderne Nomadin ein Leben außerhalb der konventionellen Gesellschaft des Westens der USA zu erkunden.

Sie verzichtet während dieser Reise auf materiellen Komfort, nimmt jegliche ihr unterwegs angebotene Arbeit von der Toilettenreinigung im Badlands National Park über die Arbeit in einer Restaurantküche in South Dakota und bei der Zuckerrübenernte in Nebraska bis hin zum Verpacken von Waren in einem Amazon-Fulfillment-Center in den Wochen vor Weihnachten an, womit sie sich auch von Familienmitgliedern und ehemaligen Freunden abnabelt. Doch Fern ist auf ihrer Reise inmitten all der anderen, ebenfalls in ihren Wohnmobilen oder Vans lebenden Menschen alles andere als allein: Immer wieder lernt sie neue Menschen kennen, die aus ähnlichen Gründen wie sie unterwegs sind und ihre Häuser, ihre Arbeit oder einen geliebten Menschen verloren haben.

Auf einem Campingplatz mitten in der Wüste, wo das Rubber Tramp Rendezvous, ein jährliches Nomadentreffen, stattfindet, macht sie die Bekanntschaft von Bob Wells, dem Organisator des Ganzen, der dort Seminare für die Gruppe abhält.100 Most Anticipated Films Of 2020: Nomadland. In: theplaylist.net, 3. Dezember 2019.Justin Chang: 'Nomadland' and ‘Ammonite’ are early standouts at the first Toronto Film Festival of the pandemic era. In: Los Angeles Times, 11. September 2020.Caryn James: Nomadland review: 'Overflowing with humanity and tenderness'. In: BBC Culture, 15. September 2020.

Einladungen anderer Nomaden wie die ihrer längerfristigen Bekanntschaft David zu dessen Familie oder auch zu ihrer Schwester, die ihr Geld für die Fahrzeugreparatur leiht, nimmt Fern wahr; lange hält sie es dort jedoch nicht aus. Sie kehrt immer wieder zurück zu ihrem Van und fährt fort. Ein letzter Besuch führt sie nach Empire, wo sie den eingelagerten Rest ihrer Habseligkeiten verkauft und noch einmal ihr ehemaliges, leerstehendes Haus aufsucht. In einem Gespräch mit Davids Schwiegertochter hatte sie die Schönheit beschrieben, die für sie von der Lage des Hauses am Stadtrand ausgegangen war. Nichts habe den Blick vom Haus und einer unmittelbar angrenzenden weiten Ebene bis hin zu den Bergen verstellt. Nach einem Gang durch die verwaisten Räume tritt sie durch die Hintertür in den kleinen Garten und durch die offenstehende Gittertür auf die Ebene hinaus. Es wirkt wie ein letztes Abschiednehmen im Hinblick auf eine endgültige Entscheidung für das Leben auf der Straße. Am Ende sieht man den Van die Straße weiterfahren.

Produktion Stab und literarische Vorlage

Regie führte Chloé Zhao, die auch das Drehbuch schrieb und für Nomadland erstmals mit Searchlight Pictures zusammenarbeitete.Erik Anderson: Searchlight Pictures sets Chloé Zhao’s ‘Nomadland’ for dual Venice, Toronto World Premiere; NYFF Centerpiece and Fall Release. In: awardswatch.com, 27. Juli 2020. Zhao adaptierte für den Film Jessica Bruders Sachbuch, an dem sich Frances McDormand und Peter Spears die Rechte gesichert hatten. Die beiden trafen Zhao, nachdem sie ihren Film The Rider gesehen und ihr McDormand eine Mail geschrieben hatte,Patrick Heidmann: Uns verbindet mehr als uns trennt (Interview mit Chloe Zhao) In: Nürnberger Nachrichten, 23. April 2021, S. 6. während der Independent Spirit Awards im März 2018. McDormand erzählte Zhao von einer Figur namens Fern, die sie spielen wolle, und sie entschieden, dass dies die Hauptfigur des Films sein werde.Susan King: Frances McDormand is the reason that Chloe Zhao made ‘Nomadland’ In: goldderby.com, 31. Dezember 2020. Zhao war für ihre Recherche jahrelang unterwegs und lernte auf ihrer Reise Swankie, Bob Wells und Linda May kennen.

In ihrer Besprechung des Buches in der New York Times hebt Arlie Russell Hochschild die beschriebenen regelmäßigen Nomadentreffen hervor, an denen auch Bruder teilnahm, so das Rubber Tramp Rendezvous in der Nähe von Quartzsite in Arizona, das die Autorin als winterliches „pop-up metropolis“ beschreibe und bei dem Zehntausende zusammenkamen. Viele der Nomaden, die Bruder in ihrem Buch erwähnt, hatten durch die Weltfinanzkrise 2008 ihre Häuser, Jobs oder beides verloren, und man erfahre beim Lesen, dass im Jahr 2010 genau 1.050.500 Immobilien zurückgefordert wurden. Auch erinnere Bruder, dass die Leistungen aus dem Sozialversicherungssystem bescheiden seien, insbesondere für Frauen, und viele Menschen in den USA sich keine Wohnung leisten können, obwohl sie Vollzeit arbeiten. Wenn die Republikaner allzugerne über „Freiheit“ sprechen, aber gleichzeitig eine Steuerreform fordern/unterstützen, die höchstwahrscheinlich die Kluft zwischen Arm und Reich noch weiter vergrößern würde, erinnere dies daran, dass Bruders „amerikanischer Traum“ auf Autarkie und die Freiheit der Straße reduziert werde, so Hochschild, und die „Lindas“ in den USA seien weitgehend unsichtbar. Nach dem Lesen des Buches fühlte sich Hochschild an den vagabundierenden Songwriter und Musiker Woody Guthrie erinnert, der in den 1930er Jahren aus der Dust Bowl in Oklahoma, einem der von einer großen Dürre am schwersten betroffenen Gebiete, geflüchtet war und in This Land Is Your Land über das soziale Elend der Okies sang: „From the redwood forest to the Gulf Stream waters / This land was made for you and me.“Arlie Russell Hochschild: In ‘Nomadland’, the Golden Years Are the Wander Years. In: The New York Times, 17. November 2017.

Nachdem Zhao und ihr Kameramann und Lebenspartner Joshua James Richards beide das Buch gelesen hatten, begaben sie sich in ihrem Wohnmobil Akira ähnlich wie Bruder auf einen Roadtrip, um diese Community besser kennenzulernen. Hierbei besuchten sie auch Swankie und Linda May, um sie zu einer Mitarbeit in ihrem Film zu bewegen. Bei einem Treffen mit May in Douglas in Arizona bat die Regisseurin sie, ihre Freundinnen, die in anderen Wohnmobilen lebten, einzuladen, um sich auch deren Geschichten anhören zu können.Thomas Page: 'Nomadland': Chloé Zhao and crew reveal how they made one of the year's best films. In: cnn.com, 15. März 2021.

Auch wenn die Regisseurin nur in drei Ländern wirklich gelebt hatte, glaubt sie, dass auch in ihr eine Nomadin steckt: „Ich hatte die Möglichkeit, in England und den USA zu studieren. Aber als Geschichtenerzählerin haben mich diese Erfahrungen tief geprägt. In meinen Filmen bin ich immer auf der Suche nach dem, was mich am Horizont erwartet. Schon als Kind in Peking träumte ich von der riesigen Steppe der Mongolei im Westen. Als ich nach New York zog, war es dann South Dakota.“ Dort angekommen habe sie erkannt, dass es nicht das „eine“ Amerika gibt: „Das Land ist so unterschiedlich wie seine Landschaften. Ich liebe es, hier zu leben, liebe die Leute, die hier leben.“ Zhao nutzte den wirklichen wirtschaftlichen Niedergang der Bergbaustadt Gerlach-Empire in der Nähe der Black Rock Desert in Nevada als Ausgangspunkt für ihre Geschichte und als Ferns ursprüngliche Heimat. Dort musste im Jahr 2011 ein Gipssteinbruch geschlossen werden, was zur Folge hatte, dass die Bevölkerung zum größten Teil die Stadt verließ.

Besetzung, Biografisches und Dreharbeiten Frances McDormand, die für ihre Darstellung von Mildred Hayes in Three Billboards Outside Ebbing, Missouri als beste Hauptdarstellerin mit einem Oscar ausgezeichnet wurde, spielt Fern. Etliche der Menschen, die Bruder in ihrem Buch beschreibt, tauchen auch in Zhaos Film auf und spielen Variationen ihrer selbst.Michael Meyns: Nomadland. In: programmkino.de. Abgerufen am 26. Dezember 2020. So ist neben David Strathairn, Linda May und Charlene Swankie auch Bob Wells in einer weiteren Rolle zu sehen. Letzterer lebte selbst in den letzten Jahren in einem Van, nachdem er nach einer Scheidung einen Tiefpunkt in seinem Leben erreicht hatte. Über seine Reise berichtete der echte „Nomade“ auf seinem YouTube-Kanal.How Bob Wells Lives His Best Life in a Van – American Nomads, Ep. 1. In: pbs.org. Abgerufen am 28. Juli 2020. Michael Tubbs veröffentlichte im November 2014 einen Dokumentarfilm mit dem Titel Without Bound – Perspectives on Mobile Living, in dem Wells über sein Leben auf der Straße berichtet.Without Bound – Perspectives on Mobile Living. In: michaeltubbs.com. Abgerufen am 28. Juli 2020. Wells ist damit eine der Personen, die im Film eine Version ihrer selbst spielt.58th New York Film Festival Main Slate Announced. In: filmlinc.org, 13. August 2020. Der ebenfalls im Film mitwirkende Derek Endres, ein junger Mann, der auf der Straße lebt und auf Züge aufspringt, um das Land zu bereisen, wurde durch ein Straßencasting gefunden. In einer der wenigen weiteren Rollen, die mit professionellen Schauspielern besetzt wurden, ist Melissa Smith zu sehen, die Ferns Schwester Dolly spielt.Philip Martin: Review: 'Nomadland' dives into a seldom-noticed community traversing the U.S. Modern-day drifters. In: nwaonline.com, 19. Februar 2021.

So wurde Nomadland zu einem semifiktionalen Roadmovie, ein dokumentarisches Zeugnis in einem narrativen Rahmen.Filmerfolg von Chloé Zhao: China zensiert Social-Media-Posts über »Nomadland«. In: Spiegel, 8. März 2021. Bereits mit ihrem Filmdebüt Songs My Brother Taught Me aus dem Jahr 2015, das im Reservat Pine Ridge im Südwesten von South Dakota gedreht wurde, hatte Zhao begonnen, einen Filmstil zu entwickeln, der als adaptiver Realismus bezeichnet werden kann, Filme, die sehr nah an realen Geschichten dran und praktisch nicht vom echten Leben zu unterscheiden sind. In The Rider besetzte sie die Hauptrolle des Brady Blackburn mit dem Lakota-Cowboy Brady Jandreau. Der Film war von dessen wahrer Lebensgeschichte inspiriert und wurde auch mit seinen echten Freunden und seiner Familie gedreht.Adrian Horton: How Nomadland shines a light on an ignored America. In: The Guardian, 17. Februar 2021.

Beginnend in South Dakota im September 2018 reiste die 36-köpfige Crew im weiteren Verlauf der Dreharbeiten für Nomadland über sechs Monate durch Nebraska, Nevada, Kalifornien und Arizona.

Synchronisation, verwendete Musik und Soundtrack