mini|Mosambikanischer Reisepass

Die mosambikanische Staatsangehörigkeit bestimmt die Zugehörigkeit einer Person zum Staatsverband Mosambiks mit den zugehörigen Rechten und Pflichten. Kolonialzeit Zwar gab es schon im 16. Jahrhundert portugiesische Handelsposten an der Küste, eine wirkliche Kolonialverwaltung im Inland entstand erst im 19. Jahrhundert. Die Stammesfürstentümer im Süden gelangten erst 1895/6 unter volle portugiesische Kontrolle. Das Gebiet des Kionga-Dreiecks heute Teil der Provinz Cabo Delgado wurde nach dem Ersten Weltkrieg vom ehemaligen Deutsch-Ostafrika abgetrennt.Offiziell als C-Mandat, schon 1920 voll nach Mosambik integriert. Staatsangehörigkeitsrechtlich ist das problemfrei, da alle vor dem Krieg in DOA wohnenden Deutschen deportiert worden waren.

Die volle portugiesische Staatsbürgerschaft hatten vor 1962 nur die ansässigen Weißen (não-indígenas). Eingeborene (indígenas) und Mischlinge (mestiços) konnten davor den gleichberechtigenden Status eines Assimilado erhalten, wenn sie über entsprechende Bildung verfügten und katholisch wurden.Einheitlich geregelt erstmals 1917. Durch das 1954 gegründete Estatuto do Indigenato detaillierter ausgearbeitet. Goaner und andere Inder, die nach der indischen Besetzung 1962 indische Staatsangehörigkeit annahmen wurden daraufhin ausgewiesen.

Nach der Nelkenrevolution entließ Portugal seine verbliebenen Kolonien schnell in die Unabhängigkeit. Beim Entwurf des zu diesem Zweck erlassenen Staatsbürgerschaftsgesetz:Decreto-Lei № 308/75, 24. Juni 1975; aufgehoben durch Lei № 113/88, 29 Dez. 1988. ging man fälschlicherweise davon aus, dass sämtliche Kolonialbewohner automatisch die neuen Staatsbürgerschaften erhalten würden, was nicht geschah, so dass tausende Nachfahren der zweiten und dritten Zuwanderergeneration staatenlos wurden. Ein klärendes Abkommen zwischen Mutterland und ehemaliger Kolonie wurde nicht geschlossen.Die Regierung hatte bis 1994 nur sehr bedingt Kontrolle im Inland, da die Kämpfer der faschistischen RENAMO Gebiete kontrollierten.Die Gruppierung wurde zuerst vom rhodesischen Regime des Ian Smith, dann dem Apartheid-Regime in Südafrika finanziert. Nach 1984 traten für seine Förderung die rechten US-Senatoren Jesse Helms und Bob Dole ein. Die Finanzierung wurde von Gerhard Wessel, Klaus Kinkel und besonders Eberhard Blum als BND-Chefs durch die BRD geschleust, die auch zahlreichen dieser Terroristen Unterschlupf gewährte.

Seit den liberalisierenden Reformen in Portugal ab 1994 ist der Erwerb der dortigen Staatsbürgerschaft für Personen aus den ehemaligen Kolonien vergleichsweise einfach, so dass immer weniger von diesen in der Ausländerstatistik erscheinen.

Wanderarbeiter Mosambik war seit Erschließung des Goldbergbaus in Witwatersrand im ausgehenden 19. Jahrhundert ein wichtiger Lieferant von Wanderarbeitern. Deren dort ggf. geborenen Kinder hätten gemäß den britischen ius soli-Regeln durchaus Anspruch auf den Status eines british subject haben können. Dem schob jedoch das Anwerbeabkommen von 1897engl. bekannt als Portugese East Africa Agreement oder Mozambique Convention. einen Riegel vor.Neben Vorgängerregeln der einzelnen Provinzen der Native Labour Regulation Act, № 15 of 1911 (Union) und Immigrants Regulation Act. 1913.Weiterführend: J. S. Harington u. a.; Migrant labour in the gold mines of South Africa. In: Journal of The South African Institute of Mining and Metallurgy. Mch. 2004, S. 65–71. Die Arbeiter erhielten nun Pässe. Geschaffen wurde in Johannesburg das Amt eines Beauftragten in Form eines abgeordneten portugiesischen Kolonialbeauftragten, der keine direkten Eingriffsrechte hatte, aber ähnlich wie ein Konsul arbeiten sollte.

Nach Inkrafttreten der neuen südafrikanischen Verfassung 1996 erging auch eine Amnestie für illegal im Lande lebende, woraufhin tausende Afrikaner nach Südafrika eingebürgert wurden.

Das mosambikanische Außenministerium plante 2009 ein Programm, um in Nachbarländern die Staatsangehörigkeit von potentiellen Mosambikanern zu klären, die mangels Dokumenten dort mit unklarem oder staatenlosem Status lebten. Man schätzte in Tansania, Malawi, Kenia und Simbabwe insgesamt 14.000 registrieren zu können.

Gut 21.000 Mosambikaner waren als Gastarbeiter in der DDR tätig (siehe Madgermanes). Diese wurden innerhalb kürzester Zeit 1990/1 aus dem Beitrittsgebiet ausgeschafft. Nur etwa 2000 blieben zurück.

Seit 1975 Ein Staatsangehörigkeitsgesetz erließ man 1975.Gesetz, beschlossen vom ZK der FRELIMO am 20. Juni 1975, in Kraft am 25. Juni Dazu ergingen AusführungsbestimmungenDecreto № 3/75 da 16 da Agosto da lei da nacionalidade. Geändert: Decreto № 5/88 Gesetzesänderungen erfolgten 1982 zum WiedererwerbLei № 2/82 de 6 de Abril de Reaquisição de Nacionalidade. 1987.Lei № 16/87. Nicht-offizielle engl. Übs. und im November 1990.

Den Führern der siegreichen FRELIMO,Von Portugal als legitime Vertreter des mosambikanischen Volkes anerkannt im Acordo de Lusaca, 7. Sept. 1974. die während des Guerillakampfes oft Jahre im Exil in Nachbarländern verbracht hatten, ging es zunächst darum, eine Abgrenzung von Dienern der Kolonialherren zu „guten“ Bürgern zu schaffen, was die Ausschlusskriterien hinsichtlich Mitgliedschaft in pro-portugiesischen Organisationen u. ä. erklärt. Das Volljährigkeitsalter in Staatsangehörigkeitssachen war von Anfang an 18, auch wenn im vorläufig weiter geltenden Zivilgesetzbuch von 1966 ansonsten von 21 Jahren ausgegangen wurde (bis 1990).

Als Mosambikaner zum Zeitpunkt der Unabhängigkeit definierte man alle Personen, die zum Zeitpunkt der Unabhängigkeit im Lande ihren Wohnsitz hatten (volljährige Ausländerkinder/-Mischlinge durften innerhalb 90 Tage dagegen optieren) im Lande geborene Personen, die einen mosambikanischen Elternteil hatten („doppeltes ius soli“) im Lande geborene Kinder Staatenloser und Findelkinder durch Erklärung innerhalb 90 Tagen nach Unabhängigkeit, sofern sie nicht in den kolonial-faschistischen Organisationen oder als Informanten bzw. Offizielle tätig gewesen waren: vom vorstehenden nicht erfasste Ausländer, die mindestens 20 Jahre im Lande gelebt haben vom vorstehenden nicht erfasste Ausländer jünger als 40 Jahre, die mindestens die Hälfte der Jahre ihres Lebensalters ihren Wohnsitz in Mosambik gehabt hatten seit 1987: alle im Ausland geborenen Kinder von FRELIMO-Kämpfern, selbst wenn sie vor der Unabhängigkeit zur Welt kamen

Nach der Unabhängigkeit im Lande Geborene wurden ab Geburt Mosambikaner (ius soli). Dazu alle im Ausland geborenen Kinder mosambikanischer Väter (seit 1987 auch Mütter) – mit gewissen Negativ-Optionsmöglichkeiten bei Mischehen.

Erwerb Die Zuständigkeit liegt beim Innenministerium.

Durch Heirat: eine nicht vorbestrafte Ausländerin, die einen Mosambikaner heiratete und ihren Wohnsitz im Lande nahm, konnte durch Erklärung Mosambikanerin werden, wenn sie ihre alte Staatsbürgerschaft aufgab.

Einheiratende Männer dürfen sich erst nach fünf Jahren als Staatsangehörige registrieren, außer sie sind staatenlos, dann geht es sofort.

Durch Erklärung Mosambikaner werden konnten seit 1987 ehemalige FRELIMO-Kämpfer, die eine andere Staatsbürgerschaft hatten und diese aufgaben.

Personen, deren Eltern die Optionsmöglichkeiten zur Unabhängigkeit oder Geburt nicht ausgeübt hatten, innerhalb eines Jahres nach Erreichen der Volljährigkeit.

Im Ausland geborene und lebende Kinder von Mosambikanern durch Erklärung des Erziehungsberechtigten oder bei Volljährigkeit, wenn sie eventuelle andere Staatsbürgerschaften aufgeben.

Einbürgerungsvoraussetzungen waren Volljährigkeit, fünf Jahre Hauptwohnsitz im Lande und guter Ruf (idoneidade civica), auch politisch, aber vor allem ohne Vorstrafen. Die Verfassung 1990 war deutlicher im Verlangen, frühere Staatsangehörigkeiten aufgeben zu müssen. Ein separates Gesetz regelte Einschränkungen, die Eingebürgerte hinsichtlich Positionen im Staatsdienst unterworfen sind. Durch den Antrag mit-eingebürgerte minderjährige Kinder haben ein Jahr nach Erreichen der Volljährigkeit die Möglichkeit einer Negativ-Option.

Wiedereinbürgerung auf Antrag, formalisiert durch Gesetz 1982, erforderte bis 1987 einen Ministerratsbeschluss, sie liegt seitdem im Ermessen nachgeordneter Dienststellen. Möglich ist sie für ehemalige Mosambikaner, die ihren Hauptwohnsitz wieder im Lande nehmen und guten Charakters, auch in ideologischer Hinsicht, sind.

Verdiensteinbürgerungen: Das Politbüro des ZK der FRELIMO durfte seit 1987 um die Revolution verdienten Persönlichkeiten die Staatsbürgerschaft ohne Vorbedingungen verleihen.

Doppelstaatlichkeit Doppelstaatlichkeit war im ursprünglichen Gesetz verboten, noch deutlicher gemacht wurde dies in der Verfassung 1990. Eine Ausnahme war vorgesehen für im Ausland Gebürtige, wenn diese durch Geburt eine zweite Staatsbürgerschaft erhielten. Sie hatten bei Erreichen der Volljährigkeit eine zu wählen.

In der stürmischen Zeit nach der Revolution erließ die FRELIMO ein Edikt, das von Doppelstaatlern verlangte, innerhalb 24 Stunden auf ihre zweite Staatsbürgerschaft zu verzichten, oder sofort mit nicht mehr als 20 Kilo Gepäck das Land zu verlassen.Unmittelbarer Anlass war, dass zahlreiche Doppelstaatler ihre zweite Staatsbürgerschaft dazu nutzten Devisen aus dem Land zu senden, was Mosambikanern nur bedingt möglich war.

Die Verfassung von 2004 verbietet Doppelstaatlichkeit nicht mehr generell. Jedoch bleibt die Nutzung damit verbundener Rechte im Inland ausdrücklich ausgeschlossen.

Verlust Automatisch bis 2004: bei Annahme einer fremden Staatsangehörigkeit, seitdem durch Aufgabeerklärung nach Annahme einer anderen Staatsbürgerschaft bei ungenehmigtem Eintritt in einen ausländischen Staatsdienst

Frauen, die einen Ausländer heirateten, durch entsprechende Erklärung. Seit 1987 ist ihnen die Wiederannahme durch Erklärung erlaubt.

Entzug wegen „Unwürdigkeit“ (d. h. politischen Gründen), erfolgte bis 2004 durch Ministerratsbeschluss für Staatsbürger, die gegen die Interessen des Landes handelten. In der Verwaltungsanweisung von 1975 vorgesehen ist aber auch ein Verfahren, das den Entzug aus anderen Gründen erlaubte. Durchgeführt wurde es vom Zentralregister, Betroffenen konnten sich innerhalb sechzig Tagen äußern, die Entscheidung fällte der Minister. Die Verfassung 1990 fasste die Gründe enger: dem Lande musste geschadet worden sein.

Verfassung 2004 Vergleichsweise detaillierte Regeln zur Staatsbürgerschaft sind in den §§ 5, 23-34 und 292 der Verfassung von 2004 enthalten.In Kraft 25. Jan. 2005. Portugiesische Texte der Verfassungen seit 1990 (die erstmals Staatsangehörigkeitsfragen im Text behandelte). Die Verfassungsänderung 2018 (Lei № 1/2018) brachte keine Änderung der Staatsangehörigkeitsregeln. Die Definitionen, wer seit der Unabhängigkeit oder durch Geburt Staatsangehöriger ist, wurden kaum verändert. Neu ist der Erwerbsgrund durch Adoption. Automatischer Verlust (nicht Verzicht durch Erklärung) und Entzug fielen weg.

Die Verfassung brachte aber u. a. auch die volle Gleichberechtigung von Mann und Frau, die im Staatsangehörigkeitsrecht ansatzweise schon seit 1987 bestand. Frauen, die Ausländer heiraten, können ihre Staatsangehörigkeit allein dadurch nicht mehr verlieren. Vorgesehen ist auch, dass Frauen, die aufgrund der abgeschafften Regel ihre Staatsbürgerschaft verloren hatten, diese durch Antrag beim Amt rückwirkend wieder erhalten können. Für Ehepartner beider GeschlechterDie Schwulenehe ist nicht vorgesehen, Homosexualität wurde seit 1975 nicht mehr verfolgt, aber erst Mitte 2015 entkriminalisiert. gilt nun eine fünfjährige Wartefrist und das Erfordernis „guten Charakters“, bevor sie Mosambikaner werden können.