mini|Jakob Wiedmer (1907) Jakob Wiedmer-Stern (* 10. August 1876 in Bern; † 3. August 1928 ebenda) war ein Schweizer Archäologe, Erfinder und Schriftsteller.

Leben mini|Das Ehepaar Jakob und Maria Wiedmer-Stern mit Tochter Maria Regina und den Eltern Wiedmer im Hof des Bernischen Historischen Museums, aufgenommen wohl aus Anlass von Jakob Wiedmers Wahl zum Museumsdirektor im Juni 1907 Jakob Friedrich Wiedmer war das einzige Kind von Jakob Wiedmer (1844–1923) aus Sumiswald und Elisabeth Wiedmer-Brügger (1843–1936) von Frutigen. Die Familie führte eine Zuckerbäckerei in Herzogenbuchsee. Jakob Wiedmer fiel durch seine hohe Intelligenz auf, doch sein Vater verwehrte ihm das Studium. Nach Beendigung seiner Ausbildung zum kaufmännischen Angestellten zog er nach Athen, wo er rasch Kontakte zu Antiquitätensammlern und zu Archäologen des griechischen Nationalmuseums knüpfte. Diese Kontakte führten um die Jahrhundertwende zu verschiedenen Tauschgeschäften zwischen dem griechischen Nationalmuseum und dem Museum aus Bern.

Am 29. Januar 1904 vermählte sich Jakob Wiedmer mit Maria Stern (1866–1957), die ein Hotel in Wengen besass. Nach der Hochzeit zog das Ehepaar nach Wengen, wo Jakob Wiedmer-Stern kurzzeitig dem Beruf eines Hoteliers nachging. Sein 1905 erschienener Roman «Die Flut», worin er sich kritisch mit den wirtschaftlichen und menschlichen Auswirkungen des Bergtourismus auseinandersetzte, trug ihm den Hass einiger Kurorte des Berner Oberlands ein, so dass er in der Folge die Gegend fluchtartig verliess.

Am 1. Oktober 1905 trat er das Amt des Konservators der Archäologischen Abteilung des 1894 gegründeten Bernischen Historischen Museum an und wurde gleichzeitig Vizedirektor des Museums. Vom 1. Oktober 1907 bis zum 31. März 1910 war er Direktor des Museums. 1908 wurde er zum Präsidenten der Schweizerischen Gesellschaft für Urgeschichte gewählt. Als Folge einer Amtspflichtverletzung – er verlängerte seine Ferien in Istanbul, ohne Bescheid zu geben – und aufgrund interner Personalquerelen trat er am 31. März 1910 von seinem Amt als Direktor des Museums zurück.

Nach der Tätigkeit im Bernischen Historischen Museum versuchte sich Jakob Wiedmer-Stern glücklos in Handelsgeschäften. Eine Krankheit fesselte ihn an den Rollstuhl. Er versuchte sich in chemischen Experimenten, technischen Erfindungen, gestaltete geistreiche Inserate- und Plakatentwürfe und schrieb Kurzgeschichten für die Tageszeitungen Der Bund, die Neue Berner Zeitung und die Basler Nachrichten.

Sein Wohnzimmer wurde zum Treffpunkt für Vertreter des Presseamtes des griechischen Aussenministeriums und 1926 gehörte Jakob Wiedmer-Stern zu den Mitbegründern von «Hellas, Schweizerische Vereinigung der Freunde Griechenlands», eine Gruppierung, die den Wiederaufbau Griechenlands nach den Zerstörungen des Ersten Weltkriegs und des Griechisch-Türkischen Kriegs unterstützte.

Im Alter von 51 Jahren starb Jakob Wiedmer-Stern am 3. August 1928 im Diakonissenheim Villa Favorite in Bern. Die Trauerfeier fand in der Kapelle des Burgerspitals in Bern statt.Felix Müller: Rastlos: Das erstaunliche Leben des Archäologen und Erfinders Jakob Wiedmer-Stern (1876–1928). Chronos Verlag, Zürich 2020, S. 198.

Aufenthalt in Athen 1898 reiste Jakob Wiedmer über den Gotthard nach Mailand und weiter nach Triest. Dort schiffte er sich ein und gelangte nach Patras. Weiter ging es mit dem Zug dem Golf von Korinth entlang nach Athen. Über seinen Aufenthalt in der Hauptstadt Griechenlands schrieb er mehr als 25 Jahre später die Erzählung Griechische Erinnerungen eines Veteranen.Felix Müller: Rastlos: Das erstaunliche Leben des Archäologen und Erfinders Jakob Wiedmer-Stern (1876–1928). Chronos Verlag, Zürich 2020, S. 38–39.

Mit seiner «charismatischen Erscheinung»Felix Müller: Rastlos: Das erstaunliche Leben des Archäologen und Erfinders Jakob Wiedmer-Stern (1876–1928). Chronos Verlag, Zürich 2020, S. 39. gelangte Jakob Wiedmer rasch zu einem Bekanntenkreis in Athen. Er lernte die neugriechische Sprache, indem er mehrere Nachbarn und seine Hauswirtin zu sich einlud und sich so in griechischer Konversation übte, bevor er sich dem Altgriechischem zuwandte.Felix Müller: Rastlos: Das erstaunliche Leben des Archäologen und Erfinders Jakob Wiedmer-Stern (1876–1928). Chronos Verlag, Zürich 2020, S. 45–46.

Es wird angenommen, dass Jakob Wiedmer in Athen im Exportgeschäft tätig warFelix Müller: Rastlos: Das erstaunliche Leben des Archäologen und Erfinders Jakob Wiedmer-Stern (1876–1928). Chronos Verlag, Zürich 2020, S. 47. und über diesen Weg auch Antiquitäten in die Schweiz schmuggelte.Felix Müller: Rastlos: Das erstaunliche Leben des Archäologen und Erfinders Jakob Wiedmer-Stern (1876–1928). Chronos Verlag, Zürich 2020, S. 48. 1899 und 1900 erhielt das Bernische Historische Museum verschiedene Schenkungen von ihm, u. a. das Fragment einer schwarzfigurigen Amphora aus dem 5. Jahrhundert v. Chr.Felix Müller: Rastlos: Das erstaunliche Leben des Archäologen und Erfinders Jakob Wiedmer-Stern (1876–1928). Chronos Verlag, Zürich 2020, S. 50. und 15 Keramikscherben von Troja aus der mittleren und späten Bronzezeit und aus hellenistischer Zeit. Zusätzlich wurden dem Museum in Bern und der Archäologischen Sammlung des Instituts für Archäologie der Universität Zürich tausende von Gipsabdrücken übergeben, die Jakob Wiedmer nächtelang auf seinem Zimmer in Athen angefertigt hatte.Felix Müller: Rastlos: Das erstaunliche Leben des Archäologen und Erfinders Jakob Wiedmer-Stern (1876–1928). Chronos Verlag, Zürich 2020, S. 52. Über 20 Jahre später, 1924, schenkte er dem Archäologischen Institut in Zürich 770 Münzabgüsse und dem Bernischen Historischen Museum 280 originale Münzen, deren Beschaffung wohl hauptsächlich aus dieser Zeit stammte.Felix Müller: Rastlos: Das erstaunliche Leben des Archäologen und Erfinders Jakob Wiedmer-Stern (1876–1928). Chronos Verlag, Zürich 2020, S. 175 und 179.

Zwischen 1899 und 1902 kamen gegen 200 Antiken vom Archäologisches Nationalmuseum Athen in den Besitz des Bernischen Historischen Museums im Austausch gegen Pfahlbaufunde, was damals ein üblicher Vorgang war. Bei den Antiken aus Athen handelte es sich um Tonstatuetten und Gefässkeramiken aus dem griechischen Raum von der Jungsteinzeit des 6. Jahrtausends v. Chr. bis ins 5. Jahrhundert v. Chr. Das Zustandekommen dieses Tauschhandels wird heute Jakob Wiedmer zugesprochen.Felix Müller: Rastlos: Das erstaunliche Leben des Archäologen und Erfinders Jakob Wiedmer-Stern (1876–1928). Chronos Verlag, Zürich 2020, S. 52.

Im Jahr 1901 beendete Jakob Wiedmer seinen Aufenthalt in Athen und kehrte nach Bern zurück.Felix Müller: Rastlos: Das erstaunliche Leben des Archäologen und Erfinders Jakob Wiedmer-Stern (1876–1928). Chronos Verlag, Zürich 2020, S. 56.

Über 20 Jahre später, nachdem Griechenland den Krieg gegen das Osmanische Reich verloren hatte und Jakob Wiedmer bereits im Rollstuhl sass, hatte er eine Anstellung bei der griechischen Botschaft in Bern. Mit seinen Kontakten und Sprachkenntnissen öffnete er diplomatische Kanäle zwischen Griechenland und der Schweiz und setzte sich aktiv für die Unterstützung des kriegsgebeutelten Landes ein. Griechenland bedankte sich mit einem grosszügigen Geschenk an die Schweiz, indem es 16 Grossabgüsse von Statuen aus dem 6. bis 4. Jahrhundert v. Chr., 115 Keramikfragmente, ganze Gefässe aus Ton und Votivfigürchen an das Institut für Archäologie der Universität Zürich verschenkte.Felix Müller: Rastlos: Das erstaunliche Leben des Archäologen und Erfinders Jakob Wiedmer-Stern (1876–1928). Chronos Verlag, Zürich 2020, S. 177–178.

Der Archäologe Beinahe zwei Jahrzehnte seines Lebens widmete Jakob Wiedmer-Stern der Archäologie, wenn man die Ausgrabungen in seiner Jugendzeit nicht dazu rechnet.Hinweis auf Ausgrabungen in seiner Jugendzeit, siehe Während dieser Zeit spannte er mit seinem Kommunikationstalent ein weites Beziehungsnetz mit Personen aus Wissenschaft und Publizistik, wie zum Beispiel Theophil Studer, Jakob Heierli, Eugen Tatarinoff und Joseph Victor Widmann.Felix Müller: Rastlos: Das erstaunliche Leben des Archäologen und Erfinders Jakob Wiedmer-Stern (1876–1928). Chronos Verlag, Zürich 2020, S. 35–36, 58–59, 79. 1901 wurde er Mitglied des Historischen Vereins des Kantons Bern und 1907 gehörte er zu den Gründern der Schweizerischen Gesellschaft für Urgeschichte.Felix Müller: Rastlos: Das erstaunliche Leben des Archäologen und Erfinders Jakob Wiedmer-Stern (1876–1928). Chronos Verlag, Zürich 2020, S. 57, 113 und 122.

Die Dokumentationen seiner Ausgrabungen sind ein Beweis für seine schriftstellerischen Fähigkeiten. 1903 veröffentlichte er einen archäologischen Bericht über Ausgrabungen im Oberaargau, die er 1891 begonnen hatte. Die Abhandlung wurde im Archiv des Historischen Vereins des Kantons Bern abgedruckt und umfasste 272 Seiten mit Berichten, Plänen, Skizzen und Aquarellen aus der Feder Jakob Wiedmer-Sterns. Für einen Archäologen seiner Zeit sind die nach Epochen geordneten Verbreitungskarten bemerkenswert.Felix Müller: Rastlos: Das erstaunliche Leben des Archäologen und Erfinders Jakob Wiedmer-Stern (1876–1928). Chronos Verlag, Zürich 2020, S. 76–78.

Anfang des 20. Jahrhunderts war die Archäologie in der Schweiz eine junge Wissenschaft. Am Burgäschisee 1902 war Jakob Wiedmer der einzige Teilnehmer mit Grabungserfahrung.Felix Müller: Rastlos: Das erstaunliche Leben des Archäologen und Erfinders Jakob Wiedmer-Stern (1876–1928). Chronos Verlag, Zürich 2020, S. 59. Eine unsystematische und schlecht dokumentierte Ausgrabung konnte Funde und Daten für die Wissenschaft wertlos machen wie im Fall der Grabung auf der Engehalbinsel 1908.Felix Müller: Rastlos: Das erstaunliche Leben des Archäologen und Erfinders Jakob Wiedmer-Stern (1876–1928). Chronos Verlag, Zürich 2020, S. 120–121. Die von Jakob Wiedmer-Stern erstellte Dokumentation der Grabung des keltischen Gräberfelds in Münsingen 1906 war dagegen vorbildlich und pionierhaft. Paul Reinecke soll Jakob Wiedmer-Stern 1908 geschrieben haben, dass der Gräberfund in Münsingen der wissenschaftlich wertvollste Fund dieser Art sei, den man gegenwärtig habe. Frank Roy Hodson, damals Lecturer, ab 1973 Professor am, University College London, bearbeitete 1968 Funde und Befunde mit kombinationsstatistischen, horizontalstratigrafischen und typologischen Methoden neu und konnte die Ergebnisse von Jakob Wiedmer-Stern bestätigen. Felix Müller sagt dazu: «Das Resultat ist die auf zwei Wegen gewonnene, doppelte Bestätigung einer archäologischen Hypothese, wie sie meines Wissens bei keinem andern Gräberfeld in dem Masse abgesichert werden konnte.»Felix Müller: Rastlos: Das erstaunliche Leben des Archäologen und Erfinders Jakob Wiedmer-Stern (1876–1928). Chronos Verlag, Zürich 2020, S. 117–118.