Das Küsten-Blauglöckchen (Mertensia maritima), auch Austernpflanze oder Austernblatt genannt, ist eine Art der Pflanzengattung der Blauglöckchen (Mertensia) innerhalb der Familie der Raublattgewächse (Boraginaceae).
Beschreibung mini|Blütenstand mini|Küsten-Blauglöckchen am Standort im Mingan-Archipelago-Nationalpark in Kanada
Vegetative Merkmale Das Küsten-Blauglöckchen ist eine ausdauernde krautige Pflanze und erreicht Wuchshöhen von 5 bis 30 Zentimetern. Die oberirdischen Pflanzenteile sind blau-grün und kahl. Die bis zu 60 Zentimeter langen Stängel sind beblättert, aufrecht oder meist niederliegend und manchmal Kissen bildend.
Bei den leicht fleischigen Laubblättern sind die unteren gestielt, die oberen sitzend. Die kahlen und ganzrandigen Blattspreiten sind bei einer Länge von 0,5 bis 6 Zentimetern spatelförmig, eiförmig oder elliptisch mit gerundeten bis spitzen oberen Enden. Die Blattoberseite ist mit Salzdrüsen punktiert.
Generative Merkmale Die Blütezeit reicht von Juni bis Juli. Die endständigen Blütenstände sind oft verzweigt und schirmtraubig, mit blattähnlichen Tragblättern. Die Blütenstiele sind 2 bis 10 Millimeter lang, zur Fruchtreife oft zurückgebogen.
Die zwittrigen Blüten sind radiärsymmetrisch und fünfzählig mit doppelter Blütenhülle. Die spitzen Kelchzipfel sind bei einer Länge von etwa 6 Millimetern eiförmig. Die längere, im unteren Teil verengte Blütenkrone, innen ohne Anhängsel aber mit Einstülpungen im Schlund, misst etwa 6 Millimeter im Durchmesser, sie ist rosafarben, wird später blau und rosafarben. Die glockenförmige Krone ist im oberen Teil in kurze, leicht ausgebogene Zipfel geteilt. Die fünf kurzen Staubblätter überragen die Blütenkrone meist nicht und stehen meist an ihrem oberen Ende zusammen. Der Fruchtknoten ist oberständig. Der Griffel überragt die Blütenkrone meist nicht.
Die Klausenfrüchte befinden sich in/mit einer leicht aufgeblasenen, zur Reife papierigen, etwa eiförmigen Hülle im beständigen Kelch gebildet.
Die Chromosomenzahl beträgt 2n = 24.
Vorkommen Die Küsten-Blauglöckchen ist auf der Nordhalbkugel in Nordeuropa bis Grönland, in Osteuropa und von Sibirien, Korea, Japan über Russlands Fernem Osten bis Alaska, Kanada und den US-Bundesstaaten Maine, Massachusetts sowie New Hampshire weitverbreitet.
Die Küsten-Blauglöckchen gedeiht an den sandigen Küsten Nordeuropas, südwärts im Vereinigten Königreich, Irland bis 54 Grad nördlicher Breite (früher bis 52 Grad 30’), fehlt aber in der baltischen Region.
mini|Mertensia maritima subsp. asiatica mini|Illustration aus English botany, or, Coloured figures of British plants, 1863 Systematik Die Erstveröffentlichung erfolgte 1753 unter dem Namen (Basionym) Pulmonaria maritima durch Carl von Linné in Species Plantarum, Tomus I, Seite 136. Die Neukombinination zu Mertensia maritima wurde 1821 durch Samuel Frederick Gray in Natural Arrangement of British Plants, According to Their Relation to Each Other,... Band 2, Seite 354 veröffentlicht. Ein weiteres Synonym für Mertensia maritima ist Steenhammera maritima
Je nach Autor gibt es drei oder vier Unterarten: Mertensia maritima subsp. asiatica Mertensia maritima subsp. czukotica (Syn.: Mertensia czukotica ): Sie wurde 2011 aus dem östlichen Sibirien bis nördlichen russischen Fernen Osten erstbeschrieben. Sie hat aber seit 2023 den Rang einer Art Mertensia czukotica Mertensia maritima subsp. maritima: Sie kommt im gesamten Gebiet der Art vor. Mertensia maritima subsp. tenella
Nutzung Die Laubblätter werden roh oder gegart gegessen. Sie haben die textur von Austern, daher vermutlich der Name Austernblatt, aber gar keinen Geschmack nach Fisch oder Austern.
Einzelnachweise J. W. Franks: Mertensia Roth. In: Thomas Gaskell Tutin et al.: Flora Europaea, Band 3, Cambridge University Press 1972, ISBN 0-521-08489-X, S. 109 f, . Benito Valdés, 2011: Boraginaceae.: Datenblatt Mertensia maritima In: Euro+Med Plantbase - the information resource for Euro-Mediterranean plant diversity.
Weblinks
S. G. Aiken, M. J.Dallwitz, L. L. Consaul, C. L. McJannet, R. L. Boles, G. W. Argus, J. M. Gillett, P. J. Scott, R. Elven, M. C. LeBlanc, L. J. Gillespie, A. K. Brysting, H. Solstad, J. G. Harris, 2007: Datenblatt Mertensia maritima (L.) Gray var. tenella Th. Fr. bei Flora of the Canadian Arctic Archipelago: Descriptions, Illustrations, Identification, and Information Retrieval. NRC Research Press, National Research Council of Canada, Ottawa. Datenblatt Mertensia maritima (L.) Gray ssp. tenella (Th.Fr.) Elven & Skarpaas bei SVALBARDFLORA, 2020.
Kategorie:Raublattgewächse Kategorie:Blattgemüse