mini|Victor Fleischer, um 1917 Victor Fleischer (* 12. September 1882 in Komotau, Österreich-Ungarn; † 1. Januar 1951 in London) war ein böhmisch-österreichisch-deutscher Kunsthistoriker, Schriftsteller und Verleger.

Leben Victor Fleischer war nach Max Fleischer (1880–1941)Vgl. Felix Czeike: Historisches Lexikon Wien. Bd. 2. Kremayr & Scheriau, Wien 1993, S. 325. der zweite Sohn des in Komotau wohnhaften jüdischen Arztes (»Sanitätskonsulent der Österreichischen Staatsbahnen«) Eduard Fleischer (1848–1914) und seiner Ehefrau Therese, geb. Kohn.Vgl. Renate Heuer (Hrsg.): Lexikon deutsch-jüdischer Autoren. Bd. 7. Walter de Gruyter, München 1999, S. 182–187. Fleischer studierte Philosophie in Leipzig sowie zeitgleich am dortigen Konservatorium MusikHochschule für Musik und Theater Felix Mendelssohn Bartholdy Leipzig, Archiv, A, I.1, 8288 (Studienunterlagen) (1901–1902). In München widmet er sich der Kunstgeschichte und ab dem 3. Semester setzte er sein Studium in Wien fort (u. a. bei Franz Wickhoff, Alois Riegl, Max Dvořák und Emil Reisch), im Juli 1905 erfolgte an der Universität Wien seine Promotion zum Dr. phil. mit einer Arbeit über die Hofmaler Kaiser Leopolds I.Die frühen biografischen Informationen sowie das Thema und der Zeitpunkt seiner Dissertation sind seinem Rigorsenakt entnommen. Dieser befindet sich im Archiv der Universität Wien (PH RA 1933, Fleischer, Viktor). Anschließend trat er in Wien als Archivar in die Dienste des Fürstenhauses von und zu Liechtenstein. Seit seinen Studientagen verband ihn eine Freundschaft mit Stefan Zweig und Alberto Stringa, ferner mit Felix Braun und Hugo Salus.Vgl. Heuer 1999, S. 182. Ab 1910 pendelte er aufgrund seiner verschiedenen editorischen Beschäftigungen zwischen Wien und Berlin hin und her. 1918 heiratete er die Schauspielerin und Regisseurin Leontine Sagan (1889–1974). 1920 wurde er mit dem Bauernfeld-Preis der österreichischen Regierung ausgezeichnet.Vgl. Die Literatur - Monatsschrift für Literaturfreunde, Bd. 22, 1920, S. 1198. Im gleichen Jahr gründete er in Frankfurt am Main die Frankfurter Verlags-Anstalt, die er bis 1926 leitete. Daraufhin übernahm er die Redaktionsleitung des Verlags Heinrich Keller.Fleischer berichtet dies in einem Brief an seinen ehemaligen Universitätskollegen Fritz Saxl. Brief vom 13. Februar 1929, Warburg Institute, WIA GC/22977. 1932 emigrierte er nach London, wo er, nach deren Übersiedlung aus Hamburg 1933, für zwei Jahre an der Kulturwissenschaftlichen Bibliothek Warburg (heute Warburg Institute) aktiv war. Die letzten Jahre seines Lebens verbrachte Fleischer in Südafrika, wohin er 1948 seiner Ehefrau nachgefolgt war.

Veröffentlichungen (Auswahl)

Erzählungen und Novellen

Das Steinmetzendorf. Erzählung. Meyer & Jessen, Berlin

Romane

Bühnenwerke Kollega Eisenhart. Komödie. Grunow, Leipzig 1916 (Digitalisat im Internet Archive)

Monographien Druckfassung: Johannes Antonius van der Baren. In: Kunstgeschichtliches Jahrbuch der K.K. Zentral-Kommission für Erforschung und Erhaltung der Kunst- und Historischen Denkmale. Beiblatt zum Band 2, 1908, S. 61–94 (Digitalisat).

Aufsätze E. M. Lilien. In: Westermanns Monatshefte, Bd. 104, Heft 620 (Mai 1908), S. 211–219 (Digitalisat im Internet Archive) Alois Riegl. Das Werk eines Wiener Gelehrten. In: Erdgeist. Illustrierte Wochenschrift, 3. Jg. (1908), S. 664 ff. Alberto Stringa. Maler. In: Erdgeist. Illustrierte Wochenschrift, 4. Jg. (1909), S. 209 f. Max Švabinsky. In: Die Kunst für alle, Nr. 30 (1914/15), S. 433–440 (Digitalisat bei „Heidelberger historische Bestände – digital“ der Universität Heidelberg) Der Teufel als Dramatiker. In: Henry Clay Smith (Hrsg.): Zehn Jahre Neues Theater zu Frankfurt a. M. Voigt & Gleiber, Frankfurt/M. 1921, S. 36 f.

Literatur

Hans Oskar Simon: ''Victor Fleischer - A Tribute. '' In: ''Common Sense'', 12/1950, S. 531–532. Fleischer, Victor. In: Ernst Fischer: Verleger, Buchhändler & Antiquare aus Deutschland und Österreich in der Emigration nach 1933: Ein biographisches Handbuch. Verband Deutscher Antiquare, Elbingen 2011, S. 76. Michael Eckardt: „Er stammte aus Komotau in Böhmen.“ Eine biografische Wiedergutmachung für Victor Fleischer. In: Sudetenland 2022, 64. Jahrg., Heft 3/4, S. 83–85.

Weblinks

Einzelnachweise

Kategorie:Kunsthistoriker Kategorie:Autor Kategorie:Roman, Epik Kategorie:Novelle Kategorie:Drama Kategorie:Literatur (Deutsch) Kategorie:Verleger (Deutschland) Kategorie:Bauernfeld-Preisträger Kategorie:Emigrant aus dem Deutschen Reich zur Zeit des Nationalsozialismus Kategorie:Emigrant aus Österreich-Ungarn im Vereinigten Königreich Kategorie:Person (Cisleithanien) Kategorie:Absolvent der Universität Wien Kategorie:Österreicher Kategorie:Geboren 1882 Kategorie:Gestorben 1951 Kategorie:Mann