Wejherowo (deutsch Neustadt in Westpreußen, zuvor Weyersfrey; kaschubisch Wejrowò) ist eine Stadt im Powiat Wejherowski der polnischen Woiwodschaft Pommern.

Der Powiat und die Landgemeinde Wejherowo, zu der die Stadt selbst nicht zählt, haben ihren Verwaltungssitz in der Stadt Wejherowo.

Geographische Lage Die Stadt liegt in der historischen Landschaft Pommerellen (Westpreußen), im breiten Urstromtal der Reda, westlich der Danziger Bucht, auf einer Höhe von 30 m über der Ostsee, etwa zwanzig Kilometer nordwestlich der Hafenstadt Gdynia.

Der nächste Flughafen befindet sich in 40 Kilometern Entfernung in Danzig. mini|Stadtgebiet aus der Vogelperspektive

Geschichte mini|links|130px|Wappen von Neustadt in Westpreußen im Plenarsaal des altstädtischen Rathauses in Danzig mini|160px|Rathaus, erbaut 1729 mini|160px|Jakob von Weiher – Gründer der Stadt

In der Umgebung der Stadt sind wichtige archäologische Funde gemacht worden, darunter ein prähistorisches Gräberfeld und ein Steinkistengrab mit einer Gesichtsurne sowie Schmuck aus der Bronzezeit.Abraham Lissauer: Die prähistorischen Denkmäler der Provinz Westpreussen und der angrenzenden Gebiete. W. Engelmann, Leipzig 1887, S. 111, Nr. 127 (Google Books).

Von 1308 bis 1466 gehörte die Landschaft zum Deutschordensland Preußen und kam dann bei der Zweiteilung Preußens zum westlichen Teil, später auch als autonomes Polnisch-Preußen bekannt, das sich freiwillig unter den Schutz der polnischen Krone begeben hatte.

Durch sein Dekret vom 16. März 1569 auf dem Lubliner Sejm kündigte König Sigismund II. August die Autonomie Westpreußens jedoch unter Androhung herber Strafen einseitig auf, weshalb die Oberhoheit des polnischen Königs in diesem Teil des ehemaligen Gebiets des Deutschen Ordens von 1569 bis 1772 als Fremdherrschaft empfunden wurde.Hans Prutz: Geschichte des Kreises Neustadt in Westpreußen. Danzig 1872, S. 104.

1576 kam die Siedlung Schmechau, nahe der späteren Stadt, unter die Herrschaft des Putziger Starosten Ernst von Weiher (aus der seit 1234 bekannten adligen Familie von Weiher).

Am 28. Mai 1643 gründete der Woiwode der Marienburg Jakob von Weiher die nach ihm benannte Siedlung Weyersfrey, Weihersfrei nahe dem Dorf Schmechau und errichtete im selben Jahr die Kirche zur Heiligen Dreifaltigkeit. Während der Belagerung von Smolensk 1633/34 hatte Jakob v. Weiher gelobt, zwei Kirchen zu errichten, wenn er die Belagerung überleben sollte. Die zweite Kirche war die Kirche der Heiligen Anna, die 1648 bis 1651 erbaut wurde. Zudem ließ Weiher einen Kreuzweg und Kalvarienberg mit 19 Kapellen errichten, deren Zahl sich später auf 26 erhöhte. In diesen Jahren kamen hierher auch Franziskaner (OFM). Weihersfrei wurde zu einem bekannten Wallfahrtsort.G. R. Jaquet: Skizzen aus Ost- und Westpreußen. In: Erheiterungen. Eine Hausbibliothek zur Unterhaltung und Belehrung für alle Stände. Band 36, Stuttgart 1864, S. 332–337, insbesondere S. 336–337.

Am 13. Januar 1650 erhielt die Stadt von Johann II. Kasimir das Stadtrecht nach preußischem Kulmer Recht. Sie war damit die einzige von einer Privatperson gegründete Stadt in Pommerellen, abgesehen von Topolno, das sein Stadtrecht bald wieder verlor. Im selben Jahr wurde das Rathaus errichtet, welches aber später mehrfach zerstört wurde. Ende des 17. Jahrhunderts war die Stadt Eigentum der Reichsfürsten-Familie Radziwill und nachfolgend der Sobieskis, unter ihnen auch König Johann III. Sobieski. Später wurde der Graf Przebendowski Eigentümer und nachfolgend der englische Konsul in Danzig, Alexander Gibson.

Im Jahr 1701 fanden in Neustadt Hexenprozesse statt.Hans Prutz: Geschichte des Kreises Neustadt in Westpreußen. Danzig 1872, S. 151–154.

1723 wird der nach dem Gründer benannte Ort Weihersfrei, früher auch WeyersfreyScriptorum Prutenicorum, David Braun 1723 im Scriptorum Prutenicorum des preußischen Historikers David Braun aufgeführt.

Durch die erste polnische Teilung von 1772 kam das westliche Preußen mit dem Gebiet um Putzig und Neustadt unter Friedrich II. von Preußen zum Königreich Preußen. Im Jahr 1785 wird Neustadt oder Weyersfrey, polnisch Weyherowo oder Nusdz, als ein adliges Mediat-Städtchen mit einer katholischen Filialkirche von Gohra, einem Franziskaner-Reformaten-Kloster an der Rheda und Bialla und mit einer herrschaftlichen Mahl-, Walk- und Schneidemühle bezeichnet, das 130 Feuerstellen (Haushaltungen) aufweist.Johann Friedrich Goldbeck: Volständige Topographie des Königreichs Preußen. Teil I, Königsberg/Leipzig 1785, Volständige Topographie vom West-Preußischen Cammer-Departement, S. 149.

1790 verkaufte der Konsul die Stadt an die Familie Keyserling. An der Schule der Stadt erteilten im Jahr 1816 drei Lehrer Unterricht.

1818 wurde Neustadt Sitz eines eigenen preußischen Landkreises Neustadt (Westpr.). Während dieser Zeit stieg der Anteil der deutschsprachigen Einwohner auf fast 50 % an (bei der preußischen Volkszählung von 1905 gaben 27.358 Bewohner Kaschubisch und 27.048 Deutsch als Muttersprache an). 1870 wurde die Stadt an das Eisenbahnnetz angeschlossen und erhielt eine direkte Verbindung nach Danzig und Stettin.

Nachdem die von Franziskaner-Gegenreformaten 1651 zu Neustadt gegründete Klosterschule 1826 eingegangen war, wurde 1857 in der Stadt ein Progymnasium eröffnet, das 1861 zu einem vollständigen Gymnasium erweitert wurde.L. Wiese: Das höhere Schulwesen in Preußen. Historisch-statistische Darstellung. Berlin 1864, S. 70–71 In der Stadt gab es am Anfang des 20. Jahrhunderts eine evangelische Kirche, zwei katholische Kirchen, eine Synagoge, ein evangelisches Schullehrerseminar, eine Präparandenanstalt, eine Oberförsterei und ein Amtsgericht.Meyers Großes Konversations-Lexikon. 6. Auflage, Band 14, Leipzig und Wien 1908, S. 578–580, Ziffer 21.

Bis 1920 gehörte Neustadt zum Kreis Neustadt im Regierungsbezirk Danzig der Provinz Westpreußen des Deutschen Reichs.

Nach dem Ende des Ersten Weltkrieges wurde der Kreis Neustadt, wie der größere Teil Westpreußens, aufgrund der Bestimmungen des Versailler Vertrags 1920 zum Zweck der Einrichtung des Polnischen Korridors an Polen abgegeben, ohne Volksabstimmung und mit Wirkung vom 20. Januar 1920. Neustadt erhielt den polnischen Namen Wejherowo. 1921 erschien dort die Zeitung „Gazeta Kaszubska“ (Kaschubische Zeitung).

Nach dem Überfall auf Polen 1939 wurde das Gebiet des Polnischen Korridors völkerrechtswidrig vom Deutschen Reich annektiert, und am 26. Oktober 1939 wurde die bisher polnische Stadt Wejherowo vorläufig wieder in Neustadt umbenannt.Stadt Neustadt (Westpr.) (Territorial.de) Am 21. Mai 1941 erfolgte die erneute Umbenennung in „Neustadt (Westpr.)“. Das Kreisgebiet mit der Stadt wurde in den Reichsgau Danzig-Westpreußen eingegliedert, zu dem Neustadt bis 1945 gehörte.

Noch vor dem 27. September 1939 wurden in Neustadt die Psychiatriepatienten der Provinzial-Irrenanstalt durch die deutschen Besatzer ermordet. Anschließend wurde in der betroffenen Klinik ein deutsches Lazarett eingerichtet.Ute Gerlant: pdf, S. 4, abgerufen am 10. Oktober 2015.

In der Stadt waren ab 1940 mehrere Ersatztruppenteile der Wehrmacht untergebracht. Während der Zeit der Eingliederung der Stadt in den Reichsgau Danzig-Westpreußen war die polnische Untergrundorganisation Gryf Pomorski in der Gegend aktiv.

Gegen Ende des Zweiten Weltkriegs besetzte am 12. März 1945 die Rote Armee die Stadt, die damit wieder Teil Polens wurde. Die deutsche Minderheit wurde in der darauf folgenden Zeit größtenteils vertrieben.

Bei einer Verwaltungsreform 1975 verlor die Stadt den Sitz des Powiats, erhielt ihn aber bei einer erneuten Reform 1999 wieder.

Demographie + Bevölkerungsentwicklung bis 1945 Jahr Einwohnerzahl Anmerkungen 1776 789 in 129 WohnhäusernHans Prutz: Geschichte des Kreises Neustadt in Westpreußen. Danzig 1872, S. 197–204. 1783 ≈700 sämtlich Deutsche, evangelischer oder katholischer Konfession, in 130 WohnhäusernJohann Friedrich Goldbeck: Volständige Topographie des Königreichs Preussen. Teil II, Marienwerder 1789, S. 53–54, Nr. 4. 1802 921 Alexander August Mützell und Leopold Krug: Neues topographisch-statistisch-geographisches Wörterbuch des preussischen Staats. Band 5: T–Z, Halle 1823, S. 346–347, Ziffer 482. 1810 1107 1816 1021 davon 297 Evangelische, 693 Katholiken und 31 Juden 1821 1380 1827 1363 Hans Prutz: Geschichte des Kreises Neustadt in Westpreussen, Danzig 1872, S. 171. 1831 1690 August Eduard Preuß: Preußische Landes- und Volkskunde. Königsberg 1835, S. 411–412, Nr. 27. 1845 1800 Universal-Lexikon der Gegenwart und Vergangenheit (H. A. Pierer, ed.), 2nd edition, Vol. 19, Altenburg 1845, S. 407, Nr. 14. 1852 2699 Kraatz (Hrsg.): Topographisch-statistisches Handbuch des Preußischen Staats. Decker, Berlin 1856, S. 423 (Google Books). 1867 3715 am 3. Dezember 1871 4144 am 1. Dezember, davon 1677 Evangelische, 2282 Katholiken, 17 sonstige Christen und 168 Juden Königliches Statistisches Bureau: Die Gemeinden und Gutsbezirke der Provinz Preussen und ihre Bevölkerung. Nach den Urmaterialien der allgemeinen Volkszählung vom 1. December 1871 bearbeitet und zusammengestellt. Berlin 1874, S. 388–389, Ziffer 1. 1875 4506 1880 4715 1890 5546 davon 2336 Protestanten, 3039 Katholiken und 160 JudenBrockhaus’ Konversations-Lexikon, 14. Auflage, Band 12, Berlin und Wien 1894, S. 289, Nr. 32 (240 Polen) 1905 8389 davon 3044 Protestanten, 5171 Katholiken, 26 andere Christen und 148 Juden;Handbuch der historischen Stätten, Ost und Westpreußen, Kröner, Stuttgart 1981, ISBN 3-520-31701-X, S. 157. nach anderen Angaben 8390 Einwohner, darunter 3160 Evangelische und 149 JudenMeyers Großes Konversations-Lexikon. 6. Auflage, Band 14, Leipzig/Wien 1908, S. 578–580, Ziffer 21. 1910 9804 am 1. Dezember, davon 6970 mit deutscher Muttersprache (3195 Evangelische, 3610 Katholiken, 142 Juden), 394 mit polnischer Muttersprache (393 Katholiken) und 2421 mit kaschubischer Muttersprache (drei Evangelische, 2418 Katholiken) Königlich Preußisches Statistisches Landesamt: Gemeindelexikon der Regierungsbezirke Allenstein, Danzig, Marienwerder, Posen, Bromberg und Oppeln. Auf Grund der Volkszählung vom 1. Dezember 1910 und anderer amtlicher Quellen. Heft 2: Provinz Westpreußen, Regierungsbezirk Danzig. Berlin 1912, S. 36–37, Ziffer 1 Neustadt in Westpreußen, in: Meyers Gazetteer (mit Eintrag aus Meyers Orts- und Verkehrslexikon, Ausgabe 1912, und alter Landkarte der Umgebung von Neustadt). 1921 8786 , davon 1800 DeutscheDer Große Brockhaus, 15. Auflage, Band 13, Leipzig 1932, S. 329, Nr. 19. 1943 16.490

+ Bevölkerungsentwicklung seit 1945 Jahr Einwohnerzahl Anmerkungen 1948 13.400 1960 24.500 1980 42.400 2000 46.200 2012 50.258 Stand vom 30. Juni 2012http://www.stat.gov.pl/cps/rde/xbcr/gus/l_ludnosc_stan_struktura_30062012.pdf

Stadtgliederung Die Stadt Wejherowo besteht aus folgenden Stadtteilen: Polnischer Name Kaschubischer Name Deutscher NameDzielnica Zachodnia Nanice Nańc NanitzŚmiechowo Smiechòwò SchmechauŚródmieście Stadtmitte

Politik Stadtpräsident An der Spitze der Stadtverwaltung steht der Stadtpräsident. Seit 1998 dies Krzysztof Hildebrandt, der mit seinem eigenen Wahlkomitee antritt. Die turnusmäßige Wahl im April 2024 führte zu folgenden Ergebnis:Ergebnis auf der Seite der Wahlkommission, abgerufen am 17. Juli 2024. Krzysztof Hildebrandt (Wahlkomitee „Ich bevorzuge Krzysztof Hildebrandt für Wejherowo“) 43,5 % der Stimmen Marcin Bulczak (Koalicja Obywatelska) 39,0 % der Stimmen Wojciech Wasiakowski (Wahlkomitee „Gerechtigkeit für die Menschen von Wejherowo“) 17,5 % der Stimmen Tomir Ponka (Prawo i Sprawiedliwość) 11,1 % der Stimmen

In der damit notwendigen Stichwahl wurde Amtsinhaber Hildebrandt mit 52,3 % der Stimmen gegen den KO-Kandidaten Bulczek wiedergewählt.

Die turnusmäßige Wahl im Oktober 2018 führte zu folgenden Ergebnis:Ergebnis auf der Seite der Wahlkommission, abgerufen am 15. September 2020. Krzysztof Hildebrandt (Wahlkomitee „Ich bevorzuge Krzysztof Hildebrandt für Wejherowo“) 55,7 % der Stimmen