mini|Robert K. Kraft, 2012

Robert Kenneth Kraft (* 5. Juni 1941 in Brookline, Massachusetts) ist ein US-amerikanischer Sportfunktionär und der Eigentümer des Gillette Stadium in Foxborough, Massachusetts, sowie der dort beheimateten Mannschaften New England Patriots (NFL) und New England Revolution (MLS).

Kraft ist Besitzer der in der Papier- und Verpackungsindustrie tätigen Unternehmensgruppe The Kraft Group, einer diversifizierten Holdinggesellschaft mit Vermögenswerten in den Bereichen Papier- und Verpackung, Sport und Unterhaltung, Immobilienentwicklung und einem privaten Beteiligungsportfolio. Kraft ist weiterhin Eigentümer der von ihm 1996 gegründeten New England Revolution in der Major League Soccer (MLS), sowie der 2017 gegründeten E-Sport-basierten Boston Uprising. Im Jahr 2011 wurde er in die American Academy of Arts and Sciences gewählt. Im September 2026 betrug sein Vermögen 15,2 Milliarden US-Dollar.

Leben Kraft wurde in Brookline (Massachusetts) geboren. Sein Vater – Harry Kraft, ein Bekleidungshersteller in Bostons Chinatown – war ehrenamtlicher Leiter der jüdischen Gemeinde Kehillath Israel in Brookline und wollte, dass sein Sohn Rabbiner werde. Seine Mutter, Sarah Bryna (Webber) wurde in Halifax, Nova Scotia, geboren. Die Krafts waren praktizierende orthodoxe Juden. Robert wuchs in Brookline auf und besuchte die Edward Devotion Schule. 1959 schloss er die Brookline High School als Präsident der Abschlussklasse ab. Als Kind verkaufte er Zeitungen vor dem Braves Field in Boston. Während der High School konnte Kraft an vielen sportlichen Aktivitäten nicht teilnehmen, weil diese mit seinem Hebräischunterricht oder dem Sabbat zusammenfielen.

Kraft besuchte die Columbia-Universität, wo er Jahrgangssprecher war. Dies wurde ihm durch ein akademisches Stipendium ermöglicht. Während seiner Zeit an der Universität trat Kraft der Zeta Beta Tau Studentenverbindung bei und war Runningback und Safety in Football-Teams. Während dieser Zeit wohnte er in Carman Hall. Am 2. Februar 1962 traf Kraft Myra Hiatt in einem Delikatessenladen in Bostons Back Bay. Sie heirateten im Juni 1963. Im selben Jahr erhielt Kraft seinen Universitätsabschluss. 1965 erhielt er einen Master of Business Administration (MBA) an der Harvard Business School.

Im Alter von 27 Jahren wurde Kraft zum Vorsitzenden des Newton Democratic City Committee gewählt. 1970 zog er in Betracht, bei den Vorwahlen gegen den demokratischen Kongressabgeordneten Philip J. Philbin zu kandidieren, entschied sich aber dagegen, da ein Eintritt in die Politik eine Belastung für die Familie und einen Verlust der Privatsphäre bedeutet hätte. Auch der Selbstmord des befreundeten demokratischen Abgeordneten H. James Shea, Jr. schreckte ihn ab, in die Politik zu gehen.

Geschäftskarriere Kraft begann seine Karriere mit der Rand-Whitney Group, einer Verpackungsfirma in Worcester, welche von seinem Schwiegervater Jacob Hiatt geführt wurde. 1968 kaufte er die Firma und ist immer noch ihr Vorsitzender. 1968 erlangte er durch eine fremdfinanzierte Übernahme die Kontrolle über das Unternehmen. 1972 gründete er International Forest Products. Gemeinsam bildeten die beiden Firmen die größten privaten Papier- und Verpackungsunternehmen in den USA. Kraft gab an, dass er das Unternehmen aufgrund einer Ahnung gründete, dass das Wachstum der internationalen Kommunikation und des Transports zu einer Expansion des globalen Handels im späten zwanzigsten Jahrhundert führen werde.

1997 wurde International Forest Products als einer der besten 100 Exporteure und Importeure ausgezeichnet. 2013 wurde das Unternehmen in dieser Kategorie im Journal of Commerce auf Platz 20 gelistet. 1991 sagte Kraft über das Geschäft: „Wir arbeiten für viele Unternehmen, einschließlich Avon Products, Kodak, Kosmetik Firmen, Süßigkeiten und Spielzeug.“ Das Unternehmen produzierte beides, Wellkarton und Faltschachteln „welche dazu gebraucht werden, um alles Mögliche von einer Rakete über Minztabletten bis zu Estée Lauder, Indianer Glas und Polaroids zu verpacken“. Kraft hatte auch Interesse an anderen Geschäftsfeldern und gründete schließlich die Kraft Group im Jahr 1998.

Kraft investierte in die New England Television Corp., welche 1982 die Kontrolle über WNAC-TV übernahm. 1983 wurde Kraft Vorstandsmitglied und der Sender wurde zu WNEV-TV. 1986 wurde er zum Vorstandsvorsitzenden. 1991 nahm Kraft die Möglichkeit wahr, seine Aktien für geschätzte 25 Millionen USD zu verkaufen.

Sportteams Boston Lobsters und erste Gebote für Sportteams 1974 kauften Kraft und fünf Partner die Boston Lobsters der World Team Tennis (WTT) Serie. Die Gruppe investierte viel, um einige sehr gute Spieler zu verpflichten, unter anderem Martina Navrátilová. Dadurch wurden die Lobsters zu einem der besten Teams im WTT. Am Ende der Saison 1978 machte Kraft bekannt, dass das Team aufgelöst würde; auch die Liga selber wurde kurz danach geschlossen.

Nachdem die Lobsters aufgelöst wurden, versuchte Kraft zweimal die New England Patriots zu kaufen. Das erste Mal im Jahr 1988 von der bankrotten Sullivan Familie. Außerdem war er ein Bieter für die Boston Red Sox und die Boston Celtics.

New England Patriots Als Patriot-Fan hatte Kraft ab 1971 immer ein Saisonticket, seit das Team in das damalige Schaefer Stadion umgezogen war. 1985 kaufte Kraft eine zehnjährige Option auf den Foxboro Raceway, eine Pferderennbahn angrenzend an das Stadion. Dieser Kauf hinderte den Eigentümer der Patriots, Billy Sullivan, daran, während der Rennen im Stadion Events zu veranstalten, die nichts mit den Patriots zu tun hatten. Zwar gehörte den Sullivans das Stadion, aber nicht das umliegende Land, und diesen Umstand nutzte Kraft aus. Dies war der Beginn des Kampfes um das Stadion und auch die Patriots selbst. Die Sullivans hatten eine Reihe von Fehlinvestitionen, vornehmlich The Jackson Five 1984 Victory Tour, für welche sie das Sullivan Stadion als Sicherheit verpfänden mussten. Diese Probleme zwangen Sullivan letztendlich dazu, im Jahr 1988 die Mehrheitsanteile an Victor Kiam zu verkaufen. Dennoch musste für das Stadion schließlich Insolvenz angemeldet werden.

1988 überbot Kraft mehrere Konkurrenten, einschließlich Kiam, und kaufte das Stadion für 22 Millionen USD vom Insolvenzgericht. Das Stadion wurde allgemein als veraltet und wertlos angesehen, allerdings enthielt der Zuschlag nicht nur das Stadion selbst, sondern auch den Mietvertrag mit den Patriots, der bis 2001 lief. Dieser Mietvertrag hatte Gültigkeit und beendete Sullivans drei Jahrzehnte andauernde Verbindung mit den Patriots. Kraft gab auch ein Angebot für die Patriots-Franchise ab, aber er verlor die Ausschreibung an Victor Kiam. Als Sullivan und Kiam versuchten, die Patriots nach Jacksonville umzusiedeln, verhinderte Kraft die Auflösung des Mietvertrags. Fehlinvestitionen zwangen Kiam dann, die Patriots an James Orthwein zu verkaufen.

Seit Orthwein das Team im Jahr 1992 gekauft hatte, gab es ständig Gerüchte darüber, dass er die Patriots nach St. Louis umsiedeln wollte. Orthwein bot Kraft 75 Millionen USD, um die Patriots aus dem noch laufenden Mietvertrag am neu benannten Foxboro Stadion freizukaufen. Hätte Kraft dieses Angebot akzeptiert, wäre die letzte große Hürde zur Umsiedlung des Teams überwunden worden. Allerdings lehnte Kraft das Angebot ab.

Nach 1994 war Orthwein nicht mehr daran interessiert, das Team langfristig in Neuengland weiter zu führen und entschied sich zum Verkauf. Aufgrund der Konditionen des laufenden Mietvertrags musste sich jeder zukünftige Käufer mit Kraft auseinandersetzen. Mit dieser Tatsache im Hinterkopf bot Kraft 172 Millionen USD für das Team und Orthwein akzeptierte. Zu diesem Zeitpunkt war dies der höchste Preis, der jemals für ein NFL-Team bezahlt wurde. Der spätere Besitzer der Los Angeles Rams, Stan Kroenke, hatte zwar mehr Geld geboten (200 Millionen Dollar), doch hätte Orthwein alle Umzugskosten des Teams tragen müssen. Orthwein wäre auch für die Kosten eines Rechtsstreits um den Pachtvertrag verantwortlich gewesen, da Kraft verlauten ließ, dass er vor Gericht gehen würde, um die Vereinbarung durchzusetzen. Jahre später erzählte Kraft, dass es seine Leidenschaft für die Patriots war, die ihn dazu brachte, jede seiner finanziellen Regeln zu brechen. Er erklärte auch, dass er immer ein Poster der Victory Tour unter seinen Andenken hat als Erinnerung, dass sie es ihm ermöglicht hatte, seinen großen Traum zu erfüllen und Eigentümer eines Major League Teams zu werden.

Nachdem auch die NFL ihre Zustimmung zu dem Verkauf gab, waren die Patriots Heimspiele für die komplette Saison 1994 ausverkauft, dies war der erste komplette Ausverkauf in der Geschichte des Teams. Jedes Heimspiel (inklusive Vorsaison, Hauptsaison und Playoffs) war seither ausverkauft.

1998 überlegte Kraft, ob er die Patriots nach Hartford in Connecticut umsiedeln sollte, nachdem der Staat Connecticut angeboten hatte, ein neues Stadion in der Innenstadt von Hartford zu finanzieren. Am 30. April 1998 stornierte Kraft diesen Vertrag kurz bevor er bindend wurde und entschied sich stattdessen, mit der Unterstützung des Commonwealth Massachusetts Infrastrukturförderprogramms ein neues Stadion in Foxborough zu bauen.

2002 wurde ein 350 Millionen USD teures, durch Kraft privat finanziertes Stadion für die Patriots gebaut, welches ursprünglich CMGI Field genannt wurde (später wurde es in Gillette Stadion umbenannt). 2007 begann Kraft damit, das umliegende Land des Gillette Stadions zu erschließen, und baute für 375 Millionen USD ein Einkaufs- und Entertainmentzentrum mit dem Namen Patriot Place. Dies bestand aus „The Hall at Patriot Place presented by Raytheon“, einem mehrstöckigen Museum mit Ruhmeshalle, welche an das Stadion angebaut wurden, und der „CBS Scene“, einem CBS-Themenrestaurant.

Am 27. Januar 2000 tauschte Kraft einen Draft Pick der ersten Runde mit den New York Jets gegen die Rechte, Bill Belichick als Cheftrainer zu verpflichten. Der Tausch wurde damals kritisiert, erwies sich aber als erfolgreich, nachdem Belichick die Patriots zum Gewinn von sechs Super-Bowl-Meisterschaften und neun Conference- und 16 Divisions-Titeln geführt hatte. Der Beziehung zwischen Kraft, Belichick und Brady wird die Entstehung einer der erfolgreichsten Sportdynastien im Football zugeschrieben, obwohl in späteren Jahren die persönliche Beziehung zwischen den drei Männern angespannt war.

In Krafts Eigentum erlebten die Patriots einen Neuanfang und anhaltenden Erfolg. Während sie es unter den Eigentümern Sullivan zwar zum Super Bowl XX schafften, war dies aber nur einer von sechs Playoff-Auftritten in 34 Jahren. Seit Kraft das Team kaufte, schafften sie es allerdings schon 18-mal in die Playoffs innerhalb von 23 Jahren. In den 27 Jahren, in denen Kraft Eigentümer ist, haben sie jedoch 21 Mal die Playoffs erreicht. Sie gewannen den AFC East Titel in den Jahren 1996, 1997, 2001, 2003, 2004, 2005, 2006, 2007, 2009, 2010, 2011, 2012, 2013, 2014, 2015, 2016, 2017 und 2018. Sie haben 19 AFC-East-Titel gewonnen, darunter alle bis auf drei seit 2001 und 11 in Folge von 2009 bis 2019. Sie repräsentierten die AFC im Super Bowl in den folgenden Spielzeiten: 1996 (verloren), 2001 (gewonnen), 2003 (gewonnen), 2004 (gewonnen), 2007 (verloren), 2011 (verloren), 2014 (gewonnen), 2016 (gewonnen), 2017 (verloren) und 2018 (gewonnen).

Die Patriots beendeten die Spielzeiten in den Jahren 2003, 2004, 2010 und 2016 mit 14-2 Spielgewinnen, nachdem sie, bevor Kraft das Team kaufte, nie mehr als 11 Spiele gewonnen hatten. Sie beendeten die Saison im Jahr 2007 mit 16-0, bevor sie im Super Bowl XLII gegen die New York Giants verloren.

Kraft war einer der Hauptverantwortlichen in den NFL Tarifverhandlungen im Jahr 2011. Jeff Saturday, Repräsentant der NFLPA, lobte Kraft für seine Rolle während der Verhandlungen und sagte über ihn: „Ohne ihn wäre diese Vereinbarung nicht zustande gekommen, er ist ein Mann, der uns geholfen hat den Football zu retten.“