Der DJN – Jugendbund für Naturbeobachtung, ehemals Deutscher Jugendbund für Naturbeobachtung (DJN)Der Website und dem öffentlichen Auftreten des DJN (Instagram etc.) zu entnehmen. ist ein Jugendverein in Deutschland. Als primärer Zweck des Vereins wird die gegenseitige Vermittlung von Wissen über Artenvielfalt und Ökologie betrachtet. Der DJN wird von seinen Mitgliedern, die zwischen 12 und 27 Jahren alt sind, ehrenamtlich selbst organisiert.

Zahlreiche Projekte von DJN-Projektgruppen haben hochdotierte Preise gewonnen. Der DJN ist außerdem Gründungsmitglied der Jugendaktion Natur- und Umweltschutz Niedersachsen (JANUN) und des internationalen Zusammenschlusses Youth and Environment Europe (YEE).

Aktivitäten und Ziele mini|Insektenkundliche Exkursion. Zu Erkennen sind Kescher und ein Klopfschirm. mini|Eine Libelle wird anhand des DJN-Bestimmungsschlüssels bestimmt Im Vergleich zu anderen Umweltorganisationen sind mehrere Schwerpunkte erkennbar: Beim DJN stehen Naturkunde und Artenkenntnis im Fokus. Dies erfolgt über gemeinsame Exkursionen und die Veröffentlichung von Bestimmungsliteratur. Die gegenseitige Vermittlung vom Wissen wird in der Selbstdarstellung des DJN mehrfach betont. Außerdem geht es dem DJN darum, Hierarchien abzubauen, selbstorganisiert zu arbeiten und basisdemokratisch zu entscheiden. Das äußert sich auch darin, dass die Mitgliedschaft und damit die Möglichkeit zur Mitgestaltung mit dem Erreichen des 27. Lebensjahres endet. So werden festgefahrene Strukturen und eine Überalterung des Vereins vermieden. Junge Mitglieder bekommen die Chance, Verantwortung zu übernehmen. Der DJN fördert die Entwicklung von jungen Persönlichkeiten im Sinne der Jugendarbeit. Der DJN ist auch politisch aktiv und fühlt sich den Werten des Antifaschismus verbunden.

Publikationen mini|Verschiedene Ausgaben der Mitgliederzeitschrift "Lupe" Der DJN verlegt eigene Bestimmungsliteratur. Einige der Bestimmungsschlüssel des DJN sind inzwischen zu Standardwerken geworden. Die Bestimmungsschlüssel werden von Mitgliedern, ehemaligen Mitgliedern oder externen Experten geschrieben.

Seit 1960 erschienen jährlich die Naturkundlichen Jahrbücher des DJN, die ab 1978 durch die „Naturkundliche Beiträge des DJN (NaBei)“ abgelöst wurden. Die Reihe stellt eine niedrigschwellige Möglichkeit für junge Menschen dar, eine eigene wissenschaftliche Publikation zu veröffentlichen und wird bis heute unregelmäßig herausgegeben. Im DJN-Distrikt Hamburg wurden ab 1960 außerdem die Naturkundlichen Mitteilungen herausgegeben: bis in die 70er erschienen etwa 30 Ausgaben.

Darüber hinaus erscheint mehrfach jährlich die Mitgliederzeitschrift "Lupe", in der Seminarrückblicke veröffentlicht und über das aktuelle Vereinsgeschehen informiert wird.

Digitale Formate Während der Corona-Pandemie wurde eine Online-Vortragsreihe organisiert, da keine persönlichen Treffen und Exkursionen stattfinden konnten. 2021 fanden von Januar bin Juni wöchentlich Vorträge statt, nach einer Sommerpause wurde die Vortragsreihe in November und Dezember fortgesetzt. Bei den Vorträgen teilten DJN-Mitglieder Wissen und Erfahrungen zu verschiedenen Artengruppen und Naturkundethemen. Die Vorträge wurden nicht nur von Mitgliedern, sondern auch weiteren Interessierten gehört, so dass teilweise mehr als 100 Teilnehmer erreicht wurden.

Im Frühjahr 2021 startete der DJN-Podcast „Rauslauschen“. Bis Mitte 2022 erschienen 12 Folgen.

Veranstaltungen mini|Teilnehmer eines Segelseminares des DJN verlassen bei Niedrigwasser das Schiff für eine Wattexkursion. Das Kernstück des DJN ist die Veranstaltung der über das Jahr verteilt stattfindenden Lager und Seminare. Es handelt sich üblicherweise um einwöchige Veranstaltungen, meist in Deutschland, teilweise aber auch im Ausland. Die Übernachtung findet in geschlossenen Räumen oder in Zelten statt. Teilweise werden Räumlichkeiten von Schulen verwendet, wenn diese während der Schulferien leer stehen. mini|DJN-Mitglieder beobachten einen weiblichen Hirschkäfer Seminare können einmalig stattfinden, oder bereits eine gewisse Tradition haben (z. B. Segel-Seminare gemeinsam mit dem Windsbraut e. V.). Verbindlich jedes Jahr finden die beiden großen Lager, der Osterkongress und das Winterseminar (WiSe) statt. Der Osterkongress findet in der Regel in der Woche vor Ostern bis zum Ostermontag statt, das Winterseminar nach Weihnachten bis Neujahr (27.12.–02.01.). Zu beiden Lagern sind alle Vereinsmitglieder eingeladen. Beim Osterkongress werden traditionell alle Mitglieder verabschiedet („ausgesockt“), die bis zum Ostersonntag das 27. Lebensjahr erreicht haben.

Manche Veranstaltungen haben einen konkreten Themenschwerpunkt, andere sind offener gestaltet. Ein typischer Themenschwerpunkt kann eine Artengruppe sein, die gezielt beobachtet wird, um Bestimmungsmerkmale zu lernen, den Umgang mit der entsprechenden Bestimmungsliteratur zu üben und dabei auch etwas über die Biologie der Arten zu lernen. Auch die Umsetzung einer Naturschutzmaßnahme kann im Rahmen einer Veranstaltung geschehen, oder ein bestimmter Lebensraum (z. B. das Wattenmeer) steht im Fokus. Andere Seminare dienen mehr dem sozialen Austausch, wobei dennoch ein Bezug zur Natur besteht, etwa durch gemeinsame Wanderungen. Je nach persönlichem Interesse werden dabei auch verschiedene Arten bestimmt oder beobachtet. Es gibt auch Veranstaltungen zu umweltpolitischen Themen, ansonsten werden im Rahmen von anderen Treffen gelegentlich kleine Vorträge oder Workshops durchgeführt.

Ein typisches Element sind Abende am Lagerfeuer, sogenannte Sponti-Runden, bei denen durch Gitarren begleitet aus dem DJN-Liederbuch „Spontania“ gesungen wird.

Um an Veranstaltungen teilzunehmen, ist keine Mitgliedschaft erforderlich. Die Teilnehmer reisen aus ganz Deutschland oder dem nahen Ausland an.

Organisatorische Gliederung mini|Eine Gruppe von Jugendlichen singt aus der Sponti, dem Liederbuch des DJN. Der DJN existiert sowohl als deutschlandweit aktiver Verein als auch in verschiedenen Ortsgruppen. Die Mitgliedschaft ist nicht an eine Ortsgruppe gebunden. In den Ortsgruppen finden Gruppenabende und Exkursionen in die nähere Umgebung statt.

2021 existieren folgende Ortsgruppen: Freiburg Bonn/Rhein-Sieg Marburg Göttingen Brandenburg-Berlin Oldenburg Hamburg Der Verein wird bundesweit von einem Hauptvorstand (HV) vertreten, der sich mehrfach jährlich zu Sitzungen (HVS) trifft. Der HV wird von den Mitgliedern gewählt.

Geschichte Der DJN wurde am 22. Oktober 1950 in Lüneburg gegründet. Er ist in seiner Struktur und seiner Ausrichtung vom niederländischen NJN (Nederlandse Jeugdbond voor Natuurstudie) inspiriert, an den auch sein Name angelehnt ist.

Die erste DJN-Gruppe geht auf den späteren Naturfilmer Henry Makowski und seine Jugendgruppe "Häher" zurück. Im gleichen Jahr nahm auch die Ornithologische Interessengemeinschaft Hamburg-Volksdorf den Namen des DJN an und wurde so zu einer der ersten Ortsgruppen. Bald darauf entstanden weitere Gruppen in Hamburger Bezirken. Hier lernten sich auch die späteren Gründunsgmitglieder der Schutzstation Wattenmeer, darunter ihr langjähriger Vorsitzender Gert Oetken (damals noch Vorsitzender des DJN), kennen. Ebenfalls 1962 von DJN-Mitglieder gegründet wurde der Arbeitskreis der Vogelschutzwarte Hamburg (AKVSW). Auch in Flensburg schloss sich die Jugendgruppe des dortigen Vogelschutzvereins bald dem DJN an. Schon aus den ersten Programmheften sind die wesentlichen Veranstaltungsformen, die den DJN noch heute prägen, belegt; dazu zählen naturkundliche Wanderungen, Radtouren sowie Vorträge zu naturkundlichen Themen. Auch Zeltlager ("Seminare"), die den DJN heute ausmachen, fanden bereits damals statt. Zu Beginn der 60er Jahre war der DJN schließlich kein norddeutsches Phänomen mehr, sondern in ganz Westdeutschland bis nach Bayern mit Ortsgruppen vertreten.

Bereits vor der Gründung bestand Kontakt zu ähnlichen Jugendverbänden in Europa. Zuerst zum NJN, den Henry Makowski und Karl Gerlicher auf dessen Einladung besuchten, in den folgenden Jahren u. a. zu Gruppen aus Schweden (Fältbiologerna), Finnland (Luonto-Litto) und später Österreich (ÖNJ). Aus dem Austausch der Jugendgruppen gingen bald internationale Zeltlager, die sogenannten Intercamps hervor. Bereits beim 2. Intercamp 1952 in Belgien nahm der DJN Teil, bevor er 1955 Gastgeber des 5. Intercamps auf Fehmarn wurde. Daraufhin folgte bereits 1956 die gemeinsame und von der IUCN unterstütze Gründung der International Youth Federation for the Study and Protection of Nature (IYF), aus der später das Jugendnetzwerk Youth and Environment Europe (YEE) hervorging.

In den 80er Jahren waren DJN-Mitglieder insbesondere im Hamburger Raum umweltpolitisch und aktivistisch aktiv. Zur Koordination gemeinsamer Aktionen hatte man sich 1979 mit verschiedenen anderen Hamburger Jugendumweltvereinen zur Arbeitsgemeinschaft Hamburger Jugendverbände für Natur- und Umweltschutz (AGJNU) zusammengeschlossen. In diesem Rahmen beteiligten sich DJN-Mitglieder u. a. an der Freien Republik Wendland und am Texaco-Boykott, bei dem auch die Ölbohrinsel auf Mittelplatte besetzt wurde.

Der DJN war zwischenzeitlich Mitglied im ebenfalls 1950 gegründeten Deutschen Naturschutzring (DNR), den er allerdings 1983 aufgrund "mangelnder Konsequenz im Natur- und Umweltschutz" verließ. Damit ist der DJN einer von nur unabhängigen 6 Vereinen, die jemals aus dem DNR austraten.

1989 gründete der DJN-Distrikt Niedersachsen zusammen mit den niedersächsischen Abteilungen der BUNDjugend und NAJU den JANUN e.V., in dem er bis heute Mitglied ist.

Zu seinem 75. Jubiläum auf dem Osterkongress 2025 benannte sich der bis daher unter dem Namen "Deutscher Jugendbund für Naturbeobachtung" bekannte Verein in "DJN - Jugendbund für Naturbeobachtung" um.

Publikationen Harald Hauser, Karin Voigtländer: Doppelfüßer (Diplopoda) Ostdeutschlands: Bestimmung, Biologie und Verbreitung. 2. Auflage. 2009, . (Alle Diplopodenarten Ost- und Norddeutschlands mit Bestimmungsschlüssel, Artportraits, Verbreitungskarten) Anke Dücker, Heiko Schmüser, Katja Heubel: Laufkäfer. 4. Auflage. 2006, ISBN 3-923376-18-9. (Bestimmungsschlüssel für alle Gattungen) Peter Glöer, Claus Meier-Brook: Süßwassermollusken. ein Bestimmungsschlüssel für die Bundesrepublik Deutschland. 13. Auflage. 2003, ISBN 3-923376-02-2. B. Wandke, O. Müller: Gewölle: Bestimmungsschlüssel – Wirbeltiere in Gewöllen der Schleiereule (Tyto alba). 2002, ISBN 3-923376-23-5. Nele Wellinghausen: Farnpflanzen. 1997, ISBN 3-923376-13-8. (Bestimmungsschlüssel für alle heimischen Farne, Bärlappartigen und Schachtelhalme) Arne W. Lehmann, Johann Hendrik Nüß: Libellen: Bestimmungsschlüssel für Nord- und Mitteleuropa. 6. Auflage. 2015, ISBN 978-3-923376-15-5. Bestimmungsschlüssel für die Faltenwespen (Hymenoptera: Masarinae, Polistinae, Vespinae) der Bundesrepublik Deutschland. 3. Auflage. 2004, ISBN 3-923376-17-0. Hans Stökl, Rudolf Völker: Bestimmungsschlüssel für Amphibien und Reptilien. 29. Auflage. DJN, Hamburg 2007, ISBN 978-3-923376-00-1. Mauss, Volker: Bestimmungsschlüssel für die Hummeln der Bundesrepublik Deutschland. 6. Auflage. 1996, ISBN 3-923376-10-3. Spontania. Liederbuch des DJN. 12. Auflage. 2007, .

Siehe auch Liste von Jugendorganisationen in Deutschland

Weblinks

DJN – Jugendbund für Naturbeobachtung DJN-Ortsgruppe Göttingen im Göttinger Umwelt- und Naturschutzzentrum (GUNZ)

Einzelnachweise Deutscher Jugendbund für Naturbeobachtung. In: Natur und Landschaft, Sonderausgabe 2022 „Naturschutzarbeit in Deutschland“. S. 44 DJN (2020): Deutscher Jugendbund für Naturbeobachtung – DJN. In: Natur und Landschaft, Sonderausgabe 2020 „Naturschutzarbeit in Deutschland“. S. 42 DJN (2019): Deutscher Jugendbund für Naturbeobachtung – DJN. In: Natur und Landschaft, Sonderausgabe 2019 „Naturschutzarbeit in Deutschland“. S. 46 DJN (2018): Deutscher Jugendbund für Naturbeobachtung – DJN. In: Natur und Landschaft, Sonderausgabe 2018 „Naturschutzarbeit in Deutschland“. S. 46